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Ukraine: 3 Milliarden Schulden bei Russland und noch 12 Tage Zeit – Fakten & Hintergründe

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FMW-Redaktion

Russland hält eine Anleihe der Ukraine im Wert von 3 Milliarden Dollar – diese ist fällig am 20. Dezember. Zahlt die Ukraine nicht, ist das Land offiziell pleite. Oder doch nicht? Der Konflikt der beiden Länder wird auch auf dem Finanzsektor ausgetragen. Die Auswirkung auf große IWF-Kreditsummen könnte gravierend sein. Der britischen Gerichtsbarkeit kann dabei eine entscheidende Rolle zufallen. Hier die Fakten und Hintergründe…

Ukraine Premierminister-Jazenjuk1
Arsenij Jazenjuk, Premierminister der Ukraine. Foto: Ybilyk/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Schuldenschnitt mit Privatgläubigern

Erst vor Kurzem hatte sich die Ukraine mit einem Konsortium privater Gläubiger auf einen 20%-Schuldenschnitt + Laufzeitverlängerung für die Restschulden geeinigt – somit reduzierte sich ein Teil der ukrainischen Staatschulden von 15 auf nur noch 12 Milliarden Dollar. Zusätzlich hierzu schwirren auch noch 3 Milliarden Dollar als Anleihe herum, die die Ukraine am 20. Dezember an Russland zurückzuzahlen hat.

Ukraine-Premier Jazenjuk hat sich bereits auf den Kopf gestellt und alles versucht was möglich und unmöglich war um Russland dazu zu bringen ebenfalls dieser Umschuldung zuzustimmen. Dies wäre aber ein brutaler Gesichtsverslust für Russland und Wladimir Putin selbst gewesen. Man verzichtet auf einen Teil seiner Geldforderung gegenüber der (verfeindeten?) Ukraine – wie hätte er das vor seiner eigenen Bevölkerung rechtfertigen sollen? Jazenjuk drohte damit Russland zu verklagen (welche Grundlage?), und er argumentierte man könne die Schulden nicht vollumfänglich an Russland zurückzahlen, weil die anderen (privaten) Gläubiger ja alle dem Schuldenschnitt zugestimmt hätten.

In dem Vertrag für den Schuldenschnitt sei vereinbart worden, dass der sonstige Gläubiger (also Russland) keine bessere Behandlung erhalten dürfe, von daher müsse die Ukraine darauf bestehen, dass Russland auch auf 20% der Forderung verzichtet. Mehr als abstruse Argumente. Seit wann ist ein Gläubiger verpflichtet auf seine Forderung zu verzichten, nur weil andere Gläubiger das tun? Naja, aber die Ukraine argumentiert bis heute, dass Russland dem Schuldenschnitt zustimmen müsse, weil es sich bei der von Russland gehalten Ukraine-Anleihe um die selbe Art privatrechtlicher Anleihe handele wie bei den Privatgläubigern.

Und das sieht Russland anders. Es handele sich um ein Geschäft zwischen zwei Staaten, und daher nicht um eine privatwirtschaftliche Transaktion. Man kann geneigt sein die russische Position einzunehmen, denn beide Seiten am Handelstisch waren Staaten, Russland und die Ukraine – folglich also ein Deal zwischen Staaten. Auch spricht dafür, dass der damals vereinbarte Zinssatz nur halb so hoch wie der übliche Marktzins war.

Russland wird die Ukraine verklagen

Russland wird die Ukraine bei Nicht-Zahlung wohl nach dem 20. Dezember verklagen. Hierzu müsste man die Ukraine vor ein britisches Gericht zerren, da UK laut Anleihebedingungen für eine Klage zuständig wäre. Das einzige Argument der Ukraine vor einem ordentlichen britischen Gericht könnte sein, dass die Anleihe genau so privatwirtschaftlich herausgegeben wurde wie die Anleihen der Privatgläubiger, die umstrukturiert wurden – daraus könnte man eine „Mitwirkungspflicht“ Russlands ableiten mit umzuschulden – eine mehr als abstruse Argumentation, aber möglich ist ja alles. Britische Rechtsexperten sind sich auch nicht einig was bei dieser Klage herauskommen könnte, weil es anscheinend genau so einen Fall vor einem britischen Gericht noch nicht gegeben hat.

