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Asien

Türkei: Wirtschaft vor dem Absturz!

Die türkische Wirtschaft steht buchstäblich vor einem Winter – droht der baldige Kollaps?

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Einkaufsmanagerindex der Industrie stürzt ab

Die türkische Wirtschaft steht buchstäblich vor einem Winter! Das zumindest legt der neueste türkische Einkaufamanagerindex nahe, der gemeinsam von der Istanbuler Handelskammer und Markit berechnet wird. Demnach fiel der Einkaufsmanagerindex von 46,7 im August auf nun 42,7 und verzeichnete damit den größten Rückgang seit dem Jahr 2009! Damit fiel der Einkaufsmanagerindex für die türkische Industrie den sechsten Monat in Folge und handelt nun weit unter der Marke von 50, die die Grenze zwischen Expansion und Kontraktion signalisiert.

Einer der zentralen Faktoren für die Verunsicherung bei den befragten Einkaufsmanagern is der Verfall der Lira, die seit Jahresbeginn 40% an Wert zum US-Dollar verloren hat. Für die in der Regel in Dollar hoch verschldeten Firmen und Konsumenten der Türkei wirkt die Schwäche der Lira zum Dollar wie ein Hebel in Sachen Verschuldung.

Gleichzeitig steigt die Inflation deutlich – so werden beispielsweise ab heute erneut Strompreiserhöhungen wirksam, die den Strompreis für private Haushalte um weitere 9% und für Industriebetriebe um 18,6% verteuern (und damit die Inflation weiter befeuern) – das ist der dritte Monat in Folge mit Erhöhungen des Strompreises.

Bekanntlich ist Staatspräsident Erdogan gegen Zinsanhebungen (sie würden die Inflation erhöhen, meint Erdogan) – die türkische Notenbank unter seinem Schwiegersohn Albayrak hat kürzlich dennoch den Leitzins in einem einzigen Schritt um 6,25% erhöht, um die Märkte zu beruhigen.

 

Lira-Kollaps, Inflation – Firmen können häufig notwendige Materialien nicht mehr beschaffen

Aber die Stimmung in der türkischen Wirtschaft verdüstert sich immer mehr. Ihre Kosten steigen wegen des Lira-Verfalls in bisher ungekanntem Tempo und zwingen die Firmen damit, diese Kosten an die Verbraucher weiter zu geben wie Markit und die Istanbuler Handelskammer konstatieren:

„For the second straight month, record increases were seen for both input costs and output prices amid weakness of the Turkish lira.“

Viele türkische Firmen haben offenkundig wegen der massiv gestiegenen Preise inzwischen sogar Schwierigkeiten, die für ihre Produktion notwendigen Materialien zu beschaffen – dadurch verzögern sich die Lieferzeiten so stark wie seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2005 nicht mehr:

„Meanwhile, current difficulties meant that suppliers were sometimes unable to source materials, leading to delays in the receipt of purchases. Supplier lead times lengthened to the greatest extent since the survey began in June 2005.“

Andrew Harker, Associate Director bei IHS Markit, bringt die desaströse Lage auf den Punkt: Kunden verzichten auf neue Aufträge, Lieferketten funktionieren nicht mehr:

“There was little respite for Turkish manufacturers in September as business conditions remained challenging to say the least. Strong inflationary
pressures were again in evidence, with clients deterred from committing to new orders and the supply chain impacted.”

Die Türkei ist wohl das schwächste Glied der Kette der Emerging Markets: massives Handelsbilanzdefizit, hohe Dollar-Verschuldung von Firmen und Konsumenten, dazu die Erschütterung des Vertrauens in Politik und Notenbank des Landes – all das ist ein giftiger Cocktail, der seine Wirkung nun voll entfaltet..

