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Türkische Lira: Nicht nur die Zinsen machen Short-Positionen teuer

Türkei Flagge

Wie stark der US-Präsident mittlerweile geschwächt ist, sieht man an der Machtlosigkeit gegenüber den Militäraktionen des Nato-Partners Türkei. Die neue militärische und wirtschaftliche Allianz zwischen Recep Tayyip Erdoğan und Wladimir Wladimirowitsch Putin scheint sich für beide Seiten auszuzahlen. Für die türkische Lira zeichnet sich eine Aufwertung gegenüber der Weltleitwährung ab – auch wegen der relativ hohen Zinsen.

Türkische Lira – Stärkesignale vom Bosporus

Militärstrategisch macht die Allianz zwischen Russland und der Republik Türkei absolut Sinn. Über den Bosporus erhält Putins Marine Zugang zu den Weltmeeren. Nachdem das größte Land der Welt einen so hohen Preis für die Annektierung der Krim, eine der bedeutendsten Marine-Stützpunkte der Russen, bezahlt, wäre es fatal, wenn das Nadelöhr zwischen Schwarzem Meer und Marmarameer zur Nato-Sackgasse würde. Aus Sicht Erdoğan ist Russland der natürliche Partner für alle Belange in Syrien, wo die russische Armee ebenfalls eine Marinebasis in Tartus unterhält und den Luftraum über ganz Syrien kontrolliert. Außerdem bieten die Russen Militärtechnologie, die die Türkei von der NATO unabhängig macht und die in einigen Bereichen, wie z. B. der Luftabwehr, sogar überlegen ist. Die ökonomischen Verflechtungen wachsen ebenfalls weiter, nachdem Putin die nach dem Abschuss einer seiner Piloten über der syrischen Grenzregion verhängten Sanktionen wieder aufgehoben hat. Die größte Urlaubernation in der Türkei sind mit fast 6 Millionen Gästen pro Jahr die Russen.

Der Absturz der Lira hat der türkischen Wirtschaft generell nicht nur Nachteile beschert: Der Tourismus boomte 2018 mit einem Plus von über 25 Prozent. Der Export von Waren und Gütern legte ebenfalls deutlich zu und das BIP stieg im zweiten Quartal um 1,2 Prozent an, nachdem schon das Jahresauftaktquartal ein Plus beim Wachstum bescherte. Nach einer realen Wachstumsrate von +7,4 Prozent in 2017 und einem Einbruch um -3,5 Prozent in 2018 soll die türkische Wirtschaft in diesem Jahr wieder um 0,4 Prozent wachsen. Die Inflationsrate fiel zuletzt auf 15 Prozent gegenüber dem Niveau des Vorjahres. Das ist der niedrigste Stand seit Mai 2018. Im Sommer lag die Teuerungsrate noch bei 16,65 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Währungskrise im vergangenen Oktober war sie auf mehr als 25 Prozent explodiert – der höchsten Wert seit 15 Jahren.

Lira bleibt trotz Zinssenkungen für Short-Spekulanten teuer

Zu der wirtschaftlichen Stabilisierung trägt neben der Verbilligung türkischer Güter und Dienstleistungen der zuletzt wieder deutlich gesunkene Leitzins bei. Die Türkiye Cumhuriyet Merkez Bankası (TCMB) hat den Schlüsselzins in diesem Jahr in zwei großen Schritten von 24 auf 16,5 Prozent gesenkt.

Dennoch müssen Spekulanten, die üblicherweise mit kreditgehebelten Positionen, gegen die Türkische Lira gewettet haben, hohe Kosten tragen. In der Regel werden bis zu 95 Prozent Fremdkapital eingesetzt, um sich Lira zu leihen und im Gegenzug Dollars zu kaufen. Wer dies tut, muss für diese TRY/USD-Short-Position aktuell ca. 13 Prozent Zinsen pro Jahr zahlen. Wohingegen eine Position pro Lira vs. Dollar mit ca. 9,6 Prozent positiv verzinst wird. Daher besteht die Möglichkeit, dass im Zuge der wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes sowie der militärischen Erfolge Erdoğans die Lira ein gutes Stück aufwerten kann. Gründe zu fallen, gab es in den letzten Monaten und Jahren genug, doch der Markt scheint mit dem Abverkauf erst einmal fertig zu sein. Gewinnmitnahmen respektive eine Short Squeeze könnten für die nächsten Monate das Wechselkursverhältnis zugunsten der Lira bestimmen.

Türkische Lira Chart

Alle gegen den US-Dollar

Nicht nur für den US-Präsidenten Donald Trump sondern auch für die US-Währung kommt es gerade knüppeldick. Sogar Weichwährungen wie die Türkische Lira zeigen relative Stärke gegenüber dem Greenback. Generell beginnt nun eine Phase der erneuten Dollar-Schwäche. Die temporäre Stärke basierte primär auf nicht nachhaltigem und extrem schuldenfinanziertem Wirtschaftsdoping sowie der Illusion einer verkraftbaren Zinsnormalisierung. Die erst am Anfang stehende Dollar-Schwäche spiegelt zum einen den wirtschaftlichen Niedergang der USA wider und zum anderen die selbstverursachte politische Isolation. Wer so mit Partnern umgeht, wie die USA, der braucht keine Feinde mehr. Natürlich ist es legitim, dass die USA die Rolle als Weltpolizist ablegen möchten, aber das schafft natürlicherweise ein Machtvakuum, in dem sich nun u. a. die Russen und die Türkei breit machen. Auch der Devisenmarkt denkt machtpolitisch und preist derartige Entwicklungen mit ein. Eine Währung ist schließlich wie die Aktie eines Staates.

Fazit

Man mag über Recep Tayyip und seine Politik gegenüber den Kurden geteilter Meinung sein. Seine innenpolitische Schwäche und die Flüchtlingsproblematik waren nur zwei Gründe für das militärische Vorgehen in Syrien. Fakt ist aber, dass er sich mit seiner Politik aktuell durchsetzen kann und der Westen nicht mehr in der Lage ist, ihn zu stoppen. Amerika hat sich außenpolitisch selbst kastriert und Europa hat sich durch den Flüchtlingsdeal erpressbar gemacht. Erdoğans jüngster Coup sowie generell seine Zweckpartnerschaft mit Putin stärken seine Machtposition. Die Türkische Lira honoriert diesen Erfolg für den türkischen Präsidenten mit steigenden Notierungen. Für die auf fallende Lira-Kurse setzenden Spekulanten wird es auch wegen der teuren Haltekosten zunehmend unattraktiv, an ihren Positionen festzuhalten. Es könnte daher zu einer Short-Squeeze kommen, mit kurzfristig signifikantem Potenzial für die Türkische Lira. Dies ist natürlich keine Empfehlung und auch keine politische Wertung. Die wirtschaftlichen Risiken in der Türkei, v. a. die hohe Auslandsverschuldung, sowie die Staatsnähe der türkischen Zentralbank TCMB limitieren mittelfristig das Aufwärtspotenzial der Lira.



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