Devisen

Wie der Rubel die große Abwertung wettgemacht hat – Erfolg durch Zwang

Russischer Rubel

Zum Ausbruch des Ukraine-Kriegs crashte die russische Währung in den Keller. Westliche Sanktionen ohne Ende, und viele Russen wollten ihre Rubel auch gerne schnell umtauschen in Euro oder Dollar. Dies schwäche verständlicherweise die russische Währung enorm. So konnte der US-Dollar gegen den Rubel auch kräftig zulegen von einem Wechselkurs von 80 Rubel pro Dollar auf fast 160 am 7. März. Aber seitdem hat sich diese Entwicklung umgekehrt. Und siehe da – bis jetzt ist die gesamte Abwertung der russischen Währung seit Beginn des Ukraine-Kriegs wieder wettgemacht worden, und wir sehen aktuell Kurse von 82 Rubel für 1 US-Dollar. Im folgenden TradingView Chart sehen wir die Kursentwicklung von USD vs RUB seit dem 23. Februar, also einen Tag vor Beginn des Ukraine-Kriegs.

Russischer Rubel konnte Abwertung wieder komplett wettmachen – dank Zwangsmaßnahmen

Wie hat man es geschafft die russische Währung wieder komplett zu stabilisieren? Nicht durch das Vertrauen von russischen Bürgern oder Unternehmen, die ihre eigene Währung behalten, oder Devisen in Rubel tauschen wollen. Vielmehr hat es zu tun mit einer Reihe von Zwangsmaßnahmen, die eingeführt wurden um die russische Währung zu stützen. Wichtig war zum Beispiel, dass von Russland aus Überweisungen ins Ausland auf einen Betrag von 5.000 Dollar pro Monat gedeckelt wurden. Außerdem wurde den Bürgern verboten, mehr als 10.000 US-Dollar pro Monat außer Landes zu bringen.

Ebenfalls extrem wichtig war folgende Vorgabe der Regierung in Moskau: Russische Exporteure wurden dazu verpflichtet, 80 Prozent ihrer Einnahmen aus dem Ausland (also Euro, Dollar etc) in russische Rubel zu konvertieren. Damit erzeugt man natürlich Aufwärtsdruck für die heimische Währung. Auch wurde es den Banken in Russland verboten den Bürgern Devisen zu verkaufen.

Und die russische Zentralbank hat 28. Februar, also nur wenige Tage nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs, den Leitzins für Russland mehr als verdoppelt, von 9,5 Prozent auf 20 Prozent! Damit wird die Verzinsung in Rubel attraktiver, und man animiert die Verbraucher dazu mehr Rubel zu halten. Der Haken an der Sache: Kredite werden dramatisch verteuert, und damit die wirtschaftliche Aktivität ausgebremst. Ebenfalls hatte die Zentralbank in Moskau am 28. Februar verboten, dass Ausländer russische Aktien verkaufen dürfen.

Und dann kam natürlich am 23. März die Ankündigung von Wladimir Putin: Westliche Einkäufer sollen Gas nur noch in Rubel bezahlen. Obwohl aktuell immer noch nicht ganz klar ist, wie das laufen soll, ist es eine öffentlichkeitswirksame Maßnahme im Sinne einer RUB-Aufwertung. Denn man müsste mit Devisen Rubel kaufen für die Gas-Zahlung. Aber laut der jüngsten Nachrichtenlage wirkt es so, als könnten die Einkäufer ihre Euros doch für die Zahlungen benutzen. Aber einen gewissen Effekt wird Putins Ankündigung der Rubel-Umstellung vielleicht gebracht haben.

Fazit

Letztendlich hat man mit diversen Zwangsmaßnahmen eine Art künstliche Aufwertung des Rubel erzeugt. Denn freiwillig werden die Export-Unternehmen den Großteil ihrer Deviseneinnahmen wohl kaum in Rubel umgetauscht haben. Und freiwillig werden die Bürger wohl kaum auf den Umtausch in US-Dollar verzichtet haben.

Chart zeigt US-Dollar gegen russischen Rubel seit dem 23. Februar

Investing.com Chart für US-Dollar vs Rubel im Verlauf der letzten drei Monate.

US-Dollar vs Rubel in den letzten drei Monaten



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11 Kommentare

  1. Ich bin immer wieder erstaunt, wie man Deutungen als die Wahrheit verkauft.

    Sicher ist die Aufwertung (angeblich künstlich), aus einer Zwangslage erfolgt.
    Maßnahmen erfordern nun mal Gegenmaßnahmen, um sein Eigentum zu schützen.
    Das geht der Regierung in Russland so, genauso wie der Bevölkerung und ist in allen Ländern der Welt nicht anders.

    Wer bitte möchte wissen, wie die Bevölkerung über den Rubel denkt?
    Vielleicht haben sie doch freiwillig auf den Tausch in Dollar verzichtet, weil sie mitbekommen das der Dollar (und Euro) am Ende seiner Tage ist.

    Vielleicht sind sie da einigen westlichen „Meinungsmachern“ einen Schritt voraus.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Jetzt machen die bösen, schlechten Russen auch noch Währungsmanipulation, haben sie wohl von den lieben,guten Westlern gelernt.Es gibt da noch einen kleinen Unterschied, die russische Währung ist teils goldgedeckt und sehr stark mit Rohstoffen gedeckt.
    Ich möchte einmal wissen mit was die Ami- und EU – Währung gedeckt ist.Ich denke da an fast wertlose südeuropäische Anleihen und deutsche Exportwerte die energiebedingt am Absaufen sind.

