Neue Drohnenangriffe der Ukraine und harte Sanktionen treffen Russlands Schattenflotte gleichzeitig. Tanker werden beschädigt, Lieferketten geraten ins Rutschen und der Konflikt auf See eskaliert weiter.
Ukraine attackiert Russland-Schattenflotte
Ukrainische Drohnen haben in der vergangenen Woche zwei russische Shadow-Fleet-Tanker getroffen. Die Vorfälle ereigneten sich im Schwarzen Meer nördlich der Türkei, ein dritter Tanker an der Westküste Afrikas vor Senegal meldete einen Notfall. Alle drei Schiffe waren entweder nicht oder nur unzureichend versichert und standen unter internationalen Sanktionen. Die Angriffe markieren eine deutliche Eskalation im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine auf See. Gleichzeitig zielen neue Sanktionen auf die arktische LNG-Flotte Russlands.
Drohnen setzen sanktionierte Tanker im Schwarzen Meer außer Gefecht
Der erste Vorfall betraf den 274 Meter langen Tanker Kairos, der sich auf dem Weg von Ägypten nach Novorossiysk befand. Etwa 28 Seemeilen vor der türkischen Küste explodierte eine Seedrohne am hinteren Teil des Tankes und geriet in Brand. Alle 25 Besatzungsmitglieder wurden von türkischen Rettungskräften sicher evakuiert. Die türkischen Schiffe Kurtarma 12 und Nene Hatun löschten das Feuer auf dem offenen Deck, während in den geschlossenen Bereichen weiterhin Kühl- und Löschmaßnahmen liefen.
Der zweite Tanker, Virat, wurde etwa 35 Seemeilen nördlich der türkischen Küste getroffen. Das Schiff erlitt Rauchschäden im Maschinenraum, blieb jedoch stabil. Ein zweiter Drohnenangriff am Morgen darauf beschädigte die Steuerbordseite leicht. Alle 20 Besatzungsmitglieder blieben unverletzt. Beide Schiffe transportierten russisches Öl, standen unter Sanktionen der EU und des Vereinigten Königreichs beziehungsweise der USA und EU, und operierten über komplizierte Eigentümerstrukturen in Hongkong, der UAE und anderen Staaten, um Sanktionen zu umgehen. Ob die Schiffe zum Zeitpunkt des Angriffs versichert waren, ist unklar.
Der dritte Tanker, Mersin, ein Panama-registriertes Schiff unter türkischer Eigentümerschaft, geriet an der Küste Senegals in Not. Zwischen dem 27. und 28. November trat Wasser in den Maschinenraum ein, das Schiff drohte zu sinken. Die gesamte Besatzung wurde gerettet. Senegal koordinierte die Sofortmaßnahmen, darunter die Stabilisierung des Tankers, Entleerung der Ladung und Präventionsmaßnahmen gegen Umweltverschmutzung. Die französische Marine unterstützte die Operation. Die zeitliche Nähe zu den Ereignissen im Schwarzen Meer lassen vermuten, dass es einen Zusammenhang gibt. Sie verdeutlichen die Risiken der sogenannten Shadow Fleet, die oft ältere Schiffe mit fragwürdiger Versicherung und unklarer Registrierung umfasst.
Alle drei Vorfälle heben ein strukturelles Problem im russischen Öl-Handel hervor. Durch den G7- und EU-Preisdeckel auf russisches Öl muss Russland alternative Wege finden, seine Rohstoffe zu exportieren. Die Lösung ist die Auslagerung von Tankern in sogenannte „Flags of Convenience“ laufen, also eine Schiffsregistrierung außerhalb der etablierter Flaggenstaaten, deren Registrierung teilweise fragwürdig oder gefälscht ist. Die Schiffe operieren oft ohne gültige Klassifizierung oder Versicherung und führen Transfers außerhalb regulierter Häfen durch, etwa in der Ägäis, vor Malaysia oder Spanien. Die Kombination aus Sanktionen, unzureichender Überwachung und nun gezielten Angriffen der Ukraine macht diese Schiffe besonders anfällig.
Die ukrainischen Angriffe richteten sich gezielt gegen die Schiffe. Dabei wurden Drohnen eingesetzt, die auf die Maschinenräume und Antriebe zielten, um die Schiffe handlungsunfähig zu machen, nicht um sie in Brand zu setzen oder zu versenken. Aus Sicht der Ukraine handelt es sich um eine legitime militärische Reaktion auf russische Angriffe, während die Schiffe durch die Sanktionen und die Intransparenz ohnehin als riskant gelten. Die Praxis zeigt, dass Regeln des Seekriegs an Bedeutung verlieren, wenn eine Partei sie konsequent missachtet. Russland versteckt seine Schiffe hinter unklaren Strukturen. Ob sie überhaupt legitime Kriegsziele sind, ist ebenfalls fraglich. Auf der anderen Seite versenkt auch Russland ukrainische Schiffe, die Getreide geladen haben.
