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Devisen

Türkische Lira wertet ab – Erdogan droht den Vereinigten Staaten

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Türkei Flagge

Die türkische Lira wertet ab. Was ist da los? Wir begeben uns auf eine kleine Spurensuche, und beginnen am letzten Donnerstag. Da senkte die türkische Zentralbank den Leitzins von 14% auf 12%, wobei der Markt eine Senkung auf 12,5% erwartet hatte. Somit hat die Zentralbank binnen weniger Monate vier Mal den Leitzins gesenkt, und das kräftig von 24% auf jetzt 12%.

Gegen die normale Marktlogik konnte die türkische Lira dann sogar leicht aufwerten. USD vs Lira fiel von 5,79 auf 5,77 bis zum nächsten Tag. Und von da an geht es bergauf für den Dollar gegen die Lira bis auf 5,85 am heutigen Montag. Zwischenzeitlich gab es positive Nachrichten vom Handelskrieg der USA mit China, was dem US-Dollar half. Der Dollar-Index konnte in den letzten Tagen nicht so sehr profitieren, weil der US-Dollar in diesem Währungskorb auch gegen das britische Pfund gehandelt wird. Und das Pfund ist nach dem Wahlsieg von Boris Johnson in UK quasi durch die Decke gegangen. Deswegen wirkt es im Währungskorb so, dass der US-Dollar die letzten Tage nicht besonders stark war.

Türkische Lira wertet ab wegen Erdogan-Aussagen

Aber gegen die türkische Lira kann man die Stärke des US-Dollar sehen. Das wichtigste Argument, warum die Lira aktuell Schwäche zeigt, ist aber wohl eher politischer Natur. Präsident Erdogan hat laut aktuellen Berichten den USA damit gedroht den von den USA benutzten Luftwaffenstützpunkt Incirlik zu schließen. Dabei geht es um mögliche US-Sanktionen gegen die Türkei und auch um eine mögliche Reaktion der Türkei auf die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern im ersten Weltkrieg durch den US-Senat. Incirlik liegt im Südosten der Türkei. Von dort aus sind die Amerikaner in der Lage in kürzester Zeit Länder wie Syrien, Irak etc zu erreichen. Man kann sich schnell denken, wie strategisch wichtig dieser Stützpunkt die das US-Militär ist in Sachen Nahost-Geostrategie.

Wir hatten Incirlik schon mehrmals die letzten Monate angesprochen als möglichen Grund dafür, warum Donald Trump die Türkei bei Sanktionsandrohungen mit Sandhandschuhen angefasst hatte. Da war zum Beispiel der Einmarsch der Türken in Syrien, und der türkische Raketenkauf in Russland, was die Amerikaner hart getroffen hatte. Wirklich deftige Sanktionen blieben aus – wohl weil man im Pentagon nur zu gut weiß, dass Erdogan diesen Stützpunkt als Trump in der Hinterhand hat. Dass Erdogan droht, bringt Bewegung am Devisenmarkt. Bei Unsicherheit besteht immer ein Sog in Richtung des „sicheren“ US-Dollar.

Der folgende Chart zeigt den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen. Die Abwertung der Lira setzt sich fort, zwar in kleinen Schritten, aber spürbar. Der zweite Chart zeigt den Verlauf im großen Bild seit Ende 2018.  Die Tendenz ist steigend für den US-Dollar, somit fallend für die Lira. Schwache Wirtschaftsdaten und eine wieder ansteigende Inflation in der Türkei könnten für eine weitere Lira-Abwertung sorgen.

