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Wenig Vertrauen? Twitter-Buyout-Kredite sehen Nachfrage bei 60 Cent pro Dollar

Twitter-Buyout-Kredite werden offenbar von Banken angeboten. Investoren bieten gerade mal 60 Cent pro Dollar. Das sagt etwas aus.

Twitter-App auf Smartphone

Wie funktionieren Buyout-Deals vor allem in den USA? Ein Investor nimmt Kredite auf und kauft damit ein Unternehmen. Die Kreditschuld wird dann dem gekauften Unternehmen aufgedrückt. Es hat dann hohe Zinslasten und Tilgung abzuleisten, was oft zum Problem wird. Deswegen ist nach so einer Übernahme der Druck extrem groß die Kosten im Unternehmen massiv zu senken. So auch aktuell bei Twitter? Elon Musk hat insgesamt 44 Milliarden Dollar für das Unternehmen ausgegeben, und dafür auch hohe Kreditsummen aufgenommen, die jetzt Twitter belasten.

Offenbar dachten die Banken, die als Konsortium die Kredite bereitstellten, dass sie diese gleich weiterverkaufen könnten an Hedgefonds und andere interessierte Großinvestoren? Aber offenbar ist dies im aktuellen Marktumfeld deutlich schwieriger geworden. Dazu kommen aktuell noch die Zweifel an der zukünftigen Zahlungsfähigkeit von Twitter. Denn Elon Musk dreht den Laden auf links, entlässt viele Mitarbeiter, es herrscht Chaos und Unsicherheit. Wohl um mehr Leistung aus der noch vorhandenen Belegschaft rauszuholen, bringt Elon Musk derzeit schon das Gespenst der Firmenpleite ins Spiel. Werbekunden haben ihre Budgets auf Eis gelegt. Je unsicherer die Lage, desto riskanter wäre es für Investoren den Banken ihre Kreditansprüche gegen Twitter abzukaufen.

Mögliche Investoren bieten Banken 60 Cent pro Dollar für Twitter-Buyout-Kredite

Was passiert also? Der Preis fällt. Die Banken müssen massive Abschläge in Kauf nehmen, wenn sie ihre Twitter-Buyout-Kredite loswerden wollen. Zur Größenordnung gibt es nun Informationen. Wall-Street-Banken, die Elon Musk 13 Milliarden Dollar für die Übernahme von Twitter geliehen haben, haben in aller Stille Hedgefonds und andere Vermögensverwalter nach ihrem Interesse an einem Teil der Buyout-Kredite zu stark reduzierten Preisen gefragt, so Bloomberg.

Einige Fonds haben angeboten einen Teil des Kreditpakets für 60 Cents pro Dollar zu übernehmen (also 40 % Preisnachlass), was einer der höchsten Abschläge seit einem Jahrzehnt wäre. Die Banken haben diese Angebote bisher als unattraktiv eingestuft, so Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind und nicht genannt werden möchten, da es sich um private Gespräche handelt.

Der lauwarme „Empfang“ durch die Investoren zeigt, wie sehr die Twitter-Schulden zu einem Albatros für die von Morgan Stanley geführte Gruppe von Banken werden, die sich verpflichtet hatte, die Übernahme des Social-Media-Unternehmens durch Musk im April zu finanzieren, bevor die Kreditmärkte einbrachen. Die sieben Banken sind nun mit riskanten Krediten belastet, die sie nie in ihren Büchern behalten wollten, und haben zunehmend Mühe, die Verluste zu minimieren.

Die bisherigen Gespräche konzentrierten sich auf den 6,5 Milliarden Dollar schweren Teil der Finanzierung, so die Personen. Die Banken schienen nicht bereit zu sein, zu einem Preis von weniger als 70 Cents pro Dollar zu verkaufen, sagte einer der Personen. Selbst bei diesem Preis könnten sich die Verluste nach Berechnungen von Bloomberg auf mehrere Milliarden Dollar belaufen. Die Gespräche waren informell, und es ist nicht sicher, dass sie zu einer Einigung führen werden, sagten die Personen. Barclays Plc, BNP Paribas SA, Mizuho Financial Group Inc. und Mitsubishi UFJ Financial Group Inc. lehnten eine Stellungnahme ab. Bank of America Corp, Morgan Stanley und Societe Generale SA reagierten nicht auf Bitten um Stellungnahme.

1,2 Milliarden Dollar Zinslast pro Jahr – gesenktes Rating

Elon Musk hat einen „massiven Umsatzrückgang“ eingeräumt, während die Wachstumsaussichten von Twitter ungewiss erscheinen. Das verheißt nichts Gutes für die jährliche Zinslast von Twitter, die auf 1,2 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt wird. Der Milliardär spielte auch auf eine Lockerung der Politik an, die die freie Meinungsäußerung einschränkt, ein Risiko, das die Werbekunden verschreckt. Das Twitter-Finanzierungspaket umfasst auch Junk Bonds im Wert von 6 Mrd. USD, die sich gleichmäßig auf besicherte und unbesicherte Schuldverschreibungen verteilen, sowie ein Darlehen in Höhe von 500 Millionen US-Dollar, das als revolvierende Kreditfazilität bezeichnet wird.

Die Renditen für Junk Bonds und Leveraged Loans sind seit April sprunghaft angestiegen, was bedeutet, dass die Banken an der Wall Street Gefahr laufen, bei großen Übernahmen Geld zu verlieren, nachdem sie sich bereit erklärt haben, Finanzierungen zu niedrigeren Renditen bereitzustellen, als der Markt derzeit akzeptiert. Die Banken haben in diesem Jahr bereits Abschreibungen und Verluste in Milliardenhöhe hinnehmen müssen, nachdem die Zentralbanken weltweit begonnen haben, die Zinsen zu erhöhen, um die Inflation einzudämmen.

Moody’s Investors Service hat vor kurzem das Rating von Twitter um zwei Stufen auf B1 gesenkt und damit vier Stufen in den Junk-Bereich. Die Agentur begründete die Herabstufung mit einem erheblichen Anstieg der Verschuldung und dem Abbau von Barmitteln sowie der Unternehmensführung. „Das Governance-Risiko von Twitter ist laut Moody´s hochgradig negativ.

FMW/Bloomberg



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