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Ukraine: 3 Milliarden Schulden bei Russland und noch 12 Tage Zeit – Fakten & Hintergründe

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FMW-Redaktion

Russland hält eine Anleihe der Ukraine im Wert von 3 Milliarden Dollar – diese ist fällig am 20. Dezember. Zahlt die Ukraine nicht, ist das Land offiziell pleite. Oder doch nicht? Der Konflikt der beiden Länder wird auch auf dem Finanzsektor ausgetragen. Die Auswirkung auf große IWF-Kreditsummen könnte gravierend sein. Der britischen Gerichtsbarkeit kann dabei eine entscheidende Rolle zufallen. Hier die Fakten und Hintergründe…

Ukraine Premierminister-Jazenjuk1
Arsenij Jazenjuk, Premierminister der Ukraine. Foto: Ybilyk/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Schuldenschnitt mit Privatgläubigern

Erst vor Kurzem hatte sich die Ukraine mit einem Konsortium privater Gläubiger auf einen 20%-Schuldenschnitt + Laufzeitverlängerung für die Restschulden geeinigt – somit reduzierte sich ein Teil der ukrainischen Staatschulden von 15 auf nur noch 12 Milliarden Dollar. Zusätzlich hierzu schwirren auch noch 3 Milliarden Dollar als Anleihe herum, die die Ukraine am 20. Dezember an Russland zurückzuzahlen hat.

Ukraine-Premier Jazenjuk hat sich bereits auf den Kopf gestellt und alles versucht was möglich und unmöglich war um Russland dazu zu bringen ebenfalls dieser Umschuldung zuzustimmen. Dies wäre aber ein brutaler Gesichtsverslust für Russland und Wladimir Putin selbst gewesen. Man verzichtet auf einen Teil seiner Geldforderung gegenüber der (verfeindeten?) Ukraine – wie hätte er das vor seiner eigenen Bevölkerung rechtfertigen sollen? Jazenjuk drohte damit Russland zu verklagen (welche Grundlage?), und er argumentierte man könne die Schulden nicht vollumfänglich an Russland zurückzahlen, weil die anderen (privaten) Gläubiger ja alle dem Schuldenschnitt zugestimmt hätten.

In dem Vertrag für den Schuldenschnitt sei vereinbart worden, dass der sonstige Gläubiger (also Russland) keine bessere Behandlung erhalten dürfe, von daher müsse die Ukraine darauf bestehen, dass Russland auch auf 20% der Forderung verzichtet. Mehr als abstruse Argumente. Seit wann ist ein Gläubiger verpflichtet auf seine Forderung zu verzichten, nur weil andere Gläubiger das tun? Naja, aber die Ukraine argumentiert bis heute, dass Russland dem Schuldenschnitt zustimmen müsse, weil es sich bei der von Russland gehalten Ukraine-Anleihe um die selbe Art privatrechtlicher Anleihe handele wie bei den Privatgläubigern.

Und das sieht Russland anders. Es handele sich um ein Geschäft zwischen zwei Staaten, und daher nicht um eine privatwirtschaftliche Transaktion. Man kann geneigt sein die russische Position einzunehmen, denn beide Seiten am Handelstisch waren Staaten, Russland und die Ukraine – folglich also ein Deal zwischen Staaten. Auch spricht dafür, dass der damals vereinbarte Zinssatz nur halb so hoch wie der übliche Marktzins war.

Russland wird die Ukraine verklagen

Russland wird die Ukraine bei Nicht-Zahlung wohl nach dem 20. Dezember verklagen. Hierzu müsste man die Ukraine vor ein britisches Gericht zerren, da UK laut Anleihebedingungen für eine Klage zuständig wäre. Das einzige Argument der Ukraine vor einem ordentlichen britischen Gericht könnte sein, dass die Anleihe genau so privatwirtschaftlich herausgegeben wurde wie die Anleihen der Privatgläubiger, die umstrukturiert wurden – daraus könnte man eine “Mitwirkungspflicht” Russlands ableiten mit umzuschulden – eine mehr als abstruse Argumentation, aber möglich ist ja alles. Britische Rechtsexperten sind sich auch nicht einig was bei dieser Klage herauskommen könnte, weil es anscheinend genau so einen Fall vor einem britischen Gericht noch nicht gegeben hat.

