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Türkei: Riss Erdogan das Land in einen Abwärtsstrudel?

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Türkei Istanbul Skyline

Recep Tayyip Erdoğan wurde lange als Reformer gefeiert. Doch inzwischen sieht seine Bilanz verheerend aus: Rekord-Arbeitslosigkeit in der Türkei bei gleichzeitiger Rekord-Verbraucherverschuldung, Rezession, Inflation, Außenhandelsbilanzdefizite. Und es wird wahrscheinlich noch schlimmer werden.

Warum Erdogan überhaupt als Reformer angesehen wurde, ist rätselhaft. 1984 war er bereits Vorstand der Wohlfahrtspartei, die 1998 vom türkischen Verfassungsgericht wegen Sympathien zum Dschihad und zur Einführung der Scharia verboten wurde. Daraufhin wechselte er in die Tugendpartei, die aus den gleichen Gründen drei Jahre später verboten wurde. Schon 1998 wurde Erdogan wegen Aufstachelung der Bevölkerung zu Hass und Feinschaft unter Hinweis auf Unterschiede der Religion und Rasse zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Sieht so die Vita eines Reformers aus? Ich meine nein. Vielmehr zeigte sich schon seit Jahrzehnten Erdogans wahres Gesicht.

Erdogan zehrte von der Erholung nach dem 2000er Crash

Doch zumindest zum Beginn seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident verabschiedete das Parlament diverse Reformen, die das Land demokratischer und freiheitlicher machten. In diese Phase fällt auch der türkische Wirtschaftsboom. Wachstumsraten der Volkswirtschaft von teils mehr als 10% pro Jahr waren jedoch weniger einer Folge von Erdogans Staatsführung, als vielmehr ein Aufholeffekt nach der Rezessions zwischen 2001 und 2003, als die Wirtschaft am Tief mit einer Jahresrate von 10% schrumpfte.

Die Inflation ging nach Erdogans Amtsantritt zurück. Doch das war ebenfalls nicht sein Erfolg, sondern nur die Fortführung eines zehnjährigen Trends. Im Gegenteil sogar: Kurze Zeit nach Erdoğans Amtsantritt endete der steile Abwärtstrend und die Türken müssen seitdem mit Inflationsraten von 10% bis 20% pro Jahr leben. Das ist zwar weniger als vor der Ära Erdogan, aber eben ein abruptes Ende des lange währenden Abwärtstrends bei der Inflation.

Seine Beliebtheit dürfte auch dadurch zu erklären sein, dass die Türkei seit 2002 zunehmend auf Pump lebt. Die Handelsbilanz der Türkei war zwar schon vor Erdogan negativ. Doch sie hielt sich bei um die 2 Milliarden US-Dollar Defizit pro Monat. Erdogan hingegen steigerte das Defizit auf bis zu 10 Milliarden US-Dollar pro Monat. Die Türken erlebten also unter ihm eine importierte Wohlstandssteigerung. Diese wurde zusätzlich angeheizt durch einen wahren Verbraucherkreditboom. Seit Beginn des Jahrtausends stieg das Volumen ausgereichter Verbraucherkredite um den Faktor 142! Die im historischen Vergleich niedrigen Zinsen und das hohe Wirtschaftswachstum haben offensichtlich die Verbraucher zur Kreditaufnahme verleitet, wobei die auf Kredit gekauften Waren und Dienstleistungen das gefühlte Wohlstandsniveau ebenfalls erhöhten. Diese gefühlte Wohlstandssteigerung hat jedoch auch entscheidende Nachteile: die türkische Lira hat seit 2002 erheblich abgewertet. Gegenüber dem US-Dollar von 1,5 Lira pro US-Dollar auf heute 5,9 Lira.

