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Unsere Medien, Donald Trump – und die Aktienmärkte

Was jetzt droht, ist das, was man als „Deleveraging“ bezeichnet – es muß also die Überpositionierung an den Aktienmärkten und Anleihemärkten zurück gefahren werden…

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Wer gestern die Tagesschau gesehen hat und sich ein bißchen mit den Märkten beschäftigt, kam aus dem Staunen nicht heraus: da wurde über die US-Trauerfeierlichkeiten wegen des Jahrestages der Anschläge vom 11.September berichtet, aber kein Wort zu dem erneuten Schwächeanfall von Hillary Clinton, was in den USA das absolut dominierende Thema ist. Warum wurde daüber nicht berichtet? Weil unser Staatsfernsehen Trump nicht besonders freundlich gegenüber steht, so darf man vermuten – und daher Nachrichten nicht bringt, die in die Karten von Trump spielen würden. Aber das Thema Clintons Gesundheit ist möglichweise wahlentscheidend in den USA – und damit eigentlich viel wichtiger als über Routine-Feierlichkeiten zu berichten!

Und so dürfte der wahrscheinlicher gewordene Wahlsieg Trumps auch die wahrscheinlich wichtigste Erklärung sein für den Abverkauf der US-Märkte am Freitag. Nach monatelanger minimaler Volatilität nach dem Brexit-Votum im Juni schoss der VIX, der Future auf die Volatilität beim Leitindex S&P500, buchstäblich durch die Decke mit einem Anstieg von knapp 40% – der in der Geschichte elftgrößte Anstieg, seit es diesen Future gibt (seit 1990):

vix120916
(VIX-Future)

Dazu natürlich noch die Verweigerung der EZB und die Aussagen des sonst immer dovishen Eric Rosengren – und schon knallte es an den Märkten bei diesem unguten Gemisch. All das ist eine Folge der „Über-Positionierung“ der Märkte, die im Vertrauen auf die Notenbanken Aktienmärkte und Anleihemärkte gleichermaßen nach oben gekauft hatten. Faktisch hat man damit in Klumpenrisiken investiert, und das geht so lange gut, bis es nicht mehr gut geht. Denn jetzt fällt alles synchron – sowohl Staatsanleihen als auch Aktienmärkte, wie der Vergleich zwischen dem Dax und dem Bund-Future (Dezember-Kontrakt) zeigt:

daxbund120916
(Dax schwarz, Bund orange)

Was jetzt droht, ist das, was man als „Deleveraging“ bezeichnet – es muß also die Überpositionierung an den Aktienmärkten und Anleihemärkten zurück gefahren werden. Dabei verstärkt der Fall der einen Anlageklasse das Abwärtsmomentum der anderen Anlageklasse. Und genau das macht die derzeitige Bewegung so gefährlich, macht es sogar wahrscheinlich, dass wir erst am Beginn dieses Deleveraging-Prozesses stehen. Wir hatten bereits am Freitag auf diesen Zusammenhang hingewiesen in dem Artikel „Warum es jetzt eng werden könnte..“:

„…die Risikomodelle von Hedgefonds und anderen institutionellen Playern sind in Schwierigkeiten, wenn Anleihen und Aktienmärkte gleichzeitig fallen. Das kann einen Kaskadeneffekt haben!“

Man ist also jetzt gezwungen, absurde Bewertungen (das gilt vor allem für die Anleihemärkte) zu korrigieren. Das geschieht durch Margin-Calls, weil die meisten größeren Player sowohl am Aktienmarkt als auch am Anleihemarkt gleichermaßen long positioniert sind und nun damit dramatische Verluste erleiden. Zuvor war das ein „No brainer“, ein simpler, hirnfreier Trade, der immer funktionierte, weil die Notenbanken für das Funktionieren hirnfreier Trades gesorgt hatten.

Wenn nun die Anleiherenditen wieder steigen, ist das schlecht für die Aktienmärkte – denn dann gibt es wieder eine echte Alternative zu Aktien, das „No Brainer-Prinzip“ „Tina“ (there is no alternative, es gibt also keine Alternative zu Aktien), wird dann obsolet. Genau davor hatte kürzlich der von uns sehr geschätzte Albert Edwards gewarnt.

Insgesamt ist das aber eine gute Nachricht: wenn das Einschalten der Hirne wieder erforderlich ist, gewinnt das absurde Theater an den Märkten immerhin wieder etwas mehr Tiefe!

