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Türkei: Warum die Leistungsbilanz zum ersten Mal seit drei Jahren ins Plus dreht

Die Leistungsbilanz (Im- und Exporte, Geldfluss etc) der Türkei ist laut heute von der Zentralbank in Ankara veröffentlichten Daten für August zum ersten Mal seit drei Jahren ins Plus gedreht. Es ist ein Überschuss von 2,6 Milliarden Dollar angefallen (im August 2017 war es noch ein Defizit von 0,9 Milliarden Euro). Hurra, mag man vielleicht sagen! Brummt die Wirtschaft so stark, dass deutlich mehr exportiert wurde?

Hier finden Sie alle Details in der Originalmeldung.

Nein, die Zentralbank erwähnt als Hauptgrund für diesen Überschuss im Außenhandel, dass die Warenimporte um 3,06 Milliarden Dollar gefallen sind. Das ist nachvollziehbar. Die Importpreise explodieren seit Monaten immer weiter. Der türkische Konsument kann oder will sich bestimmte Importwaren ab einem gewissen Punkt wohl nicht mehr leisten, und daher sinkt die Inlandsnachfrage nach ausländischen Gütern. Dieser Effekt wird durch diese Veröffentlichung ganz klar belegt.

Die aktuelle Zahl für August bringt das für die letzten 12 Monate addierte Defizit runter auf „nur noch“ -51,1 Milliarden Dollar. Der aktuelle Monatsüberschuss für August zeigt einen starken Rückgang der Importe, vor allem wenn man sieht, dass noch im Monat Dezember in der Spitze ein Gesamtdefizit von 7,8 Milliarden Dollar erzielt wurde.

Wichtig: Morgen wird ein Gericht in der Türkei erneut über den Fall des unter Hausarrest gestellten US-Pastors Andre Brunson befinden. Seine Freilassung könnte die türkische Lira nach oben pushen, weil damit eine Entspannung des Verhältnis zwischen den USA und der Türkei einher gehen würde. Übrigens hat die Lira nach den heutigen Außenhandelsdaten leicht positiv reagiert. Nach gestern 7 Lira für einen Euro liegt der Kurs jetzt bei 6,92.

Ach, da wäre noch was: Gestern und vorgestern berichteten wir über den Wahnsinn, dass Präsident Erdogan nun de facto die Inflation abschaffen will, in dem die Regierung alle bekämpft, die Preise anheben wollen. Diese Hatz geht auch heute weiter. Der türkische Innenminister hat heute alle 81 Provinzgouverneure dazu aufgefordert „noch rigoroser“ gegen Geschäftsleute vorzugehen, die die Preise für ihre Produkte deutlich anheben. Kontrollen und Strafen sollen verschärft werden. Tja, wir meinen dazu: Der Willkür ist Tür und Tor geöffnet, die Schattenwirtschaft wird kommen, und zahlreiche Einzelhändler werden in ernsthafte finanzielle Probleme geraten.



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1 Kommentar

  1. ehrlich ich finde das auch nicht gut das ein präsident sich in die marktwirtschaft einmischt. nun bin ich gerade in der türkei und bin irritiert. irritiert deshalb weil der eingriff des präsidenten positiv ist. die preiswucher werden bestraft.
    darf nicht sein das obst und gemüse doppelt so teuer ist wie vor 2 monaten. schon allein deshalb weil obst und gemüse nicht importiert wird.
    wie gesagt dem präsidenten ist das „wohl des volkes“ wichtig. moment mal den satz kenne ich doch. den müssen unsere politiker auch bei der vereidigung sagen. vor allem unsere regierungspartei, also die grünen, machen nur gesetze zum wohle des volkes. sie sind zwar prozentual eine kleine partei, aber alles was sie rausschreien wird zur agenda und zu ungunsten des bevölkerung verabschiedet. mir kommt es vor als hätten die grünen an allen schlüsselpositionen ihre vertreter, ob medien oder woanders.
    aber zurück zur türkei, was wäre denn eurer meinung nach richtig. ist das volk wichtiger oder die wirtschaft. oder gehört beides zusammen. oder manchmal die wirtschaft und ein anderes mal das volk.
    schaut mal dieser mann hat mal so zum ramadanfest jedem renter eine einmalzahlung von 1000 lira ausgezahlt. ist das nicht lobenswert.

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