Inflationsbereinigt gibt es keinen Boom in der Türkei

Bei der Beurteilung von Kennzahlen müssen Sie stets die aus deutscher Sicht enorme Inflation in der Türkei mit berücksichtigen. So hat sich der Wert des türkischen Aktienindex BIST 100 seit 2002 unter der Ära Erdoğan zwar verneunfacht. Doch seitdem nahm die Kaufkraft der Lira auch um 78,5% ab. In realer Kaufkraft stieg der Wert des Aktienindex in diesen 17 Jahren also nur um 94%. In realer Kaufkraft gerechnet hat sich der DAX hingegen im gleichen Zeitraum fast verdreifacht. Ganz ohne einen angeblichen Reformer-Erdoğan an der Regierungsspitze.
Insofern können wir vermuten, dass Erdogan weder ein mutiger Reformer im Jahr 2002 noch ein überzeugter, religiöser Quasi-Diktator im Jahr 2020 ist. Vielmehr war er schon immer ein Opportunist, der tat, was nötig erschien, um an die Macht zu kommen und dort auch zu bleiben. 2002 waren das demokratische Reformen. Als sich die Wirtschaft einzutrüben begann und Erdoğans Nimbus zu verblassen begann, zog er die Religions- und Diktator-Karte. Doch damit beschleunigte Erdoğan das Erodieren der wirtschaftlichen Basis seiner Beliebtheit nur noch. Die Lira wertet schneller ab, seitdem er Kritiker gnadenlos verfolgt und ins Gefängnis steckt. Wer will schon in ein Land investieren, in dem kaum noch Rechtssicherheit herrscht?

Die Weltwirtschaft wächst, die türkische Wirtschaft nicht mehr

Das Haushaltsdefizit seiner Regierung lag 2018 bei -2% des Bruttoinlandsprodukts. Das sieht nicht nach viel aus. Doch mit Ausnahme der Jahre 2009 und 2010, als finanzkrisenbedingt fast alle Staaten weltweit mehr ausgaben, kamen seine Regierungen stets mit deutlich weniger Defizit aus. Und 2018 war nur der Auftakt zu einer viel größeren Schuldenorgie. Im Dezember 2019 stieg das Monatsdefizit auf den höchsten Stand seit 13 Jahren, was das Jahresdefizit auf 3% des Bruttoinlandsprodukts erhöht.

Gleichzeitig rutschte die Türkei 2019 in die Rezession. Ohne die dreiprozentige Neuverschuldung des Staates hätte die Schrumpfung der Wirtschaft im Tief nicht -2,6% (Jahresrate) betragen, sondern mindestens -5,6%! An der Spitze lag die Arbeitslosenquote so hoch wie während der Wirtschaftskrise 2009. Es sind hausgemachte Probleme der Türkei, schließlich geht es der Weltwirtschaft noch vergleichsweise gut. Sollte auch die Weltwirtschaft in die Rezession rutschen, kann es in der Türkei nur schlimmer werden.

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    md

    15. Januar 2020 17:40 at 17:40

    hallo Herr Schumann, sie haben noch in der erdophobi schublade gefehlt :).

    1) falsche info:
    Schon 1998 wurde Erdogan wegen Aufstachelung der Bevölkerung zu Hass und Feinschaft unter Hinweis auf Unterschiede der Religion und Rasse zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

    richtig ist.
    als Ministerpräsident verabschiedete das Parlament diverse Reformen, die das Land demokratischer und freiheitlicher machten

    er musste ins gefängnis weil er als politiker einen religiösen auftritt hatte. und die damalige türkei welche sozialistisch und komunistisch geprägt war strikt gegen religion war. die türkei wurde sehr radikal laizistisch geführt. zb mit kopftuch durfte eine frau noch nicht mal ins zb krankenhaus jemanden besuchen.
    gott sei dank sind solche von linken – glaubenfeindlichen radikalitäten passé.
    und dank wem und welcher partei, genau erdo und der akp.

    weiterhin, haben sie recht wenn sie von hoher arbeitslosigkeit reden, aber sie müssen auch erwähnen das wir eine sehr junge gesellsxhaft haben und dem 3 kinder aufruf vom erdo an alle neu vermählten viele dem wunsch nachgekommen sind. demzufolge haben wir nun sehr viele arbeitssuchende jungendliche.

    die inflation ist doch sehr gesund da die löhne mitsteigen.

    die türkei ist an lebensfreude, lebenssinn, besseren gesundheitspflege, mittlerweile besseren infrastrucktur, besseren klima, viel ansprechendere bauweise von gebäuden, zur zeit sogar viel besseren politischen luft ( nicht dieses knistern in der luft wie hier bei uns zwischen grün/links vs afd/rechts ) lebenswerter.