Das könnte ein Problem für den IWF werden

Und jetzt kommt ein ganz entscheidender Punkt: Der IWF pumpt die Ukraine nach und nach mit frischen 17,5 Milliarden Dollar-Hilfsgeldern (Kredite, keine Schenkungen) zu. Laut IWF-eigenen Statuten darf man keinem Land weitere Gelder auszahlen, das Schulden bei anderen Staaten nicht zurückbezahlt hat. Würde ein international anerkanntes Gericht (und das wäre bei einem UK-Gericht eindeutig der Fall) anerkennen, dass es sich um ein Anleihe-Geschäft zwischen Staaten gehandelt hat, und dass die Ukraine nicht gezahlt hat, dürfte der IWF keine weiteren Gelder an die Ukraine ausschütten – es sei denn man würde gegen seine eigenen Regeln verstoßen.

Es gibt Marktbeobachter, die eine russische Klage als russische Chance betrachten würden die Ukraine von einer vollständigen Schulden-Umstrukturierung abzuhalten. Denn bestätigt ein britisches Gericht, dass die Ukraine zu 100% zurückzahlen und nicht umschulden muss (welche Argumente sprechen dagegen?), muss die Ukraine zahlen, oder die Finanzwelt erkennt die Nicht-Zahlung als Staatspleite an. Es gibt aber auch die andere Seite der Betrachtungsweise. Russland hat eine Forderung, und möchte einfach nur das Geld zurück erhalten, auf das es einen Anspruch hat.

Bei den argentinischen Staatsschulden-Problemen verhielt es sich ähnlich – hier gab es auch Gläubiger, die einem vereinbarten Schuldenschnitt nicht zugestimmt hatten. In diesem Fall waren es amerikanische Hedgefonds – sie lähmen Argentinien´s „normalen“ Zugang zum internationalen Kapitalmarkt bis heute, obwohl das Land selbst natürlich nicht unschuldig daran ist. Die privatrechtlichen Anleihen der Ukraine, die gerade umgeschuldet wurden, würden nach dem 20. Dezember nicht als „notleidend“ eingestuft, wenn die Ukraine Russland nicht ausbezahlt – denn diese wurden ja in neue Anleihen umstrukturiert, und in den neuen Anleihebedingungen wurde berücksichtigt, dass bei einem Zahlungsausfall an anderer Stelle die neuen Anleihen der Privatgläubiger keine Statusänderung erfahren (keine cross-default clauses).

Ukraine in der Zwickmühle

Wenn die Ukraine an Russland vollumfänglich zurückzahlen wollte, so ginge das nur mit Zustimmung der Privatgläubiger, die die umgeschuldeten neuen Anleihen erhalten haben. Aber das ist das Problem der Ukraine, nicht das von Russland – denn die Ukraine hat den Privatgläubigern versprochen andere Gläubiger nicht besser zu stellen. Der Haupt-Privatgläubiger Franklyn Templeton erwähnte bereits das 3 Milliarden Dollar-Anleiheproblem könne zwischen Russland, der Ukraine und dem IWF gelöst werden. Mit anderen Worten: Der IWF soll doch gefälligst die Ukraine raushauen.

Und genau an den hatte sich vor Kurzem bereits Russland gewandt. Man erlaube der Ukraine Ratenzahlung von 2016-2018, 3 x 1 Milliarden Dollar pro Jahr, wenn USA, EU oder IWF dafür haften. Und da geht es gleich einen Schritt weiter. Angeblich will Russland gestern von den USA eine Absage bzgl. der Haftung erhalten haben. Das russische Angebot zur Ratenzahlung verstreicht genau heute am 8. Dezember – bisher hat niemand darauf offiziell geantwortet, auch nicht der IWF.

Und was macht die Ukraine?

