Anleihen

Türkei: Platzt die Kreditblase?

Das größte Telekom-Unternehmen der Türkei kann eine Anleihe nicht bedienen - und damit droht das Kartenhaus der türkischen Pump-Wirtschaft einzustürzen..

FMW-Redaktion

Derzeit fokussiert man sich auf den wohl erfolgreichen Versuch Erdogans, die Verfassung der Türkei in seinem Sinne zu gestalten – und auf den Eingriff der türkischen Armee im Irak. Aber gewissermaßen hinter den Kulissen zeigen sich erste ernste Streßsymptome einer Wirtschaft, die hochgradig Kredit-finanziert ist, mithin eine heftige Kredit-Blase ausweist.

Und diese Kredit-Blase droht nun zu platzen. Erstes Anzeichen dafür ist, dass der Eigentümer von Ojer Telekom, der größten Telekommunikationsgesellschaft der Türkei, eine kürzlich fällige Zahlung für eine Anleihe im Volumen von 290 Millionen Dollar nicht bedienen konnte! Gläubiger sind neben allen großen türkischen Banken auch die Deutsche Bank, Citi, JP Morgan – also das „who is who“ der Banken-Branche.

Der Ausfall der fälligen Zahlung durch Ojer Telekom ist dabei ein heftiges Streßsymtpom für den Zustand des aufgeblasenen Kreditsystem des Landes, das maßgeblich von seiten der Politik stimuliert worden war – und nach dem gescheiterten Putsch weiter stimuliert wird, nachdem Ankara zuvor auf die Bremse getreten war.

Symbol dafür ist Ojer Telekom, das noch im Jahr 2013 den größten je vergebenen Firmen-Kredit in der Geschichte der Türkei erhalten hatte (4,75 Milliarden Dollar). Aber seitdem hat die türkische Lira 40% an Wert verloren zum US-Dollar, und das trifft Ojer hart, weil die Firma stark abhängig ist von Dividenzahlungen in Lira, aber Schulden hat in US-Dollar. Mithin ist also die Verschuldung der Firma stark angewachsen, weil die Kombination starker Dollar zu immer schwächerer Lira die Schuldenlast stark erhöht hat.

Und das gilt für viele Firmen in der Türkei – fast alle größeren Unternehmen des Landes sind in Dollar verschuldet – schon weil die Zinsen beim Dollar deutlich niedriger sind als bei der Lira (auch wenn die türkische Notenbank morgen erneut den Leitzins um 0,25% senken dürfte). Insgesamt liegt der Anteil der Verschuldung von türkischen Unternehmen in Fremdwährungen (fast immer Dollar) bei 28% des BIP derzeit – ein extrem hoher Wert.

Und daher ist die Schwäche der Lira ein übles Problem für die türkischen Unternehmen, zumal ausländische Banken immer höhere Risikopämien verlangen bei der Kreditvergabe – weil sie eine weitere Abwertung der Lira erwarten (Konsenserwartung ist eine weitere Abwertung von 5% in den nächsten 12 Monaten). Alleine in diesem Jahr verlor die Lira 6% zum Dollar – bei den Währungen der Emerging Markets schnitten nur der mexikanische und der argentinische Peso schlechter ab.

Vor allem die Kombination aus schwächer als erwartet ausgefallenem Wachstum der türkischen Wirtschaft (kürzlich senkte Ankara seine Prognose von +4,5% auf +3,2% für 2016) und dem Abverkauf der Lira macht die Situation nun gefährlich. Es droht, wenn diese Entwicklung so weiter geht, eine Pleitwelle – und damit das Ende des Pump-finanzierten Wirtschaftswunders am Bosporus.



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4 Kommentare

  1. Ist doch schön,wenn die Blasen anfangen zu platzen!
    Es ist immer wieder schön,von Anfang an dabei zu sein,wenn die Goldwelle dann seinen Lauf nimmt…

  2. Warum lernt der türkische Notenbankpräsident,wie immer er auch heisst, nicht von unserem gottgleichen Mario &druckt was das Zeug hält?Ist der deppert?I werd narrisch,nein, reich mit meinen Shortpapieren.

  3. schaut euch mal Turkcell an. Das ist der größte Mobilfunkanbieter in der Türkei und das einzige türkische Unternehmen das strikt nach IFRS bilanziert und stark auf internationale Investoren ausgerichtet ist. Ein Top-Wert der wegen der innenpolitischen Probleme eingebrochen ist. Hab ich auf der Watchlist, noch ist mir die Aktie zu teuer. Aber wenn sie weiter stark fällt kaufe ich.

  4. Liebe Redaktion, ich bin ein wenig enttäuscht, dass Sie den Aufhänger nicht richtig / scheinbar nur flüchtig recherchiert haben.

    http://www.bloomberg.com/news/articles/2016-10-12/turk-telekom-owner-said-to-miss-payment-on-4-75-billion-loan

    „Ojer Telekom“ ist ein arabisches Unternehmen das in heftigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Es stimmt, dass man Hauptaktionär der Turk Telekom ist und Dividendenzahlungen in Lira erhält. Aber das ist weder die Ursache, noch ein gewichtiger Faktor für die Illiquidität bei Oger. Sie rechnen es ja selbst vor….

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