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Türkei: Riss Erdogan das Land in einen Abwärtsstrudel?

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Türkei Istanbul Skyline

Recep Tayyip Erdoğan wurde lange als Reformer gefeiert. Doch inzwischen sieht seine Bilanz verheerend aus: Rekord-Arbeitslosigkeit in der Türkei bei gleichzeitiger Rekord-Verbraucherverschuldung, Rezession, Inflation, Außenhandelsbilanzdefizite. Und es wird wahrscheinlich noch schlimmer werden.

Warum Erdogan überhaupt als Reformer angesehen wurde, ist rätselhaft. 1984 war er bereits Vorstand der Wohlfahrtspartei, die 1998 vom türkischen Verfassungsgericht wegen Sympathien zum Dschihad und zur Einführung der Scharia verboten wurde. Daraufhin wechselte er in die Tugendpartei, die aus den gleichen Gründen drei Jahre später verboten wurde. Schon 1998 wurde Erdogan wegen Aufstachelung der Bevölkerung zu Hass und Feinschaft unter Hinweis auf Unterschiede der Religion und Rasse zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Sieht so die Vita eines Reformers aus? Ich meine nein. Vielmehr zeigte sich schon seit Jahrzehnten Erdogans wahres Gesicht.

Erdogan zehrte von der Erholung nach dem 2000er Crash

Doch zumindest zum Beginn seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident verabschiedete das Parlament diverse Reformen, die das Land demokratischer und freiheitlicher machten. In diese Phase fällt auch der türkische Wirtschaftsboom. Wachstumsraten der Volkswirtschaft von teils mehr als 10% pro Jahr waren jedoch weniger einer Folge von Erdogans Staatsführung, als vielmehr ein Aufholeffekt nach der Rezessions zwischen 2001 und 2003, als die Wirtschaft am Tief mit einer Jahresrate von 10% schrumpfte.

Die Inflation ging nach Erdogans Amtsantritt zurück. Doch das war ebenfalls nicht sein Erfolg, sondern nur die Fortführung eines zehnjährigen Trends. Im Gegenteil sogar: Kurze Zeit nach Erdoğans Amtsantritt endete der steile Abwärtstrend und die Türken müssen seitdem mit Inflationsraten von 10% bis 20% pro Jahr leben. Das ist zwar weniger als vor der Ära Erdogan, aber eben ein abruptes Ende des lange währenden Abwärtstrends bei der Inflation.

Seine Beliebtheit dürfte auch dadurch zu erklären sein, dass die Türkei seit 2002 zunehmend auf Pump lebt. Die Handelsbilanz der Türkei war zwar schon vor Erdogan negativ. Doch sie hielt sich bei um die 2 Milliarden US-Dollar Defizit pro Monat. Erdogan hingegen steigerte das Defizit auf bis zu 10 Milliarden US-Dollar pro Monat. Die Türken erlebten also unter ihm eine importierte Wohlstandssteigerung. Diese wurde zusätzlich angeheizt durch einen wahren Verbraucherkreditboom. Seit Beginn des Jahrtausends stieg das Volumen ausgereichter Verbraucherkredite um den Faktor 142! Die im historischen Vergleich niedrigen Zinsen und das hohe Wirtschaftswachstum haben offensichtlich die Verbraucher zur Kreditaufnahme verleitet, wobei die auf Kredit gekauften Waren und Dienstleistungen das gefühlte Wohlstandsniveau ebenfalls erhöhten. Diese gefühlte Wohlstandssteigerung hat jedoch auch entscheidende Nachteile: die türkische Lira hat seit 2002 erheblich abgewertet. Gegenüber dem US-Dollar von 1,5 Lira pro US-Dollar auf heute 5,9 Lira.