US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen

USD vs Türkische Lira seit Ende 2018

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    16. Dezember 2019 15:07 at 15:07

    Das der Erdogan Trump in der Hinterhand hat wusste uch gar nicht wirkt irgendwie grösser im TV

    • Avatar

      Atilla BASUSLU

      24. Dezember 2019 13:15 at 13:15

      Da war mit sicherheit „Trumpf“ gemeint! Aber sehr aufmerksam muss ich schon zugeben…

  2. Avatar

    Hans K

    16. Dezember 2019 20:22 at 20:22

    Die US Sanktionen gegen Nord Stream 2 gelten auch für Turk Stream. Diese Sanktionen soll Trump nächste Woche unterschreiben. Vielleicht geht es auch um diese Sanktionen. Das sind beides ältere Projekte. Vermutlich haben beide Projekte als Basis Währung den US Dollar genommen.

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Devisen

Aktuell: Pfund sieht kein Brexit-Problem, US-Dollar und Goldpreis in Bewegung

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die aktuelle Lage bei Goldpreis, US-Dollar sowie im britischen Pfund sind Thema in diesem Artikel. Der Devisenmarkt reagiert tief entspannt auf die Ereignisse rund um den Brexit. Die Verhandlungen zwischen EU und UK sollen diese Woche weitergehen, aber die letzte Brexit-Deadline zur Klärung von Problem rückt unaufhaltsam näher. Und dann hört man heute, dass die britische Regierung an 200.000 Unternehmen Briefe verschickt, wonach diese Vorbereitungen für einen harten Brexit treffen sollten. Und zack, das britische Pfund rauscht ab in den Keller?

Nein, das Pfund steigt sogar leicht! Gibt es nicht? Doch, heute geschieht es genau so. Am Freitag hatten wir noch vor der großen Ungewissheit und dem Risiko gewarnt, übers Wochenende im Pfund engagiert zu sein. Die Trader sagen mit dem Kursverlauf heute: Leute, ganz entspannt, es wird noch einen Deal geben. Was für ein Optimismus! Pfund gegen US-Dollar hat seit Freitag Abend gut 80 Pips zugelegt auf aktuell 1,3018. Euro gegen Pfund hat verloren von 0,9066 auf aktuell 0,9048.

US-Dollar und Goldpreis spielen ihr Spiel

Der US-Dollar verliert schon seit heute früh. Die steigende Hoffnung auf eine Einigung für einen neuen Billionen-Stimulus in den USA schürt natürlich Hoffnung für eine bessere globale Konjunktur. Damit ist der „große sichere Hafen“ namens US-Dollar als Fluchtwährung weniger gefragt. So verliert der Dollar-Index (Währungskorb) seit heute früh von 93,75 auf aktuell 93,23 Indexpunkte.

Tja, und der Goldpreis? Die ständigen seit Tagen anhaltenden Versuche, deutlich über 1.900 Dollar zu laufen, scheiterten immer wieder. Erst heute Vormittag berichteten wir. Ein schwacher US-Dollar bedeutet in der Regel einen stärkeren Goldpreis. Und so kletterte er heute auch von 1.900 auf 1.918 Dollar in der Spitze um 14 Uhr. Aber bis jetzt kommt der Goldpreis wieder zurück auf 1.909 Dollar. Mal wieder scheint der Anlauf nach oben zu scheitern. Im Chart sehen wir seit Freitag früh den US-Dollar-Index in blau gegen den Goldpreis in rot-grün.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf gegen US-Dollar

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Devisen

Große Pfund-Wette übers Wochenende, US-Dollar und der Goldpreis

Claudio Kummerfeld

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Symbole für Pfund Euro, Yen und US-Dollar

Über das bevorstehende Wochenende hinweg wird womöglich eine große Pfund-Wette laufen. Die läuft folgendermaßen. Entweder das Pfund wird nächste Woche weiter deutlich fallen, oder es passiert gar nichts. Denn heute Mittag hat der britische Premier Boris Johnson mit einem harten Brexit gedroht. Die EU bewege sich nicht und habe nie ernsthaft verhandelt, so Johnson (hier mehr dazu). Daraufhin war das britische Pfund gegen den US-Dollar und gegen den Euro seit 12:50 Uhr gefallen.

