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Durch Geldpolitik ausgelöste Rezession Warum die UN Notenbanken zum Stopp der Zinsanhebungen auffordert

Werden die Notenbanken eine globale Rezession auslösen? Die UN fordert die Notenbanker auf die Zinsanhebungen zu beenden.

UN-Flagge

Die United Nations Conference on Trade and Development oder kurz UNCTAD ist eine Organisation der Vereinten Nationen (UN) für Handel und Entwicklung. Und diese UN-Organisation fordert die Fed und die anderen Notenbanken dazu auf mit ihren Zinsanhebungen aufzuhören. Der gestern veröffentlichte Appell von UNCTAD ist hier in voller Länge nachzulesen. Worum geht es? Die Logik ist einfach: Je stärker die Notenbanken ihre Zinsen anheben, desto teurer werden Kredite, desto weniger Konsum und Nachfrage, desto weniger Investitionen, desto schlimmer die heraufziehende Rezession. Auch muss man auf den US-Dollar schauen. Je stärker er im Zuge der höheren US-Zinsen wird, desto schlimmer wird die Lage für viele Entwicklungsländer, deren Währungen gegen den Dollar immer schwächer werden. Sie erleben eine hohe Importinflation, wenn sie Rohstoffe in US-Dollar bezahlen müssen.

UN-Organisation appelliert an Notenbanken

Die UN-Organisation UNCTAD prognostiziert eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums auf 2,2 % im Jahr 2023, und skizziert Maßnahmen zur Abwendung der Krise und zur Unterstützung der Entwicklungsländer, die aufgrund unzureichender finanzieller Unterstützung einer Kaskade von Schulden-, Gesundheits- und Klimakrisen ausgesetzt sind. Die geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften könnten die Welt in eine globale Rezession und eine anhaltende Stagnation stürzen und damit schlimmere Schäden anrichten als die Finanzkrise im Jahr 2008 und der COVID-19-Schock im Jahr 2020, warnt die UNCTAD in ihrer jüngsten Veröffentlichung.

Dem UN-Bericht zufolge haben die raschen Zinserhöhungen und fiskalischen Straffungen der Notenbanken in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften in Verbindung mit den kaskadenartigen Krisen infolge der COVID-Pandemie und des Krieges in der Ukraine bereits dazu geführt, dass sich die globale Konjunkturabschwächung in einen Abschwung verwandelt hat, und dass die gewünschte sanfte Landung unwahrscheinlich erscheint.

In einem Jahrzehnt extrem niedriger Zinssätze haben die Notenbanken ihre Inflationsziele stets verfehlt und es nicht geschafft, ein gesünderes Wirtschaftswachstum zu schaffen. Jeder Glaube, dass sie in der Lage sein werden, die Preise zu senken, indem sie sich auf höhere Zinssätze verlassen, ohne eine Rezession auszulösen, ist dem UN-Bericht zufolge ein unvorsichtiges Glücksspiel. In einer Zeit sinkender Reallöhne, strengerer Haushaltspolitik, finanzieller Turbulenzen und unzureichender multilateraler Unterstützung und Koordinierung könne eine übermäßige Straffung der Geldpolitik für viele Entwicklungsländer und einige Industrieländer eine Phase der Stagnation und wirtschaftlichen Instabilität einleiten.

Die diesjährigen Zinserhöhungen in den USA werden laut dem UN-Bericht die Entwicklungsländer (ohne China) um schätzungsweise 360 Milliarden Dollar an künftigen Einnahmen bringen und signalisieren, dass noch mehr Probleme auf sie zukommen. „Es ist noch Zeit, sich vom Rande der Rezession zu entfernen“, sagte UNCTAD-Generalsekretärin Rebeca Grynspan. „Wir haben die Instrumente, um die Inflation zu beruhigen und alle gefährdeten Gruppen zu unterstützen. Dies ist eine Frage der politischen Entscheidungen und des politischen Willens. Aber das derzeitige Vorgehen (der Notenbanken) schadet den Schwächsten, vor allem in den Entwicklungsländern, und birgt die Gefahr, dass die Welt in eine globale Rezession gerät.“

Eine synchrone Verlangsamung der Weltwirtschaft wird erwartet, die alle Regionen betrifft

Die UN-Organisation UNCTAD erwartet, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2022 um 2,5 % wachsen wird. Die Aussichten verschlechtern sich, denn für 2023 wird eine weitere Verlangsamung des Wachstums auf 2,2 % erwartet, so dass das reale BIP Ende nächsten Jahres immer noch unter dem Trend vor der Pandemie liegen wird und ein kumulierter Fehlbetrag von mehr als 17 Billionen Dollar – fast 20 % des Welteinkommens – zu verzeichnen ist.