Es ist wohl mehr als ein Zufall, dass Ukraine-Premier Jazenjuk erst gestern die EU offiziell aufforderte die Sanktionen gegen Russland zu verlängern – wohl seine Art Druck auf Russland auszuüben. Im offiziellen Statement geht es natürlich nicht um die Anleihe, und somit ist der zeitliche Zusammenhang wohl ein reiner Zufall:

„We believe that the European Union would demonstrate the unity, that the sanctions will be extended, and that the issue of sanctions is directly linked to the full implementation by the Russian Federation of the Minsk agreement“, stressed Prime Minister of Ukraine Arseniy Yatsenyuk in Brussels on the outcomes of the meeting of the EU-Ukraine Association Council Monday, December 7th. Arseniy Yatsenyuk highlighted that „Ukraine has complied and is till complying with its part of the Minsk agreements“. At the same time, he accentuated, this morning there was information that Russia had resumed shelling of Ukrainian positions.“

Die ukrainische Finanzministerin soll (laut russischen Medien) vor wenigen Stunden gesagt haben man lehne die Rückzahlung an Russland ab. Offiziell bestätigt wurde diese von der Ukraine nicht, aber die selben Aussagen machte auch Premier Jazenjuk in den letzten Wochen – eine durchweg ablehnende Haltung was die Rückzahlung der Anleihe angeht. Man betrachtet sie sowieso eher als Überbleibsel des ehemaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch, der das Geld von Moskau zur Stützung seiner Macht erhalten haben soll. Der Fakt aber bleibt, dass die Schulen vorhanden sind. Ob Zufall oder nicht, aber heute soll die Ukraine laut Notenbank „National Bank of Ukraine“ eine Staatsanleihen-Auktion abhalten. Über welche Summe? Lesen Sie selbst:

„The first sovereign bond sale auction will be held at the trading platforms of the Perspektiva Stock Exchange and the FSTS Stock Exchange on 8 December 2015. VAT DS bonds UA4000185557 maturing on 22 July 2019 will be auctioned. Under the auction rules, the opening price and the amount of bonds to be auctioned are not set. In the course of the auction, bidders will offer their own purchase terms to the NBU (the amount of bonds and the price) by submitting competitive bids. Bids will be satisfied starting from the highest quoted price. All transactions in securities will be settled on a “delivery of securities versus payment of funds” basis on the auction date.“

Eine Anleihe-Auktion, bei der der Verkäufer noch nicht mal das Volumen der Anleihe festlegt, auch keinen Zins, nur die Laufzeit. Klingt so als würde man sagen „wir machen mal eine Auktion und gucken wie viel Geld in die Kasse kommt“. Der Kaufwillige kann quasi seine Wünsche der Notenbank vorlegen. Hat man so eine Anleihe-Auktion schon mal erlebt? Man darf gespannt sein, was in Kürze als Resultat hierbei herauskommt. Eine positive Überraschung? Kaufen vielleicht europäische halbstaatliche Infrastrukturbanken bei dieser „Auktion“ ukrainische Anleihen um so eine Lösung herbeizuführen? Möglich ist alles, aber natürlich jetzt noch reine Spekulation.

Noch 12 Tage sind es bis zum Ablauf der Anleihe, und man darf gespannt sein, was passiert. Wer zuckt zuerst? Oder gibt es am Ende einen (faulen) Kompromiss, eine Rettung durch IWF oder EU? Kommt es zur Klage, muss ein britisches Gericht entscheiden, ob die Anleihe eine privatrechtliche Transaktion oder die zwischen zwei Staaten war. Entscheidet sie auf Letzteres, müsste der IWF seine Hilfszahlungen an die Ukraine einstellen. Abgesehen davon: Zahlt die Ukraine die Anleihe nicht, wäre das generell ein weiterer Vertrauensverlust des internationalen Kapitalmarkts in das Land. Wer gibt einem Schuldner neues Geld, der seine laufenden Verpflichtungen nicht bedienen kann?


7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Chris

    8. Dezember 2015 15:08 at 15:08

    Was sind in heutigen Zeiten schon 3Milliarden€uro,Dollar,Yen,Pfund,bzw.papuaneuguinesische Kina?Draghis Hochleistungsoffsetmaschinen,können binnen kürzester Zeit alles,aber auch wirklich alles in ausreichender Menge herstellen!Macht Euch kein feuchtes Höschen wegen der kleinen Ukraine&Ihrer Taschengeldschulden!Whatever it takes,Baby!

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    Siggi60

    8. Dezember 2015 15:57 at 15:57

    „Wer gibt einem Schuldner neues Geld, der seine laufenden Verpflichtungen nicht bedienen kann?“

    Gute Frage. Mir fällt da auf Anhieb die deutsche Bundesregierung ein.

