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Türkei: Finanzmärkte versinken im Chaos der Hyperinflation – Börsenhandel angehalten

Finanzmärkte derTürkei im Chaos

Die Türkei versinkt immer mehr im Chaos, nachdem die türkische Lira seit Monaten kollabiert! Der Sinkflug der Lira – Dollar-Lira stand im Februar diesen Jahrtes noch bei der Marke von 7, heute ist die Marke von 17 überboten worden – stürzt nun auch andere türkische Märkte in Turbulenzen.

So stieg die Rendite der 10-jährige türkischen Staatsanleihe mit über 22,8% auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2010 – kein Wunder angesichts der kollabierenden Währung der Türkei.

Türkei: jetzt erwischt die Hyperinflation auch den Aktienmarkt

Nun aber erwischt es auch den Aktienmarkt in der Türkei. Der türkische Leitindex BIST ist nun bereits zweimal vom Handel ausgesetzt worden, nachdem der Index -7% gefallen war. Nachdem der Handel dann nach einer Pause durch einen circuit braker wieder aufgenommen wurde, geht es weiter bergab – der BIST verliert -9%, vor allem türkische Banken sind unter Druck:

Dabei war der türkische Leitindex vor allem seit Oktober, also seit sich die Abwertung der türkische Lira durch die erratische Politik (Senkung der Zinsen trotz steigender Inflation) Erdogas beschleunigt hatte, massiv gestiegen: von 1590 Punkten am 19.Oktober auf knapp über 2500 Punkte gestern:

Leitindex der Türkei BIST

Chart: Investing.com

Solche Kursentwicklungen sind nicht ungewöhnlich: Aktien sind Sachwerte – diese steigen in der Regel im Wert einer Währung, die so dramatisch abwertet wir wie die Lira. Ähnliche, sogar noch krassere Entwicklungen haben wir etwa beim Aktienmarkt in Venezuela erlebt.

Aber plötzlich scheinen auch die Aktienmärkte in der Türkei zu realisieren, dass Hyperninflation keine wirklich gute Sache ist:

All das ist nicht erstaunlich: der Kollaps der Lira bringt die Banken in der Türkei unter Druck, türkische Unternehmen sind mit mehr als 240 Milliarden Dollar in Fremdwährungen verschuldet (mehr als ein Drittel des BIPs der Türkei): durch die Abwertung der Lira werden diese Schulden immer drückender. Der Wirtschaft geht es immer schlechter – das müssen irgendwannn auch die Aktienmärkte reflektieren!

Viele türkische Firmen müssen ihre Lieferanten inzwischen in Fremdwährungen bezahlen, weil diese die Lira nicht mehr akzeptieren. Dadurch steigen die Kosten der Unternehmen weiter – diese gestiegenen Kosten versuchen die Unternehmen an die Bevölkerung weiter zu reichen. Viele Menschen in der Türkei erleben dadurch, dass ihre Kaufkraft immer mehr schwindet, die Unzufriedenheit der Bevölkerung wächst daher stetig.

Erdogan: Kredite für alle!

Die Türkei hat spätesten seit der Machtübernahme von Erdogan ein großes, wahrscheinlich zu großes Rad gedreht. Erdogan sorgte dafür, dass die Bevölkerung an Kredite kam – ein zentraler Grund für seine dauerhafte Herrschaft. Aber die Türken haben dadurch eine hohe Privatverschuldung aufgebaut, nicht selten in Fremdwährungen wie dem Dollar.

Wie viele charismatische Führer bestach also auch Erdogan die Bevölkerung: ihr könnte euch endlich etwas leisten, und sei es eben auf Pump. Die Türkei, das zeichnete sich schon seit Jahren ab, war das schwächste Glied in einer Kette: wenn diese Politik „alles für alle“ nicht mehr funktioniert, kommt es zum Knall. Es sieht so aus, als erlebe die Türkei eine Explosion in Zeitlupe!



