Devisen

Türkische Lira mit neuem Allzeittief – Regierung sieht keine Währungskrise

Von Markus Fugmann

Die Talfahrt der Türkischen Lira setzt sich ungebremst fort: auch heute wieder ein neues Allzeittief zum US-Dollar. Die Lira verliert mehr als 1%, Dollar-Lira steigt auf 2,5940, nachdem bereits gestern ein Allzeittief markiert worden war.

Die Regierung jedoch scheint das wenig zu beeindrucken: so sagte Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci gestern, dass man nicht besorgt sei über die Schwäche der Lira – und rief die türkische Notenbank einmal mehr dazu auf, die Zinsen weiter zu senken. Der türkische Notenbankchef Basci steht seit Monaten unter heftigem Beschuss durch die Regierung: man wirft ihm vor, im Interesse fremder Mächte zu handeln, indem er zu zögerlich die Leitzinsen senke. Basci aber hat ein wesentliches ökonomisches Argument: die Inflation ist schlicht zu hoch. Sie betrug im Februar 7,5% – und damit deutlich mehr als die von der Regierung anvisierten 5%. In der seltsamen Logik des türkischen Präsidenten Erdogan aber würden Zinssenkungen auch zu einer niedrigeren Inflation führen – eine vorsichtig formuliert unorthodoxe Theorie.

Ausländische Investoren aber stimmen mit den Füssen ab – die Schwäche der Lira ist dafür ein Beleg. Gestern hatte sich der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in New York auf Veranstaltungen von Goldman Sachs und Citigroup mit ausländischen Investoren getroffen. Ahmet Davutoglu war nach den Gesprächen optimistisch: keiner seiner Gesprächspartner sehe eine Währungskrise in der Türkei oder zweifle an der Zukunft der Türkei. Dass eben diese Investoren das offenkundig ein bißchen anders sehen, zeigen die heutigen Kursverluste der Lira.

Dabei hat sich die türkische Regierung das Dilemma selbst eingebrockt durch ihre unablässigen Attacken auf die Notenbank. Tim Ash, Chefvolkswirt für die Emerging Markets bei der Standard Bank PLC in London, scheint fassunglos über das Verhalten der Regierung: sie habe durch den niedrigen Ölpreis und die übergeordnet deflationären Tendenzen eigentlich gute Voraussetzungen gehabt, diese aber ohne Not verspielt. Sie hätten, so Tim Ash, einfach nur den Mund halten sollen, dann hätte die Türkei ein „Traumszenario“ gehabt.



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