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Twitter verlässt den Social Media-Kindergarten

Von Claudio Kummerfeld

Twitter verlässt den Social Media-Kindergarten. Das kann man in der Tat so sagen. Erst vor Kurzem sind die Werbeumsätze so richtig angesprungen und das Erreichen der Gewinnschwelle ist in greifbarer Nähe. Und jetzt fängt man auch an gegen Trolle vorzugehen und die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern.

Twitter Zentrale in San Francisco
Twitter-Zentrale in San Francisco
Foto: Christinatt (photo by Troy Holden) / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Twitter wird zur Institution

Verbände, Unternehmen und Institutionen verwenden Twitter inzwischen regelmäßig für topaktuelle Infos. So wird der Dienst quasi zur kostenlosen Echtzeit-Nachrichtenagentur, und jeder kann aussuchen, welche Infos er abonniert. Auch interessante Persönlichkeiten, die sich sonst mit Ratschlägen zurückhalten, äußern sich über Twitter. Hier zwei Beispiele.

Investorenguru Warren Buffet ist seit zwei Jahren Twitter-Mitglied und hat erst 6 Tweets geschrieben. Also… wenn er auf Twitter etwas schreibt, hat er wohl etwas Wichtiges mitzuteilen, so wie zwei wertvolle Anlagetipps.

Das Statistische Bundesamt twittert alle Veröffentlichungen mit Direktlink.

Werbung

Seit letztem Jahr hat Twitter seine Werbemaschine so richtig angeworfen. Wer Twitter benutzt, kennt sicher die Promoted Tweets, die zwischen normalen Tweets auftauchen und gar nicht aussehen wie Werbung. Aus Sicht der Werbekunden und Twitter genial. Und der Nutzer… ich denke jeder Nutzer von egal welchem Internetservice wird akzeptieren müssen, dass all das irgendwie finanziert werden muss. Die Twitter-Community scheint damit locker umzugehen. Zwar gab es auch Richtung Twitter schon Anfeindungen wegen der jetzt auch dort beginnenden Werbevermarktung, aber im Großen und Ganzen akzeptieren die User, dass auch Twitter irgendwann Geld verdienen muss. Anmerkung am Rande: haben die Kritiker von Werbeeinblendungen jemals gedacht Twitter wäre eine Art non-kommerzielles Allgemeingut, und die Speicherplätze und Supportmitarbeiter werden alle von Luft und Liebe bezahlt?

Wie die Researchfirma „emarketer“ passenderweise über einen Twitter Tweet heute früh bekannt gab, geht sie davon aus, dass Twitter in Kürze Yahoo als drittgrößten Werbeerlöserzieler von Onlinewerbung in den USA ablösen wird. Hat Twitter in den USA in 2014 noch 830 Millionen Dollar erlöst, sollen es laut Schätzung von emarketer 2017 schon 2,5 Milliarden Dollar sein.

Trolle

In den USA gab es in jüngster Vergangenheit prominente Twitter-Nutzer, die öffentlichkeitswirksam ihr Twitter-Profil kündigten, nachdem sie von anderen Nutzern stumpf und brutal beleidigt wurden. Denn bisher war auf Twitter eigentlich alles erlaubt. Aber auf Dauer kann es so nicht weitergehen. Was erst einmal gut ist um möglichst viele Nutzer und Traffic zu bekommen, wird ab einer bestimmten Größe der Community brandgefährlich. Verabschieden sich Promis, und nimmt die Pöbelkultur überhand, verabschieden sich irgendwann auch viele „normale“ User. Was Facebook schon aktiv betreibt, will Twitter jetzt auch angehen. Wie TechCrunch berichtet, haben sogenannte verifizierte Nutzer (Nutzer, die sich per Ausweis bei Twitter auf Echtheit checken lassen) seit Kurzem die Möglichkeit einen sogenannten „Quality Filter“ zu aktivieren, der auf sie gerichtete Tweets mit Beleidiungen und Drohungen zurückweist. Auch Twitter selbst fordert Nutzer auf „Trolle“ zu melden.

Was wie die Einschränkung der Meinungsfreiheit wirkt, oder die Beschneidung der Redefreiheit in sozialen Netzwerken, ist ein notwendiges Übel. Erreicht ein Social Media-Netzwerk wie Twitter eine gewisse Größe, müssen wie überall im richtigen Leben auch nRegeln aufgestellt und überwacht werden, die das Zusammenleben erträglich machen.

Benutzerfreundlichkeit

Twitter arbeitet derzeit mit Hochdruck daran die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Jeder User kennt es: hat man zu viele andere Accounts abonniert, rauschen die neuen Tweets nur so rein und überfluten die eigene Timeline. Twitter ist anscheinend dabei eine Art Gitterstruktur zu entwerfen, damit User die Tweets und verfolgten Accounts nach Themen sortieren können. Das wäre in der Tat für viele User eine echte Erleichterung der Funktionalität.

Gewinne

Der Umsatz von Twitter im 4. Quartal 2014 stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 97%. Das ist verdammt gut. Man darf gespannt sein, wie die Zahlen ausfallen, die am 27.04.2015 für das 1. Quartal 2015 veröffentlicht werden. Erwartet werden hier durchschnittlich 0,04 Dollar Gewinn pro Aktie. Das Überschreiten der Gewinnschwelle ist in greifbarer Nähe – das wäre ein gutes Zeichen vor allen an die Kritiker, die sozialen Netzwerken immer noch kritisch gegenüberstehen, wenn es um die Erwirtschaftung von Gewinnen geht.

Alles in allem kann man sagen: Twitter wird erwachsen. Bei aktuell 288 Millionen aktiven Nutzern und 500 Millionen Tweets pro Tag müssen Regeln aufgestellt und überwacht werden, sonst endet das alles in einer Katastrophe, die irgendwann zu Kündigungen der „normalen“ Nutzer führt. Twitter wird wohl bald Gewinne machen und ist gerade in Asien voll im Kommen. Auch wenn die Aktie gestern aufgrund einer Abstufung eines Analysten zwei Dollar einbüßte, sieht die Zukunft gar nicht mal so schlecht aus.




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