Anleihen

Unternehmensanleihen: Diskreter Direktverkauf an die EZB, das ist doch alles total normal, oder?

Wie wir alle wissen, kauft die EZB seit Juni auch Unternehmensanleihen auf. Nach zuletzt veröffentlichtem Stand waren es am 12. August 16 Milliarden Euro Volumen in nur zehn Wochen seit dem...

FMW-Redaktion

Wie wir alle wissen, kauft die EZB seit Juni auch Unternehmensanleihen auf. Nach zuletzt veröffentlichtem Stand waren es am 12. August 16 Milliarden Euro Volumen in nur zehn Wochen seit dem Start des CSPP-Programms. Demnach könnten es jetzt schon 18 oder 19 Milliarden Euro sein. Aber ob eine oder zwei Milliarden mehr, das ist gar nicht so entscheidend. Es geht ums Prinzip. Was passiert hier eigentlich? Wir hatten diese Umwandlung des europäischen Kapitalmarkts hin zu einer Art EZB-Planwirtschaft schon mehrfach angesprochen. Aktuell erreicht diese Art des Wirtschaftens aber eine neue Stufe.

Unternehmensanleihen EZB
Der EZB-Rat. Foto: EZB

So hat die EZB letzte Woche ohne großes Aufsehen auf ihrer Webseite veröffentlicht, dass sie beim Aufkaufen von Unternehmensanleihen auch sogenannte „Private Placements“ (Private Platzierungen)akzeptiert. Unternehmen begeben hier Anleihen, die sie unmittelbar, ohne Hausbank, ohne öffentliches Angebot oder Zwischenhändler, an die EZB verkaufen. Man spart Zeit und Geld, und hat mit der EZB noch einen großvolumigen gierigen Käufer gefunden! Was für eine Märchenwelt, die Realität wurde!

Die spanische Nationalbank hat laut WSJ für 500 Millionen Euro im Auftrag der EZB über so ein Private Placement am 1. Juli für 500 Millionen Euro eine Anleihe der Ölfirma Repsol gekauft, also de facto einen direkten Kredit an dieses Unternehmen vergeben. Genau so war es am 1. Juli auch in Höhe von 200 Millionen Euro an den Versorger Iberdrola. Bisher wusste man, dass die EZB neben den Sekundärmarkt (freier börslicher Handel) auch im Primärmarkt Unternehmensanleihen aufkauft, also direkt in der Erstauktion der Anleihen. Aber das ist ein für diverse Banken frei zugänglicher Markt. Ein Private Placement ist ein direkter Kreditvertrag (offiziell Anleihe) zwischen der Bank (in diesem Fall der EZB) und dem Schuldner. Das ist eine ganz andere Dimension. Keine Pressemitteilung, keine Transparenz, gar nichts.

Viele nationalen Notenbanken, über die die EZB ihre Aufkäufe abwickelt, sind anders als die Deutsche Bundesbank äußerst intansparent bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit. So veröffentlichen sie zum Beispiel keine Summen oder genauen Anleihekennungen, sondern nur die Namen von Unternehmen, deren Anleihen gekauft wurden. Also kennt man bis dato nicht das wirkliche Ausmaß der direkten Kreditverträge (nichts anderes sind solche Private Placements mit der EZB nämlich). Durch den unmittelbaren und ausschließlichen Verkauf der Anleihe an die EZB agiert die EZB ganz praktisch gesehen wie eine ganz normale Geschäftsbank, die Kredite an ihre Firmenkunden vergibt. Ist das noch vereinbar mit ihrem Auftrag? Ist das noch Geldpolitik? Wir haben diese Fragen schon mehrfach rhetorisch gestellt, und stellen sie jetzt mehr denn je.

Wie war nochmal das Ziel der EZB, was mit dem Kauf von Unternehmensanleihen erreicht werden sollte? Die Firmen sollen neue Arbeitsplätze schaffen, mehr investieren, neue Fabriken bauen und und und… kommen wir doch mal dazu, was die Unternehmen tatsächlich bewegt, jetzt so umfangreich und teilweise auch direkt Schulden bei der EZB aufzunehmen: Zinsersparnis, fertig aus! So sagt Repsol gegenüber dem WSJ es mache für die Firma Sinn bei so niedrigen Zinsen Anleihen auszugeben – es gehe nur darum die globalen Zinszahlungen so weit runterzubringen wie möglich. Da hört Mario Draghi besser schnell weg. Und hier die Liste der europäischen Unternehmen, die bisher angekündigt haben aufgrund des ganzen billigen EZB-Geldes neue Fabriken bauen und neue Mitarbeiter einstellen zu wollen:









Ende der Liste.



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4 Kommentare

  1. Die NSEZB will demnächst auch Aktien kaufen.Der Preis spielt eine untergeordnete Rolle.Ihr Mandat beinhaltet ja einen unendlich tiefen Instrumentenkasten mit selbsterschaffenem Geld!Einer von Mothers Finest (Jens Span)will zusätzlich noch alle unsere Sozialbeiträge all in schieben!Wahnsinn!Denn heute gehören uns Aktien&morgen die ganze Welt!!!!Deutsche,nehmt Euch ein Beispiel an den Türken&putscht.P.s.ihr Muselmanen:Wenn wir Deutschen was machen gelingt das auch!Ich höre besser auf,sonst setzt’s Blendgranaten vom Verfassungsschutz an meiner Haustüre.

    1. @Wolfgang Koch

      Immer Klasse Ihre Beiträge. Das bringt Stimmung in die Bude und lässt mich über die (für mich) enttäuschende DAX-Entwicklung hinwegsehen.
      Gerd

  2. Eine Privatplatzierung ist auch selbst für die Emittenten wesentlich ertragreicher als eine Auktion. Bei der Auktion laufen sie Gefahr im schlechtesten Falle zu wenig einzunehmen, bei der Privatplatzierung kann man sagen: Das ist der Preis, entweder ihr kauft oder nicht.

    Und da die EZB kaufen muss, ja welche Wahl hat sie wohl ?

  3. Erst beim zweiten Lesen, liebe Redakteure, bemerke ich euren brillianten Sarkasmus am Schluss des Artikels.

    „Und hier die Liste…..“ : Weißes Blatt Papier ohne Inhalt
    „Ende Liste“

    Sehr gut. Muss einem erst mal einfallen diese Art von pointierter Kommentierung.

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