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Übernahme-Blamage: Sigmar Gabriel sieht Schuld bei schlecht informiertem Gericht

Gabriel griff das Gericht recht energisch an, und zählte nochmal auf: Das Gericht habe falsche Informationen gehabt über die Anzahl der Beteiligten bei diesen Gesprächen, über den Termin, und auch sei es kein Geheimgespräch…

Redaktion

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FMW-Redaktion

„Die hätten doch einfach mal bei mir nachfragen können“, sagte Sigmar Gabriel vor wenigen Minuten auf seiner eilig einberufenen Pressekonferenz. Er huschte zügig aus seinem Urlaub nach Berlin. Denn gestern hatte ein Düsseldorfer Gericht wg. angeblichen Geheimgesprächen und Gabriels angeblicher Verletzung der Neutralität die Übernahme von Kaiser´s Tengelmann durch Edeka verhindert. Denn Gabriel hatte vorher seine berüchtigte „Minstererlaubnis“ erlassen, mit der er Kartellamt + Monopolkommission überstimmte und den Kauf genehmigte. Jetzt dieses Urteil – eine Blamage für Gabriel.

Sigmar Gabriel
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Foto: Olaf Kosinsky/Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Deswegen auch heute sein persönliches Erscheinen während seines Urlaubs – so was kann er nicht auf sich sitzen lassen. Natürlich sagte er, was in seiner Position zu sagen ist, nämlich dass er zunächst einmal das Gerichtsurteil so anerkennt. Aber sofort danach sagte er, dass er es nicht darauf beruhen lasse. Denn so Gabriel, das Gericht hätte doch vor seiner Entscheidung einfach bei ihm direkt nachfragen können, denn es sei anscheinend nicht richtig informiert gewesen. Der Knackpunkt für die Richter: Gabriel habe seine Neutralität verletzt („Befangenheit“). Er habe mit den Chefs von Edeka + Kaiser´s ein „geheimes“ 6 Augen-Gespräch geführt. Damit habe er seine Neutralität verletzt  und sei befangen.

Laut Gabriel aber habe er sich an alle Regeln gehalten. Da der Konkurrent Rewe kein Antragsteller für so eine Ministererlaubnis gewesen sei, habe er mit Rewe auch kein Einzelgespräch geführt. Außerdem habe das Gespräch mit Edeka + Kaiser´s nicht geheim oder unter 6 Augen stattgefunden – auch Beamte von ihm seien beim Gespräch dabei gewesen (ändert das was am Vorwurf?). Gabriel griff das Gericht recht energisch an, und zählte nochmal auf: Das Gericht habe falsche Informationen gehabt über die Anzahl der Beteiligten bei diesen Gesprächen, über den Termin, und auch sei es kein Geheimgespräch gewesen. Warum hat man nicht einfach bei mir angerufen um den Sachverhalt zu klären, vor dem Urteil, so Gabriel?

Wie solche Gespräche zwischen Edeka, Kaiser´s und ihm als Minister zu seiner Befangenheit führen sollen, sei ihm unverständlich, so Gabriel. Ganz im Gegenteil: Es wäre von ihm fahrlässig gewesen solche Gespräche nicht zu führen. Außerdem seien die Schlussfolgerungen (aber nicht die Gesprächsinhalte?) der Gespräche in frei zugänglichen Akten einsehbar. Solche Gespräche seien absolut üblich, normal und zulässig, so Gabriel. Also, so darf man seine Äußerungen verstehen, war das Gericht nicht nur schlecht informiert, sondern verstehe offenbar auch die Rechtslage diesen Fall betreffend nicht wirklich.

Daher werde sein Ministerium umgehend in Berufung gehen. Auch zu der Kritik das Konkurrenzangebot zu Edeka seitens des Konkurrenten Rewe sei (irgendwie?) nicht ausreichend gewürdigt worden, sagte Gabriel es sei nicht seine Aufgabe zu entscheiden wer wen übernimmt. Das hätte natürlich Kaisers´s Tengelmann zu entscheiden. Er sei nur für die Ministererlaubnis zuständig, und es habe nun mal nur ein Antrag für die Übernahme durch Edeka vorgelegen. Und ihm ginge es eindeutig, so betonte er mehrmals, um das Allgemeinwohl. Und die Sicherung von 16.000 Arbeitsplätzen bei Kaisers´s Tengelmann sei für ihn ein überwältigendes Argument, denn in der Tat ist die Firma defizitär, und scheint alleine kaum überlebensfähig zu sein. Jetzt befürchtet Gabriel durch das Urteil und eventuelle langwierige Verzögerungen die Gefährdung vieler Arbeitsplätze, da bei einer Zerschlagung von Kaiser´s 5.000-8.000 Arbeitsplätze verloren gehen dürften, so Gabriel.