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9 Kommentare

  1. Droht der EU am Ende ein ähnliches Szenario?

  2. In sehr harten Zeiten ist die Hartwährung Gold oder Betongold noch am besten.
    Wenn das eigene Land kollabiert wäre es geschickter in Ausländische Aktien zu investieren als in inländische weil durch die Währungskrise ja auch die eigenen Firmen/Banken zerstört werden.

    Krypto wäre noch eine Alternative wäre mir allerdings noch nicht erprobt genug, wäre mir auch für meine Ersparnisse zu volatil.

    Für das Land selbst wäre es am besten die Regierung auszutauschen und die Zinsen anzuheben und das am besten sofort.

    1. @ LookOut

      „… die Regierung auszutauschen und die Zinsen anzuheben und das am besten sofort.“

      Das hört sich nach einen vernünftigen Plan für die EU an ;-)

      1. Das nennt man „Diebstahl des Staates auf Raten.“ Anscheinend hat Erdogan wieder einen Deal gemacht, um die Lira abzuwerten. Was Erdogan jedoch unterschätzt ist, dass das zwangsläufig zum Aufstand der Bevölkerung führt, wenn deren Vermögenswerte und Existenzgrundlagen wegschmelzen.

  3. Interessanterweise funktioniert dieses ausgelutsche und destruktive Schema populistischer, ich korrigiere: charismatischer, Führer immer wieder aufs Neue. Egal, wie oft und intensiv und offensichtlich diese verlogenen Egomanen ihr Volk wieder und wieder zum eigenen Vorteil betrügen, ihr Land und ihre Wirtschaft an den Abgrund manövrieren. Wird man jemals endlich konsequente Lehren ziehen aus dem Komplettversagen der Trumps, Erdogans, Johnsons, Putins, Bolsonaros, Orbans, Kurz-und-Straches, um nur einmal ein paar ausgewählte Narren aus der jüngsten Historie zu nennen?

    Vermutlich nicht, denn nach einem Regierungswechsel stehen die Nachfolger vor einem gigantischen Scherbenhaufen innerhalb eines verfilzten Netzwerks von Korruption, Bürokratie und Juristerei, der sich in einer Regierungsperiode nicht im Ansatz aufräumen lässt. Doch spätestens nach 100 Tagen Schonfrist zünden die „Kritiker“ ihre neuen PR- und Schmutzkampagnen. Bei frisch gebackenen Oppositionspolitikern beginnt die Schlammschlacht schon, während sie noch für Monate geschäftsführend im Amt sind und sich quasi selbstkritisch ad absurdum führen.

    1. @Michael, das ist eine interessante Auflistung von internationalen rechtspopulistischen und kriminellen Spitzenpolitikern, gegen die massive Ermittlungen wegen Steuerbetrugs, Amtsmissbrauchs, Korruption und Schlimmeres laufen.

      Besonders vor dem Hintergrund eines kürzlich veröffentlichten Kommentars von Rookie und Sockenpuppe @Olaf Lieber, der gegen unbequeme Politiker wegen Lappalien im Lebenslauf gerne sofort staatsanwaltschaftliche Ermittlungen einleiten würde und der vom Niedergang von Moral und Ethik bei einigen verantwortlich handelnden Politikern schwadroniert. Gleiches Recht für alle, denn wie der liebe Olaf so schön sagt: „Da steckt ein amerikaniscger [sic!] Geheimdienst dahinter.“

      https://finanzmarktwelt.de/gaspreis-gas-steigt-dramatisch-baerbock-hilft-220108/

    2. Dieser Erdogan ist ein Unglück für die Türkei und seine Menschen.
      Er lässt seine Verwandten gut leben und saugt das Land aus…

      Dieser Typ ist wie ein tollwütiger Hund, er gehört sofort abgeknallt…

  4. Für Analphabeten und Fremdsprachige ist es eine Genugtuungzu sehen,,dass auch deren Kritiker ausgelutsche Flüchtigkeitsfehler machen können.

    1. @Korrektor, Ihr persönlicher Kreuzzug gegen 3, 4 einzelne Leser ist sowas von peinlich und nervt langsam. Haben Sie auch irgendwann mal was zur Sache zu sagen, oder wollen Sie hier einfach nur Forenpolizei spielen?

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