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Uneinigkeit bei der EZB? Na was denn jetzt? Zinswende Ja oder Nein?

Was ist denn jetzt mit der EZB? Zinswende Ja oder Nein? Vor einigen Tagen hatte sich EZB-Chefvolkswirt und EZB-Direktoriumsmitglied Peter Praet bereits ablehnend dazu geäußert. Man sei noch längst nicht…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Was ist denn jetzt mit der EZB? Zinswende Ja oder Nein? Vor einigen Tagen hatte sich EZB-Chefvolkswirt und EZB-Direktoriumsmitglied Peter Praet bereits ablehnend dazu geäußert. Man sei noch längst nicht so weit. Dann vor einer Woche äußerte sich EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny zu dem Thema. Seine Äußerungen hörten sich schon ganz anders an. Jenseits der Anleiheaufkäufe der EZB ging es ihm nur um die Zinsen.

So könne die EZB etwa zuerst den Einlagensatz für Gelder, die Banken bei der EZB parken (derzeit mit -0,4% verzinst), erhöhen, bevor man eine Leitzinserhöhung vornehme. Also doch die Einleitung der Zinswende, so langsam? Wenn man heute nur eine Woche später erneut sieht, dass Peter Praet sich gleich in zwei Medienpublikationen gegen diese Zinswende ausspricht, ist die Verwirrung komplett. Wer spricht denn nun für die EZB? Oder gibt es schlicht und einfach unterschiedliche Auffassungen im Direktorium und im Rat? Praet sagte heute zum Beispiel gegenüber der italienischen Zeitung Il Sole 24 Ore, dass das Deflationsrisiko zwar verschwunden sei, aber dass die Zeit für eine geldpolitische Wende noch nicht reif sei. Gespräche über einen Ausstieg aus der aktuellen Zinspolitik seien verfrüht.

„Talks about exit are premature“

Im Moment sehe man bei der EZB kein Anzeichen für ein Anziehen der Kerninflation. Die Wirtschaftsaussichten in der Eurozone seien immer noch abhängig davon, dass ein erhebliches Ausmaß an geldpolitischer Lockerung beibehalten werde, so Praet. Der jüngste Schub bei der Inflation gehe auf die Ölpreise zurück (ach ne, wirklich…?), die aber zuletzt wieder um 10% gesunken seien. Man müsse warten, dass sich die Stimmungsindikatoren auch in harten Daten bestätigen. Zu „vorigen Anzeichen“ für eine Zinswende (Nowotny) sagte Praet, dass die EZB klar kommuniziert habe, dass die aktuelle geldpolitische Haltung „angemessen“ sei. Und obwohl die Aussagen von Ewald Nowotny anders klingen, sagt Praet heute, dass es aus dem EZB-Rat (wo Nowotny Mitglied ist) kein Signal für eine Änderung der geldpolitischen Haltung gegeben habe. Zitat Praet von heute:


Turning to the ECB monetary policy, the recovery is firming and inflation is picking up. Yet, you decided to leave your stance unchanged.

Yes, the economy is doing better, the recovery is both firming and broadening, across countries and across sectors. Again, in Italy the situation is more positive from a cyclical point of view, but growth is still a modest 1%, which shows a problem with potential growth, a sign of acute structural problems. Our policies have stabilized the Eurozone, we are seeing results and the deflation risk is gone. We are more confident on growth. But the economic outlook is still conditional on maintaining a substantial degree of monetary accommodation. Talks about exit are premature. Inflation is higher because of oil, which, by the way, has fallen by 10% recently, confirming the volatility and that we are right in looking through short-term, transient movements. We will also need to see sentiment indicators confirmed in hard data.

Are you looking more at core inflation and wages, now, rather than headline inflation?

We look at a number of indicators of underlying inflation, of which core inflation is one. Wages are another indicator. At the moment we do not see a pickup in underlying inflation. It is expected to happen with the closing of the output gap. Wage evolutions in the euro area remain subdued, even in Germany. This may reveal that there is more slack in the euro area labour markets than unemployment rates show. This could be attributed to discouraged workers dropping out of employment statistics and unvoluntary part-timers. We have to be patient.

Over the past few days, markets have interpreted your communications as if you are preparing for an exit.

We clearly communicated that our monetary policy stance remains appropriate. Our policies are working, and the inflation path is still conditional on our accommodative monetary policy stance. Against the backdrop of better economic conditions, and after such a long period of monetary policy accommodation, markets are very sensitive to any signal that may suggest a change in the policy stance.

At the last Governing Council, you reaffirmed your forward guidance and the sequence of end of asset purchases first, and interest rate hikes later. But markets read it differently, encouraged also by the statement of one Governing Council member.