Dass er mit seiner Meinung eines herausragenden Interesses des Allgemeinwohls nicht alleine dasteht, betonte Gabriel ausdrücklich, denn er möchte wohl nicht alleine als Buhmann dastehen. So zitierte er aus Stellungnahmen der Bundesländer Bayern und Hamburg, die die Übernahme durch Edeka auch für äußerst sinnvoll und positiv erachten. Auch betonte er (durchaus nachvollziehbar) seine Gründe der Übernahme zuzustimmen seien sehr schwerwiegend, da vor allem Mitarbeiter mit sehr geringen Gehältern und einfachen Tätigkeiten von möglichen Jobverlusten betroffen seien, die es auf dem Arbeitsmarkt möglicherweise sehr schwer haben würden.

Auf den Konkrrenten Rewe ging Gabriel erneut ein, in dem er darauf hinwies, dass im Januar und im Februar Anhörungsrunden stattfanden, an denen Rewe auch teilgenommen habe. Aus den sehr knappen Ausführungen von Rewe habe sein Ministerium die Schlussfolgerung gezogen, dass eine spätere evtl. marktbeherrschende Stellung durch Edeka bei einem Käufer Rewe auch nicht besser ausfallen würde. Aber das Angebot von Edeka sei gerade für die Arbeitsplätze und deren Sicherheit gut gewesen. Auch betonte Gabriel die Zustimmung für Edeka sei keine Gefälligkeitsentscheidung gewesen, sondern sei mit sehr harten Auflagen verbunden, so z.B. ein Bestandsschutz für die Kaiser´s-Jobs über 7 Jahre.

Ein Journalist stellte eine sehr interessante Frage. Ab welcher Belegschaftsgröße sei generell das Allgemeinwohl so sehr betroffen, dass die Ministererlaubnis benutzt werden könne um Kartellamt + Monopolkommission zu überstimmen? Seien die von Jobverlust bedrohten 5.000 eine Grenze? Natürlich konnte Gabriel nicht mit einer fixen zahl als Grenze antworten. Daher entschied er sich spontan für einen Kniff. Bei Kaiser´s gehe es ja jeweils um nur z.B. 5 Arbeitsplätze, pro selbständigem Supermarktbetreiber. Nur alle eigenständigen Märkte zusammengerechnet ergäben dann 5.000. Also sei eine feste Größte als Grenze nicht zu benennen.

Sigmar Gabriel stellte nochmal klar, dass er das Problem beim anscheinend schlecht informierten Düsseldorfer Gericht sieht. Denn dessen Urteil enthalte „falsche Tatsachenbehauptungen“ – dieser Hinweis schien ihm sehr wichtig zu sein. Auch dass es kein objektives Verfahren gegeben habe, sei schlichtweg falsch. Auch betonte Gabriel, dass der Vorwurf der Befangenheit von KEINEM Verfahrensbeteiligten erhoben worden sei, nicht mal von Rewe. In einer längeren Ausführung sagte er auch sinngemäß zusammengefasst, dass Gerichte sich nicht in den Erhalt der Sozialen Marktwirtschaft einmischen sollten – so verstehen wir seine Aussage. Denn ihm ginge es um den Erhalt der Arbeitsplätze, was nun durch das Gericht massiv behindert werde. Abschließend noch erwähnen wir die Frage eines Journalisten, ob nach dieser Blockade durch das Gericht die Ministererlaubnis als Instrument modifiziert werden müsse, damit sie in Zukunft überhaupt noch wirksam angewendet werden könne. Antwort: Ja, es müsse geprüft werden, ob die Ministererlaubnis in ihrer jetzigen Form angepasst werden muss. Auf Deutsch: Durch neue Gesetze wird man wohl diese Erlaubnis so umbauen, dass Gerichte sie deutlich schwieriger blockieren können.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    sabine

