Europäische Aktien haben ihre amerikanischen Pendants im ersten Quartal mit einem Rekordvorsprung hinter sich gelassen. Sowohl der heimische Dax als auch der marktbreite Stoxx 600 übertrafen die US-Aktienmärkte deutlich. Während die Zölle von Donald Trump und das Ende des KI-Booms die Stimmung der US-Anleger trübten und den S&P 500 in eine Korrektur beförderten, sorgten die geplante Schuldenorgie in Deutschland und die europäischen Rüstungsinvestitionen für eine Rotation in europäische Aktien. Es gibt aber auch Analysten wie Jean Boivin von BlackRock, die an ein Ende dieses Trends glauben und eine baldige Aufholjagd der US-Aktien erwarten.
US-Aktien vor Aufholjagd?
Nach Ansicht von Jean Boivin, Leiter des BlackRock Investment Institute, werden US-Aktien ihren langjährigen Vorsprung gegenüber europäischen Aktien bald wieder aufholen, da sich die besseren Aussichten für Aktien auf dem alten Kontinent auf wenige Sektoren wie Verteidigung und Banken beschränken.
„Das ist eine ziemlich enge europäische Geschichte“, sagte Boivin in einem Interview. „Es gibt noch keine starke Überzeugung, Europa gegenüber den USA auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten zu bevorzugen. Wir brauchen mehr fiskalische Impulse, die über die Verteidigung hinausgehen, und die Umsetzung wird entscheidend sein“, so der BlackRock-Stratege.
Wie Bloomberg berichet, hat entgegen dem Trend der letzten Jahre der europäische Leitindex Stoxx 600 in diesem Quartal in Dollar gerechnet eine Rekordperformance gegenüber dem S&P 500 erzielt. Diese Entwicklung ist auf den Optimismus im Zusammenhang mit dem Waffenstillstand in der Ukraine und die historische Steuerreform in Deutschland zurückzuführen, die europäische Rüstungsaktien auf ein Allzeithoch getrieben hat. Auch der Stoxx-600-Bankenindex hat in diesem Jahr dank robuster Gewinne um 28 % zugelegt.

US-Aktienmärke unter Druck
In den USA hingegen haben Anzeichen einer Konjunkturverlangsamung und Zweifel an den hohen Bewertungen großer Technologieunternehmen die Aktienmärkte verunsichert. Die Volatilität stieg weltweit im Vorfeld des 2. April, als US-Präsident Donald Trump versprach, wichtige Handelspartner mit Zöllen zu belegen.
Boivin sagte, die US-Aktienmärkte können „in einer Welt mit einigen Zöllen leben“. Er geht davon aus, dass die Herabstufung der US-Renditen nur von kurzer Dauer sein wird, sobald die Unsicherheit im Zusammenhang mit den Zöllen nachlässt.
„In den USA erwarten wir auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten das stärkste Gewinnwachstum“, so der Stratege. „Wir glauben, dass eine Welt mit Zöllen von 10 % eine wahrscheinliche Landezone ist, und die USA können sich darauf einstellen. Aber wenn es viel mehr ist, sieht die Sache anders aus.“
Boivins Ansichten stehen im Widerspruch zu denen anderer Prognostiker, unter anderem der UBS und Citigroup. Der Chefstratege von UBS, Bhanu Baweja, sagte diese Woche, er erwarte, dass der S&P 500 um weitere 8 % fallen werde, da die Verlangsamung des Verbraucherverhaltens die Unternehmensgewinne schmälere. Und Beata Manthey von der Citi – die die europäische Rallye bereits im Oktober vorausgesagt hatte – erwartet weitere Kursgewinne. Auch die Strategen von Goldman Sachs haben ihre Prognose für den US-Leitindex drastisch gesenkt.
Boivin empfiehlt, europäische Aktien neutral zu halten und die USA taktisch überzugewichten.
„Das Wichtigste ist jetzt, dass die Unsicherheit zu einer Lähmung führen kann“, sagt er. „Sobald wir Klarheit über die genauen Zölle haben, könnte das für einige Sektoren schlecht und für andere gut sein.“ Der morgige „Befreiungstag“, wie Trump ihn nennt, sollte mehr Klarheit über die von den USA geplanten „Gegenzölle“ bringen.
FMW/Bloomberg
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