Inflationsbereinigt gibt es keinen Boom in der Türkei

Bei der Beurteilung von Kennzahlen müssen Sie stets die aus deutscher Sicht enorme Inflation in der Türkei mit berücksichtigen. So hat sich der Wert des türkischen Aktienindex BIST 100 seit 2002 unter der Ära Erdoğan zwar verneunfacht. Doch seitdem nahm die Kaufkraft der Lira auch um 78,5% ab. In realer Kaufkraft stieg der Wert des Aktienindex in diesen 17 Jahren also nur um 94%. In realer Kaufkraft gerechnet hat sich der DAX hingegen im gleichen Zeitraum fast verdreifacht. Ganz ohne einen angeblichen Reformer-Erdoğan an der Regierungsspitze.
Insofern können wir vermuten, dass Erdogan weder ein mutiger Reformer im Jahr 2002 noch ein überzeugter, religiöser Quasi-Diktator im Jahr 2020 ist. Vielmehr war er schon immer ein Opportunist, der tat, was nötig erschien, um an die Macht zu kommen und dort auch zu bleiben. 2002 waren das demokratische Reformen. Als sich die Wirtschaft einzutrüben begann und Erdoğans Nimbus zu verblassen begann, zog er die Religions- und Diktator-Karte. Doch damit beschleunigte Erdoğan das Erodieren der wirtschaftlichen Basis seiner Beliebtheit nur noch. Die Lira wertet schneller ab, seitdem er Kritiker gnadenlos verfolgt und ins Gefängnis steckt. Wer will schon in ein Land investieren, in dem kaum noch Rechtssicherheit herrscht?

Die Weltwirtschaft wächst, die türkische Wirtschaft nicht mehr

Das Haushaltsdefizit seiner Regierung lag 2018 bei -2% des Bruttoinlandsprodukts. Das sieht nicht nach viel aus. Doch mit Ausnahme der Jahre 2009 und 2010, als finanzkrisenbedingt fast alle Staaten weltweit mehr ausgaben, kamen seine Regierungen stets mit deutlich weniger Defizit aus. Und 2018 war nur der Auftakt zu einer viel größeren Schuldenorgie. Im Dezember 2019 stieg das Monatsdefizit auf den höchsten Stand seit 13 Jahren, was das Jahresdefizit auf 3% des Bruttoinlandsprodukts erhöht.

Gleichzeitig rutschte die Türkei 2019 in die Rezession. Ohne die dreiprozentige Neuverschuldung des Staates hätte die Schrumpfung der Wirtschaft im Tief nicht -2,6% (Jahresrate) betragen, sondern mindestens -5,6%! An der Spitze lag die Arbeitslosenquote so hoch wie während der Wirtschaftskrise 2009. Es sind hausgemachte Probleme der Türkei, schließlich geht es der Weltwirtschaft noch vergleichsweise gut. Sollte auch die Weltwirtschaft in die Rezession rutschen, kann es in der Türkei nur schlimmer werden.

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    md

    15. Januar 2020 17:40 at 17:40

    hallo Herr Schumann, sie haben noch in der erdophobi schublade gefehlt :).

    1) falsche info:
    Schon 1998 wurde Erdogan wegen Aufstachelung der Bevölkerung zu Hass und Feinschaft unter Hinweis auf Unterschiede der Religion und Rasse zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

    richtig ist.
    als Ministerpräsident verabschiedete das Parlament diverse Reformen, die das Land demokratischer und freiheitlicher machten

    er musste ins gefängnis weil er als politiker einen religiösen auftritt hatte. und die damalige türkei welche sozialistisch und komunistisch geprägt war strikt gegen religion war. die türkei wurde sehr radikal laizistisch geführt. zb mit kopftuch durfte eine frau noch nicht mal ins zb krankenhaus jemanden besuchen.
    gott sei dank sind solche von linken – glaubenfeindlichen radikalitäten passé.
    und dank wem und welcher partei, genau erdo und der akp.

    weiterhin, haben sie recht wenn sie von hoher arbeitslosigkeit reden, aber sie müssen auch erwähnen das wir eine sehr junge gesellsxhaft haben und dem 3 kinder aufruf vom erdo an alle neu vermählten viele dem wunsch nachgekommen sind. demzufolge haben wir nun sehr viele arbeitssuchende jungendliche.

    die inflation ist doch sehr gesund da die löhne mitsteigen.

    die türkei ist an lebensfreude, lebenssinn, besseren gesundheitspflege, mittlerweile besseren infrastrucktur, besseren klima, viel ansprechendere bauweise von gebäuden, zur zeit sogar viel besseren politischen luft ( nicht dieses knistern in der luft wie hier bei uns zwischen grün/links vs afd/rechts ) lebenswerter.