Die synchrone Abschwächung betrifft alle Regionen, lässt aber in den Entwicklungsländern die Alarmglocken läuten, wo die durchschnittliche Wachstumsrate auf unter 3 % sinken dürfte – ein Tempo, das für eine nachhaltige Entwicklung nicht ausreicht, die öffentlichen und privaten Finanzen weiter belastet und die Beschäftigungsaussichten beeinträchtigt, so der UN-Bericht

Die Länder mit mittlerem Einkommen in Lateinamerika sowie die Länder mit niedrigem Einkommen in Afrika werden in diesem Jahr einige der stärksten Abschwächungen verzeichnen. Der Bericht stellt fest, dass Länder, die bereits vor Covid Anzeichen von Verschuldungsproblemen aufwiesen, mit am stärksten betroffen sind (Sambia, Surinam, Sri Lanka), und dass Klimaschocks die wirtschaftliche Stabilität weiter bedrohen (siehe Pakistan).

Bewältigung der alarmierenden Niveaus von Verschuldungsproblemen und Unterinvestitionen

Dem UN-Bericht zufolge sind die Nettokapitalströme in die Entwicklungsländer aufgrund der Verschlechterung der finanziellen Bedingungen seit dem letzten Quartal 2021 negativ geworden. Unter dem Strich finanzieren die Entwicklungsländer jetzt also die Industrieländer. Die Währungen von rund 90 Entwicklungsländern haben in diesem Jahr gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren – mehr als ein Drittel von ihnen um mehr als 10 %; die Devisenreserven gehen zurück, und die Renditespannen bei Anleihen weiten sich aus, wobei eine wachsende Zahl von Ländern eine um 10 Prozentpunkte höhere Rendite als US-Staatsanleihen aufweist.

UN-Grafik zeigt Abwertung von Schwellenländer-Währungen gegen den US-Dollar

Gegenwärtig sind laut UN 46 Entwicklungsländer von mehreren wirtschaftlichen Schocks betroffen und weitere 48 Länder sind ernsthaft gefährdet, was die Gefahr einer globalen Schuldenkrise erhöht. Der UN-Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Lage in den Entwicklungsländern weitaus prekärer ist, als von der G20 und anderen internationalen Finanzforen anerkannt wird, und dass das Gerede über ein globales finanzielles Sicherheitsnetz zunehmend im Widerspruch zu ihrer Realität steht. Die Entwicklungsländer haben in diesem Jahr bereits geschätzte 379 Milliarden Dollar an Reserven zur Verteidigung ihrer Währungen aufgewendet – fast doppelt so viel wie die neuen Sonderziehungsrechte (SZR), die ihnen kürzlich vom Internationalen Währungsfonds zugeteilt wurden. Und sie haben auch unter den erheblichen Auswirkungen der Kapitalflucht gelitten.

Die UNCTAD fordert eine Aufstockung der öffentlichen Entwicklungshilfe, eine umfangreichere, dauerhaftere und gerechtere Nutzung der Sonderziehungsrechte beim IWF, Absicherungsmechanismen zur Bewältigung von Wechselkursschwankungen und eine stärkere Hebelwirkung des multilateralen Kapitals zur Unterstützung der Entwicklungsländer mit umfassenden Sozialprogrammen. Darüber hinaus sollten aber auch Fortschritte bei der Schaffung eines multilateralen Rechtsrahmens für die Abwicklung von Umschuldungen unter Einbeziehung aller öffentlichen und privaten Gläubiger Priorität haben.

Der Bericht empfiehlt ein Reformprogramm in den Entwicklungsländern, um produktive Investitionen anzukurbeln und die Abwanderung von Kapital zur Ausnutzung von Steuerschlupflöchern einzuschränken, sowie neue Vereinbarungen zur Unterstützung engerer regionaler Handels-, Investitions- und Finanzbeziehungen.

Straffung der Geldpolitik – dringender Aufruf zur Kurskorrektur bei den Notenbanken

Verglichen mit der globalen Finanzkrise war die COVID-19-Erholung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften stärker inflationär als in den Entwicklungsländern, wo die Inflationsraten strukturell höher sind. In den Industrieländern wurde die Inflation laut dem UN-Bericht vor allem durch die Rohstoffpreise – insbesondere Energie – und anhaltende Engpässe in den Versorgungsketten angetrieben, die ihre Wurzeln in den unzureichenden Investitionen seit der globalen Finanzkrise haben. Inflationsmaße, die Energie ausschließen, liegen deutlich unter der Verbraucherpreisinflation.

In vielen Entwicklungsländern wurde die Inflation vor allem durch die Energiepreise und die Abwertung der Wechselkurse angetrieben, was die Importe verteuert hat. Große multinationale Unternehmen mit beträchtlicher Marktmacht scheinen die derzeitige Situation laut dem UN-Bericht ungebührlich auszunutzen, indem sie die Aufschläge erhöhen, um ihre Gewinne zu steigern. Unter diesen Umständen, so der Bericht, ist ein Rückgriff auf die 1970er Jahre oder auf spätere Jahrzehnte, die von einer Sparpolitik geprägt waren, als Antwort auf die heutigen Herausforderungen ein gefährliches Spiel.