7 Kommentare

7 Comments

  1. frank

    1. Oktober 2018 12:09 at 12:09

    Hmm, ich bin mir da nicht so sicher. Durch die Türkische Lira werden Waren für Ausländer billig. Dazu gibt es einen gewissen Willen hin zur Autarkie. Wenn möglich produzieren die Türken ihre Güter selbst. Dies sollte die Produktion und Wirtschaft in der Türkei ankurbeln. Und soweit gibt es kaum Embargos gegen die Türkei. Somit sind sie nicht so stark von Sanktionen betroffen wie andere Länder.

    • Markus Fugmann

      1. Oktober 2018 12:20 at 12:20

      @frank, Sie schrieben: „Wenn möglich produzieren die Türken ihre Güter selbst.“
      Warum aber hat dann die Türkei seit Jahren ein heftiges Handelsbilanzdefizit? Da scheint mir bei Ihnen der Wunsch Vater des Gedankens zu sein..
      https://de.tradingeconomics.com/turkey/balance-of-trade

  2. Zinsangst

    1. Oktober 2018 13:30 at 13:30

    Problematisch sind nun auch die hohen Zinsen. Dollar-Kredite sind nicht mehr verfügbar (Dollars werden massiv abgezogen) und Lira-Kredite sind für Unternehmen und Konsumenten sehr teuer. Das ist Gift für eine derart schuldensüchtige Ökonomie wie die Türkische. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen des Zinsschocks auf den heißgelaufenen Immobilienmarkt.

  3. Max Müller

    1. Oktober 2018 17:19 at 17:19

    Was in dem Zusammenhang interessant ist, ob nun Euro/TRY oder $/TRY beide verlieren heute wieder ca 2%.
    Wurden nicht ca 200 Mrd Ende Sept 2018 Schulden fällig? Hat man nichts von gehört, wie sie prolongiert wurden.
    Es ist sowieso sehr still um die Lage in der TR geworden. Dafür gab es Verbales, wie zu besten Zeiten.

    Wo ist den die TRY jetzt einzuordnen oder besser gesagt, welche Marken sind jetzt wichtig?

  4. Peter

    1. Oktober 2018 23:39 at 23:39

    Erklärt es mir bitte. Warum legt die lira enorm zu? Sas sieht nicht gerade nach einem Wirtschaftsverfall aus.wenn das so weiter geht, steht am Wochenende bei 5 lira/Euro.

  5. Ernst Wilhelm

    4. Oktober 2018 15:07 at 15:07

    Die Krise in TR ist hausgemacht. Der Boom in den Vorjahren basierte auf Pump. Wer sollte denn investieren bei den zunehmenden Unsicherheiten. Die 2 größten Firmen sind Banken. Produzierendes Gewerbe ist weit abgeschlagen dahinter. Die Aussagen von Rayip E. zeugen von Unkenntnis über grundlegende Fakten der Fiskalpolitik. Das zerstört dann das Vertrauen.

  6. maria

    22. Oktober 2018 12:45 at 12:45

    jetzt sind ihm auch noch die Renten zu teuer, was macht denn dann das Volk, muss es den Putz von den Wänden essen?

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Asien

China – Abschwung auf breiter Front

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In den letzten Tagen und Wochen haben sich die Finanzmärkte vor allem auf die Entwicklungen um Saudi-Arabien, die EZB, die Fed-Entscheidung morgen – und natürlich auf die leichten Entspannungssignale im Handelskrieg fokussiert (am Freitag Besuch einer niederrangigen Delegation aus China in Washington als Vorbereitung für die Reise Liu Hes vermutlich Anfang Oktober). Aber ein Blick auf die Entwicklung der ökonomischen Daten aus China zeigt, dass das Reich der Mitte einen deutlichen konjunkturellen Abschwung erlebt!

Nicht zufällig hat daher Chinas Premier Li Keqiang (vom Westen weitgehend unbeachtet) gestern gewarnt, dass das derzeitige Wachstumsziel von 6% nur sehr schwer zu halten sei aufgrund der Abschwächung der Weltwirtschaft und des zunehmenden Protektionismus (letzteres eine Spitze gegen Trump).

