Im Gegensatz zu den USA, wo die Indizes erneut unter Druck gerieten, konnten die asiatischen Aktienmärkte den vierten und die europäischen den dritten Handelstag in Folge zulegen. Belastet von einem erneuten Ausverkauf bei Technologieaktien verloren der S&P 500 und der Nasdaq 100 1,1 bzw. 1,7 Prozent. Dagegen gewann der heimische Dax ein Prozent, während der in Hongkong notierte Hang Seng Index seine Gewinnserie ausbaute. Damit setzt sich die Rotation aus US-Aktien in günstiger bewertete chinesische und europäische Aktien fort. An der Wall Street bleibt indessen nur noch die Hoffnung auf den so genannten „Fed-Put“.
Aktienmärkte: Rotation aus US-Aktien
Die Aktienmärkte in Japan und Südkorea legten zu, während sie in China uneinheitlich tendierten. Die Futures auf den S&P 500 erholten sich etwas, nachdem der Leitindex am Dienstag nachgegeben hatten. Wie Bloomberg berichtet, haben laut der jüngsten Umfrage der Bank of America die Anleger in den letzten Wochen ihre Bestände an US-Aktien so stark reduziert wie nie zuvor, während die Bargeldbestände in die Höhe schnellten oder Kaptial nach China und Europa floss.
Die Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump, insbesondere in Bezug auf Handel und Zölle, hat die Angst vor einer US-Rezession geschürt. Händler erhoffen sich nun mehr Klarheit von der geldpolitischen Entscheidung der Fed am Mittwoch. Angesichts einer Abkühlung der US-Wirtschaft rechnen die Märkte mit zwei Zinssenkungen in diesem Jahr. Die Anleger suchen auch anderswo nach Chancen. Neben den Aktienmärkten sind auch die Leitwährungen Chinas und Japans sind in den letzten Wochen gestiegen. Der Yen schwankte am Mittwoch, nachdem die Bank of Japan den Leitzins wie erwartet unverändert gelassen hatte.
„Die BOJ scheint nun externe Unsicherheiten, einschließlich Zollrisiken, in ihre Entscheidungsfindung einzubeziehen. Das könnte die aggressive Haltung mildern“, sagte Charu Chanana, Chief Investment Strategist bei Saxo Markets. “In der Trump-Ära spielen die Zentralbanken eine weniger dominante Rolle, sodass der Einfluss des Yen nicht so stark sein könnte wie im vergangenen Jahr.“ Im August kam es zu Turbulenzen an den globalen Aktienmärkten, als der Yen nach einer Zinserhöhung der BOJ deutlich aufwertete.

Aktienmärkte in Asien
In anderen Teilen Asiens senken chinesische Banken die Zinsen für Verbraucherkredite auf Rekordtiefstände, da die politischen Entscheidungsträger die Konjunktur ankurbeln, um das Wachstum zu stabilisieren und den von US-Präsident Donald Trump verhängten Zöllen entgegenzuwirken.
Die Strategen von BofA Securities gehen jedoch davon aus, dass die Rally an Chinas Aktienmärkten bald in eine „deutliche Korrektur“ münden könnte, da sie Ähnlichkeiten mit dem Boom-and-Bust-Zyklus von 2015 aufweise.
Die Aktien von Xpeng fielen, weil die Volumenprognosen hinter den Erwartungen einiger Analysten zurückblieben, während das Technologieunternehmen Xiaomi Corp. aus Hongkong Kursschwankungen verzeichnete, nachdem es das schnellste Umsatzwachstum bei Elektrofahrzeugen seit 2021 angekündigt hatte.
Später werden die Geschäftsberichte von Unternehmen wie Tencent Holdings, Anta Sports Products und Muyuan Foods erwartet. Vor allem die Zahlen und Angaben zu den KI-Plänen von Tencent stehen im Mittelpunkt des Interesses, da sie als Schlüssel für weitere Kursgewinne bei Technologie-Aktien in China gelten.
Hoffen auf den „Fed-Put“
Die Wall Street hofft angesichts der Abkühlung der Wirtschaft auf einen baldigen Fed-Put. Allerdings dürfte die US-Notenbank Fed die Zinsen diesmal noch stabil halten. Der Fokus liegt daher auf den vierteljährlichen Projektionen, die den Anlegern mehr Einblick in die Aussichten für die Wirtschaft und den Zinspfad geben sollen. Händler werden sich zudem auf die Pressekonferenz des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell konzentrieren. Powell muss den Spagat schaffen, die aktuelle Einschätzung der Notenbank zur Konjunktur zu vermitteln und gleichzeitig die potenziellen Gefahren der Handelspolitik Trumps abzuwägen.
„Angesichts der sich verschlechternden Wirtschaftslage, die durch die Zölle und die allgemeine Handelsunsicherheit hervorgerufen wird, warten die Aktienmärkte auf den sprichwörtlichen „Fed-Put“, der sich hoffentlich in einer gemäßigten Prognose und einem niedrigeren Punktdiagramm (Dot Plot) in der aktualisierten Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen niederschlagen wird“, sagte Kyle Rodda, leitender Marktanalyst bei Capital.com.
Die Renditen von Staatsanleihen sind im Vorfeld des Zinsentscheids wieder gestiegen. Der Dollar hat sich stabilisiert. Bei den Rohstoffen gab der Ölpreis nach, da die allgemeine Marktschwäche und die Besorgnis über eine weltweite Ölschwemme die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten überschatteten. Gleichzeitig stieg der Goldpreis am Mittwochmorgen auf ein neues Rekordhoch von 3.038 USD pro Unze.

Optionshändler rechnen am Mittwoch mit einer starken Bewegung an den US-Aktienmärkten. Sie erwarten, dass sich der S&P 500 nach dem Zinsentscheid um 1,2 Prozent in beide Richtungen bewegen könnte (hier eine Vorschau), verglichen mit durchschnittlich 0,8 Prozent an Tagen, an denen die Fed die Zinsen im vergangenen Jahr unverändert ließ, wie Daten von Stuart Kaiser, Leiter der US-Aktienhandelsstrategie bei der Citigroup, zeigen.
„In der Vergangenheit haben Tage, an denen die Fed die Zinsen unverändert ließ, in der Regel solide Gewinne gebracht“, so die Strategen der Bespoke Investment Group.
FMW/Bloomberg
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