  3. Auch interessant: Googeln: China will sich in Ukraine Konflikt nicht an EU Seite stellen.

  4. @Tom, @Mani-Pulator: Ich habe irgendwo gelesen, dass sehr wohl eine Kapitalflucht aus Russland stattgefunden hat! Was gibt es daran rumzumosern? In jedem x-beliebigen Land werden die Leute in so einer Situation versuchen ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Noch ist der Rubel wahrlich nicht das Gelbe vom Ei – man muss sich nur mal die langfristigen Rubelcharts ansehen (z.B. USD/RUB).

    1. @lausi
      Es bestreitet niemand, dass es zum Anfang eine Kapitalflucht gab. Diese wird es in jedem Land und bei jeder Krise geben, gerade weil man sein Eigentum schützen will.
      Seit dem Anfang des Krieges hat sich aber viel verändert, in Bezug auf den Rubel. Es gibt zahlreiche Maßnahmen und ich nenne es mal Aussichten, die das Vertrauen in die Währung gesteigert haben.
      Das ist nur im Mainstream noch nicht angekommen.

      Würden sie ihr Geld in eine Währung tauschen, die gerade jetzt schwer angeschlagen ist und ihren Status schon bald verloren haben könnte(Dollar)….wenn ihre eigene Währung die Aussicht hat (zumindest erstmal teilweise, oder in Verbindung mit anderen Währungen), den Status des Dollars zu übernehmen?
      Oder wenn aus dem Rubel zumindest erstmal zum Teil das „gelbe (goldene) vom Ei“ wird….

      1. @Tom – hier ein ganz guter Artikel über die verschiedenen Maßnahmen der russ. ZB zur Stabilisierung des Rubels (aus dem Mainstream…):

        https://www.sueddeutsche.de/politik/rubel-sanktionen-ukraine-krieg-1.5558689

        Der Witz bei der Putin-Rubel-Geschichte: Wie im obigen Artikel erwähnt, gibt es schon einen Erlass, der die russ. Exporteure verpfilchtet ihre Deviseneinnahmen zu 80% in Rubel zu tauschen. Also macht Putins „Rubel-Doktrin“ überhaupt keinen Sinn, ausser dass er den Westen damit blamieren will.

  5. Lieber Markus,
    diese Wechselkursdiskussion ist ganz schöner Schwachsinn. Gemessen an den Preisen in Russland, also kaufkraftbereinigt, ist der Rubel, seit jeher stark unterbewertet. Ist aber egal. Selbstverständlich ist es für alle Länder der Welt besser ihre eigene Währung gegen die Währung des Handelspartners zu handeln. Ich will an dieser Stelle nicht über die Doppeldefizite des Dollars und die Anleihenkäufe von Zentralbanken sinnieren. Mit einer „Währungs-“ Reserve, die jemand „einfrieren“ kann, das gab es auch in anderen Fällen der Sanktionitis, kann man im Zweifel nichts anfangen. Der Wert von ADR oder GDR von russischen Aktien oder russischer Aktien, die im Westen vom Handel ausgeschlossen sind, ist tatsächlich NULL. Auch das ist ein unverschämter Börsen – Diebstahl.

    Jetzt zur Ukraine. Die hatte bei behaupteten 46 Mio. Einwohnern ein BIP von 158 Mrd. $. Dieses Land ist eine korrupte, total bankrotte Oligarchenrepublik mit ein paar echten Nazis (Bandera-Anhänger) und keineswegs „Sanktionen“ des Westens gegen den Aggressor Rußland wert. Daraus resultiert, dass der schon seit vielen Jahren laufende Wirtschaftskrieg gegen Rußland aus diesem Anlass intensiviert wurde. Das ist Theater für die Dummen.

    Wenn Herr Fugmann gern im Dunkeln und Kalten an der Alster bei Kerzenschein sitzt, „für den Frieden friert“, sich vielleicht noch einen Schnupfen namens Corona einfängt, ist das sein Problem. Für mich sind ausschließlich geistig unterbelichtete deutsche Politiker, die „EU“ und die EZB die Ursache des seit Jahren anhaltenden Irrsinns. Mit entsprechenden Schlußfolgerungen. Rezession heißt keineswegs Aktiencrash.

    1. @Michael, was soll das?
      „Wenn Herr Fugmann gern im Dunkeln und Kalten an der Alster bei Kerzenschein sitzt, „für den Frieden friert“, sich vielleicht noch einen Schnupfen namens Corona einfängt, ist das sein Problem“
      Habe ich das jemals gefordert? Ich habe vielmehr mehrfach aufgezeigt, was ein Energie-Embargo bedeuten würde.
      Ja, die Ukraine war schon lange korrupt – etwa so korrupt wie Putins Russland, wo sich eine Kleptokratie die Energiequellen und damit den Reichtum unter den Nagel gerissen hat!

      1. Hi Markus, damit keine Missverständnisse aufkommen: Das ist ein anderer Michael, so ziemlich das blanke Gegenteil von mir. Du kannst das sicher an der IP-Adresse und der eMail sehen?!

        1. @Michael, das war mir schon klar, dass das nicht du bist :)
          Liebe Grüsse!

  6. Pingback: Aktuelle Meldungen & Nachrichten vom 5. April 2022 | das-bewegt-die-welt.de

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