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Türkische Lira erreicht neues Rekordtief – keine gute Gemengelage

Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt aktuell auf ein neues Rekordtief gegen den US-Dollar. Bezahlte man Anfang dieser Woche noch 8,40 Lira für 1 US-Dollar, so sehen wir heute mit einem Kurs von 8,58 den tiefsten Lira-Kurs aller Zeiten. Damit hat man jetzt auch das alte Tief aus November 2020 hinter sich gelassen. Im folgenden Chart sehen wir den immer weiter steigenden US-Dollar gegen die türkische Lira im Verlauf der letzten zehn Jahre. Damals zahlte man noch weniger als 2 Lira für 1 Dollar.

Gründe für schwache türkische Lira

Die Gründe für die immer weiter fallende türkische Lira sind vielfältig. Holger Zschaepitz von der WELT führt aktuell als Grund an, dass zwei US-Fonds Geld aus der Türkei abziehen wegen den sogenannten ESG-Bedenken. ESG (hier ausführlich erklärt) steht für die bei vielen institutionellen Anlegern immer wichtiger werdenden Faktoren wie Umwelt, Soziales und nachhaltige Unternehmensführung. Wer Kapital aus der Türkei abzieht, verkauft die türkische Lira, und wechselt sie um in US-Dollar oder Euro. Das schwächt natürlich den Kurs der türkischen Währung.

Auch die erst diese Woche erfolgte Entlassung eines weiteren Notenbankers durch Präsident Erdogan sorgt für Unsicherheit. Denn sie verstärkt die Angst an den Märkten, dass die Zentralbank in Ankara dem Drängen des Präsidenten nachgeben könnte, dass der Leitzins in der Türkei gesenkt werden muss – und das bei einer über 17 Prozent stehenden Inflationsrate (Leitzins jetzt noch bei 19 Prozent). Für die türkische Lira ist dies ein deutlicher Unsicherheitsfaktor.

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Inflationsangst, Sorge vor großen Rückzahlungen und Rating

Auch besteht das Szenario der in aller Munde stehenden steigenden Inflation in Europa und den USA. Teil dieses Szenario ist, die Renditen für US-Staatsanleihen steigen, und dass der Dollar-Raum damit für Anleger attraktiver wird. Vor allem die Fed könnte sich (womöglich) genötigt fühlen die Geldpolitik zu ändern. Und schon die Angst davor unterstützt aktuell die Lira-Schwäche. Aktuelle Berichte zeigen auch, dass die türkische Lira unter dem Druck von bevorstehenden Kreditrückzahlungen leidet.

Die türkische Wirtschaft hatte sich lange Zeit in US-Dollar verschuldet. Wertet die Lira gegen den Dollar aber immer weiter ab, steigen die Rückzahlungskosten immer weiter in die Höhe. Jetzt sollen alleine im Juni Fremdwährungskredite über 6,9 Milliarden Dollar vor der Rückzahlung oder Umschuldung stehen. Das könnte den Abverkauf der Lira noch verstärken. Auch soll die weltgrößte Ratingagentur Standard & Poor’s im Laufe des Freitags das türkische Junk-Rating „B+“ überprüfen. Aktuell spricht die Gemengelage einfach gegen die türkische Währung.

Chart zeigt seit zehn Jahren Verlauf von US-Dollar gegen türkische Lira



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