Aktien

US-Aktien: so teuer wie nur zwei Mal in der Geschichte

Von Markus Fugmann

US-Aktien sind so teuer wie bisher nur zwei Mal in der Geschichte – zumindest wenn man als Bewertungskriterium die vom Nobelpreisträger Tobin entwickelte Q ratio heranzieht. Was aber ist die Q ratio?

Würde man alle US-Aktien verkaufen und dafür die Fabriken, Maschinen und Lagerbestände kaufen, dürfte der Faktor normalerweise 1 betragen – das heißt, verkauft man alle US-Aktien, dürfte man maximal dafür die Fabriken, Maschinen und Lagerbestände kaufen können. Das ist derzeit jedoch nicht so: derzeit beträgt das Verhältnis 1:1,10, das heißt, würde man die US-Aktien verkaufen, hätte man noch 10% des Cashs übrig. Nur zweimal in der Geschichte der USA lag die Q ratio auf ähnlich hohem Niveau wie derzeit: auf dem Hochpunkt 1929 kurz vor dem dann folgenden Crash, und auf dem Hochpunkt der Dot.com-Blase.

Derzeit aber erleben wir den zweitlängsten Bullenmarkt in der Geschichte des US-Aktienmarktes – die Rally läuft seit März 2009, befeuert durch die Geldpolitik der Fed. Kritiker der Q ratio von Tobin jedoch monieren, dass man mit der Q ratio als Maßstab eben diese Rally verpasst hätte, die seit 2009 17 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung hinzugefügt hat. Ausserdem sei die US-Wirtschaft viel weniger auf die traditionelle Produktion fixiert, sondern inzwischen vielmehr eine dienstleistungorientierte Ökonomie.

Dass sich die Q ratio seit März 2009 bis heute verdoppelt hat, liegt vorwiegend an den Aktienrückkäufen der US-Firmen, die im Vorjahr 95% ihrer Cash-Profite in Aktienrückkäufe und Dividenden investiert haben. Alleine die Aktienrückkäufe seit 2009 betragen dabei zwei Billionen Dollar, der Februar, der März und der April diesen Jahres sind dabei drei der vier Monate mit den höchsten Volumen an Aktienrückkäufen.

Zwar haben auch wichtige Player am Markt wie Janet Yellen und Warren Buffet vor Überbewertungen bei US-Aktien gewarnt, aber die Bullen bleiben dennoch optimistisch: angesichts der Notenbankpolitik müsse man sich nicht nur fragen, wie eine Firma bewertet sei, sondern was man mit dem vorhandenen Cash an anderen werthaltigen Dingen kaufen könne. Und da schnitten eben US-Aktien immer noch sehr gut ab.

Für das Timing von Aktienkäufen oder Aktienverkäufen also scheint die Q ratio von Tobin nicht sehr tauglich. Sie ist aber dennoch ein Warnsignal, zeigt sie doch, dass die Bewertungen inzwischen sehr hoch sind – und wenn der Rückenwind durch die Fed abnimmt oder aufhört durch Zinsanhebungen, diese Bewertungenschnell in sich zusammen fallen können..



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