  2. Avatar

    md

    16. Januar 2020 02:46 at 02:46

    ich nochmal. ich wollte mich für das falsch schreiben ihres namens entschuldigen.
    aber, Herr Schuhmanns eine frage hätte ich noch. also die türkei ist alleine auf sich gestellt rezession, inflation und folglich abwertung der try gegen den euro.
    nun meine frage: wo wären die kurse von den einzelnen ländern in europa wenn es den euro nicht gäbe. also zb dm gegen franz franc ( letztmalig war 1 mark / 3,4 franc wert ) gegen über griechenland italien um ein paar zu nennen. wenn ich mir die staatsschulden von frankreich anschaue mit 3,1 billion usd und nen bip von 2,8 billionen und mir gleichzeitig die türkei mit 600 milliarden usd schulden und nem bip von 2,5 billionen dann steht auf papier wer besser da. wie und von wem wird der wert einer währung festgelegt. ich glaube es geht schon gar nicht mehr nach angebot und nachfrage, oder liege ich falsch. ich hab das gefühl das system von den handvoll machern ist aufgefallen. auch gerade im hinblick auf so manch eine börse bzw anleihe oder indizes usw,
    vg md

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    Eren

    16. Januar 2020 10:30 at 10:30

    Die Staatsverschuldung der Türkei in Relation zum Bruttoinlandsprodukt beträgt 30,78%. Dieser Wert ist fast nichts. Im Vergleich hat Deutschland eine Verschuldung von 61,9%.
    Frankreich 98,4%!
    Italien 134,8%!!
    Griechenland 181,2%!!!

    Da frage ich mich echt welche Länder tatsächlich auf Pump leben…
    Die Inflation der letzten Jahre hatte in der Türkei nur politische Gründe, nicht zu vergessen sind die Drohungen des Verrückten in Washington, wobei sich die türkische Wirtschaft dennoch sehr schnell erholt hat. Und auch die Zinssenkungen, vor der ständig gewarnt wurde, hat die Türkei heil überstanden und sogar eine Aufwertung der Lira erzielt im Gegensatz zu den Prognosen der europäischen Banken die eine Katastrophe vorhersagten…

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    Mehmet

    16. Januar 2020 12:45 at 12:45

    Lieber MD, über Ihren Beitrag musste ich schmunzeln. Erdo wünscht 3 Kinder, also wird das prompt erledigt. Vermutlich leben Sie nicht in der TR wie wir und haben keinerlei Ahnung, wie es wirtschaftlich in diesem Lande aussieht? Z.B. die zuletzt genannte Inflationsrate von unter 10 % ist unglaublich geschönt und entspricht in keinster Weise der Realität. Im Urlaub mit € in der Tasche sieht die Welt natürlich anders aus. Wenn in der TR alles so toll ist, warum leben Sie nicht für einige Zeit hier mit einem Einkommen in TL? Ich bin mir sicher, Sie werden sehr schnell wieder nach D zurückkehren wollen. Einen solchen Schritt könnte man auch vielen anderen A Haber und Co. Verblendeten empfehlen. Und ja, es gibt „kein knistern in der Luft zwischen pol. Parteien“
    Der AKP sei gedankt. Iyi günler noch…

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      Hakan

      16. Januar 2020 15:20 at 15:20

      Da haben Sie den Nagel genau auf den Kopf getroffen Mehmet es werden nur frisierte Zahlen auf A Haber und andere Sender präsentiert.
      Es gibt in der TR zu viele verblendeten die noch daran glauben.

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    md

    16. Januar 2020 14:08 at 14:08

    lieber mehmet, unter welchen umständen oder welche vorraussetungen muss ein politiker erfüllen das tatsächlich menschen ( dazu noch junge ) dem ruf eines politikers ohne zwang folgen.

    kann es nicht sein das dieser politiker und seine partei dem land bzw menschen endlich mal zu demokratisxheren, freiheitlicheren leben verholfen hat.
    das er dem ruf der mensxhen gefolgt ist bessere lebensstandarts, bessere gesundheitswesen für alle ( nicht nur für reiche ), bessere infrastrucktur, bessere arbeitsverhältnisse, bessere wohnqualität für arme mensxhen, sich gegen die elite gestellt hat und für den kleinen mensxhen – politiker als wäre er ein gewerkschaftsmensch vom kleinen mann.
    er ist von reichen und medien verhasst da nicht käufbar. für einen gesunden staat muss eine regierung die medien und ihre journalisten immer im auge behalten, beim kleinsten fehler immer abmahnen, ansonsten wirst du ein spielball der medien. also der mann macht vieles richtig.

