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Anleihen

Ups! Chinas Währungsreserven mit größtem Fall seit Januar! Und Chinas Medien attackieren Trump..

DIe Währungsreserven Chinas im freien Fall – und Chinas Medien schiessen scharf gegen Trump: seine Tweets hätten die Absicht, China als fettes Lamm anzusehen, aus dem man ein großes Stück Fleisch herausschneiden könne!

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Chinas Währungsreserven sind im November mit einem Rückgang von 69,1 Milliarden Dollar so stark gefallen wie seit Januar nicht mehr – und im Januar war eben dieser Rückgang der Währungsreserven sowie die Schwäche des Yuan Auslöser des Abverkaufs an den Aktienmärkten zu Beginn des Jahres.

Laut Angaben der State Administration of Foreign Exchange (SAFE) vor wenigen Minuten, seien die Devsienreserven aufgrund von „Operationen der People´s Bank of China“ (gemeint sind offenkundig Stützungskäufe des Yuan durch Dollar-Verkäufe aus den Devisenreserven) gefallen. Hinzu kämen „Änderungen der Bewertungen“ – womit zweierlei gemeint sein dürfte: erstens die Abwertung des Yuan, zweitens aber vor allem die Tatsache, dass durch den Abverkauf an den Anleihemärkten die Kurse und damit die Bwertungen der US-Staatsanleihen, die ein Großteil der Dollar-Devisenreserven darstellen, stark gefallen sind. Laut Angaben von SAFE liegen die Devisenreserven des Landes nun bei 3,05 Billionen Dollar – im Vormonat waren es noch 3,12 Billionen gewesen. Tendenz und Trend weiter stark rückläufig – China versucht die Kapitalflucht druch eine Stützung des Yuan einzudämmen, zu Lasten der dazu eingesetzten Devisenreserven.

Chinas Führung sieht das mit Sorge – ebenso wie die Äusserungen über das Reich der Mitte durch Donald Trump. Während nach dem Telefonat Trumps mit Taiwans Ministerpräsidentin (das, wie man jetzt weiß, von langer Hand geplant und kein Zufall war!) Peking noch scharf protestiert hatte, schwiegen die Machthaber nach den Aussagen des designierten US-Präsidenten zur angeblichen Währungsmanipulation sowie zu den Aktivitäten Chinas im Südchinesischen Meer.

Das hat sich jetzt aber insofern geändert, als zwar nicht die Regierung selbst, wohl aber die Medien in China inzwischen dazu übergegangen sind, Trump scharf zu kritisieren! So schreibt etwa das Leitmedium der Kommunistischen Partei, die „People´s Daily“, dass Trump mit seinen Aussagen die Beziehungen beider Länder schädige – und damit eben nicht dazu beitrage, „Amerika great again“ zu machen. Trump sei ein „diplomatischer Anfänger“, der viel Porzellan zerschlagen könne, so das Medium auf seiner Titelseite.

Noch sehr viel deutlicher wird das Sprachrohr der chinesischen Nationalisten, die „Global Times“. Trump, so der Aufmacher auf der Titelseite, sei unfähig seinen Mund zu halten (da ist was dran..). Faktisch versuche Trump, anderen Länder zu schaden, um für die USA den maximalen Nutzen zu erzielen – aber ihm fehlten faktisch die Ressourcen, um das wirklich umzusetzen. Die Tweets Trumps hätten die Absicht, China als fettes Lamm anzusehen, aus dem man ein großes Stück Fleisch herausschneiden könne! Trump wolle die ökonomische Struktur der Welt ändern – von der doch eigentlich die USA am meisten profitierten!

donald-trump
Donald Trump. Foto: Michael Vadon/Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Man sieht: der Ton wird jetzt schärfer, China wird nun immer aggressiver auf die Aussagen Trumps reagieren – und sollte Trump wirklich die Zölle für Chinas Waren deutlich erhöhen, wäre das der Beginn eines Wirtschaftskrieges! Was wiederum für die Aktienmärkte natürlich total bullisch ist..

