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UK-Zinssenkung: Carney kopiert Draghi – ob das hilft? Da muss Theresa May schon eher den Abe machen!

FMW-Redaktion

Mark Carney, der Chef der Notenbank „Bank of England“, kopiert das Konzept von Mario Draghi 1:1. Der Leitzins sinkt (von 0,5 auf 0,25%), das Volumen der Staatsanleihe-Käufe wird angehoben, und jetzt kauft man ebenfalls wie die EZB (Eurozone) auch Unternehmensanleihen in Großbritannien auf. All das soll wohl wie auf dem Festland die Konjunktur stimulieren und vor Deflation schützen. Doch in der Eurozone, da geht es „nur“ um die Ankurbelung einer lahmen Wirtschaft, und um die Anhebung der Verbraucherpreise. Aber auf der Insel, da geht es seit dem 24. Juni diesen Jahres um viel mehr. Im Rahmen seiner heutigen Entscheidung appellierte Mark Carney an die britischen Banken, doch bitte unbedingt diese aktuelle Zinssenkung an die Kunden weiterzureichen. Es gäbe für die Banken keine Ausrede dies nicht zu tun, so Carney.

Carney EZB Abe
Bank of England-Chef Mark Carney. Foto: WEF/Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Alle Indikatoren, allen voran der Immobiliensektor, zeigen jetzt schon die Vorzeichen der Rezession für Großbritannien. Die Bauindustrie schrumpft so stark wie seit 7 Jahren nicht mehr. Dienstleistungen stehen so schlecht da wie seit 20 Jahren nicth mehr. Die Bank of England betont sie gehe nicht von einer Rezession aus, sondern nach wie vor von einem kleinen Wachstum im 2. Halbjahr. Der Brexit ist noch satte zwei Jahre entfernt. Was UK jetzt gerade auf sich zukommen sieht, ist die Angst vor dem Brexit und seinen Folgen. Nur diese Angst wird wohl in Kürze die Wirtschaft in die Rezession gleiten lassen. Zieht man Immoiblien und Finanzen ab, bleibt fast nur noch eine leicht aufblühende kleine Autoindustrie, die von ausländischen Herstellern repräsentiert wird, welche auf der Insel Fabrikstandorte unterhalten. Ob die ihre Produktion bei der Einführung von EU-Importzöllen nach einem Brexit dort auch in jetzigen Umfang belassen werden, kann bezweifelt werden.

Helfen kann der Wirtschaft Großbritanniens und vor allem der Autoproduktion der derzeitige schwache Pfund-Kurs, womit britische Produkte im Ausland billiger werden. Das würde wirklich helfen, wenn UK als gesamte Volkswirtschaft denn noch eine nennenswerte Exportindustrie hätte. Aber die Insel produziert Monat für Monat konstante wie auch drastische Außenhandelsdefizite – man importiert also konstant mehr als man exportiert.

Wenn man davon ausgeht, dass die Auswirkungen des Brexit ziemlich drastisch werden, dann benötigt Großbritannien jetzt keine Draghi-Kopie, sondern eher eine Abe-Kopie. Damit meinen wir die drastische Verschuldungspolitik von Japans Ministerpräsident Abe, der quasi nach dem Motto arbeitet „Neue Schulden machen, immer mehr, noch mehr, bis irgendwann die Konjunktur anspringt“. So einen „Haudegen“ bräuchte es wohl eher um zumindest den Versuch zu unternehmen einer Rezession für UK entgegenzuwirken. Das Geld müsste in die Wiederbelebung realer Industrieproduktion gesteckt werden – nur so eine Idee. Ob so etwas anders als in Japan funktioniert, weiß man auch bei UK erst hinterher.

Wie man auf dem europäischen Festland derzeit eindrucksvoll sieht: Die Negativzinsen, das monströse Anleihekaufprogramm in Billionenhöhe und auch der Aufkauf von Unternehmensschulden haben die Inflation und die Konjunktur in Europa bisher nicht vorangebracht. Die Wirtschaft hilft sich eher selbst, und die Preise lassen sich von steigenden Ölpreisen helfen. Also sollte sich Theresa May nicht zu sehr auf Mark Carney als Retter der Inselwirtschaft verlassen, sondern vielleicht ein kräftiges Konjunkturpaket durch die Regierung in Erwägung ziehen.



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