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    frank.trg

    12. September 2016 12:36 at 12:36

    gute Medienanalyse Herr Fugmann. Die Deutschen Massenmedien berichten sehr einseitig und bekennen sich ausschließlich zu Clinton. Das passt zwar ins links-liberale Weltbild allerdings fragt man sich schon was das bewirken soll? Die Deutschen Mediennutzer haben absolut keinen Einfluss auf die US-Wahl, ihre Meinung zu Clinton od. Trump ist daher völlig bedeutungslos. Wozu also die Pro-Clinton Berichterstattung?

    • Avatar

      Lars

      12. September 2016 20:37 at 20:37

      Links-liberales Weltbild???
      Wir entwickeln uns in Richtung Totalüberwachung, alles wird abgehört und aufgezeichnet. Rechtsradikale können inzwischen sagen und machen, was sie wollen, während andere kriminalisiert, verprügelt und festgenommen werden.
      Ehrenhafte und wirkliche Helden, wie Snowden oder Assange, die für wahre Demokratie und Freiheit in ihrem eigentlichen Sinn eintreten, müssen um ihr Leben fürchten und wurden ihrer Heimat beraubt, während rechtsradikale Milliardäre und deren hirnlose und beleidigende Kommentare noch im Fernsehen gezeigt werden sollen?????

      Pro-Clinton-Berichterstattung???
      Es wurde doch kein Bericht erstattet!!!!!!!!!! Wovon fantasieren Sie eigentlich in Ihrem Kommentar?

      Das Weltbild der „Deutschen Massenmedien“ (Herr Fugmann sprach eigentlich von der Tagesschau) ist recht neutral und objektiv. Was sollen gesundheitliche Probleme diskutiert und berichtet werden? Sollen wir unseren Trump-nahen Finanzminister als Krüppel diskriminieren und nicht mehr wählen (dürfen), weil er im Rollstuhl sitzt?

      Oder sollen wir so oberflächlich und hirnlos wie die großartigste Nation der Welt werden und körperliche Schwächen, Durchfall und zu viele Falten auf allen Kanälen senden, während der 15. Jahrestag des größten Unglücks, der größten Tragödie (so haben sie es zumindest verkauft, die Amis) schon wieder keinen mehr interessiert?

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Apple-Quartalszahlen: iPhone-Verkäufe sehr schwach, andere Bereiche retten

Claudio Kummerfeld

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Ein Apple Mac Book

Die Apple-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 64,7 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 64,04/erwartet 63,7).

Der Gewinn liegt bei 0,73 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 3,03, nach Aktiensplit umgerechnet 0,76 Dollar/für heute erwartet 0,70).

Der Umsatz im Services-Bereich klettert im Jahresvergleich kräftig von 12,5 auf 14,5 Milliarden Dollar (14 erwartet).

Die Aktie notiert nachbörslich mit -4,6 Prozent.

Die iPhone-Verkäufe im letztem Quartal liegen bei  26,4 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 33,3/für heute 27,9 erwartet). Alle anderen Teilbereiche bei Apple wachsen aber spürbar, und können die deutlich sinkenden Umsätze im Kernprodukt auffangen.

Der Umsatz in China ist von 11,1 auf 7,9 Milliarden Dollar gesunken. Europa legt zu von 14,9 auf 16,9 Milliarden Dollar. Nordamerika wächst von 29,3 auf 30,7 Milliarden Dollar.

Keine Aussicht für das aktuell laufende Quartal.

Apple in der Headline-Aussage:

“Apple capped off a fiscal year defined by innovation in the face of adversity with a September quarter record, led by all-time records for Mac and Services,” said Tim Cook, Apple’s CEO. “Despite the ongoing impacts of COVID-19, Apple is in the midst of our most prolific product introduction period ever, and the early response to all our new products, led by our first 5G-enabled iPhone lineup, has been tremendously positive. From remote learning to the home office, Apple products have been a window to the world for users as the pandemic continues, and our teams have met the needs of this moment with creativity, passion, and the kinds of big ideas that only Apple can deliver.”

“Our outstanding September quarter performance concludes a remarkable fiscal year, where we established new all-time records for revenue, earnings per share, and free cash flow, in spite of an extremely volatile and challenging macro environment,” said Luca Maestri, Apple’s CFO. “Our sales results and the unmatched loyalty of our customers drove our active installed base of devices to an all-time high in all of our major product categories. We also returned nearly $22 billion to shareholders during the quarter, as we maintain our target of reaching a net cash neutral position over time.”

