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UK-Wahl und Märkte: Die Party der Falschen

Die Jungwähler haben Theresa May und ihrem harten Brexit einen Dämpfer versetzt. Nun feiern die Märkte, weil das Pfund fällt – aber das geht an der ökonomischen Realität weit vorbei. Es feiern die Falschen aus den falschen Gründen!

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es lustig: da deutet sich politisches Chaos an in einem der wichtigsten Länder Europas, und die Aktienmärkte finden das ganz prima. Es ist derselbe Mechanismus wie beim Brexit: das Pfund fällt, also steigt der britische Leitindex FTSE100, weil viele der in dem Index enthaltenen Unternehmen zwar ihren Sitz in UK haben, aber viel Geschäft im Ausland betreiben und damit aufgrund des schwachen Pfund mehr verdienen (in Pfund Sterling).


(FTSE100)

Das Problem ist nur: für die britische Wirtschaft, die eigentlich durch einen Leitindex wie den FTSE1000 abgebildet werden sollte, ist das schlecht. Sehr schlecht. Der Grund ist schlicht: der Konsument säuft ab. Weil aufgrund des schwachen Pfunds die Inflation schneller steigt als die Löhne, verlieren die Briten an Kaufkraft. Daher fallen seit drei Monaten die Immobilienpreise, womit wiederum das Vermögen, das die Briten besitzen, sich reduziert (das Vermögen der Briten basiert fast ausschließlich auf Immobilienbesitz).

Mit anderen Worten: die Aktienmärkte, zumindest der Leitindex FTSE100 und in dessen Gefolge auch andere europäische Indizes, steigen, obwohl sich damit die Basis für Kursanstiege, so etwas anscheinend so Unwesentliches wie die Wirtschaft, verschlechtert. Irgendwann wird dann die Kluft zwischen Kursen und Realität zu groß und es scheppert.

Wahrscheinlich ist, dass Theresa May diese gefühlte Niederlage politisch nicht überleben wird. Also gibt es Neuwahlen, also zieht sich die Unsicherheit über den Brexit weiter hin. Herrscht Unsicherheit, wird nicht investiert, wird nicht investiert, leidet mit Verzögerung die Wirtschaft.

Eines ist interessant: nämlich die Tatsache, dass diesmal, anders als beim Brexit-Votum, die Jungwähler zur Wahl gegangen sind – und zwar satte 72% der 18 bis 25 Jährigen. Sie haben ihre Stimmen erhoben, nachdem sie vorher „gepennt“ hatten – und die Jungwähler wollen keinen harten Brexit, anders als die Alten – anders also als Theresa May und die Junkies, die jetzt die Märkte hochkaufen.

Hinzu kommt, dass wir es diesmal mit einer Internet-Wahl zu tun haben. So war das gute Ergebnis von Labor schon aufgrund der Google-Anfragen im Vorfeld erkennbar:

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Dazu die extrem frequentierten Seiten im Netz, die zu taktischem Wahlverhalten innerhalb des eigentlich ungerechten britischen Mehrheitswahlrechts aufriefen – offenkundig mit einigem Erfolg. Wer also Grund zum Feiern hätte, ist die Jugend, nicht die Alten und Etablierten, die sich jetzt wieder einmal die Aktienmärkte „schön kaufen“ und verdrängen, dass das immer mehr an der Realität der Menschen, vor allem an der ökonomischen Realität, vorbei geht!

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    randy hofbeck

    9. Juni 2017 10:21 at 10:21

    … und wenn die briten gar keinen brexit mehr wollen und jetzt in kleinen schritten eine abkehr einleiten wollen !?!

  2. Avatar

    mario

    9. Juni 2017 10:55 at 10:55

    … die heutigen Wirtschaftsdaten aus UK sind berauschend ;-) – schaut überhaupt noch jemand darauf? Völlig irrational das Ganze – aber ich hab heute darauf gewettet – und fette Beute gemacht.

  3. Avatar

    Marko

    9. Juni 2017 11:49 at 11:49

    Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es lustig: da deutet sich politisches Chaos an in einem der wichtigsten Länder Europas, und die Aktienmärkte finden das ganz prima.

    Richtig, und warum „die“ das prima ? Weil das eine Wahl „pro-Europa“ war, sonst nix.
    Man wollte sich den Rückhalt bei der britischen Bevölkerung holen, durch die Neuwahlen, man war sich sicher, das Ding gewinnen wir sowieso. Sollte May mehr als 6 Regierungssitze verlieren, so werde sie zurücktreten ?

    https://www.facebook.com/TheresaMayOfficial/posts/1737355726281193

    „For that reason, and because of the chaos his plans would unleash on this country, I will redouble my efforts in the weeks to come to earn every vote. That will strengthen my hand when I negotiate in Europe and help me build a stronger, fairer, more prosperous Britain.“

    Und was ist jetzt der Fall ?