„Das eigentliche Problem, mit dem die geldpolitischen Entscheidungsträger konfrontiert sind, ist nicht eine Inflationskrise, die dadurch verursacht wird, dass zu viel Geld für zu wenige Güter ausgegeben wird, sondern eine Verteilungskrise, in der zu viele Unternehmen zu hohe Dividenden zahlen, zu viele Menschen von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck kämpfen und zu viele Regierungen von Anleihezahlung zu Anleihezahlung überleben“, so Richard Kozul-Wright, Leiter des für den UN-Bericht zuständigen Teams.

Da sich die Inflation in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften bereits abzuschwächen beginnt, fordert die UNCTAD eine Kurskorrektur zugunsten politischer Maßnahmen, die direkt auf die Preisspitzen bei Energie, Nahrungsmitteln und anderen lebenswichtigen Bereichen abzielen.

Die von den UN geleitete Schwarzmeer-Getreide-Initiative hat sich deutlich auf die Senkung der Lebensmittelpreise ausgewirkt: Der FAO-Lebensmittelpreisindex sank im August 2022 den fünften Monat in Folge auf 138 und erreichte damit den niedrigsten Stand seit sieben Monaten, was auf einen breit angelegten Rückgang der Lebensmittelkosten zurückzuführen ist. Die Getreidepreise gingen um 1,4 % zurück, angeführt von einem Rückgang der internationalen Weizenpreise um 5,1 % im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme der Exporte aus den Schwarzmeerhäfen in der Ukraine zum ersten Mal nach über fünf Monaten Unterbrechung.

Dennoch unterstreicht der Bericht die Notwendigkeit einer verstärkten Unterstützung für gefährdete Gruppen, einschließlich Arbeitnehmern im Niedriglohnbereich und Haushalten in finanzieller Notlage, und warnt vor den Schäden, die die Straffung der Geldpolitik für die wirtschaftlichen, sozialen und klimatischen Ziele verursacht, und die Ärmsten am härtesten trifft. Die UNCTAD drängt auf eine pragmatischere Strategie, bei der strategische Preiskontrollen, Steuern auf unerwartete Gewinne, Kartellmaßnahmen und strengere Vorschriften für Rohstoffspekulationen eingesetzt werden.



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1 Kommentar

  1. Wenn ich die albernen Statements vom Leiter der UN-Studie lese und seine für Politiker typischen Vorschläge zur Problem-„Lösung“, dann kann ich nur sagen:
    Das zentrale Problem der Menschheit sind …. Politiker!

    Seit dem Ende des Bretton-Woods-Abkommens hat die Welt 50 Jahr lang Party auf Pump gefeiert. Erst langsam, dann immer wilder, und zum Schluss mit Covid-19-Vorwand war es Dauerparty 24/7 mit Nobelchampanger und Kaviar im Luxus-Club. Alles finanziert von den Zentralbanken und durch Minizinsen für die Schuldner tragbar gemacht.
    Die wilde Geldmengenausweitung über Anleihenkäufe der Zentralbanken, mit der die Schulden-Party zum Wohle der Staatsapparate bazahlt wurde, hat die Bürger immer ärmer gemacht und die Wohlstandsschere immer weiter geöffnet. JA, der STAAT hat die Bürger arm gemacht!!!
    Nun ist der große Kater in Form von Inflation und als Folge Rezession da, der Schädel brummt, der Magen dreht sich. Aber kein Anzeichen von Reue oder Einsicht bei unserer Politiker-Kaste. Unsere Politiker tun das, was sie schon immer in der Geschichte gemacht haben: Sie suchen sich einen Sündenbock und hetzen die Bevölkerung gegen diese Gruppe auf, um vom eigenen Versagen abzulenken . Und danach präsentiert die Politik sich als Lösung für die Probleme, die sie doch selbst verursacht hat. Aber ohne Reue keine Einsicht, ohne Einsicht keine Besserung, ohne Besserung kein Krisenende. Kurz: Die von UNCTAD vorgeschlagenen Massnahmen werden die Probleme weiter verschlimmer, weil sie nichts weiter als nutzloses Herumdoktern an Symptomen sind.

    „Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen.“

    „Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion, oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem.“
    Ludwig von Mises

    „Das Wichtigste, das man über Inflation wissen muss, ist, dass Inflation kein Akt Gottes ist, dass Inflation keine Naturkatastrophe ist oder gar eine Krankheit, die wie die Pest kommt. Inflation ist eine Politik.“
    Ludwig von Mises

    „Nein, nicht der Staat geht pleite, sondern nur seine Bürger.“
    Carl Fürstenberg, Bankier, 19. Jahrhundert

    MfG

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