Das könnte ein Problem für den IWF werden

Und jetzt kommt ein ganz entscheidender Punkt: Der IWF pumpt die Ukraine nach und nach mit frischen 17,5 Milliarden Dollar-Hilfsgeldern (Kredite, keine Schenkungen) zu. Laut IWF-eigenen Statuten darf man keinem Land weitere Gelder auszahlen, das Schulden bei anderen Staaten nicht zurückbezahlt hat. Würde ein international anerkanntes Gericht (und das wäre bei einem UK-Gericht eindeutig der Fall) anerkennen, dass es sich um ein Anleihe-Geschäft zwischen Staaten gehandelt hat, und dass die Ukraine nicht gezahlt hat, dürfte der IWF keine weiteren Gelder an die Ukraine ausschütten – es sei denn man würde gegen seine eigenen Regeln verstoßen.

Es gibt Marktbeobachter, die eine russische Klage als russische Chance betrachten würden die Ukraine von einer vollständigen Schulden-Umstrukturierung abzuhalten. Denn bestätigt ein britisches Gericht, dass die Ukraine zu 100% zurückzahlen und nicht umschulden muss (welche Argumente sprechen dagegen?), muss die Ukraine zahlen, oder die Finanzwelt erkennt die Nicht-Zahlung als Staatspleite an. Es gibt aber auch die andere Seite der Betrachtungsweise. Russland hat eine Forderung, und möchte einfach nur das Geld zurück erhalten, auf das es einen Anspruch hat.

Bei den argentinischen Staatsschulden-Problemen verhielt es sich ähnlich – hier gab es auch Gläubiger, die einem vereinbarten Schuldenschnitt nicht zugestimmt hatten. In diesem Fall waren es amerikanische Hedgefonds – sie lähmen Argentinien´s “normalen” Zugang zum internationalen Kapitalmarkt bis heute, obwohl das Land selbst natürlich nicht unschuldig daran ist. Die privatrechtlichen Anleihen der Ukraine, die gerade umgeschuldet wurden, würden nach dem 20. Dezember nicht als “notleidend” eingestuft, wenn die Ukraine Russland nicht ausbezahlt – denn diese wurden ja in neue Anleihen umstrukturiert, und in den neuen Anleihebedingungen wurde berücksichtigt, dass bei einem Zahlungsausfall an anderer Stelle die neuen Anleihen der Privatgläubiger keine Statusänderung erfahren (keine cross-default clauses).

Ukraine in der Zwickmühle

Wenn die Ukraine an Russland vollumfänglich zurückzahlen wollte, so ginge das nur mit Zustimmung der Privatgläubiger, die die umgeschuldeten neuen Anleihen erhalten haben. Aber das ist das Problem der Ukraine, nicht das von Russland – denn die Ukraine hat den Privatgläubigern versprochen andere Gläubiger nicht besser zu stellen. Der Haupt-Privatgläubiger Franklyn Templeton erwähnte bereits das 3 Milliarden Dollar-Anleiheproblem könne zwischen Russland, der Ukraine und dem IWF gelöst werden. Mit anderen Worten: Der IWF soll doch gefälligst die Ukraine raushauen.

Und genau an den hatte sich vor Kurzem bereits Russland gewandt. Man erlaube der Ukraine Ratenzahlung von 2016-2018, 3 x 1 Milliarden Dollar pro Jahr, wenn USA, EU oder IWF dafür haften. Und da geht es gleich einen Schritt weiter. Angeblich will Russland gestern von den USA eine Absage bzgl. der Haftung erhalten haben. Das russische Angebot zur Ratenzahlung verstreicht genau heute am 8. Dezember – bisher hat niemand darauf offiziell geantwortet, auch nicht der IWF.

Und was macht die Ukraine?

Es ist wohl mehr als ein Zufall, dass Ukraine-Premier Jazenjuk erst gestern die EU offiziell aufforderte die Sanktionen gegen Russland zu verlängern – wohl seine Art Druck auf Russland auszuüben. Im offiziellen Statement geht es natürlich nicht um die Anleihe, und somit ist der zeitliche Zusammenhang wohl ein reiner Zufall:

“We believe that the European Union would demonstrate the unity, that the sanctions will be extended, and that the issue of sanctions is directly linked to the full implementation by the Russian Federation of the Minsk agreement”, stressed Prime Minister of Ukraine Arseniy Yatsenyuk in Brussels on the outcomes of the meeting of the EU-Ukraine Association Council Monday, December 7th. Arseniy Yatsenyuk highlighted that “Ukraine has complied and is till complying with its part of the Minsk agreements”. At the same time, he accentuated, this morning there was information that Russia had resumed shelling of Ukrainian positions.”

