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Aktien

US-Aktienmarkt – die sechs Argumente der Bullen

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Downtown New York Manhattan

Um zu verstehen, wieso der US-Aktienmarkt trotz Bilanzrezession und sich weiter eintrübender Konjunkturaussichten in Richtung Allzeithochs strebt, muss man sich die optimistischen Argumente der Aktienbullen anschauen, die zum Teil sogar nachhaltig sind.

US-Aktienmarkt – getrieben von Buybacks

Das Hauptargument der Bullen ist eigentlich ein spätzyklisches Phänomen: Wann immer das Volumen der Aktienrückkäufe Rekordstände erklomm, erreichten die Aktienmärkte kurze Zeit später ihren Zenit. Schaut man sich aktuell die Abflüsse aus Aktienfonds an, wird klar, wie abhängig der Markt inzwischen von den Aktienrückkäufen geworden ist.

US-Aktienmarkt - Fund Flows

Auch die Umsätze an den US-Aktienmärkten zeigen: Sobald die Rückkaufvolumina abnehmen, z. B. wegen der Blackout-Period im Zuge der Berichtserstattungssaison, sinken die Umsätze dramatisch. Dennoch dominiert die künstliche Verknappung der Aktien aufgrund ihrer unglaublichen Dimension die Preisfindung. So hat beispielsweise Apple die Anzahl seiner ausstehenden Unternehmensanteile seit dem zweiten Quartal 2013 um 31,1 Prozent reduziert. Doch das Volumen der angekündigten Aktienrückkäufe nimmt sukzessive ab, was diesem Argument der Bullen die Perspektive nimmt.

Rückkäufe am US-Aktienmarkt

Liquidität an der Seitenlinie

Aus der Not machen die Bullen argumentativ eine Tugend. Die Tatsache, dass so viel Geld aktuell wegen schlechter Nachrichten aus der Wirtschaft und den Unternehmen an der Seitenlinie der US-Aktienmärkte wartet, könne für die Zukunft ja logischerweise nur massive Re-Investitionen bedeuten. Dieses Argument mag stimmen. Eine andere Interpretation könnte aber für die Aktienmärkte gefährlich sein: Die Tatsache, dass massiv Geld aus den Märkten von Anlegern abgezogen wird, obwohl die Börsen steigen, könnte auf Geldnot bei den Verkäufern hinweisen. In diesem Falle würde das Geld dem Markt auch in naher Zukunft nicht wieder zur Verfügung stehen. Das Sentiment gemessen am Greed & Fear Index zeigt jedenfalls keinen ausgeprägten Pessimismus der Anleger, der den massiven Abzug von Anlagegeldern plausibel machen würde.

Abschwung ist nur eine Konjunkturdelle

Befeuert durch die offiziellen Statements der US-Notenbanker sowie die tendenziell bullischen US-Medien, glaubt die Mehrheit der amerikanischen Marktteilnehmer immer noch an einen sogenannten „Soft Patch“ im US-Konjunkturzyklus, also lediglich eine temporäre Delle. Der anhaltende Abwärtstrend der Wachstumszahlen sowie die im dritten Quartal in Folge rückläufigen Konzerngewinne und auch die aktuell rückläufigen Zahlen zum US-Konsum und zur US-Industrieproduktion lassen allesamt Zweifel an dieser These aufkommen. Wahrscheinlicher ist, dass auch die USA dem Trend der Weltwirtschaft folgend in eine Rezession abrutschen.

Die Geldpolitik pusht den Markt

Mehr Substanz hat da schon das Argument, dass die US-Notenbank Fed den Markt erneut mit Liquidität flutet. Erst gestern hat die Fed ihre ohnehin schon rekordhohen Injektionen in den US-Geldmarkt massiv angehoben. Die New Yorker Fed hat ihre Repo-Geschäfte von zuvor 75 Milliarden US-Dollar pro Tag auf 120 Milliarden US-Dollar pro Tag stark ausgeweitet. Zusätzlich zum Repo-Anstieg stiegen die über 14 Tage laufenden Term-Repo-Geschäfte von 35 Mrd. US-Dollar auf 45 Mrd. US-Dollar pro Auktion an.

In Kombination mit den zusätzlichen Käufen von US-Staatsanleihen im Volumen von 60 Mrd. US-Dollar pro Monat und der für 30. Oktober erwarten dritten Zinssenkung in diesem Jahr ist die Dimension der Marktunterstützung bereits auf Krisenniveaus angekommen. Das sollte den Marktteilnehmern eigentlich zu denken geben. Aber Liquidität und Zinsen sind eine der wenigen aktuell nachhaltigen Argumente pro Aktien.