  2. Avatar

    md

    16. Januar 2020 02:46 at 02:46

    ich nochmal. ich wollte mich für das falsch schreiben ihres namens entschuldigen.
    aber, Herr Schuhmanns eine frage hätte ich noch. also die türkei ist alleine auf sich gestellt rezession, inflation und folglich abwertung der try gegen den euro.
    nun meine frage: wo wären die kurse von den einzelnen ländern in europa wenn es den euro nicht gäbe. also zb dm gegen franz franc ( letztmalig war 1 mark / 3,4 franc wert ) gegen über griechenland italien um ein paar zu nennen. wenn ich mir die staatsschulden von frankreich anschaue mit 3,1 billion usd und nen bip von 2,8 billionen und mir gleichzeitig die türkei mit 600 milliarden usd schulden und nem bip von 2,5 billionen dann steht auf papier wer besser da. wie und von wem wird der wert einer währung festgelegt. ich glaube es geht schon gar nicht mehr nach angebot und nachfrage, oder liege ich falsch. ich hab das gefühl das system von den handvoll machern ist aufgefallen. auch gerade im hinblick auf so manch eine börse bzw anleihe oder indizes usw,
    vg md

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    Eren

    16. Januar 2020 10:30 at 10:30

    Die Staatsverschuldung der Türkei in Relation zum Bruttoinlandsprodukt beträgt 30,78%. Dieser Wert ist fast nichts. Im Vergleich hat Deutschland eine Verschuldung von 61,9%.
    Frankreich 98,4%!
    Italien 134,8%!!
    Griechenland 181,2%!!!

    Da frage ich mich echt welche Länder tatsächlich auf Pump leben…
    Die Inflation der letzten Jahre hatte in der Türkei nur politische Gründe, nicht zu vergessen sind die Drohungen des Verrückten in Washington, wobei sich die türkische Wirtschaft dennoch sehr schnell erholt hat. Und auch die Zinssenkungen, vor der ständig gewarnt wurde, hat die Türkei heil überstanden und sogar eine Aufwertung der Lira erzielt im Gegensatz zu den Prognosen der europäischen Banken die eine Katastrophe vorhersagten…

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    Mehmet

    16. Januar 2020 12:45 at 12:45

    Lieber MD, über Ihren Beitrag musste ich schmunzeln. Erdo wünscht 3 Kinder, also wird das prompt erledigt. Vermutlich leben Sie nicht in der TR wie wir und haben keinerlei Ahnung, wie es wirtschaftlich in diesem Lande aussieht? Z.B. die zuletzt genannte Inflationsrate von unter 10 % ist unglaublich geschönt und entspricht in keinster Weise der Realität. Im Urlaub mit € in der Tasche sieht die Welt natürlich anders aus. Wenn in der TR alles so toll ist, warum leben Sie nicht für einige Zeit hier mit einem Einkommen in TL? Ich bin mir sicher, Sie werden sehr schnell wieder nach D zurückkehren wollen. Einen solchen Schritt könnte man auch vielen anderen A Haber und Co. Verblendeten empfehlen. Und ja, es gibt „kein knistern in der Luft zwischen pol. Parteien“
    Der AKP sei gedankt. Iyi günler noch…

    • Avatar

      Hakan

      16. Januar 2020 15:20 at 15:20

      Da haben Sie den Nagel genau auf den Kopf getroffen Mehmet es werden nur frisierte Zahlen auf A Haber und andere Sender präsentiert.
      Es gibt in der TR zu viele verblendeten die noch daran glauben.