In der Nacht auf den heutigen Dienstag dann Daten zu den Immobilienpreisen in China, die schon deshhalb so zentral sind, weil das Vermögen der Chinesen zu 75% in Immobilien geparkt ist (bei den Amerikanern sind dagegen 75% des Vermögens in den Finanzmärkten, weswegen für Chinesen ein Crash am chinesischen Aktienmarkt kein Problem wäre, wohl aber ein Crash am Immobilienmarkt!). Die Preise stiegen nur um 8,8% zum Vorjahresmonat, aber die sich abschwächende Tendenz ist klar erkennbar:

Interessant ist, dass sich die Immobilienpreise auch in Australien, also der Volkswirtschaft, die am stärksten von China abhängig ist, nach einem vorherigen Exzess derzeit im freien Fall befinden:

Auch Chinas Industrieproduktion mit einem klaren Abwärtstrend (nur kurz unterbrochen Anfang des Jahres):


source: tradingeconomics.com

Ähnlich das Bild übrigens auch bei den Einzelhandelsumsätzen – und das obwohl Peking den Binnenkonsum maßgeblich stimuliert durch Steuersenkungen etc.:


source: tradingeconomics.com

Für die deutschen Autobauer besonders problematisch ist der deutliche Rückgang der Autoverkäufe in China mit teilweise zweistelligen Prozentrückgängen im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat:


source: tradingeconomics.com

Chinas Wirtschaft ist übrigens nach wie vor eine produzierende Wirtschaft, weniger eine Konsumwirtschaft – das wird sichtbar anhand der Prognosekraft von Suchbegriffen für die konkunkturelle Entwicklung! Während im Westen der Konsum dominiert, sind es in China Suchanfragen nach Essen, Industrie etc., die die beste Vorhersage für die Entwicklung von Chinas Wirtschaft ermöglichen:

 

Die Abkühlung der chinesischen Konjunktur setzte bereits vor dem Handelskrieg (Start durch Trump im Juni 2018) ein und geschieht derzeit trotz teils massiver Stimulus-Maßnahmen Pekings. Es wird Zeit, dass die Märkte sich wieder dem Treiber der letzten jahre  in Sachen Weltwirschaft zuwenden – und damit ihre fast infantile Hinwednung an die vermeintlich segensreichen Notenbanken wieder reduzieren..

 

Die Wirtschaft in China kühlt deurtlich ab

 

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Asien

China robust? Keine Probleme für globale Konjunktur? Ein zweiter Blick lohnt sich

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Wenn es heute früh zum Thema China Berichte in Sachen Wirtschaft gibt, dann geht es um die Inflationsrate. Sie wurde heute früh für August mit +2,8% im Jahresvergleich veröffentlicht bei +2,7% Erwartung. Der folgende Chart zeigt konstante Preissteigerungen in den letzten zwölf Monaten. Also, läuft doch alles? Die Konjunktur in China scheint so gut zu laufen, dass die Preise ordentlich angeheizt werden?


source: tradingeconomics.com

Neben der Inflationsrate (Verbraucherpreise) gibt es ja auch stets vorlaufende Preise, also Indikatoren. Sie geben zumindest Anhaltspunkte, wie die Verbraucherpreise in mehreren Monaten aussehen könnten, da sie ja ganz am Ende der Preiskette stehen. Ebenfalls heute wurden für China die Produzentenpreise veröffentlicht. Nach -0,3% im Jahresvergleich im Juli sind es jetzt für August -0,8%. Also Deflation bei den Preisen der Produzenten. So rosig sieht die Gesamtlage damit schon gar nicht mehr aus! Das heißt nicht, dass sich die Inflation in China demnächst in eine Deflation verwandelt. Aber die Inflationsrate könnte schwächeln.


source: tradingeconomics.com

Und dann haben wir da noch die Autoverkäufe in China, die seit geraumer Zeit kräftig rückläufig sind. Sie machen auch den stark in China engagierten deutschen Herstellern zu schaffen. Laut aktuellen Zahlen fallen die Autoverkäufe mit -9,9% nun zum 14. Mal in 15 Monaten. Der Chart zeigt die Lange Strecke der rückläufigen Verkaufszahlen, und sie hält weiter an. Das dürfte sich auch negativ auf die Quartalszahlen der Hersteller hierzulande auswirken.