Der Handelskrieg ist bald vorbei

Noch immer sind viele Marktteilnehmer am US-Aktienmarkt davon überzeugt, dass es im Handelskrieg wirklich nur um den Ausgleich unfairer Handelsnachteile für die USA gegenüber dem Rest der Welt ginge. Da es der US-Elite aber primär darum geht, den lästigen Konkurrenten China auf Abstand zu halten, wird der Handelskrieg weiterbrodeln. Zwar ist damit zu rechnen, dass es konjunkturbedingt keine weitere signifikante Eskalation mehr geben wird, aber die Abschaffung sämtlicher Zölle, Sanktionen, Verbannungen und Beschränkungen ist eine Illusion.

Vorwahl- und Wahljahre sind gute Börsenjahre

Der US-Präsidentschaftszyklus ist für die statistikverliebten Amerikaner einer der wichtigsten Zyklen für die Börse überhaupt. Seit 116 Jahren folgt der US-Aktienmarkt diesem Muster, wonach im Jahr vor einer Präsidentschaftswahl die Aktienkurse besonders gut laufen. Die Logik dahinter ist, dass der amtierende Präsident, sofern er noch eine Amtszeit absolvieren könnte, alles tut, um die Wirtschaft in Gang zu halten und darüber hinaus große Versprechungen der Gegenkandidaten den beginnenden Wahlkampf prägen.

In dem anschließenden Wahljahr kommt es zunächst zu einer Verschnaufpause bei den Kursen, bevor sie dann ab Mai förmlich durch die Decke gehen.

Ob dieses Muster auch in diesem Jahr so zutrifft, hängt maßgeblich davon ab, ob Donald Trump sich im Handelskrieg mit neuen Eskalationen zurückhalten kann und wen die Demokraten als Spitzenkandidaten ins Rennen schicken. Sollte es der linke „Wall-Street-Schreck“ Elisabeth Warren werden, dürften die Marktteilnehmer darüber wenig begeistert sein.

Fazit

Vier der sechs Argumente für einen weiter steigenden US-Aktienmarkt sind in Bezug auf deren Nachhaltigkeit zumindest zweifelhaft. Dafür haben die Bullen ein sehr starkes Argument auf ihrer Seite: die US-Notenbank. Nicht umsonst heißt es an der Wallstreet „Never Bet Against the Fed“. Ob dies ausreichend ist, um den Markt weiterhin wie an der Schnur oben zu ziehen, ist fraglich. In der Vergangenheit jedenfalls gab es immer wieder Phasen, in denen die Fed die Märkte im Stich ließ, und sei es nur um etwas spekulative Luft abzulassen. Dennoch ist davon auszugehen, dass auch die bereits relativ hoch bewerteten US-Aktien tendenziell weiter steigen – primär dank der Notenpresse.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Prognosti

    25. Oktober 2019 12:04 at 12:04

    Mindestens das Argument, dassVorwahljahre gute Börsenjahre sind dürfte diesmal ausfallen, weil der Bonus der Steuersenkungen auf Kosten von noch mehr Schulden abgefrühstückt ist u. DT ( DJ Turbo) für weitere Stimulierungen die Zustimmung seiner Gegner bräuchte.Ich habe schon mehrmals erwähnt,das das Timing falsch war u.er den Zyklus verlängert hat u,schlimmstenfalls die Rezession kurz vor den Wahlen ein böser Wahlkampfgegner sein könnte.Könnte auch sein ,dass er mit rauchendem Turbo schon vorher an die Boxen muss, weil schon jetzt genügend Fakten für eine Absetzung vorliegen, u.je länger je mehr herauskommt.
    Meine Meinung , Absetzung oder Nichtwiederwahl.

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Aktien

Apple-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Apple-Quartalszahlen aktuell - iMac auf Schreibtisch

Die Apple-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 111,4 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 91,8/erwartet 103,3).

Der Gewinn liegt bei 1,68 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,25/erwartet 1,41).

Die Aktie notiert nachbörslich 17 Minuten nach Daten-Veröffentlichung mit -0,1 Prozent zum Handelsschluss. Zu gute Daten, als dass die ALGOS sie verarbeiten könnten?

Ganz am Ende der Tabelle sieht man die Umsätze der einzelnen Produktkategorien in US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sieht man: Die iPhone-Umsätze steigen kräftig von 55,9 auf 65,6 Milliarden Dollar. Und man sieht steigende Umsätze in allen anderen Bereichen. Die Service-Umsätze steigen von 12,7 auf 15,7 Milliarden Dollar.

