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Türkei: High Noon um die Zentralbank – morgen ist ein extrem wichtiger Tag

Redaktion

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Präsident Erdogan hat die Wahl gewonnen, seinen Schwiegersohn zum Finanzministser gemacht, und er kann den Zentralbank-Chef der Türkei nun direkt ernennen und austauschen. Und Erdogan hat in den letzten Monaten immer wieder klar gemacht: Er will fallende Zinsen sehen, damit Banken die türkische Wirtschaft mit günstigen Krediten versorgen zu können. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar. Aber das ist nicht alles. Auch hat Erdogan jüngst klar gemacht die Zentralbank stärker kontrollieren zu wollen.

Aber dem Wunsch nach fallenden Zinsen entgegen stehen die explodierenden Preise in der Türkei. Von Mai (12,15%) sprang die Inflation im Jahresvergleich auf wahnsinnige 15,39% – der höchste Stand seit 15 Jahren! Der Grund dafür ist vor allem die schwache türkische Lira. Waren aus dem Ausland werden in der Türkei somit immer teurer. Je mehr der internationale Devisenmarkt davon ausgeht, dass Erdogan die Zentralbank entmachtet, desto eher ist die Lira anfällig für weitere Abwertungs-Spekulationen. Das sieht man daran, dass die Zentralbanker vor der Wiederwahl Erdogans die Zinsen angehoben hatten. Und dennoch schwächelt die Lira weiter (seit letzter Zinsanhebung Anfang Juni steigt Euro vs Lira von 5,39 auf 5,56).

Morgen nun wird das geldpolitische Komitee der türkischen Zentralbank in einer regulär angekündigten Sitzung eine neue Zinsentscheidung verkünden. Dies ist die erst Entscheidung nach Erdogans Wiederwahl. Allgemein wird erwartet, dass die Zentralbank der Türkei den Leitzins von derzeit 17,75% wohl um 1% anheben wird. Deswegen steigt die Lira aktuell gegenüber Freitag Abend von 5,60 auf 5,55 (Euro vs Lira fällt) – eine winzige Aufwertung für die Lira.

Sie geschieht in Voraussicht der steigenden Zinsen, wonach ein klein wenig mehr Kapitalfluss in Richtung Türkei stattfinden müsste. Aber wir tippen mal: Sollten morgen die Zinsen steigen, wird der Markt um so mehr zittern, ob Präsident Erdogan seine Wut nicht mehr zurückhalten kann. Entlässt er den Zentralbankchef einfach aus Wut? Wird ein neuer Zentralbanker installiert, der die Zinsen wieder senkt?

Das würde für die Lira womöglich einen starken Abwärtsruck bedeuten. Vor dieser Ungewissheit zögert der Devisenmarkt, wo man die Lira doch eigentlich etwas weiter hochziehen könnte bei weiter steigenden Zinsen. Mal sehen, was morgen und in den nächsten Tagen passiert. Morgen ist aber ein entscheidender Tag, an dem man sehen wird, ob die Zentralbanker sich von dem politischen Druck beeinflussen lassen, und vielleicht die Zinsen doch nicht anheben. Und es wird der erste echte Test für Präsident Erdogan nach seiner Wahl Ende Juni, mit noch nie da gewesener Machtfülle in der Türkei. Wird er sich zurückhalten, oder wird er seine neue Machtfülle nutzen?

Türkei - Euro vs Türkische Lira seit Ende Mai
Euro vs Türkische Lira seit Ende Mai.

Türkei-Präsident Erdogan
Präsident Erdogan.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    md

    23. Juli 2018 20:14 at 20:14

    hallo zuerst mal. wollte mal ein heiß diskutiertes thema ansprechen.
    der fall „mesut özil“.
    also ich kann nur sagen das für uns sunitische türken der vorhang der deitschen gefallen ist. nie hätte ich so etwas für möglich gehalten das ein foto mit einem präsidenten einen derartigen rechtsdruck auslöst bzw das quer beet von links nach rechts alle sich eins sind. ein foto mit einem präsidenten welcher mit einem mercedes kutschiert wird, wie alle akp minister. mit einem präsidenten unter dem viele deutsche investitionen in die türkei geflossen sind.
    und nun haben wir deutsche uns – dank unserer mainstream medien wieder bloß gestellt nicht nur in europa ich glaube gegenüber der ganzen welt. von wegen, durch dieses foto haben wir die wm vergeigt, hätten wir an ansehen verloren usw. die welt lacht gerade über uns. erdogan hat vor dem finale noch gepostet – entweder macht ihr uns freiwillig zum weltmeister oder ich lasse mich mit modric ( kroatien ) und pogba ( frankreich ) fotografieren – also würde nach deutschem verständnis niemand weltmeister.
    wie den auch sei – die politische bühne ist wieder mal absolut ekelig. wenn ich die grünen berichte wieder lese wirds mir schlecht und übel. zuerst gibt man jedem „grindel“ „bierhof“ und den medien recht. jetzt wo der özil seinen rücktritt erklärt und die gründe (rassistische äußerungen usw. ) wollen die grünen selbstverständlich auch die rücktritte dieser personen welcher man tage vorher noch recht gab. wie beschämend und nivealos kann eine partei nur sein. pfui pfui pfui.
    aber einen rechtsdruck merkt man durch alle parteien das ist fakt. der einzigste der kühlen kopf behalten hat war der jürgen klopp. hut ab vor diesem, von menschlichkeit edlen und natürlichen menschen.
    ich als bayern fan seid über 40 jahren kaufe mir auf jeden fall kein trikot mehr und die – welche ich besitze lege ich mal in den speicher – die aussage von uli hoeneß war für das amt das er inne hat auch beschämend. aber intelligent und gebildet habe ich ihn eh nie eingeschätzt.
    früher hatten wir in der grundschule witze gerissen zb. was haben die juden hinter sich und die ( sunitischen ) türken vor sich. es kommt sehr langsam aber es kommt glaube ich mal. und die grünen sind mittlerweile so weit links das sie rechts rausschauen.
    also ich und meine ganze familie (mittlerweile 7 familien ) und viele in unserem bekanntenkreis merken das wir nicht mehr ein ruhiges leben hier führen werden von daher wäre eine überlegung seitens der politik es wert, das man türken eine „heimreiseangebot“ macht. das hatte auch mal der helmut kohl vor. zu kohl’s zeit wäre ich nie und nimmer zurück aber jetzt ist es auf jeden fall eine alternative um ein friedlicheres leben zu führen.
    vg m.d