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    micromegas

    7. Dezember 2016 10:58 at 10:58

    Sind wir nicht auch eine Exportnation, wie China? Wo sind eigentlich unsere Devisenreserven, die aus Exportüberschüssen resultieren?

    • Avatar

      joah

      7. Dezember 2016 14:09 at 14:09

      „monetarisiert“

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    Feldmaen

    7. Dezember 2016 11:17 at 11:17

    Auch wenn ich nicht scharf auf einen Konflikt zwischen den Staaten und China bin, beruhigt es mich doch etwas. Es scheint, als würde sich im gleichen Zuge das Verhältnis zwischen USA und Russland etwas entspannen. Dieser würde zwangsläufig auf Kosten Europas ausgetragen werden und wird es auch schon. Man denke an die vielen Sanktionen gegenüber Russland, welche auch Europa selbst großen wirtschaftlichen Schaden zufügen. Ich hoffe hier wirklich sehr auf die von Trump angedeutete Entspannung!

  3. Avatar

    Wolfgang Koch

    7. Dezember 2016 11:19 at 11:19

    Bis vor 1 Jahr hätte ich den letzten Satz für pure Ironie/Satire gehalten.Mittlerweile haben mich „die Anleger“ davon überzeugt,dass das die Wahrheit & nichts als die Wahrheit ist.So wahr mir Mario helfe!

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    Schleswig-Holsteiner

    7. Dezember 2016 12:19 at 12:19

    Ich bin dieser Deutschen Hysterie überdrüssig (ganz allgemein betrachtet). „Wirtschaftskrieg“,“total bullish“, blablabla …
    Die Chinesen werden weiterhin lächelnd ihren Interessen folgen, wohl wissend, dass Trump (im Gegensatz zu President Hollywood Obama) kein Idiot ist und dem „fetten Lamm“ ein kleines Steakchen abverlangen wird. China wird es nicht umhauen und Trump hat es den in der Politik offenbar obligatorischem Bösewicht gezeigt. Das gemeine Volk hat ihr Staatstheater, die Politiker blenden und die verblödeten und verblödenden Journalisten können täglich ihren Schwachsinn zu Papier bringen.
    Die Zeichen für eine Ru-USA Partnerschaft stehen gut, denn Donald ist ein erfahrenen Geschäftsmann, weiß um die großen Vorteile und das enorme Potenzial. Europas Politprofis sind hingegen realitätsferne, selbstsüchtige, verbildete Vollidioten und werden hoffentlich das Nachsehen haben. Dumm für die arbeitende Bevölkerung, aber wer auf Kai Diekmann und Angela Merkel hereinfällt, hat es nicht anders verdient. Die Wirklichkeit holt uns alle ein, früher oder später.

    • Avatar

      HansWurst

      7. Dezember 2016 12:36 at 12:36

      „denn Donald ist ein erfahrenen Geschäftsmann, weiß um die großen Vorteile und das enorme Potenzial.“
      In Russland gibt es kein Potenzial hat es nie und wird es auch nie geben und das weiss auch jeder Amerikaner sogar Trump.

  5. Avatar

    HansWurst

    7. Dezember 2016 12:34 at 12:34

    „Faktisch versuche Trump, anderen Länder zu schaden, um für die USA den maximalen Nutzen zu erzielen“

    Wer im Glashaus sitzt….

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Anleihen

Deutsche Neuverschuldung in Corona-Zeiten: Kein Problem, es ist sogar ein Profitgeschäft!

Claudio Kummerfeld

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Brandenburger Tor in Berlin

Der deutsche Staat nimmt wegen der Coronakrise und den explodierenden Rettungskosten viele neue Schulden auf. Erste frohe Kunde: Die Neuverschuldung stellt finanztechnisch schon mal gar kein Problem dar. Man sehe die folgende Grafik aus dem Hause Finanzagentur Deutschland GmbH, dem Institut, dass als Vehikel des Bundesfinanzministeriums Anleihen am Kapitalmarkt verkauft.

