Vorab muss man sagen: Trotz Zöllen und Trumps großem Chaos sahen die USA im letzten Jahr noch immense Kapitalzuflüsse. Netto waren es 1,6 Billionen US-Dollar, die aus dem Ausland in US-Aktien, US-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen flossen. Aber in 2026 scheint sich die Lage geändert zu haben. Aktuelle Daten von Europas größtem Vermögensverwalter Amundi und von der Bank of America (BofA) zeigen, dass die Geldströme seit Jahresanfang größtenteils an den USA vorbeilaufen.
BofA über Geldfluss in US-Aktien seit Jahresanfang
Laut Michael Hartnett von der Bank of America waren US-Aktien seit mehr als fünf Jahren nicht mehr so unbeliebt im Vergleich zu ihren internationalen Pendants. Dazu berichtet Bloomberg aktuell: US-Aktien haben in diesem Jahr bisher nur 26 von 100 Dollar der Zuflüsse in globale Aktienfonds angezogen, schrieb der Stratege. Das ist der geringste Anteil seit 2020, verglichen mit einem Höchststand von 92 Dollar im Jahr 2022. Die Zahlen deuten darauf hin, dass das Thema des sogenannten US-Exzeptionalismus, also der anhaltenden Outperformance, mit geringeren relativen Zuflüssen in die Vermögenswerte des Landes und nicht mit direkten Abflüssen zu Ende geht, so Hartnett.
Der S&P 500 Index ist im Jahr 2026 praktisch unverändert, verglichen mit einem Anstieg von fast 8 % beim MSCI World Index, der die USA ausschließt. Die Anleger haben aufgrund von Bedenken hinsichtlich übermäßiger Ausgaben für künstliche Intelligenz durch große Technologieunternehmen, der durch die Politik der Trump-Regierung bedingten Dollarschwäche und einer wachsenden Präferenz für zyklische Werte, die von einem stärkeren Wirtschaftswachstum profitieren, weniger Interesse an US-Aktien.
Aktienfonds in Europa, Japan und anderen internationalen Industrieländern haben in diesem Jahr bisher insgesamt 125 Milliarden US-Dollar angezogen, gegenüber nur 35 Milliarden US-Dollar für die USA, so die Strategen der BofA in einer Mitteilung unter Berufung auf Daten von EPFR Global. Die Zahlen zu den Kapitalflüssen untermauern Hartnetts Äußerungen von Anfang dieses Monats, dass die Handelspolitik der USA eine „neue Weltordnung” schafft. Seit Ende 2024 bevorzugt er internationale Aktien.
Frische Amundi-Daten
Europas größter Vermögensverwalter Amundi hat frische Daten zu Geldflüssen in ETF für den Monat Januar veröffentlicht. Die Hauptaussage lautet: „ETF-Anleger setzten im Januar mit Rekord-Zuflüssen auf die Diversifizierung ihrer Allokationen“. Hier zeigt sich auch klar die Abkehr von US-Aktien.
Der Januar 2026 war mit einem Nettozufluss von 46,9 Milliarden Euro der bisher stärkste Monat für in Europa domizilierte UCITS-ETFs, so Amundi. Die Marktunsicherheit veranlasste Anleger in diesem Monat zu einer stärkeren Diversifizierung ihrer Allokation. Angesichts der geopolitischen Spannungen, der Besorgnis über eine Überbewertung von US-Technologieaktien und der Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank (Fed) wurden nur wenige eindeutige Engagements eingegangen, so schreibt es Amundi.
Bei Aktien-ETF-Strategien kam es laut der Fondsgesellschaft zu einer starken Rotation, wobei sich die Zuflüsse auf verschiedene Engagements verteilten. Alle-Länder-Weltindizes (ACWI) legten um 9,0 Milliarden Euro zu, gefolgt von europäischen Indizes mit 8,2 Milliarden Euro, Weltindizes mit 7,9 Milliarden Euro und Schwellenländer-märkten (EM) mit 7,1 Milliarden Euro. Gegenüber ETFs auf US-Aktien-Indizes zeigten sich Anleger zurückhaltend und investierten nur 4,4 Milliarden Euro.
FMW/Bloomberg/Amundi
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Da ich ein Contrarian bin, führt das mir dazu, mir US-Aktien genauer anzusehen. An den Börsen liegt die Mehrheit zuverlässig falsch.
Die Großen gehen die Trends einfach mit und steigen rechtzeitig aus oder lassen sich retten. Die Kleinen können nur auf der Gegenseite gewinnen.