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Ukraine: Poroschenko ignoriert bevorstehenden Staatsbankrott

Von Claudio Kummerfeld

Die Ukraine steht de facto vor dem Staatsbankrott. Präsident Poroschenko ignoriert die Lage anscheinend vollständig, genau so sein Ministerpräsident Jazenjuk: beide scheinen keine Anstalten zu machen aktiv etwas gegen den Niedergang des Landes tun zu wollen. Vielleicht ist es einfach „nur“ Überforderung. Wir listen hier einige Fakten auf, die nahe legen, dass der wirtschaftliche und finanzielle Zusammenbruch
unmittelbar bevorsteht.

Poroschenko Jazenjuk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Präsident der Ukraine Petro Poroshenko und Ministerpräsident Jazenjuk
Foto links: © Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Foto rechts: © Ybilyk / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

 

Die Währung

Die ukrainische Hrywnja wertet massiv gegenüber dem Euro und dem US-Dollar ab. Im Chart sieht man die massive Aufwertung des Euro gegenüber der Hrywnja, die vor wenigen Tagen begann. Auch das ist ein sicheres Indiz, dass Privatpersonen, Unternehmen und auch ausländische Inhaber der Währung diese massiv in „harte“ Währungen tauschen, weil sie mit einem Staatsbankrott sowie einer wertlosen Währung rechnen. Ist das Vertrauen weg, flieht der Bürger aus der Währung. Und nicht nur das – viele Ukrainer haben sich wie auch viele Russen in Euro oder Dollar verschuldet, um Wohnungen zu kaufen. Aufgrund der dramatischen Abwertung ihrer Währung, in der sie ja ihre Gehälter beziehen, müssen sie immer mehr davon aufwenden um die Fremdwährungskredite zu bezahlen. Die dramatische Lage dieser Schuldner machte der Gouverneur der ukrainischen Notenbank vor kurzem deutlich. Die Devisenreserven der Ukraine liegen aktuell nur noch bei 6,4 Milliarden US-Dollar. Verlangt ein ausländischer Gläubiger vom ukrainischen Staat die Zahlung einer Ware in harter Währung, kann die Ukraine schon bald nichts mehr anbieten.

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Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine, das in 2013 noch bei 177,4 Milliarden US-Dollar lag, bricht massiv ein. Allein im letzten Quartal 2014 ging das BIP im Vergleich zum letzten Quartal 2013 um 15% zurück. Das ist ein so massiver Einbruch, dass er für uns Mitteleuropäer gar nicht vorstellbar ist. D.h. die reale Wirtschaftsleistung kommt de facto zu Erliegen. Wie aus der aktuellsten Statistik hervorgeht, brachen die ukrainischen Exporte im dritten Quartal 2014 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 24 % ein. Den noch nicht einsehbaren dramatischen Absturz für das 4. Quartal kann man nur erahnen, wenn man an den BIP-Absturz denkt.

Reformen

Präsident Poroschenko´s einzige Maßnahme: Nach Brüssel fliegen und Geld abholen. Reformen im Land sind nicht zu finden. Zaghafte Reformvorhaben um z.B. die Macht der Oligarchen auf große ukrainische Unternehmen einzuschränken, scheiterten jüngst auch im ukrainischen Parlament, wo Ministerpräsident Jazenjuk den Laden im Griff zu haben scheint. Muss man noch erwähnen, dass Präsident Poroschenko selbst auch ein Oligarch ist? Aus ukrainischen Kreisen hört man immer wieder die Leitlinie, die kurz zusammengefasst lauten könnte „erst die Hilfsgelder, dann die Reformen“. Denn tatsächlich hat man keine Reformen im Angebot.

Kredite bei EU und IWF

Sogenannte „Kredite“ aus dem Ausland, vor allem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union, wie auch immer neue „Programme“ und Garantien, verpuffen wie heißes heißes Wasser im sibirischen Winter bei – 30 Grad. Bei einem derartigen Einbruch der Wirtschaftsleistung und Abwertung der Währung können noch so viele Kredite die Löcher nicht stopfen, die eh immer größer werden.

Der Markt

Die durch die Immobilienkrise 2008 weltweit bekannt gewordenen Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) zeigen dieser Tage für ukrainische Staatsanleihen ein massiv gestiegenes Ausfallrisiko – d.h. Banken und Investoren sehen das Risiko als extrem gestiegen an, dass die Ukraine als Schuldner ausfällt und fällige Staatsanleihen sowie Zinsen nicht mehr zahlen kann. Diese Indikation gilt als sehr wichtiger Faktor.

Der Donbass-Konflikt gilt für Präsident Poroschenko und Ministerpräsident Jazenjuk als perfekte Ausrede für das wirtschaftliche Desaster in der Ukraine. Der große Staatsbankrott mit allen Folgen steht bevor. Das Schlimmste, was man in dieser Lage tun kann, ist das „Nichts tun“. Und genau das tun die beiden.




Mit Material von: Weltbank / National Bank of Ukraine



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4 Kommentare

  1. Das größte Problem ist, dass sich Poroschenko, Jazenjuk und der Pro EU Oligarch Kolomoisky unter einander bis aufs Blut bekämpfen. Dieser Machtkampf lähmt die ganze Politik und auch den Krieg gegen die Separatisten.

    Im Donbass kämpft die von Poroschenko geführte Armee, Nationalgarde von einen Jazenjuk Freund geführt und Freiwillige Verbände von Kolomoisky finanziert völlig getrennt von einander. Das einzige auf man sich die drei verständigen können ist Gebiete zu halten, auch wenn das Unangemessene eigene Verluste kostet. So kommt man natürlich gegen von Russischen Generälen geführte Separatisten nicht an.

    Gleiches spiel läuft in der Politik ab. Hier ist das größte Problem für Reformen der als Firmenräuber gefürchtete Kolomoisky, der keine Reformen will. Reformen hießen u.a. dass man die Konkurrenz nicht mehr blockieren könnte, und damit die eigenen schlecht geführten Beteiligungen vom Markt verdrängen. Der und seine anderen Oligarchen Freunde spielen Poroschenko und Jazenjuk gegeneinander aus, weil ohne die in der Ukraine nicht geht bzw. wer die auf seiner Seite hat, hat die Macht und kann den anderen Entmachten. Da wird es weder Reformen noch sonstige Positiven Veränderungen geben. Das ganze ist mehr ein Kosovo XXL.

    Die gleiche Probleme gab es nach der Orangen Revolution, wodurch Yanu nach Jahren der Selbstblockade als Präsident gewählt wurde. Eher früher als später dürfte Porschenko und Jazenjuk durch einen Putin vertrauten ersetzt werden.

  2. was für reformen? das land ist im krieg, natürlich wird das geld gedruckt. um finanzen kann man sich kümmern, wenn wieder frieden herrscht.

  3. Herr Benedikt,

    nur eine kleine Frage.Wie heißen die russischen Generale?

    Nach meiner Kenntnis sind es ehemalige Offiziere der Ukrainischen Armmee die Ukrainer sind aber russischer Herkunft und Russisch sprechen.
    Sonst liegen Sie nicht so falsch mit Ihren Feststellungen.Aber unter diesen sogenannten Führern geht die Ukraine unter und das will die USA und Nato.

  4. Den sog. Politikern -hier Poposchenko et al.- sind die Bürger der diversen Länder völlig egal.Sie erfüllen die Vorgaben der Drahtzieher im Hintergrund(geheime Oberen).Das ist in germany nicht anders.(Alternativlos !)

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