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Türkei stützt Banken mit 4,9 Milliarden Dollar – das altbekannte Muster?

Die Türkei wird mit 4,9 Milliarden US-Dollar staatlich kontrollierte Banken stützen, damit sie Schrottkredite abbauen können. Das gab der türkische Finanzminister und Erdogan-Schwiegersohn Albayrak gestern bekannt. Eigentlich hätte diese Nachricht für ein Aufatmen sorgen können. Denn wie schon vor Jahren in Europa oder den USA sollte mit diesem Signal ja eigentlich klar sein: Schaut her liebe Anleger, der türkische Staat wird (wahrscheinlich) eure Risiken übernehmen. Genau so, wie es auch vor Jahren in vielen anderen Ländern gemacht wurde? Aber der Markt reagiert heute nicht gut. Die türkische Lira fällt sogar gegen den Euro. EURTRY steigt seit gestern sogar von 6,41 auf 6,48.

Nun, diese 4,9 Milliarden Dollar sollen wie gesagt in staatlich kontrollierte Banken fließen. Aber Albayrak sagte ebenfalls, dass auch private Banken falls nötig ihr Kapital erhöhen könnten. Also indirekt ein Angebot, dass auch die privaten Banken sich beim Staat Geld holen können? Oder nur ein einfacher Hinweis, dass sie sich bei zu vielen Schrottkrediten über Kapitalerhöhungen neues Geld holen sollen?

Die Lira-Krise ist noch lange nicht überwunden. Im Gegenteil. Im Januar kostete 1 Euro noch 6 Lira, jetzt sind es wie gesagt schon 6,48. Auch die Inflation war zwar im Oktober bei über 25%, und hat sich im März bis auf 19,71% erholt. Aber das ist immer noch ein verdammt hoher Wert. Die Arbeitslosigkeit steigt weiter an und hatte nach jüngsten Angaben 13,5% erreicht.

Die Folgen der schlechten wirtschaftlichen Lage in der Türkei sind zwangsläufig in deutlich mehr Schrottkrediten abzulesen, weil Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr zahlen können. Die selben Phänomene sah man in den letzten Jahren vor allem auch in Griechenland und Italien. Und die Lehre aus diesen Beispielen? Es ist kaum vorstellbar, dass es bei 4,9 Milliarden Dollar bleibt. Vielleicht ist dies nur der Anfang.

Laut dem nun bekannt gewordenen Plan sollen einige Problemkredite in Fonds außerhalb der Bank-Bilanzen transferiert werden (nennt man sowas nicht Bad Banks?). Das klingt nach einem bekannten Muster. Der Steuerzahler muss für die finanzielle Staatsraison (Banken retten, Finanzsystem vor dem Kollaps beschützen) zahlen. Mit seinem Geld werden Löcher in den Büchern gestopft, und für ein paar Krümel-Beträge werden die Forderungen an externe Investoren verkauft, die dann die Nominalforderungen (also 100% der noch offenen offiziellen Forderung) einzutreiben versuchen.

Die Türkei ist noch lange nicht über den Berg. Ganz im Gegenteil. Inflation und Arbeitslosigkeit sind deutlich höher als in Europa. Und oben drauf kommt, dass Europa nun aller Wahrscheinlichkeit nach seinen jahrelang tollen Konjunkturzyklus beendet hat, und mit viel Pech sogar in die Rezession rutscht. Das würde sich natürlich auch auf die Türkei als Handelspartner auswirken, wodurch das Land noch schlechter da stehen würde als jetzt schon.

Albayrak Türkei
Berat Albayrak. Foto: President.az CC BY 4.0



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