Trotz Rekordhöchstständen an den amerikanischen Aktienmärkten mehren sich die Anzeichen, dass Anleger beim Leitindex S&P 500 zunehmend auf Sicherheit setzen. Während die Kurse der US-Aktien weiter steigen, rückt das Interesse von riskanten Spekulationen zu finanzstarken Unternehmen – ein stilles Signal, dass hinter der glänzenden Fassade des Booms auch Vorsicht herrscht.
US-Aktien: Anleger werden defensiver
Der fulminante Anstieg von US-Aktien sendet seit Wochen Warnsignale aus. Doch der Rekordanstieg der Aktienmärkte verdeckt die brodelnden Probleme unter der Oberfläche. Laut einem Bericht von Bloomberg gibt es jedoch Anzeichen dafür, dass Anleger diese Warnsignale allmählich ernst nehmen.
Ein Korb von S&P-500-Unternehmen mit den stärksten Bilanzen verzeichnete im Vergleich zu einem Korb von Unternehmen mit schwächeren Finanzen gerade die beste Woche seit Anfang April. Die kapitalstarken Unternehmen Microsoft, Nvidia, Palantir Technologies und West Pharmaceutical Services haben in den letzten Wochen deutlich zugelegt und die Verluste, die seit Donald Trumps erster Zollankündigung entstanden sind, mehr als ausgeglichen.
Diese Rotation ermöglicht es Händlern, die angesichts des dreimonatigen Anstieg der Aktienmärkte zunehmend nervös werden, investiert zu bleiben und gleichzeitig ihr Engagement in anfälligeren Unternehmen zu reduzieren. Der Kauf von Aktien finanziell stabiler Unternehmen könnte das Verlustrisiko begrenzen, sollte der Aufschwung des S&P 500 ins Stocken geraten.
„Wir spüren, dass die Anleger trotz der steigenden Kurse nervös werden”, sagte Brian Jacobsen, Chefökonom bei Annex Wealth Management. „Ein wenig Vorsicht ist angesichts der aktuellen Marktlage angebracht“, fügte er hinzu.

S&P 500 mit Rekordjagd
Der S&P 500 ist seit seinem Tiefstand am 8. April um 29 Prozent gestiegen und schloss am Dienstag auf einem Rekordhoch. Ein Großteil dieses Aufschwungs ist auf die Euphorie um künstliche Intelligenz zurückzuführen, durch die Unternehmen wie Nvidia und Microsoft Bewertungen in Höhe von mehreren Billionen Dollar erreicht haben. Solide Unternehmensgewinne stärkten den Optimismus, dass die chaotische Handelspolitik Trumps nicht den erwarteten Schaden angerichtet hat. Der Großteil des Gewinnwachstums konzentrierte sich jedoch auf den Technologiebereich und verwandte Sektoren. Dadurch wurde die Schwäche der Anbieter von Konsumgütern und der Hersteller von Industrieausrüstung überdeckt.
Infolgedessen stellten die Strategen von Citigroup „frühe” Anzeichen für eine Erholung der Wertfaktoren von Juli bis Anfang August fest, da Investoren nach Unternehmen suchten, deren Aktien im Verhältnis zu den finanziellen Fundamentaldaten unterbewertet waren. Das bedeutete Verluste für unprofitable Technologieunternehmen und andere spekulative Anlagen.
„Defensive Titel von höherer Qualität haben sich gut behauptet”, sagte Colin Cieszynski, Portfoliomanager und Chef-Marktstratege bei SIA Wealth Management. Telekommunikationsunternehmen, Versorgungsunternehmen und Versicherungsgesellschaften hätten sich ebenso wie die Technologiegiganten gut entwickelt. Zu den anderen starken defensiven Titeln gehört der Tabakhersteller Philip Morris, dessen Aktien im Jahr 2025 um 40 % gestiegen sind.
Akute Warnsignale
Seit Wochen warnen Strategen und Analysten, dass die Rally kopflastig ist: Die sieben Tech-Aktien der „Magnificent Seven” machen praktisch den gesamten Anstieg seit April aus. Die Marktbreite, definiert als die Anzahl der Aktien, die zulegen, im Vergleich zu denen, die nachgeben, hat sich verschlechtert. Der S&P 500 Equal Weight Index, der alle Aktien gleich gewichtet, ist in zehn der 13 Sitzungen bis Montag gefallen, während der kapitalgewichtete Index an fast der Hälfte dieser Tage zugelegt hat.
Zudem gibt es Bedenken, dass der aktuelle Bullenmarkt seinen Höhepunkt überschritten hat, da er bereits länger als der bisherige Medianwert gedauert hat.
„Der Bulle hat ein hohes Alter erreicht und die Bedingungen sind günstig für den Beginn eines Bärenmarktes“, schrieb Tim Hayes, Chief Global Investment Strategist bei Ned Davis Research, in einer Mitteilung vom 7. August.
Dennoch haben Anleger weiterhin Geld in die Aktienmärkte gepumpt, um die Rally nicht zu verpassen. BofA Securities teilte am Dienstag mit, dass alle wichtigen Kundengruppen zum zweiten Monat in Folge US-Aktien gekauft hätten. Dies führte zu den „größten Zuflüssen in einzelne Aktien seit zwei Jahren“, wobei sowohl defensive als auch zyklische Sektoren betroffen waren.
Korrektur? Ja. Absturz? Nein
Angesichts der saisonalen Konstellation erscheint diese relative Selektivität umsichtig. Der S&P 500 ist in den letzten 25 Jahren im September durchschnittlich um 1,5 % gefallen – die schlechteste Performance aller Monate.
Dennoch wird die Zurückhaltung, Aktien abzustoßen, durch die einhellige Meinung der Wall-Street-Strategen gestützt. Die notorisch optimistische Gruppe hat die Händler dazu ermutigt, jeden Dip zu kaufen, was auf eine längerfristig optimistische Einschätzung hindeutet.
„Da viele Strategen für die kommenden Monate mit einer erhöhten Volatilität rechnen und dennoch empfehlen, bei Kursrückgängen zu kaufen, ist es schwer vorstellbar, dass es ohne eine tatsächliche Rezession zu einem sehr starken Rückgang kommen könnte“, sagte Chris Zaccarelli, Chief Investment Officer bei Northlight Asset Management.
FMW/Bloomberg
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