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Türkische Lira fällt auf neues Allzeittief wegen Erdogan – Notenbank hilflos

Neue Allzeittiefs der türkischen Lira – ziehen die Finanzmärkte Erdogan den Stecker bei seiner Schulden-Party?

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Die türkische Lira fällt heute sowohl zum Dollar als auch zum Euro auf ein neues Allzeitief – alleine zum US-Dollar ging es seit Jahresbeginn um knapp -11% nach unten. Das wird nun immer mehr ein Teufelskreis: da die Türkei stark auf Importe angewiesen ist, führt die schwache Lira zu einem weiteren Anstieg der Inflation, die im Oktober schon bei 11,9% lag und im November über die 12%-Marke gestiegen sein dürfte. Auslandsinvestoren dagegen verlieren real Geld mit ihren Investments, investieren daher weniger,was wiederum die Wirtschaft bremsen dürfte.


(Dollar-Lira, zum Vergrößern anklicken!)


(Euro-Lira)

Offenkundig hat Erdogan angeordnet, dass die offiziellen BIP-Zahlen ein wenig nach oben frisiert werden sollen – auf dem Papier sieht das gut aus, geht aber wohl an der Realität vorbei. Die Regierung hat viel Geld in die Wirtschaft gesteckt, auf Pump natürlich. Das wiederum lässt Anleihe-Investoren flüchten, die Risikoprämie für die 10-jährige türkische Staatsanleihe nähert sich der 13%-Marke. Mit einem Leistungsbilanzdefizit von -5% des BIP steht die Türkei so schlecht da wie kaum ein anderes Land.

Faktisch hat Erdogan der auf dem Papier unabhängigen Notenbank verboten, die Zinsen weiter anzuheben um den weiteren Anstieg der Inflation zu bremsen – Erdogan ist der erstaunlichen Meinung, dass steigende Zinsen die Inflation anheizen. Die Schwäche der Lira wiederum ist seiner Meinung nach nicht Ausdruck eines Politikversagnes, sondern das Werk der „Zinslobby“ (wer auch immer das sein soll!).

Die türkische Notenbank ist also in einer fast aussichtslosen Lage und versucht nun in einer Art Zinsanhebung durch die Hintertür, die weitere Abwertung der Lira zu stoppen. Gestern hob die Notenbank den Ausleihesatz für Banken um 0,25% an, traut sich aber nicht, den offiziellen Leitzins zu verändern, nachdem Erdogan angedroht hatte, die formale Unabhängigkeit der Notenbank zu beenden. Die Anhebung des Banken-Ausleihesatzes aber, das zeigt ein Blick auf den Devisen- und Anleihemarkt, kommt schlicht zu spät und ist zu wenig. In Istanbul sind heute besonders Bank-Aktien unter Druck.

Man könnte die türkische Wirtschaft als eine Art „Kartenhaus“ bezeichnen, das jederzeit einzustürzen droht. Gigantische Prestige-Projekte wie der völlig überdimensionierte Flughafen in Istanbul, den Günstlinge des Erdogans-Systems bauen, zeigen eine Art „Großmanssucht“, die scheinbar nicht mehr finanzierbar ist.

Lange Zeit flossen vor allem die billigen Dollars ins Land, Erdogan profitierte (wie Merkel) von den Reformen des Vorgängers im Amt. Seine Unterstützung vor allem in der ländichen Bevölkerung resultiert vor allem aus der Tatsache, dass die Banken, anders als zuvor, auch diesen Menschen Kredite geben – mit der Folge dass zwar nicht der Staat, aber eben die türkischen Bürger hoch verschuldet sind. Bei Wahlen kann sich Erdogan daher auf diese Klientel verlassen, die genau weiß, dass der Fall Erdogans auch ihr Leben negativ beeinflussen dürfte, wenn die von oben verordnete Party beendet ist. Solange aber Erdogan der große Chef ist, so die Logik, kann die Party eben weiter gehen.

Und so ist es wohl nicht die schwache Opposition in der Türkei, die Erdogan gefährlich wird, sondern es sind die Finanzmärkte, die der Schuldenparty den Stecker ziehen könnten, wenn die Entwicklung so weiter geht. Aus Sicht Erdogans also die böse „Zinslobby“..


Foto: Prime Minister Office / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Savestrax

    22. November 2017 14:32 at 14:32

    Wann kann man denn in der türkischen Lira auf die Startseite wechseln und die Zinsdifferebz nutzen? Gibt es da charttechnisch irgendwelche Marken?

    • Avatar

      Savestrax

      22. November 2017 14:33 at 14:33

      Sollte natürlich Shortseite heißen.

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

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Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

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