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      Mamo

      17. Januar 2020 01:39 at 01:39

      Hallo MD,
      Nur eine kurze Frage: wie kann Erdi 2003 an die Macht kommen und die nach seinem Aufruf (nehmen wir mal an, dass er diesen Aufruf 2003 getan hat, 3 Kinder zu bekommen) etwa 2004 auf die Welt gekommenen Drillinge pro Jungfamilie (nehmen wir mal an, dass nach dem Aufruf sofort alle Jungfamilien ins Ehebett hüpften und durchwegs Drillinge zeugten) bereits 2019 – also mit 15 Jahren – so eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit verursachen?
      Mit Verlaub, selbst wenn sie ein „Wissender“ mit wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung sind, haben sie offenbar bei grundlegenden mathematischen Aspekten nur vorbeigeschrammt.
      Den Rest muss man wohl nicht mehr kommentieren.

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    Mehmet

    16. Januar 2020 18:40 at 18:40

    Lieber MD, Ihr Beitrag ist so unglaublich naiv- voller Erfolg für die AKP gesteuerte Medienlandschaft. Wollte daher zuerst überhaupt keine Stellung nehmen, dennoch kurz etwas dazu;
    1) in der türk. Verfassung benötigt ein Präsident ein Universitätsdiplom – bis heute hat er den entsprechenden Nachweis nicht erbrach.
    2) Infrastruktur; z.B die 3. Bosporus Brücke ist ein Milliardengrab, da zu teuer, zu wenig genutzt. Oder z.B. der neue Flughafen Istanbul wurde viel zu schnell auf Sand und trotzt bedenklicher Umweltprognosen gebaut mit sehr vielen getöteten Arbeitern. Wird derzeit überwiegend nur von THY genutzt und liegt inmitten von kreuzenden Vogelfluglinien. Wir werden niemals dort landen und weichen auf Sabiha G. aus.
    3.) bessere Wohnqualität; Wohnraum ist in den Zentren mittlerweile für Normalverdiener fast unerschwinglich geworden. Jetzt in der Kälte ist die Luft sehr schlecht, da viele mit billiger sibirscher Kohle oder sonst etwas heizen müssen – Öl, Gas und Strom sind sehr teuer geworden.
    4.) Gesundheitssystem; natürlich ist es besser geworden, jetzt aber müssen aufgrund von Kosteneinsparungen z.B. Augenärzte Notfallbehandlungen im Nachtdienst übernehmen, obwohl sie dafür nicht geeignet sind. Viele Ärzte und Akademiker haben und werden noch das Land verlassen (brain drain)
    5.) sie schreiben etwas von Freiheit oder Demokratie; wissen sie eigentlich, das sie verhaftet werden können, wenn sie anderer Meinung als Erdogan und seine Vasallen sind (in der Regel Terrörist oder Fetö Anhanger oder Beleidigung des Türkentums als Begründung).
    6.) in dem Land gibt es so gut wie keine unabhängigen Medien mehr.
    7) Erdo versprach, nur mit einem Siegelring zu gehen. Wissen sie, wie viel er und sein gesamter Clan mittlerweile u.a. in Katar angesammelt haben? Und die kaufwütige Emine gerne für Unsummen shoppen geht? Und er ist nicht käuflich lol
    Man könnte dazu noch Romane schreiben, das soll es aber jetzt gewesen sein.

    Schönen Abend noch / Iyi aksamlar

    • Avatar

      Savas

      16. Januar 2020 20:08 at 20:08

      Hallo Mehmet, ich stimme Ihnen zu, dass die wirtschaftliche Lage in der Türkei nicht sehr gut ist.
      Aber trotzdem war früher fast alles viel schlechter. Das Gesundheitssystem ist heute besser, die Straßen sind besser, die Schulen sind besser und die Löhne sind real deutlich höher. Und vieles mehr. Die rechtliche Lage sollte bei der wirtschaftlichen Betrachtung keine so große Rolle spielen. Länder wie China oder Singapur sind auch keine Demokratien haben aber trotzdem beträchtliche Erfolge erzielt. Es geht darum, dass das Land für Investoren attraktiv bleibt. Die Investoren wissen, dass sie nichts zu befürchten haben, wenn sie sich politisch nicht engagieren. Nur für die die sich politisch engagieren kann es eng werden. So wie in China oder Singapur.