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    Benedikt

    8. Dezember 2015 16:02 at 16:02

    Laut IWF eigenen Statuten hätte der IWF auch keinen Land Geld leihen dürfen, das in einen offenen bewaffneten Konflikt vor allem mit einen anderen IWF Mitglied sich befindet. Nach Poroschenkos Wahl zum Präsidenten und dessen Ankündigung der Donbass Blitzoffensive hätte der IWF überhaupt keine Gelder mehr der Ukraine mehr Überweisen dürfen. Das Geld ist bekanntlich trotzdem geflossen. Und wird auch fließen, wenn die Ukraine den 3 Mrd. Kredit nicht zurück zahlt.

    Die Ukrainische Finanzministerin hatte kürzlich eine Aufstockung des 40 Mrd. $ 4 Jahres Bailout um etwa 7,5 Mrd. $ gefordert. Keiner will aber Aufstocken, daher bleibt nur die Alternative über den Kapitalmarkt sich die fehlenden Devisen zu besorgen. Was wie oben erwähnt bei einer Klage sehr schwierig oder eher unmöglich werden wird. Realistisch betrachtet ist der Zahlungsausfall der Ukraine nicht aufzuhalten.

    Das größte Problem der Ukraine ist der schädliche Westliche Einfluss, die für die teure Eskalation des Konfliktes gesorgt hatte. Ohne den Einfluss hätte die Ukraine schnell die Niederlage erklärt und Frieden mit Russland wieder geschlossen. Dazu die Katastrophale Wirtschaftspolitik der Euromaidaner. Die haben aus Ideologischen Gründen sich Devisenquellen selber kaputt gemacht. Bidens Sohn arbeitet für einen Ukrainischen Oligarchen gegen den wegen Vorteilsnahme ermittelt wird. Von Teilen des Westen wird ein Ukrainischer Oligarch unterstützt, der als Firmen Raider Welt bekannt ist. Wenn man quasi „Verbrecher“ Unterstützt, kann das natürlich mit der Korruptionsbekämpfung nichts werden.

  4. Avatar

    Chris

    8. Dezember 2015 16:28 at 16:28

    Hallo Ihr beiden!Siggi 60:Ich weiss immer noch nicht wo die plus 10 herkommen.bzwBenedikt::Ich stinmme in allen Punkten zu!

    • Avatar

      Siggi60

      8. Dezember 2015 20:37 at 20:37

      Ja Benedikt, it’s the stupid money. Langsam aber sicher gewinne ich den Eindruck, dass der König tatsächlich ohne Hosen dasteht, alles gibt einen Sinn. Die ukrainische Wirtschaft kann ohne den russischen Markt nicht bestehen. Trotzdem machen alle einen auf dicke Hose. Naja, der Westen zahlt, solange die Ukraine ein nützlicher Idiot ist, später ist sie ein „failed state“.

      Da das nicht der erste Fall dieser Art dieser Art ist, frage ich mich, wann die Menschheit endlich das Gehirn einschaltet und die Schuldigen beim Namen nennt. Alles ist doch so offensichtlich.

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    Thomas

    8. Dezember 2015 23:07 at 23:07

    Zwei Möglichkeiten:
    1) Ukraine zahlt nicht, ist pleite. IWF hilft entgegen den eigenen Regeln aber trotzdem weiter. Die Regeln interessieren dann einfach nicht. Merkel würde sagen, es ist alternativlos.
    2) Ukraine zahlt nicht, es geht vor Gericht und dort wird entschieden, dass Russland auch verzichten muss, da es sich im keine Abmachung zwischen zwei Staaten handelt. IWF kann dann, wenn ich das richtig sehe, auch weiter helfen.

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    Thomas Wunderlich

    9. Dezember 2015 00:16 at 00:16

    OK, das wenn ich ausdrucke und meinen Bankern vorlege werfen die mich hochkant zur Türe raus wenn ich mit ähnlichen Argumenten komme.
    Ich sehe schon, Putin war eindeutig der bessere Spieler in allen Belangen.
    Aber da war doch vorhin woanders ein Artiekl, da ging es immerhin um eine 1/10 Milliarde Schiergelder von so einem ukrainischen Politikheini. Könnte doch mal was helfen.
    http://www.DDRZweiPunktNull.de

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Zinsen und Banken – „Verwahrentgeld“ auf dem Vormarsch

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Wer glaubt, sich der finanziellen Repression so leicht entziehen zu können, irrt vermutlich: Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen für Bankeinlagen, auch „Verwahrentgelt“ genannt. Hat man auch seine Reservegeldhaltung zurückgeschraubt, wird man von der Anhebung der Gebühren betroffen.