Neuverschuldung läuft ohne Probleme ab

Heute wurden für den deutschen Staat sieben Jahre laufende Bundesanleihen ausgegeben im Volumen von 4 Milliarden Euro. Die Nachfrage der institutionellen Investoren lag bei 7,26 Milliarden Euro. So war es auch bei den vorigen Emissionen, wie die Übersichtstafel gut zeigt. Die Nachfrage in den letzten Monaten reichte jedes Mal weit über das Angebotsvolumen hinaus, und erreichte manchmal fast das doppelte Volumen. Verkauft wurden heute übrigens nicht 4, sondern nur 3,28 Milliarden Euro Volumen. So läuft das jedes Mal. Ein Teil der Emission wird nicht tatsächlich verkauft, sondern wandert in die sogenannte „Marktpflegequote“, um den Börsenmarkt für diese Anleihe in den nächsten sieben Jahren liquide halten zu können.

Also, Deutschland kommt am Kapitalmarkt spielend leicht an frisches Geld. Und die Emissionsrendite zeigt: Der Bundesfinanzminister verdient mit dem Aufnehmen neuer Schulden jedes Mal sogar Geld. Die heutige Rendite liegt bei minus 0,62 Prozent. Bei den vorigen Emissionen waren es -0,60, -0,62, -0,62, -0,47 Prozent usw. Diese Negativrendite bei der deutschen Neuverschuldung kommt zustande, weil die Anleihen mit einem Kurs über dem Nennwert der Anleihen von 100,00 Prozent verkauft werden (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten). Heute zum Beispiel lag der Verkaufspreis bei 104,52 Prozent.

Deutsche Staat macht Gewinn – und warum machen die Anleger freiwillig Verlust?

In sieben Jahren, wenn der deutsche Staat die Anleihe an deren Inhaber zurückzahlt, überweist er aber nur den vereinbarten Nennwert von glatt 100,00 Prozent zurück. Zinsen gab es für die Anleger auch keine mit 0,00 Prozent Zinskupon. Tja, der Staat erhält jetzt 104,52, und zahlt in sieben Jahren nur 100,00 zurück. So macht man Geld. Und wie so oft kann man sich fragen: Warum machen die Anleger das, wieso verschenken die Geld, wieso machen sie wissentlich und freiwillig Verlust?

Nun, da wäre natürlich das Argument, dass bei einer vermuteten weiter sinkenden Rendite die Kurse der Anleihen natürlich automatisch weiter steigen. Dann könnten die Investoren nach der Emission am freien Anleihemarkt höher verkaufen, und einen Gewinn einstreichen. Oder man weiß nur zu gut, dass die EZB immer mehr Anleihen aufkauft, und dass man auch dorthin (mit anständigem Gewinn?) weiterverkaufen kann. Denn die EZB, die will ja unbedingt aufkaufen. Und wer unbedingt kaufen will, zahlt am freien Markt höhere Preise als in der Erstauktion des Bundes?

Und dann wären da noch langfristig denkende, große institutionelle Investoren, die überlegen, wo sie ihre gigantischen Geldmengen unterbringen sollen. Will man nicht alles in Aktien packen, oder darf man es gar nicht, muss man sich nach „sicheren“ Anlagen umschauen. Banken reichen gerade bei größeren Kontoguthaben inzwischen eigentlich immer den Negativzins der EZB an die Kunden weiter. Also würden große Pensionskassen, Fonds, Versicherungen etc mit sehr großen Geldsummen wohl 0,5 Prozent Strafzins bei ihrer Hausbank zahlen. Also dann lieber das Geld in Anleihen investieren? Aber halt. Bei dieser deutschen Staatsanleihe liegt die Rendite ja sogar bei -0,62 Prozent. Also steht man nochmal 0,12 Prozentpunkte schlechter da als auf dem Bankkonto. Hier könnte nur noch das Argument ziehen, dass man deutsche Staatsanleihen (im großen Bild betrachtet) als deutlich besseren Parkplatz für große Geldsummen erachtet, als eine einzelne Bank, die immer pleite gehen kann.

