Devisen

Türkische Lira mit Rekordtief – warum die Abwertung weiterlaufen könnte

Türkei-Flagge

Wir hatten vor dem 23. September vor der Zinsangst gewarnt, also einer möglichen Zinssenkung in der Türkei, und dass sich dies negativ auf die türkische Lira auswirken könnte. Immer noch ist es doch recht erstaunlich, dass so ziemlich alle Devisenexperten überrascht zeigten, als die türkische Zentralbank dann am 23. September den Leitzins von 19 Prozent auf 18 Prozent absenkte. Denn immerhin hatte der Zentralbankchef vorher eine Zinssenkung quasi ins Schaufenster gestellt, mit dem Hinweis die Zentralbank werde nicht mehr auf die Inflation schauen, sondern auf die Kerninflation, die mit 16,8 Prozent deutlich geringer ist als die offizielle Inflation mit 19,25 Prozent. Dass diese neue Sichtweise Platz für Zinssenkungen einräumen würde, hätte eigentlich klar sein müssen.

Aber gut. Fakten wurden geschaffen, und die „Experten“ zeigten sich überrascht. Die türkische Lira wertet deswegen in den letzten Tagen deutlich ab. Für 1 US-Dollar musste man vor der Zinssenkung am 23. September noch 8,65 Lira aufbringen, so sind es jetzt bereits 8,88 Lira. Gestern wurde das neue Rekordtief bei 8,95 gesehen.

Zwei Gründe warum die türkische Lira weiter abwerten könnte

Es gibt zwei Gründe, warum die türkische Lira ihre Abwertung fortsetzen könnte. Da wäre als erster Grund die eigenständige Lira-Schwäche aufgrund der erfolgten Zinssenkung. Denn bei einer Inflation, die über dem Leitzins liegt (dazu noch auf so einem exorbitant hohen Niveau), wären eigentlich Zinsanhebungen angebracht gewesen oder zumindest das Beibehalten des Niveaus von 19 Prozent. Aber seit Monaten macht Präsident Erdogan massiv Druck auf die Zentralbank. Er will einen Leitzins von sogar unter 10 Prozent sehen. Im Frühjahr wurden deswegen die Führungskräfte der Zentralbank ausgetauscht. Nun gab letzte Woche die Zentralbank seinem Druck offenbar nach, und senkte den Leitzins von 19 auf 18 Prozent.

Laut Berichten soll Ibrahim Aksoy von der HSBC der einzige Analyst gewesen sein, der diese Zinssenkung prognostiziert hatte. Und gerade er sieht derzeit die Möglichkeit, dass es dieses Jahr in der Türkei erneut eine Zinssenkung geben könnte. Denn ja, so möchten wir anmerken: Präsident Erdogan wünscht nun mal deutlich niedrigere Zinsen. Dies würde aber noch mehr Druck auf die türkische Lira ausüben. Denn mit einem Zins, der weiter sinkt, während die Inflation über 19 Prozent liegt, werden Geldanlagen für ausländische Investoren in der Türkei weniger attraktiv. Ein verstärkter Kapitalabfluss droht, wodurch Lira verkauft und US-Dollar sowie Euro gekauft werden. Die nächste Zinsentscheidung der türkischen Zentralbank steht turnusmäßig am 21. Oktober an.

Eigenständige Stärke im US-Dollar

Zweiter Grund für einen weiteren möglichen Abwertungsdruck: Neben der eigenständigen Lira-Schwäche drückt die eigenständige Stärke im US-Dollar massiv gegen die türkische Lira. Seit Tagen wertet der US-Dollar auf. Denn es gibt dieser Tage immer mehr Anzeichen, dass die US-Notenbank Federal Reserve demnächst ihre Geldpolitik ändert. Man wird wohl noch dieses Jahr seine Anleihekäufe schrittweise zurückfahren. Dadurch können Anleiherenditen steigen, und US-Staatsanleihen werden wieder attraktiver. Dies verstärkt jetzt bereits den Sog hin zum US-Dollar, was alles schwächt, das gegen ihn gehandelt wird. Dies sieht man auch am derzeit immer weiter fallenden Euro. Aber Schwellenländerwährungen wie die türkische Lira können unter so einem Sog hin zum US-Dollar noch stärker leiden. Dieses Szenario kann weiterlaufen, wenn die Renditen für Anleihen in den USA weiter zulegen, und der US-Dollar seine eigenständige Stärke weiter entfaltet.

Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar vs türkische Lira seit zehn Jahren
Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar vs türkische Lira seit zehn Jahren.



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1 Kommentar

  1. Ja gut liegt den im Euroland oder in den USA der Zins über dem Inflationsniveau ?

    Irgendwie machen doch alle daselbe, der Realzins in den USA lag unlängst bei -5%…da scheint der Erdojhonny ja gleich noch moderate wünsche zu haben…wie wir die Inflation berechnen da sind wir ja auch kreativ….wir manipulieren die Preise zB über Bauernsubventionen von Lebensmittel halt schon bevor die Ware überhaupt im Warenkorb landet…ohne vertieftes Wissen davon zu haben behaupte ich mal von Subventionen wie Sie die Europäischen Landwirte bekommen, ja da können die Türken träumen….

    Alles Lug und Betrug

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