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Türkei: Wirtschaftsdaten, Erdogan, Lira schwächelt, und ein neuer Plan zur Bankenrettung

In der Türkei, da ist momentan so richtig was los! Letzten Donnerstag erhöhte die türkische Zentralbank massiv den Leitzins von 17,75% auf 24%. Die Lira wertete daraufhin auf, aber nur minimal. Denn fast zeitgleich zur Zinsentscheidung hatte Präsident Erdogan klar gemacht, dass er diese Politik der Notenbank nicht mehr lange dulden wird.

Erneut bekräftigte er die (inhaltlich sinnfreie) Aussage, dass hohe Zinsen für die Inflation verantwortlich seien. Seine Geduld sei nicht endlos, und die Zentralbank könne ja nun beweisen, dass sie mit höheren Zinsen die Inflation bekämpfen könne. Da gibt es ein Problem. Die Inflation rührt zu großen Teilen aus der schwachen Lira, wodurch Importe immer teurer werden. Aber so sehr die Zentralbank auch die Zinsen anhebt um den entgegenzuwirken – die Aussagen Erdogans bieten den Devisenhändlern immer wieder aufs Neue genug Angriffsfläche zum Verkaufen der Lira.

So ist die Lira-Aufwertung seit der massiven Zinsanhebung von letztem Donnerstag bis jetzt wieder zur Hälfte verloren gegangen. Euro vs Lira fiel seit Donnerstag von 7,50 auf 7,00. Jetzt liegt der Kurs schon wieder bei 7,37. US-Dollar vs Lira fiel von 6,43 auf 6,01, und liegt jetzt wieder bei 6,30. Erdogan kann diese Kursbewegungen als Nachweis dafür nutzen, dass die Zentralbank nichts bewirkt. Dabei ignoriert er, dass seine eigenen Äußerungen verhindern, dass die Zentralbank-Maßnahmen etwas bewirken können. So kann Erdogan innerhalb der Türkei problemlos argumentieren, dass es doch mehr als notwendig ist die Notenbanker aus dem Amt zu jagen – diese Maßnahme könnte nämlich durchaus in den nächsten Tagen anstehen!

Wirtschaftsdaten

Die Arbeitslosenquote in der Türkei für den Monat Juni wurde heute mit 10,2% bekanntgegeben. Damit lag sie zwar genau auf dem selben Niveau wie vor einem Jahr, aber sie ist in den letzten vier Monaten jedes Mal gestiegen. Auch Daten zur Industrieproduktion wurden heute veröffentlicht. Das Wachstum im Juli liegt bei 3,5% im Monatsvergleich und 5,6% im Jahresvergleich. Diese Wachstumsrate ist schon das ganze Jahr über gefallen – noch im Dezember 2017 lag sie bei 14%. 5,6% in einem Jahr ist natürlich eine tolle Zahl – sie ist aber nichts wert bei einer Inflation von fast 20%!

Bankenrettung

Aktuell ist es mehr als absehbar. Durch die immer schwächere Lira müssten türkische Verbraucher und Unternehmen immer mehr Lira aufwenden um ihre Dollar-Kredite bedienen zu können. Dadurch rutschen wohl bald immer mehr Kreditnehmer in der Türkei in die Pleite, und Banken werden zunehmend das Problem der notleidenden Kredite haben. Sie haben in den letzten Jahren schon Italien und Griechenland ins Wanken gebracht.

Um das zu verhinden, ergreift die türkische Regierung nun offenbar frühzeitig Maßnahmen. Wie man aktuell als Finanzkreisen hört, will die Regierung wohl am Donnerstag einen Plan für die Rettung der türkischen Banken präsentieren. Offenbar sollen sie die Möglichkeit erhalten notleidende Kredite in eine Art Sondervehikel (Bad Bank) des Staates zu verschieben. Im Klartext: Der türkische Staat haut die Banken raus, und die Probleme werden auf den Steuerzahler umgebucht, wie in den letzten zehn Jahren in Europa auch. Damit soll verhindert werden, dass die Banken frisches Kapital aufnehmen müssen. Das dürfte nämlich in der momentanen Lage schwierig werden.

Türkei Euro vs Lira
Euro vs Türkische Lira seit Ende Juni.



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