      Ich glaube dass der Herr Schuhmanns zu pessimistisch ist. Zunächst möchte ich erwähnen, dass der Dax auch hauptsächlich deshalb so stark zulegen konnte, weil wir hier sehr niedrige Zinsen haben. Wie sähe die Lage bei uns in D. aus, wenn wir 5% Zinsen hätten. Dann müsste der Herr Schuhmanns seine Analyse deutlich revidieren.
      Außerdem hat er wahrscheinlich nicht gewusst, dass die Türkei letztes Jahr in mehreren Monaten einen Leistungsbilanzüberschuss erzielt hat. Zum ersten mal seit fast 20 Jahren!!! Man sollte auch nicht vergessen, das in der T. noch die Bevölkerung wächst, währen D. auf eine demographische Katastrophe zusteuert, wie viele europäische Länder. Außerdem ist die Staatsverschuldung in der T. zum BIP im OECD Vergleich sehr niedrig. Auch die privaten Schulden in der Türkei sind im OECD Vergleich sehr niedrig.
      Ich finde es traurig, dass der Herr Schuhmanns keine Prognose für die Türkei abgibt und sich stattdessen hinter „wenn“ Analysen versteckt. Vielleicht weiß er ja selbst, dass es um die türkische Wirtschaft nicht so schlecht bestellt ist. Die Krise von 2018 war ein reinigendes Gewitter. Nun geht es wieder bergauf. Ich prognostiziere hiermit folgendes: Die türkische Wirtschaft wird dieses Jahr um etwa 3% wachsen. Die Inflationsrate wird weiterhin hoch bleiben, aber trotzdem niedriges sein als in 2019 und in einigen Monaten werden die Realzinsen negativ bleiben, da der Leitzins weiter sinken wird. Die Arbeitslosigkeit wird sinken. Die Lira wird schlimmstenfalls in Euro 1/7,2 betragen. Die Investitionen werden zunehmen und die Türkei wird ein höheres Wachstum erleben als die meisten europäischen Länder. Und trotzdem werden die westlichen Medien überwiegend negativ über die türkische Wirtschaft berichten. Außerdem werden die amerikanischen Sanktionen kommmen aber die werden nicht sehr schwerwiegend sein. Das werden Sanktiönchen sein, die der Türkei nicht massiv schaden werden.

  7. Avatar

    Mehmet

    17. Januar 2020 07:22 at 07:22

    Ich persönlich halte die türkische Wirtschaft für sehr labil und anfällig auf Einwirkungen von außen. 2018 hustete Donald Trump mal kurz per Twitter (Erhöhung der Zölle für Stahl) und die türkische Währung rauschte in den Keller. Und die Frage ist doch, ob die Türkei für ausländische Investoren wirklich noch attraktiv ist wenn z.B. die Zentralbank wie jetzt aktuell nicht mehr unabhängig ist. Das schafft kein Vertrauen. Aber; das türkische E-Auto TOGG soll ja bald gebaut werden. Viel Erfolg damit 😉

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      Hakan

      22. Januar 2020 09:28 at 09:28

      Die Türkei ist im Ausland hoch verschuldet sie liegen bei 60% des BIP dazu noch 25% Fremdwährungskredite von Unternehmen.
      Im Oktober Preissteigerung von 8,6%und im Dezember bei 12%.
      Sie haben wohl zu viel A Haber geschaut:))

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Coronavirus könnte die Chip-Industrie hart treffen!

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Coronavirus Symbolbild

Was das Coronavirus mit der Chip-Industrie zu tun hat? Die Hersteller von Computer-Chips übertrumpften sich in der jüngeren Vergangenheit gegenseitig mit Investitionszusagen in neue Fertigungsanlagen. 104 Milliarden Euro hier, 20 Milliarden US-Dollar dort… Die Aktienkurse von Herstellern der Fertigungsanlagen wie Applied Materials schossen natürlich nach oben. Doch das Corona-Virus könnte den Investitionsplänen der Chiphersteller ein jähes Ende bereiten. Vorsicht ist daher vor allem bei Aktien der Zulieferindustrie geboten, wie eben bei Applied Materials.

