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Über den Zusammenhang von Risk-Parity, ETFs und Volatilität – oder wo jetzt die große Gefahr ist!

Was zuvor stark dazu beigetragen hat, dass die Volatilität sowohl an den Aktien- als auch an den Anleihemärkten sehr niedrig war, könnte sich jetzt als Volatilitäts-Turbo erweisen! Warum jetzt ein sehr volles Boot zu kentern droht..

Von Markus Fugmann

Wenn man die Frage stellt, warum die Volatilität so lange so niedrig war, gestern aber massiv anstieg (so stark wie seit dem Brexit-Votum nicht mehr), dann sind dafür sicher auch ETFs verantwortlich. Aber fast noch wichtiger dürften die sogenannten Risk-Parity-Funds sein!

Was ist das? Nun, das ist ein Anlagekonzept, das nicht gerade neu ist. Die grundsätzliche Idee dahinter ist, dass Profi-Investoren ihre Aktienbestände abhedgen, indem sie meist länger laufende Staatsanleihen kaufen. Das ist vielfach deutlich günstiger und besser handzuhaben als etwa eine Absicherung über den VIX (Volatilitätserwartung für den S&P500), die meist sehr riskant und teuer ist. Oder etwa über Optionen. Dazu kommt, dass die Anleihen ja Renditen abwerfen, man also mit der Absicherung gewissermaßen noch Zinsen verdient, vor allem wenn man US-Anleihen im Depot hat.

Nun war es lange so, im Grunde seit dem Beginn der expansiven Geldpolitik, dass sowohl die Aktienmärkte, als auch die Anleihemärkte stiegen. Zuvor war das meist anders: stiegen Aktien, fielen Anleihen – und umgekehrt. Aber die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken blähte beide Asset-Klassen auf, Aktien und Anleihen stiegen meisten parallel. Für die Fonds, die das Risk-Parity-Modell fuhren, war das ein 6er im Lotto.

Aber bekanntlich hat alles ein Ende. Und das Ende kommt dann, wenn die Notenbanken ihre unterstützende Hand entziehen – dann fallen, wie wir das nun sehen, sowohl Aktien als auch Anleihen. Was als Absicherung gedacht war, wird nun gewissermaßen zum Klumpenrisiko in den Depots.

Was zuvor stark dazu beigetragen hat, dass die Volatilität sowohl an den Aktien- als auch an den Anleihemärkten sehr niedrig war, könnte sich jetzt als Volatilitäts-Turbo erweisen: denn diese Modell kommen schwer unter Druck, wenn sowohl Aktien als auch Anleihen fallen.

Und genau das droht jetzt, wenn die Notenbanken ihren hawkishen Wechsel wirklich ernst meinen. Viele müsse dann früher oder später die Reißleine ziehen, die Volatilität geht sprunghaft nach oben (gestern stieg der VIX von knapp unter 10 auf 15 – also eine Bewegung von 50%!).

Und jetzt kommen die ETFs ins Spiel. Denn diese ETFs sind stark fokussiert auf Indizes (es gibt in den USA inzwischen schon mehr Indizes als Aktien, aufgrund des Bomms der Index-ETFs!) und entziehen damit vor allem den Aktienmärkten Liquidität, weil nicht mehr eine einzelne Aktie, sondern der Index gekauft wird. Kommen nun Verkaufsorders, ist die Liquidität in den einzelnen Aktien zu gering, um einer Verkaufswelle von ETF-Anbietern, die den Index nachbilden müssen, stand zu halten.

Es ist also nun so, dass das, was lange für minimale Volatilität gesorgt hat, für das Gegenteil sorgen könnte, für einen explosiven Anstieg der Volatilität. Und dann wird sich erweisen müssen, welche Folgen der Boom der an sich ja sinnvollen ETFs haben wird – im August 2015 haben wir darauf schon einen Vorgeschmack erlebt, als die ETFs viel stärker fielen als die Indizes, die sie abbildeten – eben weil es massive Liquiditätsprobleme gab!


Ende der Geldschwemme?
Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)



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6 Kommentare

  1. Avatar
    Der Katamaransegler

    Danke, Herr Fugmann, für diesen Bericht.
    Sie haben sie die Problematik der ETF’s nur anreissen können.
    Sprengt ja sonst den Rahmen.
    ETF haben in Zeiten steigender oder stagnierender Aktienmärkte eine nivellierende Funktion. In Korrekturphasen sind sie sie wahre Brandbeschleuniger.
    Man darf nicht vergessen, dass sie oft von Privaten gehalten werden.
    Insbesondere die Dividenden-ETF sind fast komplett in Händen kleiner privater Investoren. Das Phänomen der Massenpanik und Hysterie ist in solchem Umfeld ausgeprägt und kann eine Katapultwirkung erreichen.
    Zudem enthalten die ETF nicht sämtliche Aktien des jeweiligen Index, sondern „nur“ eine kleine repräsentative Anzahl von liquiden Titeln, um Administration, Bewertung und Kommissionen in Grenzen zu halten.
    Im Fall eines Verkaufsdrucks konzentriert sich sturzbachartig der Move auf diese Werte.
    Sie haben das Risk-Parity System angesprochen. Fondsmanager, ETF Admins, können/konnten sich durch die Einnahmen auf der Anleiheseite statt über teure und verfallende Vola-Futures absichen – sofern sie überhaupt Bedarf sahen.
    Der kommende Rückgang in den Anleihemärkten wird daher zu verstärktem Preisdruck in den VIX Futures führen. Das wiederum drückt auf die Marge, Zukäufe werden geringer, Kauflust sinkt.
    Absicherung über Optionen ist teuer. Sie betrfft jedoch nur die grossen Fonds und Sammelstellen, nicht direkt die ETF. Diese sollen einen Index nachbilden – nicht mehr und nicht weniger.
    Wenn nun die Schwankungsbreite des Marktes steigt, die Bewegungen weiter und schneller werden, dann steigen überproportional die Umschichtungskosten in den ETF.
    Aus dem anfänglich sinnvollen Instrument wurde ein riesiger Hype.
    Eine ganze Finanzindustrie einschliesslich anhängender Journaille, Berichterstatter und Finanzratgeber suggerieren dem breiten Publikum:
    „Lösen Sie ein ETF-Ticket, und Sie sitzen bequem im Börsenbus “
    ETF sind Volksaktien geworden.
    Die ganz Cleveren setzen einen StopLoss.
    Im Freundeskreis simpeln sie fach und mit der Coolness eines Humphry Bogart erzählen sie beim Bier von „Reich werden an der Börse mit eingebautem Airbag“

    Good Luck, boys

    1. Dann wirds Zeit,dass Sturm aufkommt,um die Segel zu hissen….

      1. Avatar
        Der Katamaransegler

        Vielleicht helfen Sie mir schnell ….
        Warum wird es Zeit, dass Sturm kommt ?
        Ich sehe da keinen Zusammenhang.
        Aufkommenden Sturm wünschen und dann noch Segel setzen ??
        Mast- und Schotbruch ! – kann man da nur sagen.
        Ich ziehe reffen vor. Und ein gemütliches Bier im sicheren Hafen.

        1. Ach,ich dachte,Sie waeren auf See unterwegs…in Richtung „die Strasse von Malakka“..ect.
          Aber ich kann Sie heute beneiden,denn sie haben ja noch Bier in der Koje!
          Bei mir schauts heute Mau aus,weil der Lieferant aus Freising bei MUC,etwas im Verzug ist.
          Aber ueberlassen wir den Sturm den ETFs..

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