Die ukrainische Finanzministerin soll (laut russischen Medien) vor wenigen Stunden gesagt haben man lehne die Rückzahlung an Russland ab. Offiziell bestätigt wurde diese von der Ukraine nicht, aber die selben Aussagen machte auch Premier Jazenjuk in den letzten Wochen – eine durchweg ablehnende Haltung was die Rückzahlung der Anleihe angeht. Man betrachtet sie sowieso eher als Überbleibsel des ehemaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch, der das Geld von Moskau zur Stützung seiner Macht erhalten haben soll. Der Fakt aber bleibt, dass die Schulen vorhanden sind. Ob Zufall oder nicht, aber heute soll die Ukraine laut Notenbank “National Bank of Ukraine” eine Staatsanleihen-Auktion abhalten. Über welche Summe? Lesen Sie selbst:

“The first sovereign bond sale auction will be held at the trading platforms of the Perspektiva Stock Exchange and the FSTS Stock Exchange on 8 December 2015. VAT DS bonds UA4000185557 maturing on 22 July 2019 will be auctioned. Under the auction rules, the opening price and the amount of bonds to be auctioned are not set. In the course of the auction, bidders will offer their own purchase terms to the NBU (the amount of bonds and the price) by submitting competitive bids. Bids will be satisfied starting from the highest quoted price. All transactions in securities will be settled on a “delivery of securities versus payment of funds” basis on the auction date.”

Eine Anleihe-Auktion, bei der der Verkäufer noch nicht mal das Volumen der Anleihe festlegt, auch keinen Zins, nur die Laufzeit. Klingt so als würde man sagen “wir machen mal eine Auktion und gucken wie viel Geld in die Kasse kommt”. Der Kaufwillige kann quasi seine Wünsche der Notenbank vorlegen. Hat man so eine Anleihe-Auktion schon mal erlebt? Man darf gespannt sein, was in Kürze als Resultat hierbei herauskommt. Eine positive Überraschung? Kaufen vielleicht europäische halbstaatliche Infrastrukturbanken bei dieser “Auktion” ukrainische Anleihen um so eine Lösung herbeizuführen? Möglich ist alles, aber natürlich jetzt noch reine Spekulation.

Noch 12 Tage sind es bis zum Ablauf der Anleihe, und man darf gespannt sein, was passiert. Wer zuckt zuerst? Oder gibt es am Ende einen (faulen) Kompromiss, eine Rettung durch IWF oder EU? Kommt es zur Klage, muss ein britisches Gericht entscheiden, ob die Anleihe eine privatrechtliche Transaktion oder die zwischen zwei Staaten war. Entscheidet sie auf Letzteres, müsste der IWF seine Hilfszahlungen an die Ukraine einstellen. Abgesehen davon: Zahlt die Ukraine die Anleihe nicht, wäre das generell ein weiterer Vertrauensverlust des internationalen Kapitalmarkts in das Land. Wer gibt einem Schuldner neues Geld, der seine laufenden Verpflichtungen nicht bedienen kann?


7 Kommentare

7 Comments

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    Chris

    8. Dezember 2015 15:08 at 15:08

    Was sind in heutigen Zeiten schon 3Milliarden€uro,Dollar,Yen,Pfund,bzw.papuaneuguinesische Kina?Draghis Hochleistungsoffsetmaschinen,können binnen kürzester Zeit alles,aber auch wirklich alles in ausreichender Menge herstellen!Macht Euch kein feuchtes Höschen wegen der kleinen Ukraine&Ihrer Taschengeldschulden!Whatever it takes,Baby!

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    Siggi60

    8. Dezember 2015 15:57 at 15:57

    “Wer gibt einem Schuldner neues Geld, der seine laufenden Verpflichtungen nicht bedienen kann?”

    Gute Frage. Mir fällt da auf Anhieb die deutsche Bundesregierung ein.