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Asien

Deutschland und Japan: So katastrophal sind die Rückgänge in der Industrie!

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So wirklich angekommen scheint das Thema in der breiten Öffentlichkeit noch nicht zu sein. Denn der Arbeitsmarkt ist weiterhin quasi am Rand der Vollbeschäftigung. Bau und Dienstleistungen produzieren neue Jobs, und alles wird gut? Dem ist nicht so. Denn für Volkswirtschaften mit großer Bevölkerungszahl bildet die Industrie die Basis, auf der vor allem die Dienstleistungsindustrie aufbaut! Kleine Länder wie Luxemburg können sich zum Beispiel auf Finanzdienstleistungen als Einnahmequelle konzentrieren. Das geht, weil das Land aufgrund seiner kleinen Landmasse geringe Kosten für die Infrastruktur hat.

Und aufgrund seiner geringen Bevölkerungszahl kann Luxemburg in einem langfristigen Zustand der Vollbeschäftigung leben, wenn die Menschen reihenweise als Wirtschaftsprüfer oder Fondsmanager tätig sind. Aber in großen Flächenländern wie Deutschland, Frankreich etc mit großer Bevölkerungszahl, da braucht es die Industrie als Basis, um die breite Masse der Bevölkerung auch in Dienstleistungsjobs ernähren zu können. Ohne diese Basis geht es nicht! Deswegen ist es auch so wichtig, dass die Politik die aktuelle Schwäche in der Industrie viel stärker in Augenschein nehmen sollte. Aber wie wir gestern schon zeigten.

Unser Wirtschaftsminister Peter Altmaier will eine bevorstehende Rezession mit Maßnahmen bekämpfen, die vielleicht erst in 3, 4 oder 5 Jahren wirken könnten. Ein Witz. Denn wenn die Politik gegensteuern wollte, dann müsste jetzt sofort etwas geschehen. Sehen Sie dazu unseren Artikel von gestern. Aber wir schweifen ab. Anlass dieses Artikels sind Daten, die heute früh in Japan veröffentlicht wurden. Japan und Deutschland gelten als die klassischen Exportländer. Und gerade diese beiden Länder weisen seit Monaten drastische Rückgänge in der Industrieproduktion aus. Japan meldet heute für den Monat Juni im Jahresvergleich einen Rückgang von 3,8%. Damit sinkt die Industrieproduktion in Japan im Jahresvergleich nun schon den fünften Monat in Folge (erste Grafik). Und die jeweiligen monatlichen Rückgänge sind kräftig!


source: tradingeconomics.com

Und Deutschland? Hier sieht es nicht besser aus. Zuletzt vor einer Woche hatten die Statistiker hierzulande die Industrieproduktion für Juni im Jahresvergleich mit -5,2% vermeldet. Hallo? Das ist katastrophal! Damit gibt es bei uns nun acht Monate in Folge deutliche Rückgänge! Zahlreiche Entlassungen in der Industrie gibt es schon. Aber die Dramatik der Lage fällt am Arbeitsmarkt wohl noch nicht auf, weil gleichzeitig Bau und Dienstleistungen wie gesagt neue Jobs schaffen. Aber am Bau, da braut sich gerade was zusammen in Deutschland. Schon in den Vormonaten schwächelten die Neugenehmigungen für den Wohnungsbau, und auch heute geht es weiter bergab. Wir werden dieses Thema in einem Folgeartikel genauer ansprechen.


source: tradingeconomics.com

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