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Ukraine: 3 Milliarden Schulden bei Russland und noch 12 Tage Zeit – Fakten & Hintergründe

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FMW-Redaktion

Russland hält eine Anleihe der Ukraine im Wert von 3 Milliarden Dollar – diese ist fällig am 20. Dezember. Zahlt die Ukraine nicht, ist das Land offiziell pleite. Oder doch nicht? Der Konflikt der beiden Länder wird auch auf dem Finanzsektor ausgetragen. Die Auswirkung auf große IWF-Kreditsummen könnte gravierend sein. Der britischen Gerichtsbarkeit kann dabei eine entscheidende Rolle zufallen. Hier die Fakten und Hintergründe…

Ukraine Premierminister-Jazenjuk1
Arsenij Jazenjuk, Premierminister der Ukraine. Foto: Ybilyk/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Schuldenschnitt mit Privatgläubigern

Erst vor Kurzem hatte sich die Ukraine mit einem Konsortium privater Gläubiger auf einen 20%-Schuldenschnitt + Laufzeitverlängerung für die Restschulden geeinigt – somit reduzierte sich ein Teil der ukrainischen Staatschulden von 15 auf nur noch 12 Milliarden Dollar. Zusätzlich hierzu schwirren auch noch 3 Milliarden Dollar als Anleihe herum, die die Ukraine am 20. Dezember an Russland zurückzuzahlen hat.

Ukraine-Premier Jazenjuk hat sich bereits auf den Kopf gestellt und alles versucht was möglich und unmöglich war um Russland dazu zu bringen ebenfalls dieser Umschuldung zuzustimmen. Dies wäre aber ein brutaler Gesichtsverslust für Russland und Wladimir Putin selbst gewesen. Man verzichtet auf einen Teil seiner Geldforderung gegenüber der (verfeindeten?) Ukraine – wie hätte er das vor seiner eigenen Bevölkerung rechtfertigen sollen? Jazenjuk drohte damit Russland zu verklagen (welche Grundlage?), und er argumentierte man könne die Schulden nicht vollumfänglich an Russland zurückzahlen, weil die anderen (privaten) Gläubiger ja alle dem Schuldenschnitt zugestimmt hätten.

In dem Vertrag für den Schuldenschnitt sei vereinbart worden, dass der sonstige Gläubiger (also Russland) keine bessere Behandlung erhalten dürfe, von daher müsse die Ukraine darauf bestehen, dass Russland auch auf 20% der Forderung verzichtet. Mehr als abstruse Argumente. Seit wann ist ein Gläubiger verpflichtet auf seine Forderung zu verzichten, nur weil andere Gläubiger das tun? Naja, aber die Ukraine argumentiert bis heute, dass Russland dem Schuldenschnitt zustimmen müsse, weil es sich bei der von Russland gehalten Ukraine-Anleihe um die selbe Art privatrechtlicher Anleihe handele wie bei den Privatgläubigern.

Und das sieht Russland anders. Es handele sich um ein Geschäft zwischen zwei Staaten, und daher nicht um eine privatwirtschaftliche Transaktion. Man kann geneigt sein die russische Position einzunehmen, denn beide Seiten am Handelstisch waren Staaten, Russland und die Ukraine – folglich also ein Deal zwischen Staaten. Auch spricht dafür, dass der damals vereinbarte Zinssatz nur halb so hoch wie der übliche Marktzins war.

Russland wird die Ukraine verklagen

Russland wird die Ukraine bei Nicht-Zahlung wohl nach dem 20. Dezember verklagen. Hierzu müsste man die Ukraine vor ein britisches Gericht zerren, da UK laut Anleihebedingungen für eine Klage zuständig wäre. Das einzige Argument der Ukraine vor einem ordentlichen britischen Gericht könnte sein, dass die Anleihe genau so privatwirtschaftlich herausgegeben wurde wie die Anleihen der Privatgläubiger, die umstrukturiert wurden – daraus könnte man eine “Mitwirkungspflicht” Russlands ableiten mit umzuschulden – eine mehr als abstruse Argumentation, aber möglich ist ja alles. Britische Rechtsexperten sind sich auch nicht einig was bei dieser Klage herauskommen könnte, weil es anscheinend genau so einen Fall vor einem britischen Gericht noch nicht gegeben hat.

Das könnte ein Problem für den IWF werden

Und jetzt kommt ein ganz entscheidender Punkt: Der IWF pumpt die Ukraine nach und nach mit frischen 17,5 Milliarden Dollar-Hilfsgeldern (Kredite, keine Schenkungen) zu. Laut IWF-eigenen Statuten darf man keinem Land weitere Gelder auszahlen, das Schulden bei anderen Staaten nicht zurückbezahlt hat. Würde ein international anerkanntes Gericht (und das wäre bei einem UK-Gericht eindeutig der Fall) anerkennen, dass es sich um ein Anleihe-Geschäft zwischen Staaten gehandelt hat, und dass die Ukraine nicht gezahlt hat, dürfte der IWF keine weiteren Gelder an die Ukraine ausschütten – es sei denn man würde gegen seine eigenen Regeln verstoßen.

Es gibt Marktbeobachter, die eine russische Klage als russische Chance betrachten würden die Ukraine von einer vollständigen Schulden-Umstrukturierung abzuhalten. Denn bestätigt ein britisches Gericht, dass die Ukraine zu 100% zurückzahlen und nicht umschulden muss (welche Argumente sprechen dagegen?), muss die Ukraine zahlen, oder die Finanzwelt erkennt die Nicht-Zahlung als Staatspleite an. Es gibt aber auch die andere Seite der Betrachtungsweise. Russland hat eine Forderung, und möchte einfach nur das Geld zurück erhalten, auf das es einen Anspruch hat.

Bei den argentinischen Staatsschulden-Problemen verhielt es sich ähnlich – hier gab es auch Gläubiger, die einem vereinbarten Schuldenschnitt nicht zugestimmt hatten. In diesem Fall waren es amerikanische Hedgefonds – sie lähmen Argentinien´s “normalen” Zugang zum internationalen Kapitalmarkt bis heute, obwohl das Land selbst natürlich nicht unschuldig daran ist. Die privatrechtlichen Anleihen der Ukraine, die gerade umgeschuldet wurden, würden nach dem 20. Dezember nicht als “notleidend” eingestuft, wenn die Ukraine Russland nicht ausbezahlt – denn diese wurden ja in neue Anleihen umstrukturiert, und in den neuen Anleihebedingungen wurde berücksichtigt, dass bei einem Zahlungsausfall an anderer Stelle die neuen Anleihen der Privatgläubiger keine Statusänderung erfahren (keine cross-default clauses).

Ukraine in der Zwickmühle

Wenn die Ukraine an Russland vollumfänglich zurückzahlen wollte, so ginge das nur mit Zustimmung der Privatgläubiger, die die umgeschuldeten neuen Anleihen erhalten haben. Aber das ist das Problem der Ukraine, nicht das von Russland – denn die Ukraine hat den Privatgläubigern versprochen andere Gläubiger nicht besser zu stellen. Der Haupt-Privatgläubiger Franklyn Templeton erwähnte bereits das 3 Milliarden Dollar-Anleiheproblem könne zwischen Russland, der Ukraine und dem IWF gelöst werden. Mit anderen Worten: Der IWF soll doch gefälligst die Ukraine raushauen.

Und genau an den hatte sich vor Kurzem bereits Russland gewandt. Man erlaube der Ukraine Ratenzahlung von 2016-2018, 3 x 1 Milliarden Dollar pro Jahr, wenn USA, EU oder IWF dafür haften. Und da geht es gleich einen Schritt weiter. Angeblich will Russland gestern von den USA eine Absage bzgl. der Haftung erhalten haben. Das russische Angebot zur Ratenzahlung verstreicht genau heute am 8. Dezember – bisher hat niemand darauf offiziell geantwortet, auch nicht der IWF.

Und was macht die Ukraine?

Es ist wohl mehr als ein Zufall, dass Ukraine-Premier Jazenjuk erst gestern die EU offiziell aufforderte die Sanktionen gegen Russland zu verlängern – wohl seine Art Druck auf Russland auszuüben. Im offiziellen Statement geht es natürlich nicht um die Anleihe, und somit ist der zeitliche Zusammenhang wohl ein reiner Zufall:

“We believe that the European Union would demonstrate the unity, that the sanctions will be extended, and that the issue of sanctions is directly linked to the full implementation by the Russian Federation of the Minsk agreement”, stressed Prime Minister of Ukraine Arseniy Yatsenyuk in Brussels on the outcomes of the meeting of the EU-Ukraine Association Council Monday, December 7th. Arseniy Yatsenyuk highlighted that “Ukraine has complied and is till complying with its part of the Minsk agreements”. At the same time, he accentuated, this morning there was information that Russia had resumed shelling of Ukrainian positions.”

Die ukrainische Finanzministerin soll (laut russischen Medien) vor wenigen Stunden gesagt haben man lehne die Rückzahlung an Russland ab. Offiziell bestätigt wurde diese von der Ukraine nicht, aber die selben Aussagen machte auch Premier Jazenjuk in den letzten Wochen – eine durchweg ablehnende Haltung was die Rückzahlung der Anleihe angeht. Man betrachtet sie sowieso eher als Überbleibsel des ehemaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch, der das Geld von Moskau zur Stützung seiner Macht erhalten haben soll. Der Fakt aber bleibt, dass die Schulen vorhanden sind. Ob Zufall oder nicht, aber heute soll die Ukraine laut Notenbank “National Bank of Ukraine” eine Staatsanleihen-Auktion abhalten. Über welche Summe? Lesen Sie selbst:

“The first sovereign bond sale auction will be held at the trading platforms of the Perspektiva Stock Exchange and the FSTS Stock Exchange on 8 December 2015. VAT DS bonds UA4000185557 maturing on 22 July 2019 will be auctioned. Under the auction rules, the opening price and the amount of bonds to be auctioned are not set. In the course of the auction, bidders will offer their own purchase terms to the NBU (the amount of bonds and the price) by submitting competitive bids. Bids will be satisfied starting from the highest quoted price. All transactions in securities will be settled on a “delivery of securities versus payment of funds” basis on the auction date.”

Eine Anleihe-Auktion, bei der der Verkäufer noch nicht mal das Volumen der Anleihe festlegt, auch keinen Zins, nur die Laufzeit. Klingt so als würde man sagen “wir machen mal eine Auktion und gucken wie viel Geld in die Kasse kommt”. Der Kaufwillige kann quasi seine Wünsche der Notenbank vorlegen. Hat man so eine Anleihe-Auktion schon mal erlebt? Man darf gespannt sein, was in Kürze als Resultat hierbei herauskommt. Eine positive Überraschung? Kaufen vielleicht europäische halbstaatliche Infrastrukturbanken bei dieser “Auktion” ukrainische Anleihen um so eine Lösung herbeizuführen? Möglich ist alles, aber natürlich jetzt noch reine Spekulation.

Noch 12 Tage sind es bis zum Ablauf der Anleihe, und man darf gespannt sein, was passiert. Wer zuckt zuerst? Oder gibt es am Ende einen (faulen) Kompromiss, eine Rettung durch IWF oder EU? Kommt es zur Klage, muss ein britisches Gericht entscheiden, ob die Anleihe eine privatrechtliche Transaktion oder die zwischen zwei Staaten war. Entscheidet sie auf Letzteres, müsste der IWF seine Hilfszahlungen an die Ukraine einstellen. Abgesehen davon: Zahlt die Ukraine die Anleihe nicht, wäre das generell ein weiterer Vertrauensverlust des internationalen Kapitalmarkts in das Land. Wer gibt einem Schuldner neues Geld, der seine laufenden Verpflichtungen nicht bedienen kann?


7 Kommentare

7 Comments

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    Chris

    8. Dezember 2015 15:08 at 15:08

    Was sind in heutigen Zeiten schon 3Milliarden€uro,Dollar,Yen,Pfund,bzw.papuaneuguinesische Kina?Draghis Hochleistungsoffsetmaschinen,können binnen kürzester Zeit alles,aber auch wirklich alles in ausreichender Menge herstellen!Macht Euch kein feuchtes Höschen wegen der kleinen Ukraine&Ihrer Taschengeldschulden!Whatever it takes,Baby!

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    Siggi60

    8. Dezember 2015 15:57 at 15:57

    “Wer gibt einem Schuldner neues Geld, der seine laufenden Verpflichtungen nicht bedienen kann?”

    Gute Frage. Mir fällt da auf Anhieb die deutsche Bundesregierung ein.

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    Benedikt

    8. Dezember 2015 16:02 at 16:02

    Laut IWF eigenen Statuten hätte der IWF auch keinen Land Geld leihen dürfen, das in einen offenen bewaffneten Konflikt vor allem mit einen anderen IWF Mitglied sich befindet. Nach Poroschenkos Wahl zum Präsidenten und dessen Ankündigung der Donbass Blitzoffensive hätte der IWF überhaupt keine Gelder mehr der Ukraine mehr Überweisen dürfen. Das Geld ist bekanntlich trotzdem geflossen. Und wird auch fließen, wenn die Ukraine den 3 Mrd. Kredit nicht zurück zahlt.

    Die Ukrainische Finanzministerin hatte kürzlich eine Aufstockung des 40 Mrd. $ 4 Jahres Bailout um etwa 7,5 Mrd. $ gefordert. Keiner will aber Aufstocken, daher bleibt nur die Alternative über den Kapitalmarkt sich die fehlenden Devisen zu besorgen. Was wie oben erwähnt bei einer Klage sehr schwierig oder eher unmöglich werden wird. Realistisch betrachtet ist der Zahlungsausfall der Ukraine nicht aufzuhalten.

    Das größte Problem der Ukraine ist der schädliche Westliche Einfluss, die für die teure Eskalation des Konfliktes gesorgt hatte. Ohne den Einfluss hätte die Ukraine schnell die Niederlage erklärt und Frieden mit Russland wieder geschlossen. Dazu die Katastrophale Wirtschaftspolitik der Euromaidaner. Die haben aus Ideologischen Gründen sich Devisenquellen selber kaputt gemacht. Bidens Sohn arbeitet für einen Ukrainischen Oligarchen gegen den wegen Vorteilsnahme ermittelt wird. Von Teilen des Westen wird ein Ukrainischer Oligarch unterstützt, der als Firmen Raider Welt bekannt ist. Wenn man quasi “Verbrecher” Unterstützt, kann das natürlich mit der Korruptionsbekämpfung nichts werden.

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    Chris

    8. Dezember 2015 16:28 at 16:28

    Hallo Ihr beiden!Siggi 60:Ich weiss immer noch nicht wo die plus 10 herkommen.bzwBenedikt::Ich stinmme in allen Punkten zu!

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      Siggi60

      8. Dezember 2015 20:37 at 20:37

      Ja Benedikt, it’s the stupid money. Langsam aber sicher gewinne ich den Eindruck, dass der König tatsächlich ohne Hosen dasteht, alles gibt einen Sinn. Die ukrainische Wirtschaft kann ohne den russischen Markt nicht bestehen. Trotzdem machen alle einen auf dicke Hose. Naja, der Westen zahlt, solange die Ukraine ein nützlicher Idiot ist, später ist sie ein “failed state”.

      Da das nicht der erste Fall dieser Art dieser Art ist, frage ich mich, wann die Menschheit endlich das Gehirn einschaltet und die Schuldigen beim Namen nennt. Alles ist doch so offensichtlich.

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    Thomas

    8. Dezember 2015 23:07 at 23:07

    Zwei Möglichkeiten:
    1) Ukraine zahlt nicht, ist pleite. IWF hilft entgegen den eigenen Regeln aber trotzdem weiter. Die Regeln interessieren dann einfach nicht. Merkel würde sagen, es ist alternativlos.
    2) Ukraine zahlt nicht, es geht vor Gericht und dort wird entschieden, dass Russland auch verzichten muss, da es sich im keine Abmachung zwischen zwei Staaten handelt. IWF kann dann, wenn ich das richtig sehe, auch weiter helfen.

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    Thomas Wunderlich

    9. Dezember 2015 00:16 at 00:16

    OK, das wenn ich ausdrucke und meinen Bankern vorlege werfen die mich hochkant zur Türe raus wenn ich mit ähnlichen Argumenten komme.
    Ich sehe schon, Putin war eindeutig der bessere Spieler in allen Belangen.
    Aber da war doch vorhin woanders ein Artiekl, da ging es immerhin um eine 1/10 Milliarde Schiergelder von so einem ukrainischen Politikheini. Könnte doch mal was helfen.
    http://www.DDRZweiPunktNull.de

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Banken vor großer Krise: 127 Milliarden Ausfälle drohen, Baukredit-Boom endet

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Hochhäuser zahlreicher Banken in Frankfurt

Den deutschen Banken steht wohl ab Herbst eine große Krise bevor. Oder anders formuliert: Sie ist wohl schon längst da, wird aber ab Herbst erst richtig sichtbar! Die Buchautorin und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer erwähnt im folgenden aktuellen Interview, dass Wirtschaftsforscher davon ausgehen, dass auf Banken Kreditausfälle von mindestens 127 Milliarden Euro zukommen können. Das folgende Video gibt grundsätzlich einen aufschlussreichen Ausblick über die anstehende Krise bei den deutschen Banken.

Banken mit massenweise Stundungen

Jüngst wurde von 70.000 Kredit-Stundungen alleine bei der Deutschen Bank berichtet im Zuge der Coronakrise. Es ist verständlich. Millionen Kurzarbeiter, mehr Arbeitslose, viele Selbständige vor dem Nichts. Da nimmt man die gesetzlichen Möglichkeiten einer mehrmonatigen Stundung seiner Kreditzahlungen gerne in Anspruch. Aber auch bei der Commerzbank und den Sparkassen hört man offenbar von jeder Menge Stundungen. Klar, es wird flächendeckend alle Banken betreffen, die Konsumentenkredite vergeben.

Wir haben die letzten Monate schon mehrmals darüber berichtet, und weisen jetzt erneut darauf hin. Wie kaputt die Bücher der deutschen Banken bereits sind, weiß niemand. Der staatlich genehmigte “bilanzielle Betrug” (so nannte es Markus Krall) wurde jüngst von Ende Juni bis Ende September verlängert. Von März bis Ende September sind Banken nicht verpflichtet, gestundete Kredite als Kreditausfall in ihren Büchern zu deklarieren. Also, offiziell keine Verluste, sondern saubere, werthaltige Kreditforderungen – offiziell, wie gesagt. Und ab Oktober? Entweder der Staat verlängert diese Regelung, oder ab Oktober könnten gigantische Milliarden-Löcher in den Büchern der Banken sichtbar werden, die jetzt wohl schon vorhanden sind.

Bundesbank mit aktuellen Umfragedaten

Von der Bundesbank liegen aktuell Umfragedaten von deutschen Banken vor. Daraus geht hervor, dass die Banken ihre Kreditrichtlinien verschärfen. Zitat Bundesbank:

Die befragten Banken verschärften die Kreditrichtlinien (d. h. die internen Richtlinien oder Kriterien einer Bank für die Gewährung von Krediten) im Unternehmenskreditgeschäft erneut in größerem Umfang (Nettoanteil von +9 % der befragten Banken nach netto +13 % der Banken, die im Vorquartal die Richtlinien verschärft hatten). Auch bei den Kreditvergaberichtlinien für private Wohnungsbaukredite (Nettoanteil von +21 % der befragten Banken, nach +3 % im Vorquartal) und Konsumenten- und sonstige Kredite (Nettoanteil von +20 % der befragten Banken, nach +10 % im Vorquartal) schlagen sich die Auswirkungen der Pandemie in strengeren Vergabemaßstäben nieder. Für die kommenden drei Monate planen die Banken keine nennenswerten Änderungen der Standards in allen erfragten Bereichen. Gleichzeitig verschärften die befragten Institute die Kreditbedingungen (d. h. die in den Kreditverträgen vereinbarten tatsächlichen Bedingungen für die Gewährung von Krediten) in allen erfragten Geschäftsfeldern. Als Hauptgründe für die Verschärfung der Kreditstandards und -bedingungen nannten die Institute das höher eingeschätzte Kreditrisiko sowie eine geringere Risikotoleranz.

Die Coronakrise schlägt auf die Praxis im Kreditgeschäft durch, was man ganz klar aus den Worten der Bundesbank herauslesen kann. So scheint der Kreditboom bei Immobilienkrediten erst einmal vorbei zu sein. Zitat Bundesbank:

Die Nach­fra­ge nach Woh­nungs­bau­kre­di­ten ging erst­ma­lig seit Ende 2017 zu­rück, wenn­gleich der Rück­gang deut­lich schwä­cher aus­fiel als im Vor­quar­tal er­war­tet wor­den war. Auch bei den Kon­su­men­ten- und sons­ti­gen Kre­di­ten kam es zu einem kräf­ti­gen Nach­fra­ge­rück­gang. Nach An­ga­ben der Ban­ken waren ein deut­lich ge­sun­ke­nes Ver­brau­cher­ver­trau­en in­fol­ge der Covid-19-Pan­de­mie sowie die Fi­li­al­schlie­ßun­gen der Ban­ken wäh­rend des Lock­down die we­sent­li­chen Grün­de für die ge­rin­ge­re Kre­dit­nach­fra­ge sei­tens der pri­va­ten Haus­hal­te. Für die kom­men­den drei Mo­na­te er­war­ten die Ban­ken einen wei­te­ren An­stieg der Nach­fra­ge nach Un­ter­neh­mens­kre­di­ten, einen er­neu­ten Nach­fra­ge­rück­gang bei den pri­va­ten Woh­nungs­bau­kre­di­ten und eine Zu­nah­me des Mit­tel­be­darfs bei Kon­su­men­ten- und sons­ti­ge Kre­di­ten. Der An­teil der ab­ge­lehn­ten Kre­dit­an­trä­ge stieg in­fol­ge der ge­straff­ten Kre­dit­ver­ga­be­maß­stä­be und auch wegen einer ver­schlech­ter­ten Bo­ni­tät der An­trag­stel­ler in­fol­ge der wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie in allen Kre­dit­seg­men­ten deut­lich an.

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Warum in Euroland erst einmal keine Inflation droht

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Die EZB sprach jüngst in Szenarien eher von drohender Deflation statt Inflation (mehr dazu hier). Zahlreiche kritische Zeitgeister wie Markus Krall und Dirk Müller (hier zu den dramatischen Corona-Folgen) sprechen von einer bevorstehenden kräftigen Inflation, oder sogar Hyperinflation. Warum sie “erst einmal” nicht ansteht, dazu liefert, so meine ich, das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aktuell eine sehr interessante und einfach zu verstehende Denkschrift. Dabei geht es auch viel um das einfache, nachvollziehbare Verhalten der Bürger (Konsumenten) in und nach der Krise.

Erstmal Deflation statt Inflation

Zahlreiche Südländer in Europa sind schon in der Deflation (14 Euro-Länder im Monat Mai). Das ist nachvollziehbar. Denn wenn der Großteil der Touristen den Stränden fern bleibt, passiert was? Richtig, die Anbieter senken die Preise drastisch um die Touristen anzulocken. Hotels, Getränke, Ausflüge. Alles wird verbilligt angeboten, um zum Konsumenten zu animieren. Dazu sagt das IW, Zitat:

Besonders betroffen von der zurückhaltenden Nachfrage sind unter anderem das Gastgewerbe und der Tourismus. Viele Reisen konnten und können nicht stattfinden, darunter leiden besonders Länder, die sich auf den Tourismus spezialisiert haben. Das hat Folgen für die Inflation: Sinkt die Nachfrage, sinken gewöhnlich auch die Preise. Die fehlenden Touristen waren unter anderem ein Grund, warum die Preise in Griechenland im Juni um 1,7 Prozent und in Zypern um 2,5 Prozent einbrachen. Deflation zeigt sich aber auch in Estland und Lettland. In Italien sanken die Preise um 0,4 Prozent und in Spanien um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Aber auch zuhause ist es eine klare einfache Sache. Man braucht nur online zu surfen oder in die Innenstädte zu gehen. Nichts mit Inflation. Rabatte überall, und dazu nun auch noch die Mehrwertsteuersenkung, die zahlreiche Einzelhändler auch tatsächlich weitergeben. Dies senkt die Preise gleich doppelt (hier offizielle Berechnungen), was die Angst vor der Inflation erst recht in weite Ferne rücken lässt. Und wollen die Konsumenten einfach nicht konsumieren, müssen die Preise eben noch weiter runter gehen, bis man der Verlockung nicht mehr widerstehen kann? Dazu das IW, Zitat:

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass die Deutschen weniger Geld ausgeben. Umsätze sind ausgefallen, durch Kurzarbeit schrumpft das Einkommen – entsprechend überlegen sich viele ganz genau, was sie kaufen und welche Ausgaben sie vielleicht lieber verschieben. Zudem besuchen die Bundesbürger weniger Geschäfte, Cafés oder Restaurants, um sich nicht anzustecken. Auch das Homeoffice senkt die monatlichen Ausgaben, beispielsweise, weil sich das Mittagessen vergleichsweise günstig zuhause kochen lässt. Insgesamt sinken die Ausgaben dadurch stärker als die Einkommen. Dieser allgemeine Trend zeigt sich bereits in der Sparquote der Haushalte: Während in Deutschland im vierten Quartal 2019 noch fast 18 Prozent des verfügbaren Einkommens gespart wurden, so waren es im ersten Quartal 2020 fast 24 Prozent.

Kommt die Inflation doch noch?

Tja, wird die Inflation doch noch “über uns kommen”? Denn wo die Bürger jetzt möglichst viel auf die hohe Kante legen aus Angst vor der Ungewissheit, da wird es zukünftig womöglich einen Nachholeffekt beim Konsum geben, was die Preise antreiben wird? Dazu IW, Zitat:

Fallende Preise sind nur auf den ersten Blick vorteilhaft für Konsumenten. Wer davon ausgeht, dass die Preise weiter fallen, schiebt alle Käufe auf, die nicht dringend notwendig sind. Das wiederum sorgt dafür, dass die Umsätze der Unternehmen weiter schrumpfen und sich eine Wirtschaftskrise verfestigen kann. In der aktuellen Situation wäre das sehr problematisch, weshalb die Europäische Zentralbank versucht, mit einer sehr expansiven Geldpolitik eine Deflation zu vermeiden.

Vermutlich wird die Geldpolitik in der aktuellen Situation erfolgreicher sein als bei der Bekämpfung der Deflation im Jahr 2015. Denn anders als damals sparen die Haushalte nicht, um Schulden abzubauen, sondern weil viele das Geld durch die Vermeidung einer Ansteckung mit dem Corona-Virus nicht ausgeben können. Dieses Geld werden sie aber wieder ausgeben – zumindest sobald etwas mehr Zuversicht besteht und absehbar ist, dass die Pandemie langfristig unter Kontrolle ist. Dann werden sich auch die Inflationsraten wieder normalisieren.

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Kreditausfälle und die Deutsche Bank – bilanziell ist das gar kein Problem!

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Drohen Kreditausfälle? In den USA beginnt die Berichtssaison mit den Großbanken. Da lohnt es sich doch auch Mal ein Blick auf die Deutsche Bank zu werfen. Wie heute Morgen gemeldet, aber bereits von vielen vermutet, steigen die Zahlen an möglichen Kreditausfällen drastisch. Die Deutsche Bank berichtet, dass circa 70.000 Stundungsanträge von Privatkunden bei der Deutschen Bank und der Postbank bereits eingegangen sind.

Viele Kunden können aufgrund der Corona-Krise ihre Kredite nicht bedienen. Zwar steigt die Zahl nicht mehr so rapide wie noch im Frühjahr, aber ein langsamer Anstieg ist immer noch zu verzeichnen. Wie wir bereits vor drei Wochen berichtet haben, hat das aber erstmal keinen negativen Effekt auf die Bilanz. Grund dafür ist, dass die Stundung von Krediten während der Corona-Krise gesetzlich ermöglicht wurde.

Die Bankenaufsicht verlängert den „legalen Bilanzbetrug“

Im März tätigte die Bankenaufsicht die ausschlaggebende Aussage, die bei der Deutschen Bank, aber auch bei allen anderen Banken, sicherlich einen Freudensprung ausgelöst hat. Die Bafin meldete, dass ein Schuldner „nicht zwingend als ausgefallen einzustufen ist, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden”. Anders gesagt, Banken brauchen die Kredite nicht mehr abschreiben, dadurch sehen die Bilanzen weiterhin hübsch aus. Die Kreditausfälle werden in den Bilanzen einfach nicht als Solche gewertet.

Die Banken können also wertlose Kredite als werthaltige Vermögenswerte in den Büchern verbuchen. Diese Regelung wurde von der EBA um 3 Monate verlängert und gilt noch bis Ende September. Was danach passiert, steht noch nicht fest. Aber eine Verlängerung bis zum Ende des Jahres würde Sinn machen. Damit könnte man nämlich in der Jahresbilanz wunderbare gesunde Kredite präsentieren.

Großbanken in den USA droht eine Welle an Kreditausfällen

Wegen der Corona-Krise können auch immer mehr Amerikaner ihre Kredite nicht zurückzahlen, zudem gehen etliche Firmen Pleite. Das spüren insbesondere die Banken. In dieser Woche starten die Großbanken mit der Berichtssaison, dann werden wir die genauen Auswirkungen feststellen können. Man geht davon aus, dass die Institute durchschnittlich 70 Prozent Gewinneinbruch zu verzeichnen haben, das prognostiziert der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. Der Hauptgrund dafür sind die drastisch steigenden Kreditausfälle von Unternehmen und Privatkunden. Analysten gehen davon aus, dass bei den sechs größten US-Banken die Rückstellungen für faule Kredite daher auf fast 32 Milliarden Dollar ansteigen. Die Summe muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Damit hätte sich der Wert im Vergleich zum Vorjahr versechsfacht.

Nicht nur die wachsenden Kreditausfälle, sondern auch die sinkenden Zinsen setzen den US-Banken zu. Wie Kostolany schon vor etlichen Jahren gesagt hat, die tatsächliche Stärke der Wirtschaft und Börsen erkennt man an dem Zustand der Banken. Zwar sind die Börsen seit dem März-Tief enorm gestiegen und haben eine V-Erholung hingelegt, aber schaut man sich nur den Bankensektor an, dann hinkt dieser ein großes Stück hinterher. Man kann mit Spannung die Offenlegung der Bilanzen verfolgen. Diese Woche wird uns gewiss einen Einblick über den Zustand der Banken gewähren.

Die Deutsche Bank leidet wie viele Banken an Kreditausfällen

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