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    Benedikt

    8. Dezember 2015 16:02 at 16:02

    Laut IWF eigenen Statuten hätte der IWF auch keinen Land Geld leihen dürfen, das in einen offenen bewaffneten Konflikt vor allem mit einen anderen IWF Mitglied sich befindet. Nach Poroschenkos Wahl zum Präsidenten und dessen Ankündigung der Donbass Blitzoffensive hätte der IWF überhaupt keine Gelder mehr der Ukraine mehr Überweisen dürfen. Das Geld ist bekanntlich trotzdem geflossen. Und wird auch fließen, wenn die Ukraine den 3 Mrd. Kredit nicht zurück zahlt.

    Die Ukrainische Finanzministerin hatte kürzlich eine Aufstockung des 40 Mrd. $ 4 Jahres Bailout um etwa 7,5 Mrd. $ gefordert. Keiner will aber Aufstocken, daher bleibt nur die Alternative über den Kapitalmarkt sich die fehlenden Devisen zu besorgen. Was wie oben erwähnt bei einer Klage sehr schwierig oder eher unmöglich werden wird. Realistisch betrachtet ist der Zahlungsausfall der Ukraine nicht aufzuhalten.

    Das größte Problem der Ukraine ist der schädliche Westliche Einfluss, die für die teure Eskalation des Konfliktes gesorgt hatte. Ohne den Einfluss hätte die Ukraine schnell die Niederlage erklärt und Frieden mit Russland wieder geschlossen. Dazu die Katastrophale Wirtschaftspolitik der Euromaidaner. Die haben aus Ideologischen Gründen sich Devisenquellen selber kaputt gemacht. Bidens Sohn arbeitet für einen Ukrainischen Oligarchen gegen den wegen Vorteilsnahme ermittelt wird. Von Teilen des Westen wird ein Ukrainischer Oligarch unterstützt, der als Firmen Raider Welt bekannt ist. Wenn man quasi “Verbrecher” Unterstützt, kann das natürlich mit der Korruptionsbekämpfung nichts werden.

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    Chris

    8. Dezember 2015 16:28 at 16:28

    Hallo Ihr beiden!Siggi 60:Ich weiss immer noch nicht wo die plus 10 herkommen.bzwBenedikt::Ich stinmme in allen Punkten zu!

    • Avatar

      Siggi60

      8. Dezember 2015 20:37 at 20:37

      Ja Benedikt, it’s the stupid money. Langsam aber sicher gewinne ich den Eindruck, dass der König tatsächlich ohne Hosen dasteht, alles gibt einen Sinn. Die ukrainische Wirtschaft kann ohne den russischen Markt nicht bestehen. Trotzdem machen alle einen auf dicke Hose. Naja, der Westen zahlt, solange die Ukraine ein nützlicher Idiot ist, später ist sie ein “failed state”.

      Da das nicht der erste Fall dieser Art dieser Art ist, frage ich mich, wann die Menschheit endlich das Gehirn einschaltet und die Schuldigen beim Namen nennt. Alles ist doch so offensichtlich.

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    Thomas

    8. Dezember 2015 23:07 at 23:07

    Zwei Möglichkeiten:
    1) Ukraine zahlt nicht, ist pleite. IWF hilft entgegen den eigenen Regeln aber trotzdem weiter. Die Regeln interessieren dann einfach nicht. Merkel würde sagen, es ist alternativlos.
    2) Ukraine zahlt nicht, es geht vor Gericht und dort wird entschieden, dass Russland auch verzichten muss, da es sich im keine Abmachung zwischen zwei Staaten handelt. IWF kann dann, wenn ich das richtig sehe, auch weiter helfen.

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    Thomas Wunderlich

    9. Dezember 2015 00:16 at 00:16

    OK, das wenn ich ausdrucke und meinen Bankern vorlege werfen die mich hochkant zur Türe raus wenn ich mit ähnlichen Argumenten komme.
    Ich sehe schon, Putin war eindeutig der bessere Spieler in allen Belangen.
    Aber da war doch vorhin woanders ein Artiekl, da ging es immerhin um eine 1/10 Milliarde Schiergelder von so einem ukrainischen Politikheini. Könnte doch mal was helfen.
    http://www.DDRZweiPunktNull.de

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Corona-Krise und das dauerhaft veränderte Konsumverhalten

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Erst war es aus der Not geboren: Viele Menschen, die eigentlich viel lieber in Geschäften eingekauft hatten und nicht im Online-Handel, mussten sich durch den Lockdown in der Corona-Krise zwangsläufig umorientieren. Werden diese alle wieder ins alte Konsumverhalten zurückkehren? Neueste Studien zeigen: Davon ist nicht auszugehen.