Man gibt keine Aussicht für das Geschäft im laufenden Quartal, wie seit Beginn der Pandemie.

Hier die Headline-Statements von CEO und CFO:

“This quarter for Apple wouldn’t have been possible without the tireless and innovative work of every Apple team member worldwide,” said Tim Cook, Apple’s CEO. “We’re gratified by the enthusiastic customer response to the unmatched line of cutting-edge products that we delivered across a historic holiday season. We are also focused on how we can help the communities we’re a part of build back strongly and equitably, through efforts like our Racial Equity and Justice Initiative as well as our multi-year commitment to invest $350 billion throughout the United States.”

“Our December quarter business performance was fueled by double-digit growth in each product category, which drove all-time revenue records in each of our geographic segments and an all-time high for our installed base of active devices,” said Luca Maestri, Apple’s CFO. “These results helped us generate record operating cash flow of $38.8 billion. We also returned over $30 billion to shareholders during the quarter as we maintain our target of reaching a net cash neutral position over time.”

Grafik zeigt Details der Quartalszahlen von Apple

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Facebook-Quartalszahlen: Erneut Prognosen übertroffen, Aktie dennoch unter Druck

Stefan Jäger

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Facebook heute mit Quartalszahlen - Beispielbild mit App Logos

Die Facebook-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen im Überblick.

Der Umsatz liegt bei 28,07 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 21,08/erwartet 26,4). Das entspricht einem Anstieg von 33% zum Vorjahr.

Der Gewinn liegt bei 3,88 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,56/erwartet 3,22). Auch beim Gewinn schafft das Unternehmen ein Wachstum von 52% zum Vorjahr.

Die Aktie ist nachbörslich weiterhin unter Druck (-4%), die guten Zahlen leiden unter dem schwachen Gesamtmarkt. Anleger nehmen scheinbar Gewinne mit – Sell on Good News!

Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer liegt bei 2,80 Milliarden, ein Anstieg von 12% im Jahresvergleich.

Die Zahl der täglich aktiven Nutzer liegt bei 1,84 Milliarden, ein Anstieg um 11% im Jahresvergleich.

Die operative Marge liegt bei stolzen 46%, im Vorjahr waren es 42%!

Kurz-Fazit: Beim Umsatz und Gewinn je Aktie kann Facebook erneut die Erwartungen übertreffen. Zudem schafft der Socialmedia-Gigant ein Wachstum bei der operativen Marge von 4% zum Vorjahr. Auch bei den Nutzerzahlen gibt es kein Rückschlag, im Gegenteil, die Werte legen sogar im zweitstelligen Bereich zu. Das Unternehmen gilt auch als ein starker Profiteur der Corona-Pandemie, da ist es nicht verwunderlich, dass die Daten sehr gut ausfallen. Die weltweiten Beschränkungen führen dazu, dass sich immer mehr Menschen im digitalen Raum aufhalten.

Die Headline-Statements seitens Facebook:

„We had a strong end to the year as people and businesses continued to use our services during these challenging times,“ said Mark Zuckerberg, Facebook founder and CEO. „I’m excited about our product roadmap for 2021 as we build new and meaningful ways to create economic opportunity, build community and help people just have fun.“

We believe our business has benefited from two broad economic trends playing out during the pandemic. The first is the ongoing shift towards online commerce. The second is the shift in consumer demand towards products and away from services. We believe these shifts provided a tailwind to our advertising business in the second half of 2020 given our strength in product verticals sold via online commerce and our lower exposure to service verticals like travel. Looking forward, a moderation or reversal in one or both of these trends could serve as a headwind to our advertising revenue growth.

We expect 2021 total expenses to be in the range of $68-73 billion, unchanged from our prior outlook. This is driven by investments in technical and product talent as well as continued growth in infrastructure costs.

Facebook Quartalszahlen: Financial Statement

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Tesla-Quartalszahlen: Gewinn verfehlt Erwartungen

Claudio Kummerfeld

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am

Frontansicht eines Autos von Tesla

Die Tesla-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 10,74 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 7,38/erwartet 10,3).

Der Gewinn liegt bei 0,80 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,41/letztes Quartal 0,76/erwartet 1,01).

Die operative Marge sinkt im Quartalsvergleich von 9,2 Prozent auf 5,4 Prozent.

Der Free Cash Flow steigt im Quartalsvergleich von 1,39  Milliarden auf 1,87 Milliarden Dollar.

Die Aktie notiert nachbörslich mit -6 Prozent.

Grafik zeigt Details der aktuellen Quartalszahlen von Tesla

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