    13. Juli 2016 19:49 at 19:49

    Danke für den Bericht! Sehr aufschlußreich. Es wurde von anderer Seite aus der Lebensmitteldicountbereich betont, daß hier die Regierung wiedermal schwache Riesen stützt, und damit kleinere noch starke Firmen an die Wand drückt.
    Z.B. die Arbeitsplätze bei vielen Lieferanten sind jetzt gefährdet:
    „Öffentlich weniger präsent, aber aus Kartellamtssicht womöglich noch gravierender sind die Folgen der Übernahme für die Lieferanten. Also für all jene Wurst-, Bier- und Käseproduzenten. Ihre Abhängigkeit vom größten deutschen Lebensmittelhändler ist schon jetzt immens und würde weiter steigen, wenn eine Absatzalternative wegbricht. Durch den Machtzuwachs erhöht sich zudem die Möglichkeit, die Preise der Lieferanten zu drücken. Dass es dabei nicht um einen theoretischen Disput geht, bewies Edeka bei der Plus-Übernahme: Nach dem Kauf forderte Edeka sogenannte „Hochzeitsrabatte“ von rund 500 Lieferanten aus unterschiedlichen Warenbereichen ein. Sprich: nur noch die jeweils günstigsten Einkaufspreise sollten plötzlich gelten.“
    http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/rewe-edeka-und-das-kartellamt-worum-es-im-fall-tengelmann-wirklich-geht/11574030.html
    Und da wären noch Stellenstreichungen bei Edeka nach Übernahme:
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Edeka-will-bei-Kaisers-Stellen-abbauen-article17599006.html
    Die Argumente gegen Gabriel damals, heute genauso aktuell:
    http://www.monopolkommission.de/index.php/de/homepage/84-pressemitteilungen/312-ruecktritt-des-vorsitzenden-der-monopolkommission-wegen-ministererlaubnis-fuer-edeka-kaiser-s-tengelmann
    Die nun vom Minister gewährte Ministererlaubnis erscheint unter Gemeinwohlgesichtspunkten als die schlechteste aller Lösungen:
    Sie schadet dem Wettbewerb. Überall dort, wo bisher Edeka und Kaiser’s Tengelmann in Konkurrenz standen, entfällt dieser Wettbewerb – zum Nachteil der Verbraucher, die künftig mit weniger Auswahl und höheren Preisen rechnen müssen.
    Dieser Nachteil für den Wettbewerb wird nicht durch Gemeinwohlvorteile aufgewogen. Es ist insbesondere nicht davon auszugehen, dass die erteilte Erlaubnis beschäftigungsfördernde Effekte hat. Die Monopolkommission hat während des Verfahrens wiederholt darauf hingewiesen, dass unter Gemeinwohlgesichtspunkten nicht der Erhalt ganz bestimmter Arbeitsplätze, sondern allenfalls eine beschäftigungsfördernde Wirkung im Ganzen eine den Wettbewerb beschränkende Fusion zu rechtfertigen vermag. Von einer beschäftigungsfördernden Wirkung des heute genehmigten Zusammenschlusses ist schon deshalb nicht auszugehen, weil das fusionsbedingte Wachstum von Edeka zu Lasten anderer Einzelhandelsunternehmen gehen wird: Es ist nicht davon auszugehen, dass die Verbraucher in Deutschland infolge des Zusammenschlusses insgesamt mehr konsumieren als zuvor. Wären Kaiser’s Tengelmann-Filialen von anderen Unternehmen erworben worden, hätten diese entsprechende Umsätze erwirtschaften und Arbeitnehmer beschäftigen können. Würden einzelne Filialen nicht fortgeführt, sondern geschlossen, so würde dies zu einer Umsatzerhöhung und damit zu einer Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten bei anderen Handelsunternehmen führen.
    Auf lange Sicht ist davon auszugehen, dass die Ministererlaubnis der Beschäftigung schadet. Edeka hat schon heute das dichteste Filialnetz. Eine Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka führt zu mehr „Doppelstandorten“ (Standorte mit zwei Filialen desselben Unternehmens) als eine solche durch ein oder mehrere andere Handelsunternehmen. Edeka hat deshalb langfristig mehr Anreize zur Schließung von Filialen als irgendein anderer potentieller Erwerber. Altfilialen von Edeka können sofort geschlossen werden, da die Bedingungen der Ministererlaubnis sich nur auf die neu erworbenen Kaiser’s Tengelmann-Filialen beziehen. Sobald die mit der Ministererlaubnis einhergehenden Beschäftigungsgarantien enden, ist auch bei den neu erworbenen Filialen mit Schließungen zu rechnen. Im Ganzen ist wegen der Überschneidungen bei den Filialnetzen nach einer Übernahme durch Edeka mit einem größeren Stellenabbau zu rechnen als in jedem anderen Szenario.
    Die Bedingungen der Ministererlaubnis stehen schließlich auch einer wirtschaftlich sinnvollen Weiterentwicklung der Strukturen im Einzelhandel entgegen.
    a) Sie verbieten Edeka für einen Zeitraum von fünf Jahren die Weitergabe von bisherigen Kaiser’s Tengelmann-Filialen an selbständige Edeka-Kaufleute. Auch dort, wo eine solche d e z e n t r a l e Führung der Filialen die wirtschaftlich sinnvollste Lösung darstellt, ist Edeka künftig zur Führung dieser Filialen als „Regiebetriebe“ der Edeka-Zentrale gezwungen.
    b) Zudem ist Edeka während der Laufzeit der Bedingungen nicht frei darin, Überschneidungen der Filialnetze durch Schließung der weniger wirtschaftlichen Filiale an einem Ort aufzulösen. Vielmehr ist das Unternehmen durch die Bedingungen gehalten, unabhängig von Effizienzüberlegungen allein Edeka-Altfilialen zu schließen (s.o. unter 3). Edeka wird also durch den einseitigen Bestandsschutz für bisherige Kaiser’s Tengelmann-Filialen daran gehindert, die effizienteste – und damit auch volkswirtschaftlich kostengünstigste – Vertriebsstruktur zu schaffen.
    Mit der Niederlegung meiner Ämter in der Monopolkommission möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es mit der Erteilung der Ministererlaubnis zu einer äußerst problematischen wirtschaftspolitischen Entscheidung gekommen ist. Eine Fortführung meiner Tätigkeit in der Monopolkommission erscheint mir nicht sinnvoll, wenn eine einstimmig erteilte Empfehlung der Kommission in einem eindeutigen Fall nicht angenommen wird.

