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Türkische Lira fällt wegen Zinsangst und Dollar-Stärke – Zentralbank hilflos?

Türkische Lira Geldschein

Die türkische Lira ist seit dem 7. September deutlich gefallen. US-Dollar vs Lira stieg seitdem von 8,28 auf 8,60. Man muss also deutlich mehr Lira aufbringen um 1 US-Dollar zu erwerben. Dafür gibt es zwei Hauptgründe, und die Frage ist, ob die Zentralbank in Ankara dagegen etwas tun will, oder ob sie die Lage demnächst sogar noch verschlimmert.

Türkische Lira im Fokus von Zinsangst

Am 9. September sagte der Zentralbankchef man wolle ab sofort beim Blick auf die massiven Preissteigerungen in der Türkei nicht mehr auf die offizielle Inflationsrate achten, sondern auf die sogenannte Kerninflation (ohne Energie- und Lebensmittelpreise). Die offizielle Inflation stieg gerade erst von 18,95 Prozent auf 19,25 Prozent. Die Kerninflation liegt „nur“ bei 16,8 Prozent. Dies nährt eindeutig die Angst davor, dass die Zentralbank bei ihrer nächsten Zinssitzung am 23. September den Leitzins senkt. Die wäre wohl ein Nackenschlag für die türkische Lira, denn bei einer Inflation von 19,25 Prozent den Leitzins von 19 Prozent abzusenken auf vielleicht 18, 17 oder 16 Prozent – das sorgt für einen fehlenden Inflationsausgleich durch hohe Zinsen, und gerade ausländische Anleger könnten Geld aus der Türkei abziehen. Dafür würden sie die türkische Lira gegen Euro oder US-Dollar verkaufen, was die Lira schwächt.

Dollar-Stärke drückt gegen Lira

Und man muss abgesehen von der Zinsangst auch sehen: Im August sah man wochenlang eine ansteigende türkische Lira – aber nicht wegen einer eigenständigen Lira-Stärke, sondern weil der US-Dollar eine eigenständige Schwäche zeigte. In den letzten zwei Wochen sehen wir nun aber wieder eine Dollar-Stärke, was ebenfalls gegen die Lira drückt.

Zentralbank hilflos?

Ist die türkische Zentralbank hilflos gegen die Lira-Abwertung? Nun, Präsident Erdogan drängt seit geraumer Zeit darauf, dass der Leitzins von derzeit 19 Prozent auf unter 10 Prozent gesenkt werden soll. Können die Notenbanker diesem Drängen standhalten, und wollen sie es überhaupt? Standhaftigkeit in Form hoher Zinsen bei weiterhin 19 Prozent wäre sicherlich ein positives Signal für die türkische Lira.

Am Mittwoch erhöhte die Zentralbank in Reaktion auf die gefallene türkische Lira den Mindestreservesatz für Bankverbindlichkeiten in Fremdwährung und Edelmetallen einschließlich Gold. Die Zentralbank hob die Quote um 200 Basispunkte an. Die Quote für Fremdwährungseinlagen mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr wurde auf 23 Prozent festgesetzt – was bedeutet, dass die Banken für jede von ihnen gehaltene Milliarde Dollar 230 Millionen Dollar beiseite legen müssen.

Heute nun hat die türkische Zentralbank verkündet, dass man die Obergrenze für Rediskontkredite für export- und devisenbringende Dienstleistungen ab Anfang nächsten Monats auf 30 Milliarden Dollar anheben wird. Die Kredite werden nur noch an Unternehmen vergeben, die in den letzten drei Jahren oder im letzten Jahr 10 Prozent mehr exportiert als importiert haben. Die maximale Laufzeit der Kredite wurde von 240 Tagen auf 180 Tage gesenkt. Die maximale Laufzeit für Kredite zur Finanzierung von Exporten in neue Märkte, Exporten von Hochtechnologieprodukten und Devisen bringenden Dienstleistungen beträgt weiterhin 360 Tage.

Der große Knall kann am 23. September kommen, wenn die Zentralbank tatsächlich dem Drängen von Präsident Erdogan nachgibt, und die Zinsen trotz einer immer weiter steigender Inflation absenkt. Die türkische Lira wird bis nächste Woche Donnerstag mit dieser Anspannung leben müssen.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira seit 2018
Im TradingView Chart sieht man seit Ende 2018 den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira. Weit entfernt vom Rekordtief bei 8,79 aus Juni 2021 ist man derzeit nicht.



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