Negative Zinsen: Immer mehr Banken..

Still und leise erhöht sich die Zahl der Kreditinstitute, die von ihren Kunden Strafzinsen oder so genanntes Verwahrentgelt für ihre Einlagen verlangen. War bisher eine Summe von 100.000 Euro davon nicht betroffen, so ist das nicht mehr allzu oft der Fall. Allerdings dürfen die Banken nicht so einfach negative Zinsen erheben, sondern sie brauchen zunächst die Einwilligung ihrer Kunden. Ja wohin ausweichen, wenn es immer mehr Banken gibt, die aufgrund der Zinsssituation auf diese Einnahmequelle zurückgreifen?

Das Verbraucherportal Biallo (ebenso Verivox) hat 1300 Banken untersucht und festgestellt, dass 214 Kreditinstitute in bestimmten Fällen Verwahrentgelt verlangen – 20 mehr als vor Monatsfrist, seit Jahresanfang haben sich 150 Geldinstitute zu diesem Schritt entschieden.

Gab es zunächst überall den Freibetrag von 100.000 Euro, so wird dieser schrittweise abgesenkt, auf 50.000, 10.000 oder sogar auf 0 Euro, auch von Volksbanken. Bisher beläuft sich der Minuszins auf 0,5 Prozent, aber es gibt bereits eine Sparkasse, die bei minus 0,75 Prozent angekommen ist.

Die Ursache für das Verhalten der Banken ist schon ein paar Jahre alt.

Bereits im Jahre 2014 hat die Europäische Zentralbank begonnen Negativzinsen von den Geschäftsbanken zu verlangen und diesen Zinssatz für kurzfristige Einlagen im vergangenen Jahr auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Aus den letzten Äußerungen seitens der Notenbanker ist nicht zu erwarten, dass die Zinsen angehoben, sondern die Geldpolitik eher noch gelockert wird. Damit dürfte der Trend zum Verwahrentgelt noch zunehmen.

Jetzt auch Direktbanken

Bisher lehnten sich manche Bankkunden locker zurück, angesichts der neuen Konkurrenz für die alten Geldinstitute – filiallose Direktbanken. Doch ausgerechnet die Handybank N26 verkündete jüngst, Strafzinsen für das Girokonto einführen zu wollen. Zunächst erst ab 50.000 Euro, aber dieses Vorhaben steht im krassen Widerspruch zu dem vor Jahresfrist geäußerten Versprechen auf Negativzinsen zu verzichten. Wird dies eine Welle auslösen, bei der Konkurrenz wie ING, DKB, Consorsbank, Flatex u.a., die als Ausweichsort gesehen wurden, um den Gebühren von Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu entgehen? Ein bisschen Verwahrentgelt, was soll’s?

Eine ganze Menge, sollte sich dieser Trend durchsetzen. Schließlich liegen derzeit gigantische 2,489 Billionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Für diese Summe nur 0,5 Prozent einbehalten – und schon wäre man bei einer zweistelligen Milliardensumme.

Wie lautet seit Langem eine Empfehlung der Vermögensberater für die Reservegeldhaltung der Konsumenten? Man solle auf dem Girokonto eine Notreserve halten, die etwa drei Monatsgehälter beträgt. Und zwar nicht nur für ein paar Wochen, sondern länger und für etwaige größere Anschaffungen.

Die Neigung des Deutschen zur großen Geldhaltung mit ihrem obersten Befürworter, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, hat zu einem gewaltigen Depotvolumen geführt.

Die oben genannte Verfügungsmasse liegt im Wert höher als alle deutschen Aktien zusammen und sogar doppelt so hoch wie die Bewertung des deutschen Leitindex, Dax. Damit sieht man auch, dass ein Crash am deutschen Aktienmarkt wesentlich weniger Vermögensschäden hervorrufen würde, als bei den Amerikanern, wo allein die über 28 Billionen Dollar des S&P 500 einen weit höheren Wert repräsentieren, als das gesamte Bruttoinlandsprodukt der USA.

Fazit

Die finanzielle Repression schlägt hierzulande weiter zu. Nach und nach werden die Freibeträge für die Geldkonten abgesenkt.