Und die EU-Kommission hat geantwortet. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen twitterte, dass man weiterhin an einem Deal arbeite, aber nicht zu jeden Preis (sie will wohl nicht als erpressbar in der Öffentlichkeit da stehen). Wie bereits geplant, werde das Verhandlerteam der EU nächste Woche nach London aufbrechen, so ihr kurzer Text. Also: Entweder die Drohung von Boris Johnson sollte lediglich seine eigene Verhandlungsposition verbessern (auf dicke Hose machen), oder es kommt nächste Woche zu einer Konfrontation, die sich nicht mehr lösen lässt. Das wäre wahrscheinlich für das britische Pfund ein ziemlich schlechtes Signal. Den ersten Vorgeschmack gab es vorhin. Euro gegen Pfund steigt von 0,9047 auf 0,9090. Pfund gegen US-Dollar fällt von 1,2957 auf 1,2920. Das waren noch keine Riesen-Bewegungen, aber der Devisenmarkt hat negativ auf die Johnson-Aussagen reagiert. Wer jetzt noch vorm Wochenende eine Pfund-Position öffnet, geht ein großes Risiko ein. Denn man weiß nicht, wie sich die politische Lage übers Wochenende entwickelt.

US-Dollar

Der US-Dollar stand vorhin unter der Fuchtel von US-Konjunkturdaten. Um 14:30 Uhr wurden die Einzelhandelsumsätze deutlich besser gemeldet als erwartet. Dann um 15:15 Uhr folgten Daten zur US-Industrieproduktion, die schlechter gemeldet wurden als erwartet. Und vorhin um 16 Uhr dann der dritte Akt heute Nachmittag. Daten der Universität von Michigan zeigen ein etwas besser als erwartetes Vertrauen der US-Verbraucher. Der US-Dollar in Form des Dollar-Index (Währungskorb) hat sich durch diese drei Daten bis jetzt nur minimal geändert mit einem Anstieg von 93,56 auf 93,63 Indexpunkten.

Goldpreis

Der Goldpreis hat seit 14 Uhr von 1.913 auf jetzt 1.905 Dollar verloren. Wir erinnern an unsere Berichterstattungen der letzten Tage. Immer wieder gab es Anläufe im Goldpreis über die Marke von 1.900 Dollar, sogar deutlich stärker als heute – und immer wieder fiel der Goldpreis unter diese runde Marke. Gold ist seit Tagen nicht stabil und zeigt keinen nachhaltigen Aufwärtsmove. Hauptsächlich schuld ist der US-Dollar, der sich seit Montag im Aufwärtstrend befindet, und Gold auf dem Weg nach oben blockiert. Im Chart sehen wir seit Wochenanfang den Goldpreis in rot-grün gegen den Dollar-Index in blau.

Chart zeigt Goldpreis gegen US-Dollar im Kursverlauf

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Allgemein

Brexit: Boris Johnson – steuern auf No Deal zu, harter Abgang wahrscheinlich

Markus Fugmann

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am

Kommt doch der harte Brexit? Boris Johnson hat genau das soeben angedeutet: solange sich die EU nicht bewege, so der britische Premier, werde es einen No Deal beim Brexit geben. Man würde dann eine Vereinbarung haben wie zwischen der EU und Australien, so Johnson.

Johnson weiter in Schlagzeilen:

– der von der EU vorgeschlagene Deal wie zwischen der EU und Kanada wird nicht funktionieren

– die EU hat nicht wirklich ernsthaft verhandelt, daher sollten wir uns auf einen Brexit ohne Deal vorbereiten

Das britische Pfund zunächst stärker unter Druck, nun aber doch mit einer (volatilen) Erholungsbewegung. Vermutlich gehen die Märkte davon aus, dass doch zu viel auf dem Spiel steht und halten daher die Aussagen von Johnson für eine Drohgebärde ohne wirklich ernsten Hintergrund. Aber aus unserer Sicht meint es Johnson durchaus ernst..

Ein harter Brexit wird wahrscheinlicher, sagt Premier Johnson

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