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Über die schönen Umbuchungen in der EU zwischen Arbeitslosen, Arbeitenden sowie den „Inaktiven“

FMW-Redaktion

Die EU-Statistikbehörde Eurostat hat heute eine interessante Grafik zum europäischen Arbeitsmarkt und den Wanderungsbewegungen zwischen einzelnen Personengruppen veröffentlicht. Dabei unterscheiden die EU-Statistiker zwischen Menschen, die tatsächlich arbeiten, die arbeitslos sind, und den sogenannten Inaktiven.

Dabei hebt Eurostat hervor, dass vom 1. auf das 2. Quartal des Jahres 3,8 Millionen Europäer von der Arbeitslosigkeit in den Topf der Arbeitenden „gewandert“ sind, um es mal statistisch auszudrücken. Gleichzeitig sind 1,9 Millionen Menschen in die Gegenrichtung gewandert (Pfeile zwischen orangem und rotem Kasten in der Grafik).

Im roten Kasten sind 10,9 Millionen Arbeitslose „vermerkt“. Netto wandern also von diesem Kasten 1,9 Millionen Menschen in die aktive Arbeit. Super Sache! Und während 3,4 Millionen Menschen von den Arbeitslosen in die Inaktivität verschwinden, kommen von den Inaktiven 3,9 Millionen zu den Arbeitslosen, netto also +0,5 Millionen. Somit sinkt der Block der Arbeitslosen insgesamt vom 1. auf das 2. Quartal um 1,4 Millionen Menschen. Beachtlich bei 10,9 Millionen Arbeitslosen insgesamt.

Wenn da diese eine Sache nicht wäre, die uns stört. Die EU-Statistiker berechnen die Arbeitslosenquote anhand der Formel der Internationalen Arbeitsmarkt-Organisation „ILO“. Und dort hat man definiert, dass Arbeitslose nicht als arbeitslos gezählt werden, wenn sie sich in den Augen der Ämter derzeit nicht aktiv genug um Arbeit bemühen. Damit kann man verdammt viele Arbeitslose nicht mehr als arbeislos ansehen, und die Statistik so runterbringen auf lumpige 10,9 Millionen Menschen.

Anhand der Zahlen, die die EU-Statistiker für Deutschland aufrufen, kann man gut vergleichen, wie groß die Differenz zu den deutschen offiziellen Arbeitslosenzahlen ist, die ebenfalls manipuliert dargestellt werden. Die Differenz liegt grob gesagt bei 30%. Wenn man vermutet, dass die optische Täuschung in Ländern wie Spanien oder Griechenland möglicherweise (!) noch größer ausfällt, dann haben wir vielleicht in der EU real eher 14 oder 15 Millionen Arbeitslose – oder vielleicht noch mehr!

Und diese tatsächlich Arbeitslosen, die offiziell nicht als solche dargestellt werden, „geistern“ in der Masse der sogenannten Inaktiven vor sich hin. Dazu kann man bei der EU folgendes offiziell nachlesen:

A person is economically inactive, according to the International Labour Organisation definition, if he or she is not part of the labour force. So inactive people are neither employed nor unemployed. The inactive population can include pre-school children, school children, students, pensioners and housewives or -men, for example, provided that they are not working at all and not available or looking for work either; some of these may be of working-age.

Inaktive sind also vor allem Schüler, Rentner, Hausfrauen/Hausmänner. Aber im letzten Satz sieht man ja: Es geht aber auch um Menschen im arbeitsfähigen Alter, die nicht nach Arbeit suchen. Damit dürften diejenigen Arbeitslosen gemeint sein, von denen die Ämter annehmen, dass sie sich zuletzt nicht aktiv genug um Arbeit bemüht haben! So bietet die Grafik vielleicht eine gewisse Tendenz, dass es am EU-Arbeitsmarkt in die richtige Richtung geht. Trauen sollte man diesen exakten Zahlen aber besser nicht.

Im Wortlaut von Eurostat zur Veröffentlichung:

Between the first quarter and the second quarter of 2017, 3.8 million people (21.1% of all unemployed in the first quarter of 2017) found a job, 10.9 million (60.2%) remained unemployed and a further 3.4 million (18.7%) became economically inactive. These figures do not include data for Belgium and Germany.

Of all those initially in employment in the first quarter of 2017, 1.9 million (1.1%) became unemployed in the second quarter of 2017, and 2.9 million (1.6%) transitioned into economic inactivity.

From those initially counted as economically inactive in the first quarter of 2017, 4.2 million (3.7%) moved into employment in the second quarter 2017, and 3.9 million (3.4%) transitioned into unemployment.

The graphic and table below give an overview of all possible transitions and show the changes in the labour market status. In the graph, the figures for employment, unemployment and inactivity refer to the number of people remaining in each status between the two quarters. The grey arrows indicate the direction of net flows.



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1 Kommentar

  1. So werden Märchen geschrieben aber selbst dazu ist die EU nicht imstande. Es fängt immer an: Es war einmal! und endet: Und wenn sie nicht gestorben sind! so haben wir 15 Millionen mindestens.

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