Corona-Krise: Umfragen nicht im Sinne des stationären Handels

Bisher schob man es zum großen Teil auf die Maskenpflicht: Die gebremste Shoppinglust mit einem Utensil, welches nicht nur Kommunikation und Atmung beim lustbetonten Einkaufsbummel behindert, sondern auch so etwas wie eine psychologische Falle darstellt: Hier lauert eine Gefahr für mich, aufpassen, nicht leichtsinnig werden! Wenngleich es noch keine großen wissenschaftlichen Nachweise gibt, dass es in Geschäften zu größeren Infektionen mit Covid-19 gekommen ist, bleibt die Maskenpflicht noch eine Zeit bestehen. Spannend wird es im Hochsommer, wenn das Personal in Räumen ohne Klimatisierung den Schutz über acht Stunden am Tag tragen muss.

Auch wenn immer mehr Lockerungen im Gespräch sind, erschrecken Umfragen in Deutschland, wie auch in Europa, den stationären Einzelhandel. Viele Kunden haben sich an den Online-Handel gewöhnt und werden wohl auch nach der Corona-Krise nicht mehr so häufig zum Shoppen gehen.

Die bisherigen Verkaufsumsätze liegen unter den Erwartungen des Handels, man hofft auf die Rückkehr zu alten Gewohnheiten. Der Konsum als Ganzes wird dabei wieder auf alte Höhen klettern, sollte es nicht zu weiteren Einschränkungen wegen Corona kommen. Aber die aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal dürfte der Branche nicht gefallen:

23 Prozent der Deutschen wollen weniger in Geschäften einkaufen, mehr über online shoppen, aber insgesamt weniger ausgeben.
Auch in anderen europäischen Ländern (Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Schweiz) brachte die Studie ähnliche Ergebnisse. Im Ausland fürchtet man die Folgen der Corona-Krise stärker – Verlust des Arbeitsplatzes, Vermögenseinbußen –  so dass viele Kunden nur das Nötigste eingekauft haben. 41 Prozent der Befragten wollen auch in naher Zukunft erst einmal abwarten – auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage.
Die Furcht vor einer zweiten Welle ist überall zu verspüren. Kein Wunder, in der täglichen Berichterstattung ist es ständiges Thema. Verfügbarkeitsheuristik, nennt es die Psychologie, wenn Ereignisse so oft wiederholt werden, dass es im Gedächtnis fest verankert wird.

Zunahme des Online-Handels

Der Lockdown hat in vielen Bereichen die Digitalisierung angeschoben – nicht nur bei Microsoft, wo der CEO Nadella behauptet hat, die Corona-Krise hätte die Entwicklung von zwei Jahren komprimiert auf wenige Monate -, auch beim Handel. Auch eine weitere Umfrage bestätigt diese Annahme: Bei einer Befragung von 2500 Konsumenten durch den Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland, erzählten über 50 Prozent der Menschen, dass sie künftig mehr online kaufen würden, die Coronazeit habe sie überzeugt.

Beispielsweise habe die Online-Plattform der Otto-Gruppe in kurzer Zeit eine Million Kunden hinzugewonnen. Wie wollen die Geschäfte auf diese Entwicklung reagieren? Verkleinerung der Verkaufsflächen, Rationalisierungen, neue Ideen beim Verkauf der Produkte?

Fazit

Sehr oft ist derzeit die Rede davon, was die Corona-Krise für Langfristfolgen in der Gesellschaft zeitigen wird. Home Schooling, Home Office, Video-Besprechungen, Änderungen im Reiseverhalten oder auch beim Shopping. Letzteres dürfte sehr wahrscheinlich werden, zu sehr hat die Corona-Krise selbst Technikmuffel von der Bequemlichkeit der Methode überzeugt.