So schnell die Innovationszyklen der IT-Industrie auch sind, so langfristig angelegt sind die Investitionsplanungen der Hersteller. Zwar kommen ständig, in der Regel im Jahresrhythmus, neue und schnellere Produktgenerationen auf den Markt. Doch Planung, Bau und Betrieb einer neuen Fertigungsanlage werden eher in Jahrzehnten bemessen. So investierte Intel im Jahr 2007 1,5 Milliarden US-Dollar in die Fab 11X in New Mexico, um sie auf die damals neue 45nm-Technologie umzurüsten. Diese Technik läuft dort bis heute und stellt Chips her, die nicht die neuste Fertigungstechnologie benötigen.

Bei einer so langen Betriebszeit liegt es auf der Hand, dass Investitionsplanungen nicht aufgrund einer kurzfristigen Nachfrageschwäche komplett umgekrempelt werden. Und doch gibt es ein Problem, das die Investitionsplanungen jetzt über den Haufen werfen könnte: das Coronavirus!

50% der Investitionen plante die Chip-Industrie in China – Coronavirus wird zum Problem

In den vergangenen Jahren übertrafen sich die Hersteller mit Investitionszusagen. Tsinghua: 70 Milliarden US-Dollar in drei Fabriken, davon eine in Wuhan, TSMC: 20 Milliarden US-Dollar in eine neue Fabrik, Samsung: 104 Milliarden Euro verteilt über zwölf Jahre, Intel: 20% des Umsatzes, also 20 bis 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr und noch viele andere mehr. Die für 2020 geplanten Investitionen betragen 50 Milliarden US-Dollar.

Das Problem dabei: 50% der für dieses Jahr geplanten Investitionen entfallen auf China. Die Tatsache, dass dort derzeit nur wenig gearbeitet wird, macht die Investitionsplanungen bereits zur Makulatur. Schlimmer aber noch sind die potenziellen weltwirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. Kommt es zu einem globalen Wirtschaftsabschwung, werden zahllose Unternehmen und Privatpersonen ihre Investitions- und Konsumentscheidungen überdenken. Muss es wirklich ein neuer Computer sein, ein neues Handy, ein neuer Fernseher, wenn es der alte eigentlich auch noch tut?

Dazu kommt, dass die Chiphersteller in den Vorjahren Unsummen in die Erweiterung ihrer Fabriken steckten. Die Fabriken für die Herstellung von z.B. Flashspeicher-Chips konnten nicht groß genug sein. Die Erwartung einer weitgehenden Verdrängung der klassischen Festplatte durch SSD-Laufwerke auf Basis von Flashspeicher versprach üppige Umsätze. Die stehen jedoch auf der Kippe, wenn weniger Computer gekauft werden. Die Folge wäre ein Rückfall in den Schweinezyklus der Speicherindustrie: Hohe Preise führen zu umfangreichen Investitionen in neue Fabriken (bereits gebaut), die Überkapazitäten schaffen (die drohen), die die Preise in den Keller und Unternehmen aus den Markt drücken, auf dass die Preise wieder steigen. Gehofft hatten die Hersteller in diesem Jahr auf steigende Preise durch wachsende Nachfrage.

Kommt der nächste Schweinezyklus der Chip-Industrie?

Nun steigen die Preise für Speicher zwar. Doch vor allem deshalb, weil aus Asien weniger Nachschub kommt. Doch an hohen Preisen bei kleinem Volumen verdienen die Hersteller nichts, während die Kosten der stillstehenden Fabriken weiter laufen werden. Es gibt also guten Grund anzunehmen, dass die Investitionspläne der Chiphersteller nicht in vollem Umfange ausgeführt werden. Der Aktienkurs von Applied Materials reflektiert diese Möglichkeit noch nicht. Analysten erwarten einen Gewinn von 4,17 US-Dollar pro Aktie in diesem Geschäftsjahr, deutlich mehr als im vorherigen Jahr.

Auf Basis dieses erwarteten Gewinns ist die Unternehmensbewertung sogar für US-Verhältnisse konservativ mit einem KGV von nur 15,4. Sollte der Gewinn jedoch nur auf Vorjahresniveau liegen, wären wir schon bei einem KGV von mehr als 21. Beim Beginn eines neuen Schweinezyklus‘ in der Industrie dürfte sich die aktuelle Bewertung von Applied Materials als zu hoch erweisen. Übrigens: Der Börsengang des deutschen Ausstatters von Chipfabriken, Exyte, wurde schon 2018 abgesagt, weil das Marktumfeld nicht positiv genug war für eine Platzierung an der Börse.