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    md

    16. Januar 2020 14:08 at 14:08

    lieber mehmet, unter welchen umständen oder welche vorraussetungen muss ein politiker erfüllen das tatsächlich menschen ( dazu noch junge ) dem ruf eines politikers ohne zwang folgen.

    kann es nicht sein das dieser politiker und seine partei dem land bzw menschen endlich mal zu demokratisxheren, freiheitlicheren leben verholfen hat.
    das er dem ruf der mensxhen gefolgt ist bessere lebensstandarts, bessere gesundheitswesen für alle ( nicht nur für reiche ), bessere infrastrucktur, bessere arbeitsverhältnisse, bessere wohnqualität für arme mensxhen, sich gegen die elite gestellt hat und für den kleinen mensxhen – politiker als wäre er ein gewerkschaftsmensch vom kleinen mann.
    er ist von reichen und medien verhasst da nicht käufbar. für einen gesunden staat muss eine regierung die medien und ihre journalisten immer im auge behalten, beim kleinsten fehler immer abmahnen, ansonsten wirst du ein spielball der medien. also der mann macht vieles richtig.

    • Avatar

      Mamo

      17. Januar 2020 01:39 at 01:39

      Hallo MD,
      Nur eine kurze Frage: wie kann Erdi 2003 an die Macht kommen und die nach seinem Aufruf (nehmen wir mal an, dass er diesen Aufruf 2003 getan hat, 3 Kinder zu bekommen) etwa 2004 auf die Welt gekommenen Drillinge pro Jungfamilie (nehmen wir mal an, dass nach dem Aufruf sofort alle Jungfamilien ins Ehebett hüpften und durchwegs Drillinge zeugten) bereits 2019 – also mit 15 Jahren – so eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit verursachen?
      Mit Verlaub, selbst wenn sie ein „Wissender“ mit wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung sind, haben sie offenbar bei grundlegenden mathematischen Aspekten nur vorbeigeschrammt.
      Den Rest muss man wohl nicht mehr kommentieren.

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    Mehmet

    16. Januar 2020 18:40 at 18:40

    Lieber MD, Ihr Beitrag ist so unglaublich naiv- voller Erfolg für die AKP gesteuerte Medienlandschaft. Wollte daher zuerst überhaupt keine Stellung nehmen, dennoch kurz etwas dazu;
    1) in der türk. Verfassung benötigt ein Präsident ein Universitätsdiplom – bis heute hat er den entsprechenden Nachweis nicht erbrach.
    2) Infrastruktur; z.B die 3. Bosporus Brücke ist ein Milliardengrab, da zu teuer, zu wenig genutzt. Oder z.B. der neue Flughafen Istanbul wurde viel zu schnell auf Sand und trotzt bedenklicher Umweltprognosen gebaut mit sehr vielen getöteten Arbeitern. Wird derzeit überwiegend nur von THY genutzt und liegt inmitten von kreuzenden Vogelfluglinien. Wir werden niemals dort landen und weichen auf Sabiha G. aus.
    3.) bessere Wohnqualität; Wohnraum ist in den Zentren mittlerweile für Normalverdiener fast unerschwinglich geworden. Jetzt in der Kälte ist die Luft sehr schlecht, da viele mit billiger sibirscher Kohle oder sonst etwas heizen müssen – Öl, Gas und Strom sind sehr teuer geworden.
    4.) Gesundheitssystem; natürlich ist es besser geworden, jetzt aber müssen aufgrund von Kosteneinsparungen z.B. Augenärzte Notfallbehandlungen im Nachtdienst übernehmen, obwohl sie dafür nicht geeignet sind. Viele Ärzte und Akademiker haben und werden noch das Land verlassen (brain drain)
    5.) sie schreiben etwas von Freiheit oder Demokratie; wissen sie eigentlich, das sie verhaftet werden können, wenn sie anderer Meinung als Erdogan und seine Vasallen sind (in der Regel Terrörist oder Fetö Anhanger oder Beleidigung des Türkentums als Begründung).
    6.) in dem Land gibt es so gut wie keine unabhängigen Medien mehr.
    7) Erdo versprach, nur mit einem Siegelring zu gehen. Wissen sie, wie viel er und sein gesamter Clan mittlerweile u.a. in Katar angesammelt haben? Und die kaufwütige Emine gerne für Unsummen shoppen geht? Und er ist nicht käuflich lol
    Man könnte dazu noch Romane schreiben, das soll es aber jetzt gewesen sein.