Da die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik eher noch lockert – bei der Sitzung im Dezember? – aber bestimmt nicht die Zinsen erhöht, dürfte die Zahl der Banken, die negative Zinsen weiterreichen, noch größer werden.

Keine Zinsen mehr am Anleihemarkt, Strafzinsen auf dem Geldkonto, wozu führt das? Nicht schon wieder das Akronym „TINA“..

Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen auf Einlagen

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Gold, Dollar, Öl, Aktienmärkte: Was passiert nach der US-Wahl?

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Das Thema, wie sich die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen auf den Gold auswirken werden, wird viel diskutiert und ist mit Unsicherheit behaftet. Wenn die Ergebnisse zu einem stärkeren Dollar führen, bedeutet dies einen niedrigeren Preis für Gold, und ein schwächerer Dollar bedeutet (in der Regel) einen höheren Goldpreis. Das Wahljahr verursacht mit Sicherheit viel Volatilität, und die Anleger erwägen derzeit drei mögliche Szenarien für den Goldpreis nach dem Wahltag.

In einem dieser Szenarien muss der US-Wahltag für einen Anstieg des bei Gold dazu führen, dass Biden Präsident wird, da viele glauben, dass der Dollar dann fallen wird (aufgrund des größeren Stimulus). Und im Gegenteil, bei einem sinkenden Goldpreis wird der Wahltag mit der Wiederwahl von Trump enden müssen, was zu einem stärkeren Dollar führen sollte. Die Ergebnisse der Wahlen im Jahr 2020 könnten jedoch genau den gegenteiligen Effekt haben – und das ist es, was die Marktsituation noch spannender macht.

Der Ölpreis ist vom Wahlergebnis genauso abhängig wie so ziemlich alle anderen Rohstoffe. Und laut Goldman Sachs müssten die US-Wahlen Biden als neuen POTUS hervorbringen, damit wir einen Anstieg des Ölpreises erwarten können (weil dann die Produktions-Kosten für Öl steigen würden). Aber selbst wenn das Gegenteil der Fall sein sollte, drückte der Investmentbankgigant sein Vertrauen in einen steigenden Ölpreis aus – Wahlergebnisse beiseite.

Und wie wird sich die US-Wahl auf den Aktienmarkt auswirken? David Jones, chief market strategist bei capital.com, blickt auf den S&P 500, auf Gold, den Dollar (Euro-Dollar) und schließlich auf den Ölpreis – und analysiert, welche Auswirkungen ein Sieg von Biden oder von Trump haben würde:

 

 

 

 

Was passiert nach der US-Wahl mit Gold?

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Brexit: Wem schadet er mehr, der EU oder den Briten?

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Angesichts des Anschwellens der Coronazahlen und der großen Spannung vor den US-Wahlen, sind die Verhandlung um den Brexit der Briten ein wenig in den Hintergrund gerückt. In dieser Woche läuft wieder einmal ein Ultimatum aus. Kommt es noch zu einer Einigung vor dem endgültigen Datum, dem 31. Dezember? Und gibt es schon Fakten zu den Frühschäden des Austritts der Briten?

Brexit: Was für Folgen hätte ein No-Deal?

Darüber wird schon seit dem Referendum über den Brexit von 2016 gemutmaßt. Fakt ist bereits, dass bis zum Ende des letzten Jahres Ende 2019 die Investitionen bereits um mehr als 15 Prozent hinter dem Durchschnitt der Vorjahre zurückgeblieben sind. Doch sollte es bis zum 31. Dezember keinerlei Vereinbarung geben, wird dies in jedem Fall wirtschaftliche Auswirkungen auf beiden Seiten haben. Wie waren die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen?

Der Export von Gütern und Dienstleistungen der Briten in die EU betrug bislang etwa 14 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes, im Falle der EU in Richtung GB betrug der Anteil nur ganze drei Prozent.