The Governing Council has not signaled a change in the monetary policy stance, including its forward guidance. Our forward guidance has served us well and led to financial conditions that are appropriate. We reiterated it. We had no discussion on sequencing in the Governing Council.


Im heutigen Interview mit den VDI-Nachrichten formuliert Praet es allgemeiner. Gut, in diesem Interview wurde er zu dem Thema auch nicht intensiver befragt. Zitat:


Jetzt stehen Sie allerdings vor der Herausforderung, aus der expansiven Geldpolitik wieder herauszufinden. Dazu gehört auch ein Anstieg der Zinsen, wie er gerade in den USA erfolgt ist. Ist der Schritt der FED ein Signal für die EZB?

Wir haben ein klares Mandat und das bezieht sich auf die Eurozone. Und da müssen wir uns die Entwicklungen genau anschauen, bevor wir handeln. Bisher können wir nur feststellen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung verbessert. Das stimmt uns zuversichtlich, aber der Aufwärtstrend und damit auch die Normalisierung der Teuerung sind noch sehr abhängig vom geldpolitischen Stimulus. Die Inflationsrate liegt zwar vorübergehend in der Nähe des angestrebten Wertes, aber das basiert zu einem guten Teil auf kurzfristigen Schwankungen der Energiepreise. Die unterliegende Dynamik der Teuerung ist immer noch auffallend schwach, und auf die müssen wir auch schauen, um unser Mandat Preisstabilität nachhaltig erfüllen.





Peter Praet (hinter Mario Draghi) ist Mitglied im höchsten Gremium der EZB, dem Direktorium. Foto: EZB

Quelle: EZB

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Battery Day und Tesla: Live-Kommentar zum Event

Markus Fugmann

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Elon Musk hatte den „Battery Day“ im Vorfeld als „einer der aufregendsten Tage der Tesla-Geschichte“ bezeichnet, gestern jedoch die Erwartungen in einem Tweet deutlich gedämpft – die Tesla-Aktie daher heute mit 5% im Minus.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, kommentiert den Battery Day live ab 22.15Uhr

:

Live-Kommentar zum lange erwarteten Battery Day von Tesla

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Gabor Steingart: „Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt“

Claudio Kummerfeld

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Gabor Steingart redet Klartext im folgenden aktuellen Video-Interview mit Mission Money. Er spricht von der Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt, von einer Zinsknechtschaft von noch Ungeborenen. Die heutige Politik erkaufe sich mit der Druckerpresse Ruhe in der Bevölkerung, so lautet eine der Hauptthesen von Gabor Steingart (hier geht es zu Steingarts Morning Briefing).

Gemeint ist damit, dass (so wollen wir es formulieren) Notenbanken und Regierungen derzeit ohne Ende neues Geld drucken und die Staatsverschuldung hochschrauben. Damit werden Rettungspakete bezahlt, die zukünftige Generationen als Schuldenlast erben, und dann abbezahlen müssen. Mit diesem jetzt frisch erschaffenen Geld würden alte Industrien gerettet. Und das nun zwei Jahre laufende Kurzarbeitergeld sei de facto ein Bedingungsloses Grundeinkommen, so drückt es Gabor Steingart aus.

Gabor Steingart plädiert für Abkehr von alten Industrien, und für Aufbruch in die Zukunft

Im geht es im Interview hauptsächlich darum, dass es einen Art Aufbruch in Politik und Gesellschaft geben müsse. Denn derzeit rette Deutschland seine Industrie aus dem letzten Jahrhundert. Man müsse aber in Zukunftstechnologien investieren. So plädiert Gabor Steingart unter anderem dafür die Bildungsausgaben zu verfielfachen. Anfangen könne man zum Beispiel bei deutlich mehr Ausgaben für die Digitalisierung der Schulden. In diesem Zusammenhang erwähnt er, dass die Lufthansa vom Staat gerade 2 1/2 Mal so viel Rettungsgeld bekommen habe als die Schulen in Deutschland für die Digitalisierung.

Die Aussagen von Gabor Steingart sind hochinteressant! Sie sollten sich die 30 Minuten Zeit nehmen. Auch werden im späteren Verlauf des Interviews andere interessante Themen angesprochen, und auch der „Wandel von Journalisten hin zu Aktivisten“. Aber hauptsächlich widmet man sich der bislang verspielten Chance, jetzt massiv in die Zukunft zu investieren. Dabei gibt er sich betont optimistisch, dass Deutschland diese Herausforderung bewältigen könne – man müsse nur endlich mal losgehen, jemand müsse den Startschuss geben.