  2. Avatar

    Juventus Tirana

    14. Juli 2016 09:06 at 09:06

    So setzt sich ein unfähiger spD- Bonze eben sein Denkmal.
    Wer hat uns verraten ?
    Spezialdemokraten.
    spD- Projekt BT-Wahlen 2017 : 10 %

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Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

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Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

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Gewerbeumsatz im August rückläufig – warum es tatsächlich aber ein Anstieg ist

Claudio Kummerfeld

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Sprühender Funken bei Industrieproduktion

Den Gewerbeumsatz prognostizieren die Statistiker vom Statistischen Bundesamt aus den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen. Daher können sie heute für den Monat August vorläufig sagen, dass der Umsatz in der gewerblichen Wirtschaft (gemeint sind die Bereiche Industrie, Bau sowie Handel und Dienstleistungen) im Vergleich zu Juli um 1,3 Prozent gesunken ist. Der Wert für August liegt vor Revision um 4,7 Prozent niedriger als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Diesen Abwärtshaken beim Aufschwung erkennt man auch im Chart am Ende des Artikels, der den Indexverlauf seit Anfang 2015 anzeigt.

Dieser aktuelle Rückgang kann aber täuschen. Man achte zum Beispiel auf die aktuellen Worte von Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. Die deutschen Unternehmen hätten zwar im August 1,3% weniger umgesetzt als im Juli gemacht. Aber der ohnehin starke Juli-Umsatz sei nach oben revidiert worden. Juli und August zusammen liegen jetzt 9,2 Prozent über dem 2. Quartal, und beim BIP zeichne sich ein starkes Plus von 9 Prozent ab, so seine Worte.

Und siehe da, schauen wir uns doch mal den Juli-Indexwert in der heute veröffentlichten Grafik der staatlichen Statistiker an. Er liegt bei 128,0 Indexpunkten. Schaut man auf die Original-Veröffentlichung der Statistiker für Juli vom 27. August, dann sieht man hier einen Juli-Indexwert von nur 125,9. Also, in der Tat. Der Juli-Wert wurde heute von 125,9 auf 128 kräftig nach oben revidiert. Von daher ist der heutige Rückfall auf 126,3 im August immer noch höher als in der Erst-Veröffentlichung für Juli aus dem Vormonat. Geht man also nach den jeweiligen Erstschätzungen, dann klettert der Gewerbeumsatz von Juli auf August weiter an.