Grafik zeigt Neuverschuldung Deutschlands mit 7 Jahren Laufzeit

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Allgemein

Wirtschaft in Italien stürzt ab – warum das den Markt nicht interessiert

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Italien-Flagge in Rom

Die Wirtschaftsleistung in Italien ist im zweiten Quartal im Vergleich zum 1. Quartal um 12,8 Prozent abgestürzt, wie offizielle Daten zeigen, die heute veröffentlicht wurden. Vorläufige Daten von minus 12,4 Prozent wurden damit nach unten revidiert. Im Jahresvergleich zum zweiten Quartal 2019 ist es ein Absturz von 17,7 Prozent. Dies ist laut Trading Economics der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 60er-Jahren. Im folgenden Chart sehen wir die prozentuale Veränderung der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 90er-Jahren. Man erkennt, dass der Absturz in der Finanzkrise 2008 mit -3 Prozent im Vergleich zu heute verschwindend klein war.


source: tradingeconomics.com

Und was macht der Kapitalmarkt? Die Rendite für Staatsanleihen ist hier immer das beste Barometer. Eigentlich gäbe es da noch die Währung eines Landes. Aber da Italien den Euro hat, kann man hier keinen Gradmesser für Italien mehr erkennen. Wenn ein Investor in Anleihen eines Landes investieren möchte, bei denen die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der Anleihen wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gefährdet ist, dann erwartet dieser Anleger einen Risikoaufschlag – nämlich für sein Risiko, dass er sein Geld nicht wieder sieht. Daher sind Länder mit großen wirtschaftlichen Problemen automatisch bereit deutlich höhere Renditen für ihre verkauften Staatsanleihen zu bezahlen, um ausländisches Kapital anzulocken.

Warum die Renditen für Italien nicht steigen

Italien stand schon vor der Coronakrise sehr schlecht da. Hohe Schulden erstickten das Land, und eine Wirtschaft die sich nie von der Finanzkrise 2008 erholt hatte. Und dann kam die Coronakrise. Die wirtschaftliche Lage verschärft sich daher dramatisch. Der obige Chart zeigt dies eindrucksvoll. Und was macht die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen? Sie notiert aktuell mit 1,11 Prozent genau da, wo sie am letzten Freitag lag, vor der Veröffentlichung der heutigen BIP-Daten. Der folgende Chart zeigt den Rendite-Verlauf für Italien in den letzten zwölf Monaten. Man sieht, dass die Rendite kurz vor der Coronakrise genau ebenfalls da war, wo sie jetzt notiert. Zwar lag sie im März kurzzeitig bei 2,39 Prozent. Aber mit den umfangreichen Rettungsmaßnahmen von Staaten und EZB wurde schnell klar, dass alles „gerettet“ wird, und die Rendite sank schnell wieder in den Keller.

Also: Die Wirtschaftsleistung in Italien ist brutal abgestürzt. Die Risikoprämie für Anleger, die italienische Schulden kaufen wollen, hat sich per Saldo aber nicht erhöht. Was sagt uns das? Dem Markt ist klar, dass wohl kaum ein echtes Ausfallrisiko für Italien besteht. Denn das Land ist im Euro und als drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum schlicht und einfach „Too big to fail“. Die EZB hat schon jahrelang in gigantischem Ausmaß italienische Staatsanleihen aufgekauft und zuletzt neue gigantische Kaufprogramme aufgelegt, und würde wohl (das darf man vermuten) noch viel, viel mehr kaufen. Hauptsache Italien bleibt im Spiel.

Rendite für zehnjährige Staatsanleihen aus Italien

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Allgemein

Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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