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Türkische Lira der Gewinner – Erdogan gewinnt, Trump darf sein Gesicht wahren

Was hatte Donald Trump nicht gepoltert und gedroht. Er werde die Türkei wirtschaftlich vernichten, wenn sie bei ihrem Einmarsch nach Nordsyrien beim Angriff auf die Kurden zu weit gehe. Und dann reisten gestern Außenminister Pompeo und Vizepräsident Pence nach Ankara um direkt mit Recep Tayyip Erdogan zu sprechen. Das konnte man als ultimative Aufforderung Richtung Erdogan verstehen, dass er aufhören soll. Aber was kam dabei heraus? Gestern Abend wurde eine „Waffenruhe“ für 120 Stunden verkündet, durch Vizepräsident Pence. Die türkische Lira freute sich und wertete spürbar auf gegen den US-Dollar.

Türkische Lira wertet Erdogan als Gewinner

Die türkische Lira gilt quasi als Gradmesser für alle geopolitischen Ereignisse rund um die Türkei und diesen aktuellen Konflikt. Die türkische Lira wird mit nun steigender Wahrscheinlichkeit gestärkt aus dieser Lage hervorgehen. Auch Recep Tayyip Erdogan wird gewinnen, und Donald Trump wird politisch verlieren. Er darf aber oberflächlich sein Gesicht wahren, wenn er vor allem zuhause erzählen kann, dass er die Kurden nicht im Stich gelassen hat. Aber in Wirklichkeit hat er sie im Stich gelassen.

Denn wer genauer hinschaut, der sieht offiziell keinen Hinweis auf eine Waffenruhe. Es geht laut Vereinbarung zwischen USA und Türkei darum, dass die Türkei ihren Angriff auf die Kurden für 120 Stunden unterbricht, damit die kurdischen Kämpfer Zeit haben aus dem von der Türkei als Sicherheitszone beanspruchten Gebiet abzuziehen. Für eine Waffenruhe hätten ja auch die Kurden zustimmen müssen – die wurden aber gar nicht gefragt. Also verhelfen die USA den Türken quasi zum angestrebten Gebietsgewinn, nur mit wohl deutlich weniger eigenen Verlusten. Denn für die Kurden ist das Signal dieses Deals relativ eindeutig. Die USA haben oberflächlich ihr Gesicht gewahrt, und können nach außen als Friedensstifter auftreten.

Kurden verlieren, Trump darf sein Gesicht wahren

Und die Kurden, wenn sie denn nicht abziehen, haben danach wohl kaum noch etwas an Hilfe aus Washington zu erwarten. Sie sind die Verlierer! Donald Trump kann sich zurücklehnen, denn er hat oberflächlich sein Gesicht gewahrt. Keine Rede mehr von Sanktionen gegen die Türkei. Sie ist der Gewinner. Man konnte die Amerikaner relativ einfach zufriedenstellen. Präsident Erdogan wird nun wohl vermutlich seine Agenda durchsetzen können. Da die Sanktionen von Seiten der USA erst einmal vom Tisch zu sein scheinen, darf die türkische Lira weiter aufwerten.

Und das tut sie seit gestern Abend auch. US-Dollar vs türkische Lira verliert von 5,87 auf 5,76. Ach ja, und Assad ist auch noch ein Gewinner. Da die Kurden ihn um Hilfe gebeten hatten, ist er bereits mit russischen Truppen nach Norden vorgerückt, und kann einen Teil seines Staatsgebiets zurückbekommen. So geraten die Kurden zwischen Assad und Erdogan. Aber zurück zum Gradmesser. Im Chart sieht man den Verlauf von USD vs Lira seit dem 20. September. Die Aufwertung der Lira ist deutlich erkennbar. Ob Donald Trump nach Ablauf dieser 120 Stunden seine Meinung vielleicht doch wieder ändert, und erneut mit der wirtschaftlichen Vernichtung der Türkei droht? Möglich ist bei ihm ja alles. Aber für den Moment ist die Lira im Aufwind, und Erdogan steht als Gewinner da.

US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 20. September



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