Der Kryptomarkt befindet sich an einem Wendepunkt: Während Bitcoin seine Dominanz weiter ausbaut, geraten viele Altcoins zunehmend ins Hintertreffen. Die lange erwartete Rückkehr einer breiten Altcoin-Season blieb aus – und die Gründe dafür reichen tiefer, als es die jüngsten Kursschwankungen vermuten lassen.
Zeitenwende am Kryptomarkt
In ihrem neuen Video „Das verändert alles für den Kryptomarkt“ analysieren die Experten von Bravos Research, warum die erhoffte Altcoin-Season im jüngsten Bitcoin-Bullenmarkt weitgehend ausgeblieben ist und ob sich für das Segment künftig dennoch attraktive Chancen eröffnen könnten.
Die Entwicklung im Kryptomarkt zeigt eine markante Verschiebung, die selbst erfahrene Anleger überrascht. Während Bitcoin seit Beginn des Bullenmarkts im November 2022 deutliche Stärke bewiesen hat, blieben Altcoins klar zurück. Aus dem Video geht hervor, dass Altcoins in dieser Phase mehr als 55 Prozent gegenüber Bitcoin eingebüßt haben – und das trotz wachsender Liquidität, zunehmender institutioneller Beteiligung und einer geldpolitischen Kehrtwende durch erste Zinssenkungen der US-Notenbank.
Für Investoren, die in Erwartung einer Wiederholung der eindrucksvollen Altcoin-Rallys der Jahre 2021 oder gar 2017 verstärkt auf diese Anlageklasse gesetzt hatten, blieb die ersehnte Outperformance bislang aus. Die eingegangenen Risiken wurden nicht belohnt. Im Gegenteil: Der jüngste Einbruch am Kryptomarkt hat zahlreiche Anleger und Trader zusätzlich unter Druck gesetzt, was zu milliardenschweren Liquidationen führte und den Stress im Markt verstärkte.
Altcoins: Gründe für den Abschwung
Die Analysten von Bravos Research verorten die Ursachen dieses strukturellen Wandels vor allem in der massiven Ausweitung des Angebots. Während es im Jahr 2017 nur eine überschaubare Menge an handelbarer Tokens existierten, liegt die Zahl heute exponentiell höher. Infolge dieser Angebotsflut verteilt sich die verfügbare Liquidität extrem dünn über eine kaum noch überschaubare Menge an Projekten. Eine Million US-Dollar, gleichmäßig über den Altcoin-Sektor gestreut, brachte 2017 pro Token noch rund 100 Dollar auf die Waage; heute wäre es nur noch ein Bruchteil.
Diese Überproduktion führt zu stark spekulativen Marktbedingungen. Die durchschnittliche Haltedauer neu gelisteter Tokens ist laut den Bravos-Daten von sechs Minuten im Jahr 2024 auf nur noch eine Minute gefallen. Kapital rotiert schneller als je zuvor, was nachhaltige Kursentwicklungen erschwert. Ein breit angelegtes „Altseason“-Phänomen, wie es frühere Zyklen prägte, erscheint unter diesen Voraussetzungen zunehmend unrealistisch. Gleichwohl betonen die Experten, dass selektive Rallys weiterhin möglich seien – jedoch nur für eine kleine Gruppe qualitativ hochwertiger Projekte wie beispielsweise XRP, Solana und anderen.
Selektionsdruck im Altcoin-Sektor
Um diese potenziellen Gewinner frühzeitig zu identifizieren, nutzt Bravos Research einen dreistufigen Analyseansatz. Erstens spielt die Geldpolitik eine zentrale Rolle. Historisch zeigt sich, dass Phasen sinkender Zinsen sowie stabiler oder wachsender Fed-Bilanzsummen Altcoins begünstigen, da Risikoappetit und Liquidität zunehmen. Da die US-Notenbank angekündigt hat, das aktuelle Programm der quantitativen Straffung im Januar zu beenden, könnte sich der Gegenwind für Altcoins etwas abschwächen.
Zweitens wird das relative Momentum einzelner Altcoins gegenüber Bitcoin analysiert. Beispiele wie Solana oder Binance Coin zeigen, wie entscheidend ein intakter Aufwärtstrend in diesen Paaren ist. Während Solana zuletzt Schwierigkeiten hatte, seine relativen Zugewinne zu verteidigen, weist Binance Coin ein technisch deutlich konstruktiveres Bild auf.
Drittens rücken Fundamentaldaten wie die Inflationsrate eines Tokens in den Fokus. Projekte mit stark wachsendem Angebot wie Filecoin neigen zu struktureller Underperformance, während deflationäre Modelle – etwa Binance Coin – langfristig von ihrer Knappheit profitieren.
Die Analyse verdeutlicht, dass Anleger im aktuellen Marktumfeld deutlich selektiver agieren müssen. Breite Streuung allein reicht nicht mehr aus, um von Altcoins zu profitieren. Stattdessen gewinnen makroökonomische Bedingungen, relative Stärke und solide Tokenomics an Gewicht – und könnten darüber entscheiden, welche wenigen Altcoins im Schatten von Bitcoin und Ethereum künftig bestehen.
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