    Da brauchen die Briten 1 Jahr, um zu kapieren, dass der Brexit für sie nicht so toll ist ? :D
    Na, ja immerhin, man kann es mal versuchen…

  4. Avatar

    columbo

    9. Juni 2017 12:40 at 12:40

    Ich bin 100% überzeugt, daß UK niemals wirklich austreten will und wird. Diese Wahlen sind der Beweis. Mit verschiedenen Tricksereien und Schwindeleien werden sie drin bleiben ohne daß wir es richtig merken. Exits werden keine schwarzen Schwäne sein, auch nicht Italien. Die kommen woanders her, überraschend, unerwartet, schwarzschwanmäßig eben.

  5. Avatar

    Geduldsbär

    9. Juni 2017 13:13 at 13:13

    M.Fugmann bringt es wieder mal genau auf den Punkt. Der Labour Mann hat populistischen Wahlkampf gemacht u.den jungen Studenten ( der künftigen Elite )mehr Ausgaben für Bildung u.Soziales versprochen, das mögen die Leute obwohl GB schon stark verschuldet ist.Die Einsparungen bei der Polizei hat man T.May zum Vorwurf gemacht,obwohl man auch mit viel mehr Polizei nicht alle Anschläge verhindern kann. Es ist auch nicht zu übersehen, dass rechter Populismus richtigerweise kritisiert wird, linker Poulismus kommt immer gut an.
    ( siehe auch Martin Schulz ) Das alte Spiel, SCHLECHT FÜRS LAND= SCHLECHT FÜR DIE WÄHRUNG= GUT FÜR DIE BÖRSE läuft wieder weiter, BRAUCHT ES WIRKLICH DEN WELTUNTERGANG BIS DIE BÖRSEN AUF SCHLECHTE NACHRICHTEN AUCH NEGATIV REAGIEREN ?

    • Avatar

      Marko

      9. Juni 2017 16:44 at 16:44

      „Das alte Spiel, SCHLECHT FÜRS LAND= SCHLECHT FÜR DIE WÄHRUNG= GUT FÜR DIE BÖRSE läuft wieder weiter, BRAUCHT ES WIRKLICH DEN WELTUNTERGANG BIS DIE BÖRSEN AUF SCHLECHTE NACHRICHTEN AUCH NEGATIV REAGIEREN ?“

      Das sind keine schlechten Nachrichten, das sind gute. Es zeigt, dass man in GB umgedacht hat, bzw. dass diesmal die breite Masse sagt , was sie denkt.
      Natürlich könnte man sagen, die spinnen, die Briten, raus aus den Kartoffeln , rein in die Kartoffeln.
      Man hat aber meiner Meinung nach gemerkt, dass es in Sachen Brexit keinen Verhandlungsspielraum gibt – die Briten haben einiges hinbekommen, beispielsweise ihre Autoindustrie an die Wand gefahren, „Made in Germany“ erfunden und jetzt steht ihr allergrößtes Asset auf dem Spiel : der Finanzplatz London.
      Beim Brexit wird es keinen „Sieger“ geben, aber garantiert einen Verlierer GB !

  6. Avatar

    Gerd

    9. Juni 2017 13:19 at 13:19

    Und wenn ihr der Vorwurf der Opposition zum Nachteil gereicht hat, dass sie als Innenministerin den Polizeiapparat drastisch verkleiner hätte?
    Und die Briten auch Angst haben um ihr Leben. Mehr noch als um die Wirtschaft rund um einen Brexit?

    (Ich weiß, berichtet wurde in den Medien zwei Tage vor der Wahl, dass die Anschläge kaum eine Rolle spielen würden)

  7. Avatar

    Geduldsbär

    9. Juni 2017 13:19 at 13:19

    Nachtrag zu Kommentar 13:13
    Die linken Parteien sind zwar immer für mehr Polizei, aber gegen Effizienz ,d.h. Video Überwachung, Ausschaffungen u.Durchsetzung der schon bestehenden Gesetze ( siehe auch Deutschland )

    • Avatar

      Gerd

      9. Juni 2017 13:52 at 13:52

      Mehr Polizei u.s.w. bedeutet eh nur Rumdoktern an den Symptomen.
      Die Ursachen gilt es anzupacken.
      Aber wer will das schon?

      (Vergleich: Wir werden ab sofort AIDS verstärkt bekämpfen – in dem wir mehr und stärkere Medikamente bereitstellen. Das würde die Ursache auch nicht beseitigen)

      • Avatar

        Wolfgang M.

        9. Juni 2017 15:20 at 15:20

        Genau Gerd. Wie bei uns. Erst lässt man tausende junge Männer unkontrolliert ins Land. Dann steigen die Straftaten von Einheimischen und Ausländern und es gilt Hunderte rund um die Uhr zu überwachen. Jetzt will man mind. 10000 Polizisten einstellen und ausbilden (dauert 2 1/2 Jahre). Der Kausalzusammenhang wird allenfalls modifiziert wiedergegeben. (Dauerlamento: Wir haben zu wenig Polizisten). Weiß jemand, wie viele noch täglich kommen und wieviele das Land weg. fehlender Asylgründe verlassen? Hinweis: Ich habe keine rechte Gesinnung, die man heute schnell angehängt bekommt. Gruß

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Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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