Wie lange wartet man schon auf einen radikalen Rationalisierungsschnitt im Einzelhandel durch automatisierte Zahlungssysteme an den Kassen? Und jetzt auch noch der Umbruch durch den Versandhandel. Was aber geschieht mit der Einzelhandelsbranche, den zahlreichen Geschäften und ihren vielen Beschäftigten?

Die Corona-Krise verändert das Konsumverhalten dauerhaft

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EZB-Bilanz +53 Milliarden Euro in einer Woche – Anleihekäufe waren nicht der größte Posten!

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Der EZB Tower in Frankfurt

Die Bilanz der EZB wird einmal pro Woche veröffentlicht. Jetzt liegt uns die Bilanz mit Stand 3. Juli vor. Sie klettert immer weiter, auf ein derzeitiges Allzeithoch von 6,289 Billionen Euro. Noch im Februar waren es 4,7 Billionen Euro. In der folgenden Originaltabelle der EZB zeigen wir die aktuellste Aktiva der Bilanz. Die Bilanzsumme stieg im Wochenvergleich um 52,8 Milliarden Euro. Wie üblich dieser Tage würde man denken, dass diese Steigerung herrührt durch die ständigen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die sich aufgrund der Beschlüsse in Folge der Coronakrise um insgesamt 1,35 Billionen Euro ausweiten werden. Aber nein, diese Bilanz ist anders. Die Anleihekäufe machen nur den zweitgrößten Zuwachsposten aus mit +33,48 Milliarden Euro.

Der größte Posten war ein Plus von 38,95 Milliarden Euro beim Bilanzposten Gold. Weil der Goldpreis so gut gestiegen ist, und weil gerade Quartalsende war, wurden die Goldbestände der EZB neu bewertet. Der Wertzuwachs durch den Preisanstieg bei Gold wird in der Bilanz jetzt mit 38,95 Milliarden Euro quasi nachgebucht, wodurch die Bilanz um diesen Wert ansteigt. So trägt der steigende Goldpreis zu einem kräftigen Bilanzzuwachs bei der EZB bei. Abseits dieser beiden großen Posten gibt es noch viele kleinere Änderungen, wodurch insgesamt ein Zuwachs von 52,8 Milliarden Euro im Wochenvergleich herauskommt. Die Bilanz der EZB macht jetzt 53 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone aus. Im Vergleich dazu liegt die Bank of England bei 31 Prozent, die Fed bei 33 Prozent, und die Bank of Japan bei exorbitanten 119 Prozent.

Daten zur aktuellsten EZB-Bilanz

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Dirk Müller zum Wasserstoff-Hype: Warum man jetzt nicht einsteigen sollte

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Wir hatten erst vorgestern über die Aussagen von Dirk Müller berichtet,über die Wahnsinns-Hausse der letzten Wochen in den USA, wo teilweise Minderjährige mit den Kreditkarten ihrer Eltern die Börse stürmen, und wo Millionen von Menschen mit Kleinstbeträgen wie wahnsinnig Börsenkurse pushen. Heute spricht Dirk Müller im folgenden Video über den aktuellen Hype rund um das Thema Wasserstoff. Diese Woche wurde der Hype nochmal kräftig befeuert durch die erst gestern präsentierten großen Pläne der EU, dass man bis 2050 klimaneutral werden wolle, und das mit Wasserstoff. Gigantische Milliardenprogramme sollen von Staaten und Unternehmen in Europa aufgelegt werden.

Also, ist das nun auch der große Start für den Hype rund um Wasserstoff-Aktien? Oder läuft er schon, und Anleger, die sich hier noch nicht auskennen, kommen zu spät? Genau davor warnt Dirk Müller im folgenden Video. Er beschreibt diese jetzige Euphorie und vergleicht sie mit Themen wie 3D-Druck oder Cannabis-Aktien. Jetzt sei der Markt für Anleger schon zu teuer. Man müsse nun erst einmal auf die Marktbereinigung warten, die nach der Euphorie einsetze. Er beschreibt auch Phasen der Markteuphorie, wie es sie in anderen Bereichen schon gegeben habe, die nun auch so beim Wasserstoff ablaufen würden.

Wasserstoff Tankstelle in Belgien
Eine Wasserstofftankstelle in Zaventem Belgien. Foto: Dr. Artur Braun (Arturbraun) CC BY-SA 4.0

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