Rückläufig ist der heutige August-Wert nur, weil man einen aktuellen Schätzwert in Relation zu einer revidierten Zahl setzt. Sinn macht es aber nur, wenn man entweder zwei Schätzwerte oder zwei revidierte Werte miteinander vergleicht. Man darf vermuten, dass der August-Wert, welcher Ende Oktober veröffentlicht wird, nach oben revidiert wird. Denn die Statistiker erwähnen heute auch, dass sich die Werte aufgrund von Nachmeldungen durch Revision noch erhöhen können. Der Anstieg im Gewerbeumsatz in Deutschland geht also vermutlich weiter, ohne unterbrechenden Abwärtshaken.

Chart zeigt Verlauf im Gewerbeumsatz seit 2015

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Meine Absage an Panikmache und Alarmismus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Zentralbanken fluten derzeit wieder den Markt mit frischem Geld. Zunächst senkte die US-Fed den Leitzins im März praktisch auf Null (0-0,25 %). Die US-Regierung erprobte daneben gleich einmal eine Art Helicopter-Geld und unterstützte Arbeitslose mit 600 USD pro Monat.

Dann feuerte die EZB in den Markt und stockte im Rahmen des sog. PEPP-Programms (Pandemic Emergency Purchase Programme) die turnusmäßigen Anleihenkäufe um 600 Milliarden Euro auf. Derweil wurde die PEPP-Maßnahme nochmals erweitert. Nunmehr lassen die Währungshüter um Christine Lagarde bis Juni 2021 insgesamt 1,35 Billionen Euro rollen, um die angeschlagene Konjunktur zu stabilisieren.

Nie zuvor haben Notenbanken und nationale Regierungen derartige Summen mobilisiert in solch kurzer Zeit in den Markt gegeben. Im Vergleich dazu mutet die Geldpolitik der vergangenen Jahre geradezu konservativ und zurückhaltend an.

Vor diesem Hintergrund mehren sich die Stimmen, die nicht nur steigende Inflation prognostizieren, sondern zumindest für den Euro wieder die Existenzfrage aufwerfen. Die Sorgen vieler Marktteilnehmer spiegeln sich eindrücklich unter anderem in steigenden Preisen für Gold und Silber. In dieser Situation sucht man Substanz, und einer Papierwährung trauen diese Substanz üblicherweise nicht zu. Nichts als bedrucktes Papier, so der verbreitete Tenor.

Aber schauen wir uns die Fakten an. Ist es im digitalen Zeitalter überhaupt noch zulässig von einer Papierwährung zu sprechen? Tatsächlich laufen gegenwärtig in der Euro-Zone Geldscheine und Münzen im Wert von rund 1,4 Billionen Euro um. Das entspricht also grob der Bewertung der Apple-Aktie vor vier Wochen. Heute hat Papiergeld streng genommen kaum noch eine wirtschaftliche Funktion außerhalb des Dienstleistungssektors bzw. des Einzelhandels. Papiergeld brauchen wir um Semmeln beim Bäcker zu holen und um ein Eis auf die Hand beim Stadtbummel zu kaufen.

Alle modernen Währungen sind heute elektronisch. Die wahren Geldmassen lagern heutzutage auf Konten, in Depots oder sind in Immobilien gebunden. So wiegt etwa der private Immobilienmarkt allein in Deutschland rund 5 Billionen Euro. Der DAX, also nur die 30 größten Unternehmen hierzulande, wiegen derzeit rund 1 Billion Euro. Noch ein Beispiel: Der französische Leitindex CAC 40 ist noch schwerer. Seine Unternehmen sind gegenwärtig rund 1,5 Billionen Euro schwer.

Möglicherweise sind diese Marktwerte aufgebläht. Diese Aussage ist zulässig. Die Aussage, dass eine moderne Währung ungedeckt von Sachwerten wäre, hingegen ist Humbug. Ich halte ganz generell die Sorgen um den Kollaps des Euro bzw. einer anderen westlichen Währung für übertrieben. Die Sorge, dass eine…..

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