Datenblatt zeigt Details der Quartalszahlen von Apple

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Facebook Quartalszahlen stark – Aktie dennoch schwächer: „Unsicherheiten“

Markus Fugmann

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am

Die Facebook-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen (die Erwarungen im Vorfeld sind durch die starken Zahlen von Snap zuletzt gestiegen, hier Analysten-Prognosen):

Der Umsatz liegt bei 21,47 Milliarden Dollar (Prognose war 19,8 Milliarden). Der Umsatz liegt also deutlich über den Erwartungen.

Der Gewinn liegt bei 2,71 Dollar pro Aktie (Prognose für heute 1,91, Flüsterschätzung bei 2,03 Dollar). Damit übertrifft Facebook die Analysteneinschätzungen bei weitem.

Die Zahl der täglich aktiven Nutzer (DAU) liegt bei 1,82 Milliarden (Prognose war 1,79 Milliarden).

Die operative Marge liegt bei 37% .

Interessant: der effektive Steuersatz bei Facebook liegt bei 4% (!) – kein Wunder, dass der Gewin pro Aktie stiegt

Die Aktie notiert nachbörslich mit -2,0%, weil Facebook von „Unsicherheiten“ für den weiteren Ausblick spricht:

Looking ahead to 2021, we continue to face a significant amount of uncertainty.

We believe the pandemic has contributed to an acceleration in the shift of commerce from offline to online, and we experienced increasing demand for advertising as a result of this acceleration. Considering that online commerce is our largest ad vertical, a change in this trend could serve as a headwind to our 2021 ad revenue growth.

In addition, we expect more significant targeting and measurement headwinds in 2021. This includes headwinds from platform changes, notably on Apple iOS 14, as well as those from the evolving regulatory landscape.“

Das Headline-Statement von Facebook:

„We had a strong quarter as people and businesses continue to rely on our services to stay connected and create economic opportunity during these tough times,“ said Mark Zuckerberg, Facebook founder and CEO. „We continue to make significant investments in our products and hiring in order to deliver new and meaningful experiences for our community around the world.“

Mehr zu den Zahlen hier..

 

Mark Zuckerberg und die Zahlen von Facebook

Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Foto: Anthony Quintano from Honolulu, HI, United States CC BY 2.0

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Amazon-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet!

Claudio Kummerfeld

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am

Amazon App auf Handy

Die Amazon-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 96,15 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 69,98/erwartet 92,7).

Der Gewinn liegt bei 12,37 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 4,23/erwartet 7,41).

Amazon Web Services liefert einen Umsatz in Höhe von 11,6 Milliarden Dollar (+29 Prozent zum Vorjahresquartal, im Rahmen der Erwartungen).

Amazon erwartet Umsätze im laufenden 4. Quartal zwischen 112-121 Milliarden Dollar (bisher erwartet 112).

Amazon erwartet operative Gewinne im laufenden 4. Quartal in Höhe von 1 bis 4,5 Milliarden Dollar nach 3,9 Milliarden Dollar vor einem Jahr. Laut CNBC demnach 4 Milliarden Dollar erwartete Corona-Kosten, doppelt so hoch wie im zweiten Quartal

Die Amazon-Aktie reagiert nachbörslich mit -1,2 Prozent.

Kurz-Fazit: Sensationelles Ergebnis. Aber die Gewinnaussicht enttäuscht?

Key Facts im Wortlaut von Amazon:

• Operating cash flow increased 56% to $55.3 billion for the trailing twelve months, compared with $35.3 billion for
the trailing twelve months ended September 30, 2019.
• Free cash flow increased to $29.5 billion for the trailing twelve months, compared with $23.5 billion for the trailing
twelve months ended September 30, 2019.
• Free cash flow less principal repayments of finance leases and financing obligations increased to $18.4 billion for
the trailing twelve months, compared with $14.6 billion for the trailing twelve months ended September 30, 2019.
• Free cash flow less equipment finance leases and principal repayments of all other finance leases and financing
obligations increased to $17.9 billion for the trailing twelve months, compared with $10.5 billion for the trailing
twelve months ended September 30, 2019.
• Common shares outstanding plus shares underlying stock-based awards totaled 518 million on September 30,
2020, compared with 511 million one year ago.
• Net sales increased 37% to $96.1 billion in the third quarter, compared with $70.0 billion in third quarter 2019.
Excluding the $691 million favorable impact from year-over-year changes in foreign exchange rates throughout the
quarter, net sales increased 36% compared with third quarter 2019.
• Operating income increased to $6.2 billion in the third quarter, compared with operating income of $3.2 billion in
third quarter 2019.
• Net income increased to $6.3 billion in the third quarter, or $12.37 per diluted share, compared with net income of
$2.1 billion, or $4.23 per diluted share, in third quarter 2019.

Datenblatt zeigt aktuelle Quartalszahlen von Amazon

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