Von Seiten deutscher Unternehmen hat man die lange Zeit seit dem Referendum nicht untätig verstreichen lassen. So ist der Export von Deutschland auf die Insel von 2016 bis vor Kurzem von 7,5 auf 5,6 Prozent gefallen. Gerade in letzter Zeit haben die hiesigen Unternehmen registriert, mit welcher Verbissenheit Boris Johnson den harten, kompromisslosen Brexit vorantreibt. Es ist wie zumeist an der Börse: Was man lange hat kommen sehen, wird versucht zu antizipieren, um den schweren Folgen entgegenzuwirken. Schocks entstehen immer durch das Unerwartete aus heiterem Himmel oder gar durch den berühmten „Schwarzen Schwan“. Klar wird ein harter Brexit beide Seite treffen, mancher Ökonom rechnet für Großbritannien mit einem Rückgang des Trendwachstums um 1,5 Prozent.

Aber wird es keinerlei Vereinbarungen auf dem so bedeutsamen Finanzsektor oder im Güter- und Reiseverkehr geben oder gar beim Handel mit Medikamenten? Zu Zeiten von Corona, wo dem schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca mit seiner Impfstoffentwicklung eine entscheidende Rolle zukommen könnte? Die Pandemie jedenfalls kommt für Großbritannien mit seinem Austrittsvorhaben praktisch zur Unzeit.

Die aktuelle Coronakrise

Was die Covid -19-Infektionen betrifft, hat Großbritannien bereits eine schwere Zeit hinter sich. Nachdem man es zunächst mit einer Herdenimmunisierung versuchte, rückte Boris Johnson entsetzt davon ab, als ihm Wissenschaftler die mögliche Zahl an Todesopfern nahegelegt hatte. Trotz der Wende steht die Nation mit 894.000 Infektionen und fast 45.000 Corona-Toten (an oder mit Corona), der höchsten Zahl an Opfern in Europa derzeit in den Statistiken. Dies findet auch in den Wirtschaftszahlen der zweitgrößten Ökonomie Europas seinen Widerhall.

In den Monaten April bis Juni brach die Wirtschaft Großbritanniens um -20,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Das war der schlimmste Absturz seit Beginn der britischen Quartalsstatistik im Jahr 1955. Das Land war damit das Schlusslicht Europas, noch vor Spanien, welches den Negativrekord mit einem Einbruch um 18,5 Prozent erleiden musste. Durch die Coronakrise wird Großbritannien wirtschaftlich auf den Stand von 2003 zurückgeworfen.

Das einst so stolze britische Pfund

Das Pfund Sterling, einst der Stolz der Briten und die älteste noch bestehende Währung, hat längerfristig schon eine Entwicklung erlebt, die durch den Brexit noch deutlich beschleunigt werden könnte. Bis in die Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein, war das Pfund die globale Leitwährung, die Hälfte der weltweiten Währungsreserven bestand aus der britischen Währung und die Bank of England hatte weltweit sehr großen Einfluss. Dann begann der Abstieg, Mitte der 1970-er-Jahre hatte die britische Währung nur noch einen Anteil von vier Prozent an den globalen Währungsreserven, dabei ist es bis heute geblieben.

Und der Außenwert des GDP?

Das britische Pfund kostete vergangene Woche nur noch 1,10 Euro. Vor gut vier Jahren und dem überraschenden Brexit-Referendum im Juni 2016 musste man noch über 1,30 Euro dafür bezahlen. Auch eine Folge des ewigen Hickhacks um den Sonderweg der britischen Regierung.

Fazit

Aus den bisherigen Fakten ist zu schlussfolgern, dass der ungeregelte Brexit den Briten mehr schaden sollte, als der EU. Aber haben sich die Unternehmen in der langen Zeit der Austrittsverhandlungen nicht schon auf das Austrittsszenario vorbereitet, die Börsen das Ergebnis eingearbeitet? Wann hat denn je ein absehbares Ergebnis Investoren wirklich beim Eintritt noch geschockt – Einzelfälle ausgeschlossen? Aber will Boris Johnson wirklich auf Biegen und Brechen den No-Deal-Austritt Großbritanniens durchziehen, auch wenn sich die Pandemie in der zweiten Welle noch verstärken sollte? Wo Zusammenarbeit in Europa gefragt ist, weiland sich Chinas Aufschwung weiter fortsetzt und auch den USA mit ihrer „America-First-Politik“ ein geschwächtes Europa gar nicht so ungelegen käme?

Es sind für gewöhnlich immer die externen Schocks, die Gewitter aus heiterem Himmel, die für Ungemach sorgen. Aber das Pokern des Boris Johnson – wem hängt das mittlerweile nicht schon zum Halse heraus?

Wem wird der Brexit mehr schaden?

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