Britische Sanktionen lähmen Russlands arktische LNG-Flotte
Parallel dazu hat Großbritannien gezielt in die russische LNG-Exportinfrastruktur in der Arktis eingegriffen. Die Maßnahmen richten sich auf die Tanker der höchsten Eisklasse Arc7, die für den Transport von Yamal-LNG auch im Winter unabdingbar sind. So hat die Regierung alle Schiffsdienstleistungen durch britische Anbieter untersagt. Im Falle der Yamal-LNG-Schiffe sind sowohl in England versichert als auch verwaltet werden. Ohne gültige Versicherung und Management können diese Schiffe nicht in internationalen Gewässern operieren. Russland ist gezwungen, neue Versicherer und ein neues Management für die Flotte zu finden, was Zeit und erhebliche Kosten verursacht. Die britischen Maßnahmen traten rechtzeitig zum Beginn des Winters in Kraft und führten zu einer Unterbrechung der Yamal-LNG-Lieferungen nach Asien und Europa. In Kombination mit den ukrainischen Drohnenangriffen auf die Shadow-Fleet-Tanker im Schwarzen Meer verschärft dies die Belastung der russischen Energieexporte erheblich. Die Logistik wird komplizierter, die Lieferketten instabiler, und die globalen Abnehmer müssen kurzfristig auf alternative Bezugsquellen ausweichen.
Militärische Schläge destabilisieren Russlands globale Lieferketten
Die Eskalation zeigt, dass der Krieg auf See und gegen die Häfen die russischen Lieferketten für fossile Brennstoffe unter Druck setzt. Für Russland wird es immer schwerer, seine Schiffe zu versichern und zu verwalten. Die Angriffe auf Tanker selber erhöht das Risiko für die Besatzungen. Die Kosten und der Aufwand steigen und machen damit für Käufer den Bezug von russischen Öl und Gas unattraktiver, während für Russland die Margen fallen.
Die drei Tankerunfälle und die Angriffe auf die Arktis-Infrastruktur sind mehr als isolierte Ereignisse. Sie stehen für eine neue Phase im Konflikt, in der Seewege, Infrastruktur und Handelsschiffe unmittelbar Teil der militärischen Auseinandersetzung werden. Die Ukraine zeigt, dass sie bereit ist, die Regeln für neutral registrierte Schiffe infrage zu stellen, wenn Russland selbst das Regelwerk verletzt. Gleichzeitig werden globale Handelspartner gezwungen, Risiken neu zu bewerten und ihre Abhängigkeit von bestimmten Lieferketten zu hinterfragen. Die Kombination aus gezielten Drohnenangriffen und strategischen Operationen wie in der Arktis verschärft den Druck auf russische Exporte und zeigt, dass der Krieg auf See unmittelbare wirtschaftliche Folgen hat.
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das ist dann eher kontraproduktiv denn nun sehe ich einen militärischen Grund zum angreifen?
weil das LNG was Deutschkand billg kaufte und deswegen volle Gaspeicher hat dann günstiger ist als selber fördern?
https://de.tradingview.com/symbols/USDRUB/?timeframe=ALL
sieht wirklich übel aus
Das erinnert mich an Saddam Hussein, der während ihres Rückzugs aus Kuwait Anfang 1991 Hunderte von Ölquellen in Brand stecken ließ.
Sicher ist ein Öltanker für einen Kriegsgegner ein legitimes Ziel.
Zeigt aber, wie sehr die Militärs der Ukraine mit dem Rücken zur Wand stehen, wenn sie drohende Umweltkatastrophen in Kauf nehmen, indem Öltanker angegriffen werden.
So nach dem Motto:
„Die Strände bekommen wir sowieso nicht mehr zurück, dann können wir sie auch verseuchen.“
Moldau, Rumänien, die Türkei und Bulgarien haben dann eben Pech gehabt,
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Der absolute Wahnsinn.
Jeder ahnt, dass Russland mit gleicher Münze zurück zahlen wird.
Da sowohl die Unterseedrohnen aus England kommen, und auch die Navigationsdaten, bringt uns das wieder einen Schritt dem 3 Weltkrieg näher.
Wenn es schon ans Schiffe versenken geht, dann erbarme uns Gott.
@ HD, wenn die Milliarden – Russengelder in Belgien von der EU enteignet werden, ist die Reizung von Putin perfekt und der nächste Schritt Richtung Weltkrieg ( Angriff auf EU ) kann folgen. Man würde Putin damit ein gesuchtes Argument liefern.
Georg Kriegmann
Ich denke Krieg wird es wegen enteigneten Gelder nicht geben.
Aber die Welt sieht dann, dass Europa auch kein vertrauenswürdiger Handelspartner ist.
China sollte sich schon mal Gedanken darüber machen, seine Vermögen aus Europa abzuziehen, bevor Taiwan heim ins Reich geholt wird.
Außerdem wird Russland vor internationalen Gerichten klagen.
Europa wird sich wieder richtig ins Knie schießen.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
@Helmut
Dann lernen Russland und China einfach mal ihre eigene Medizin kennen. Beide enteignen ausländische Firmen und damit ausländisches Kapital.
Aber als Sprachrohr Putins darfst du das natürlich nicht sagen. Und wenn China Taiwan angreift, bist du auch der Erste, der die chinesischen Propagandamärchen wiederholst.