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Türkei: Zentralbank senkt Leitzins – türkische Lira im Fokus!

Türkei-Fahne

Die türkische Zentralbank hat soeben verkündet, dass man den Leitzins von 16 Prozent auf 15 Prozent absenkt (in den letzten Wochen bereits gesenkt von vormals 19 Prozent im Hoch). Damit kommt diese Zinssenkung exakt wie vom Markt erwartet. Die türkische Lira, die in den letzten Tagen und vor allem seit gestern nochmal dramatisch abgewertet war, lag vorhin kurz vor der Entscheidung bei einem Kurs von 10,51 Lira für 1 US-Dollar – jetzt wertet sie kurz nach der Verkündung weiter ab auf 10,81 Lira pro Dollar. Weitere Abwertungen der Lira sind möglich. Aber zuletzt ist sie bereits derart stark gefallen, dass jetzt auch erstmal massive Gewinnmitnahmen von Lira-Short-Spekulanten möglich sind, was auch zu einer spontanen Aufwertung führen könnte. Dennoch: Inhaltlich gesehen sieht es weiter nicht gut aus für die Lira, weil die Zentralbank den Leitzins senkt, während die Inflation weiter ansteigt, und jetzt bereits 4,89 Prozentpunkte über dem Zinsniveau liegt.

Türkische Zentralbank mit Aussagen zur Zinssenkung

Die türkische Zentralbank sagt in ihrer aktuellen Mitteilung zur Zinsentscheidung, dass der jüngste Anstieg der Inflation durch angebotsseitige Faktoren wie den Anstieg der Lebensmittel- und Importpreise verursacht wurde, insbesondere im Energiebereich, sowie durch Versorgungsengpässe, den Anstieg der administrierten Preise und die Nachfrageentwicklung. Die Änderung des geldpolitischen Kurses begann sich laut Zentralbank positiv auf die gewerblichen Kredite auszuwirken. Darüber hinaus beobachte man die Entwicklungen bei den Verbraucherkrediten genau.

Man habe Analysen ausgewertet, um die Auswirkungen der Nachfragefaktoren, die die Geldpolitik beeinflussen kann, die Entwicklung der Kerninflation und die Angebotsschocks zu zerlegen. Und so habe man beschlossen den Leitzins für die Türkei um 100 Basispunkte auf 15 Prozent zu senken. Man geht davon aus, dass die vorübergehenden Auswirkungen von angebotsseitigen Faktoren und anderen Faktoren, die sich der Kontrolle der Geldpolitik entziehen, auf den Preisanstieg bis zum ersten Halbjahr 2022 anhalten werden. Man werde in Erwägung ziehen den begrenzten Spielraum, der sich aus diesen Faktoren ergibt, im Dezember vollständig auszunutzen.

Die Zentralbank sagt, man werde weiterhin entschlossen alle verfügbaren Instrumente einsetzen, bis starke Indikatoren auf einen dauerhaften Rückgang der Inflation hindeuten und das mittelfristige Ziel von 5 Prozent erreicht ist, um das vorrangige Ziel der Preisstabilität zu verfolgen (FMW: Und das erreicht man mit massiven Zinssenkungen?). Ein stabiles allgemeines Preisniveau werde die makroökonomische Stabilität und die finanzielle Stabilität durch den Rückgang der Länderrisikoprämie, die Fortsetzung der Umkehr der Währungssubstitution und den Aufwärtstrend bei den Devisenreserven sowie den dauerhaften Rückgang der Finanzierungskosten fördern. Dies würde eine tragfähige Grundlage für ein weiteres gesundes und nachhaltiges Wachstum von Investitionen, Produktion und Beschäftigung schaffen.


source: tradingeconomics.com
Die Grafik zeigt den Verlauf des Leitzinses in der Türkei in den letzten fünf Jahren.

Erdogan macht Druck

Präsident Erdogan drängt die Zentralbank (auch durch Personalwechsel) dazu den Leitzins kräftig zu senken. Er solle unter 10 Prozent gesenkt werden. Nun sehen wir in wenigen Wochen, wie er von 19 auf 15 Prozent gesenkt wurde. Erst gestern nannte er Zinsen eine Plage, von der man die Menschen in der Türkei erlösen müsse.



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1 Kommentar

  1. Immerhin die Türkei ist ein starkes Land, es ist mit Zinsen von 15 und 16 % noch nicht untergegangen, während die Weltmacht USA den Zombifirmen und den Hypotheken keine 5% zutrauen darf und die Aktienmärkte mit künstlichen 10 Jahres Anleihenrenditen von unter 2%
    gestützt werden müssen.Auch China hat noch Zinsen und ist daran einen Funken von Marktwirtschaft herbeizuführen.
    Man kann gespannt sein wie lange das Ami-Kartenhaus noch hält.

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