    Schönen Abend noch / Iyi aksamlar

    • Avatar

      Savas

      16. Januar 2020 20:08 at 20:08

      Hallo Mehmet, ich stimme Ihnen zu, dass die wirtschaftliche Lage in der Türkei nicht sehr gut ist.
      Aber trotzdem war früher fast alles viel schlechter. Das Gesundheitssystem ist heute besser, die Straßen sind besser, die Schulen sind besser und die Löhne sind real deutlich höher. Und vieles mehr. Die rechtliche Lage sollte bei der wirtschaftlichen Betrachtung keine so große Rolle spielen. Länder wie China oder Singapur sind auch keine Demokratien haben aber trotzdem beträchtliche Erfolge erzielt. Es geht darum, dass das Land für Investoren attraktiv bleibt. Die Investoren wissen, dass sie nichts zu befürchten haben, wenn sie sich politisch nicht engagieren. Nur für die die sich politisch engagieren kann es eng werden. So wie in China oder Singapur.

      Ich glaube dass der Herr Schuhmanns zu pessimistisch ist. Zunächst möchte ich erwähnen, dass der Dax auch hauptsächlich deshalb so stark zulegen konnte, weil wir hier sehr niedrige Zinsen haben. Wie sähe die Lage bei uns in D. aus, wenn wir 5% Zinsen hätten. Dann müsste der Herr Schuhmanns seine Analyse deutlich revidieren.
      Außerdem hat er wahrscheinlich nicht gewusst, dass die Türkei letztes Jahr in mehreren Monaten einen Leistungsbilanzüberschuss erzielt hat. Zum ersten mal seit fast 20 Jahren!!! Man sollte auch nicht vergessen, das in der T. noch die Bevölkerung wächst, währen D. auf eine demographische Katastrophe zusteuert, wie viele europäische Länder. Außerdem ist die Staatsverschuldung in der T. zum BIP im OECD Vergleich sehr niedrig. Auch die privaten Schulden in der Türkei sind im OECD Vergleich sehr niedrig.
      Ich finde es traurig, dass der Herr Schuhmanns keine Prognose für die Türkei abgibt und sich stattdessen hinter „wenn“ Analysen versteckt. Vielleicht weiß er ja selbst, dass es um die türkische Wirtschaft nicht so schlecht bestellt ist. Die Krise von 2018 war ein reinigendes Gewitter. Nun geht es wieder bergauf. Ich prognostiziere hiermit folgendes: Die türkische Wirtschaft wird dieses Jahr um etwa 3% wachsen. Die Inflationsrate wird weiterhin hoch bleiben, aber trotzdem niedriges sein als in 2019 und in einigen Monaten werden die Realzinsen negativ bleiben, da der Leitzins weiter sinken wird. Die Arbeitslosigkeit wird sinken. Die Lira wird schlimmstenfalls in Euro 1/7,2 betragen. Die Investitionen werden zunehmen und die Türkei wird ein höheres Wachstum erleben als die meisten europäischen Länder. Und trotzdem werden die westlichen Medien überwiegend negativ über die türkische Wirtschaft berichten. Außerdem werden die amerikanischen Sanktionen kommmen aber die werden nicht sehr schwerwiegend sein. Das werden Sanktiönchen sein, die der Türkei nicht massiv schaden werden.

  7. Avatar

    Mehmet

    17. Januar 2020 07:22 at 07:22

    Ich persönlich halte die türkische Wirtschaft für sehr labil und anfällig auf Einwirkungen von außen. 2018 hustete Donald Trump mal kurz per Twitter (Erhöhung der Zölle für Stahl) und die türkische Währung rauschte in den Keller. Und die Frage ist doch, ob die Türkei für ausländische Investoren wirklich noch attraktiv ist wenn z.B. die Zentralbank wie jetzt aktuell nicht mehr unabhängig ist. Das schafft kein Vertrauen. Aber; das türkische E-Auto TOGG soll ja bald gebaut werden. Viel Erfolg damit ;-)

    • Avatar

      Hakan

      22. Januar 2020 09:28 at 09:28

      Die Türkei ist im Ausland hoch verschuldet sie liegen bei 60% des BIP dazu noch 25% Fremdwährungskredite von Unternehmen.
      Im Oktober Preissteigerung von 8,6%und im Dezember bei 12%.
      Sie haben wohl zu viel A Haber geschaut:))

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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