Gabor Steingart
Gabor Steingart, Ausschnitt aus Originalfoto. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Coronakrise: Die Deutschen entdecken plötzlich Aktien!

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Ziemlich genau ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem die Coronakrise die Aktien auf ihren tiefsten Stand drückten. Anschließend folgte mit einem Lockdown ein einmaliger Stillstand im Berufs- und Alltagsleben der Menschen in Deutschland. Die Konsumenten gaben zwangsläufig weniger aus als vor der Coronakrise, auch unter Berücksichtigung des geringeren Einkommens seit dieser Zeit. Was sie mit ihrem Geld anstellten, ergab eine Umfrage im Auftrag der Postbank – mit teilweise überraschenden Erkenntnissen.

Coronakrise: Die Zurückhaltung der Konsumenten

Wie veränderte die Coronakrise das Konsumverhalten der Deutschen? Dieser Frage ging das Marktforschungsunternehmen Kantar im Auftrag der Postbank nach. Die Ergebnisse:

Drei Viertel der Bundesbürger gaben weniger aus als zuvor, am meisten – 82,4 Prozent die 20 bis 29-Jährigen, die geringste Zurückhaltung bei den über 60-Jährigen mit 64,2 Prozent.
Da aber insgesamt die Einkommenseinbußen im Lande aufgrund von Zuschüssen, Kurzarbeitergeld u.a. moderat ausfielen, muss Geld gespart worden sein. Und zwar bei diesen Ausgaben:

  • Urlaub 46,2 Prozent
  • Gaststättenbesuche 39,6 Prozent
  • Hobby 31,7 Prozent
  • Mode 28,1 Prozent …..

Am geringsten waren die Sparmaßnahmen bei:

  • Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten) 14,1 Prozent
  • Lebensmitteln 7,2 Prozent
  • Altersvorsorge 6,5 Prozent

Damit verbleibt ein Viertel der Bevölkerung, welches keine Ausgabenänderungen durchgeführt haben.

Wohin floss das Eingesparte?

Bei der Betrachtung der Sparziele treten doch einige Tugenden der Deutschen zu Tage – auch und gerade während der Coronakrise. Bei den Sparzielen nannten die Befragten:

  • Rücklagen für unerwartete Ausgaben 39,5 Prozent
  • Altersvorsorge 36,6 Prozent
  • Persönliche Muße 31,6 Prozent
  • Rücklagen für Krisenzeiten 28,9 Prozent
  • Erwerb von Wohneigentum 12,5 Prozent
  • Renovierungen 12,0 Prozent
  • Autokauf 11,6 Prozent
  • Rücklagen für Kinder 10 Prozent
  • Fast 13 Prozent konnten oder wollten überhaupt nichts zurücklegen.

Die Überraschung: Engagement in Aktien

Um diese Ziele wie Altersvorsorge und Weiteres zu erreichen, haben viele Sparer ausgerechnet in der Coronakrise mit all den Katastrophe-Nachrichten ihr Engagement in Aktien verstärkt. 3,2 Prozent tätigten zum ersten Mal eine Anlage in Aktien, 7,2 Prozent verstärkten ihre Wertpapierkäufe. Wie bereits schon öfters berichtet, macht 2020 das Sparplanprinzip in Deutschland die Runde. Mit 62 Prozent war die Anlage in Aktien seit dem Ausbruch der Coronakrise das bevorzugte Investment, gefolgt von ETFs (39,8 Prozent), Investmentfonds (22,2 Prozent), Zertifikate (13,9 Prozent), ganz am Ende Anleihen und Optionsscheine. Sollten deutsche Anleger tatsächlich einmal antizyklisch ins Geschäft mit Aktien eingestiegen sein?

Fazit

Auch wenn das gesamte Finanzsystem in einer sehr angespannten Lage ist und man jederzeit mit heftigen Korrekturen rechnen muss (vor allem in den kommenden Jahren) ist die Fokussierung auf Aktien von neuen Anlegern vermutliche keine schlechte Entscheidung. Die finanzielle Repression läuft – und die Zinsen haben nach vier Jahrzehnten ihren Nullpunkt erreicht. Eine (Leit-)Zinsanhebung ist aus faktischen Gründen auf lange Zeit obsolet und Zinsanlagen ergeben (gewollt) keine Rendite.

Aber die Wirtschaft muss weiter laufen, wie nach jeder Krise – und viele Aktien werden ihren Wert behalten, viele Anleihen dagegen nicht. Keiner hat eine Glaskugel. Aber ohne Wirtschaft, keine Einkommen, keine Steuereinnahmen, kein funktionierender Staat und ……kein Aktienmarkt. Banal aber wahr.

In der Coronakrise entdecken die Deutschen plötzlich Aktien

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