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Coronavirus: Stehen wir an der Schwelle zur Pandemie?

Die zuletzt pandemische Ausbreitung des Coronavirus macht nun auch die Gesundheitsbehörden immer nervöser

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Das Coronavirus verbreitet sich in immer mehr Ländern – stehen wir nun an der Schwelle zur Ausbreitung einer Pandemie? Laut der Definition, was eine Pandemie kennzeichnet, ist das wohl bereits der Fall:

„Unter Pandemie versteht man eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit beim Menschen, im engeren Sinn die Ausbreitung einer Infektionskrankheit. Im Unterschied zur Epidemie ist eine Pandemie somit örtlich nicht beschränkt.“

Vor allem Südkorea gerät nun immer stärker in den Fokus: das Land berichtet 142 neue Infizierte an einem einzigen Tag – das ist ein Anstieg von 70% zum Vortag (und zwei Tote). In Italien sind es 15 neue Infizierte bei einem Toten – zehn Städte in der norditalienischen Lomardei sind unter Quarantäne. China selbst meldete offiziell 397 neue Infizierte (damit in China insgesamt 76288) bei 109 neuen Toten (insgesamt 2345).

Chinas hat nun bereits fünfmal die Kriterien verändert, nach denen neu Infizierte erfasst werden – das sagt alles über die Verläßlichkeit der Zahlen von durch das Coronavirus Infizierten im Reich der Mitte (siehe hierzu: „Chinas Lügen mit Zahlen“). Die Stadt Peking hat unterdessen ihre Maßnahmen weiter verstärkt – pro Wohnung werden drei „Pässe“ vergeben“, die es erlauben, den Wohungskomplex zwischenzeitlich zu verlassen – leben aber in einer Wohung vier Personen, kann eine Person nicht mehr hinaus (siehe hierzu den Bericht der CNBC-Korrespondentin Eunice Yoon aus Peking).

Coronavirus: Die Behörden werden immer nervöser

Die zuletzt pandemische Ausbreitung des Coronavirus macht nun auch die Gesundheitsbehörden immer nervöser. Bei der gestrigen Pressekonferenz der WHO sagte der Generaldirektor der Behörde Dr. Tetros, dass die Zeit davonlaufe, um eine weltweite Pandemie zu stoppen („The window of opportunity is narrowing“). Die US-Behörde für Seuchenbkämpfung CDC hält eine weitere Ausbreitung in den USA inzwischen für wahrscheinlich, wie es auf der Homepage der Behörde heißt:

„More cases are likely to be identified in the coming days, including more cases in the United States. It’s also likely that person-to-person spread will continue to occur, including in the United States.“

In Deutschland hat das „Bundesministerium für gesundheitliche Aufklärung“ (BZgA) bundesweit eine Zeitungsanzeige lanciert, wie man sich selbst und andere vor der Infektionskrankheit schützen könne.

Inzwischen wird immer wahrscheinlicher, dass das Coronavirus nicht nur sich viele Tage an Gegenständen halten kann (Bargeld, technische Geräte etc.) – sondern auch bereits genesene Patienten sich erneut infizieren können (so aktuell ein Fall in der chinesischen Provinz Sichuan).

Folgendes Video von „China in Focus“ faßt die Lage kompakt zusammen – und macht dabei auch auf die sich widersprechenden Aussagen von Behörden aufmerksam:

Das Coronavirus verbreitet sich in immer mehr Ländern

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Coronavirus und die Folgen für die Wirtschaft – Interview mit Markus Fugmann

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Welche Folgen hat das Coronavirus und der de facto-Stillstand der chinesischen Wirtschaft? Vor allem die Wall Street handelte nach dem Motto: das sei vergleichbar wie 2003 mit dem SARS-Virus – und wenn nicht, werde es die Fed schon richten. Aber die US-Indizes beginnen nun zu reagieren – zumal nach den extrem schwachen US-Einkaufsmangerindex heute.

Im Interview mit cryptowelt.ch geht es um das Coronavirus, um Inflation – und um Bitcoin:

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