Devisen

Türkische Lira wertet nicht weiter ab – dank staatlicher Banken

Türkei Flagge Beispielfoto

Im letzten Jahr gab es nach Zinsentscheidungen und Inflationsdaten aus Ankara schon mehrmals merkwürdige Bewegungen am Devisenmarkt. Die türkische Lira bewegte sich danach nicht so, wie man es am Devisenmarkt erwartet hätte. Dann war es immer wieder schwer zu erklären, was da gerade passiert. Immer wieder gab es Gerüchte, dass staatliche türkische Banken Devisenreserven auf den Markt schmeißen. Sie verkaufen also vor allem US-Dollar, und kaufen dafür die türkische Lira. Damit wird der Kurs stabilisiert, und die Lira fällt nicht weiter.

Staatliche Banken stützen die türkische Lira

Ganz aktuell gibt es übereinstimmende Berichte, wonach staatliche türkische Banken jüngst zunehmend zu diesen Maßnahmen gegriffen haben, damit die türkische Lira nicht abwertet. Ein ganz kleiner Rückblick. Im Dezember gab es eine wochenlange Phase der Lira-Abwertung. USDTRY stieg von 5,75 auf 5,95. Dann wurde am letzten Freitag die türkische Inflationsrate für Dezember veröffentlicht. Sie stieg weiter deutlich an, weit über 11%. Praktisch parallel dazu wurde Freitag früh die Tötung des höchsten iranischen Generals bekannt, was die geopolitische Lage in der Region massiv verschärft hat. Die türkische Lira verlor weiter, so dass man Freitag vormittag bis zu 5,97 Lira für 1 US-Dollar ausgeben musste.

War das der Punkt, wo der „Spaß“ endgültig vorbei war? Wo staatliche türkische Banken große Mengen von offenbar mehr als 1 Milliarde US-Dollar aus den eigenen Reserven in die Hand nahmen und sie (sinnbildlich gesprochen) auf den Markt warfen? Damit konnte eine weitere Abwertung der Lira offenbar gestoppt werden. USDTRY notiert auch heute bei 5,97. Also gibt es trotz geopolitischer Unruhe in der Region und trotz gestiegener Inflation eine türkische Lira, die erst mal nicht weiter abwertet – zumindest für diesen Augenblick.

Die Frage ist nun: Wie oft, wie lange, und in welchem Volumen schmeißen diese türkischen Banken auch in den nächsten Tagen Dollar auf den Markt und die Lira zu stützen? Darauf wird es wohl keine Antwort geben. Denn hierzu gibt es keinerlei offizielle Verlautbarungen, sondern nur einzelne Berichte von Bankmitarbeitern und Tradern, die aus guten Gründen nicht genannt werden möchten. Ein Short-Trade gegen die türkische Lira funktionierte im Dezember gut. Jetzt aber bei dieser offenkundigen Intervention für die Lira wird es ein schwieriges Unterfangen.

Nach der Verzerrung wird abgerechnet?

Aber blicken wir doch mal auf den Schweizer Franken. Die Schweizerische Nationalbank hatte jahrelang den Wechselkurs zum Euro eingefroren. Selbst die Schweizer Notenbanker konnten ihre Politik nicht ewig durchhalten, und mussten ihre große Show Anfang 2015 abblasen. Das führte danach zu einer Katastrophe, denn der Franken wertete danach brutal auf. Was kann man sinngemäß für die türkische Lira daraus lernen? Je länger der freie Devisenkurs künstlich verzerrt wird, desto größer ist danach die Korrektur am freien Markt.

Es geht momentan also nur darum, in welchem Umgang die staatlichen Banken in der Türkei weiter intervenieren werden, und wie lange sie das durchhalten können und wollen. Basierend auf Inflation und Zinsen und dem aktuellen Trend in diesen beiden Kennzahlen, verbunden mit der eindeutigen Forderung von Präsident Erdogan nach niedrigeren Zinsen in 2020 – besteht auf längere Sicht die Möglichkeit für eine weitere Abwertung der Lira. Sicher ist das wie immer natürlich nicht. Von daher bilden Sie sich bitte hier Ihre eigene Meinung!

US-Dollar vs Türkische Lira im Verlauf der letzten drei Monate
US-Dollar vs Türkische Lira im Verlauf der letzten drei Monate.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage