Angesichts eines massiven Drohnenangriffs der Ukraine auf russische Öl-Infrastruktur am Schwarzen Meer ist der Ölpreis am Freitagmorgen um zeitweise 3% gestiegen. Nach Angaben der lokalen Behörden wurden am Hafen Noworossijsk ein Öllager und ein Schiff beschädigt. Über ihn werden sowohl russische Fracht als auch Exporte aus Kasachstan abgewickelt.
Ukraine greift Ölterminal an – Ölpreis steigt
Wie Bloomberg berichtet, haben ukrainische Drohnen in der Nacht Öl-Infrastruktur im russischen Schwarzmeer-Großhafen Noworossijsk angegriffen, während Moskaus Streitkräfte gleichzeitig einen massiven Luftangriff auf Kiew starteten, bei dem drei Menschen starben und mehrere Wohngebäude beschädigt wurden.
Nach Angaben der Behörden richtete sich der großangelegte Angriff sowohl gegen den Hafen von Noworossijsk als auch gegen mehrere nahegelegene Küstenstädte. Am Öldepot des Sheskharis-Terminals sowie an weiteren Hafenanlagen und mehreren Wohngebäuden entstand erheblicher Schaden.
Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete zuletzt 64,27 Dollar je Barrel und damit 2% mehr als am Vortag. US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Dezember notierte 2,2% fester bei 59,98 Dollar je Barrel. Zuvor waren die Ölpreise bis auf 64,40 bzw. 60,40 Dollar geklettert. Zuvor waren die Ölpreise nach dem Monatsbericht der OPEC deutlich abgerutscht.
Drohnenangriffe auf Russland
Trümmer abgeschossener Drohnen lösten an einem russischen Depot am Sheskharis-Ölterminal des Pipelinebetreibers Transneft PJSC ein Feuer aus, teilte der regionale Zivilschutz am frühen Freitag auf Telegram mit. Mehr als 50 Einheiten der Feuerwehr waren im Einsatz, um den Brand zu löschen. Angaben zum Ausmaß der Schäden wurden nicht gemacht.
Drohnen trafen zudem ein bislang nicht identifiziertes ziviles Schiff im Hafen von Noworossijsk. Der Bürgermeister der Stadt berichtete von Schäden an mindestens drei Wohngebäuden. Ein weiteres Containerterminal wurde durch herabfallende Trümmer beschädigt, blieb jedoch in Betrieb, wie die Betreibergruppe Delo auf Telegram erklärte.
In der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurden bei einem kombinierten Raketen- und Drohnenangriff Russlands drei Menschen getötet und mindestens 25 verletzt, wie Bürgermeister Witali Klitschko auf Telegram sagte. Die Luftabwehr war in allen Stadtteilen aktiv; mehrere Bezirke meldeten Brände und Trümmerabgänge. Wohnhäuser, eine Schule sowie medizinische Einrichtungen wurden beschädigt. Einschläge auf Energie- und Versorgungsnetze führten zu vorübergehenden Ausfällen.
Die Angriffe erfolgen vor dem Hintergrund verstärkter russischer Attacken auf das ukrainische Stromnetz, mit denen Moskau die Energieversorgung des Landes vor dem Winter unter Druck setzen will – während gleichzeitig die Offensive auf den wichtigen Eisenbahnknoten Pokrowsk im Osten weiter forciert wird. Ein Fall der Stadt wäre der größte russische Geländegewinn seit der Einnahme von Awdijiwka im Februar vergangenen Jahres.
Kiew wiederum hat seine Angriffe auf russische Öl-Infrastruktur zuletzt intensiviert – von Raffinerien über Rohöl-Pipelines bis zu See-Terminals –, um die Energieerlöse zu schmälern, mit denen der Kreml seinen inzwischen ins vierte Jahr gehenden Krieg finanziert. Diese Schläge haben die russischen Rohölverarbeitungsmengen verringert, Kraftstoffengpässe in mehreren Regionen verschärft und das Risiko für Russlands See-Ölhandel erhöht.
Zuletzt hatte die Ukraine Ende September Ölverladeanlagen am Schwarzen Meer getroffen. Damals mussten das Sheskharis-Terminal sowie die Verladeeinrichtungen des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC) kurzzeitig den Betrieb einstellen. Die erneuten Angriffe auf die Öl-Infrastruktur könnten den Ölpreis weiter in Bewegung halten.
Transneft reagierte nicht umgehend auf eine Anfrage nach Stellungnahme.
Sanktionen verschärft
Parallel dazu verschärfen westliche Staaten ihre Sanktionen gegen den russischen Energiesektor, um Moskaus Einnahmen weiter zu drücken. Die USA belegten im vergangenen Monat die Ölkonzerne Rosneft PJSC und Lukoil PJSC, die beiden größten Produzenten des Landes, mit neuen Maßnahmen – ein weiterer Schlag für Russlands Rohölexporte und dessen globales Handelsnetz.
FMW/Bloomberg
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Ein weiteres geopolitisches Risiko für die Ölindustrie besteht zur Zeit in Südamerika. Der 47. US-Präsident Donald John Trump, welcher es auf die Ölvorkommen des OPEC+-Mitgliedslandes Bolivarische Republik Venezuela abgesehen hat, erwägt am Wochenende militärische Aktivitäten gegen Staatspräsident Nicolas Maduro, in dessen Zusammenhang die Entwicklung des Ölpreises ebenfalls abzuwarten ist.