  2. Avatar

    leftutti

    24. Juli 2018 00:39 at 00:39

    @md, mir fällt recht früh in Ihrem Kommentar auf, dass Sie gleich zu Beginn betonen, ein sunnitischer Türke zu sein.
    Dass Sie als angeblich sunnitischer Türke in Ihrem Kommentar das Wort „sunnitisch“ aber mehrfach falsch schreiben (auch im Englischen wird es mit „nn“ geschrieben), das wirkt eher unglaubhaft für einen sunnitischen Türken. So, als würde ein Deutscher sagen: Ich bin ein „klaubender Kattolik“…

    Wie dem auch sei, weiterhin fällt mir auf, dass auch Sie die übliche rechtspopulistische politische Hetze gegen die Grünen unterstützen. Und nicht einmal mehr die eigentlichen offensichtlichen politischen Hetzer erwähnen, die von Anfang an Mesud Özils dämlichrn Lapsus von Beginn an medial ausgeschlachtet und benutzt haben.
    Allerdings machen Sie das mit einem bewundernswert lustigen neuen Argument: die grünen sind mittlerweile so weit links das sie rechts rausschauen

    Die Grünen sitzen meines Wissens nach seit Urzeiten als unbedeutende 8-12%-Randpartei in der Opposition. Die haben nichts zu sagen oder irgendeinen Einfluss. Aber das wissen Sie ja sicher, wie jeder in Deutschland wahlberechtigte Bürger.

    Ich als FC-Bayern-Fan kann Ihren Schmerz verstehen, auch wenn eine Luschi wie Özil Gott sei Dank nie bei Bayern gespielt hat. Uli Hoeness war vollkommen zurecht (und viel zu kurz) im Knast, der dreht jetzt erst einmal vollkommen durch, weil er als Outlaw wieder die freie Börsenluft schnuppern darf. Den darf man nicht erst nehmen. Dass Sie als Fan seit über 40 Jahren das Trikot wegen eines Kommentares von ihm ablegen, zeigt allerdings auch, dass Sie nie ein echter Fan sind oder waren und keine Krisen solidarisch wie ein (angeblicher) Fan überstehen können.

    In der Grundschule haben Sie Witze gerissen, was die Juden im 3. Reich betrifft. Könnten Sie uns davon einige posten? Wäre echt interessant!
    Plötzlich solidarisieren Sie sich als sunnitischer Moslem mit den Juden im 3. Reich, weil die Deutschen nicht Klopp, sondern Hoeness sind?! Ist es im Schland wirklich so schlimm, vor allem wegen der Grünen?

    Sie suchen ein Heimreiseangebot aus einem freien Land? Ein Angebot? Wollen Sie Geld dafür haben? Sollten Sie da nicht eher Meister Erdogan fragen? Wir leben in einem freien Land. Jeder darf gehen, wohin er will, wenn es ihm nicht mehr gefällt. Weder Kohl, noch Merkel oder auch die links-rechtsextremen Grünen können und wollen Sie hier festhalten.

    Ich persönlich wäre froh, wenn ich als denkender, verstehender und fühlender Deutscher in meinem Geburtsland nicht überall verhasst wäre und den alten Scheiß mal ablegen könnte, für den ich nichts kann. Und wenn ich als Besucher anderer Länder nicht von Anfang an als Feind betrachtet würde.

  3. Avatar

    Lausi

    24. Juli 2018 10:45 at 10:45

    @md: Sie scheinen ja ein Fan von Erdogan zu sein. Die meisten Deutschen sind es nicht. Sie sehen zu Recht in Erdogan einen Despoten, der alle Kritiker ins Gefängnis werfen läßt. Vielleicht war Erdogan früher mal anders gewesen, aber inzwischen leidet er nur noch unter Größenwahn und Paranoia – so, wie auch schon viele andere Diktatoren! Die Kritik an Özil hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern mit einer Abscheu vor eurem „großen“ Erdogan!

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Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

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Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

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Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

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Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

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Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

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