Anleger sollten sich auf einen Rückgang am US-Aktienmarkt einstellen und bereit sein, zuzuschlagen, wenn die Angst ihren Höhepunkt erreicht. Denn ein starkes Gewinnumfeld treffe auf wachsende Risiken, so sagt es laut Bloomberg Andrew Slimmon von Morgan Stanley Investment Management. Während Aktien gestern nachgaben, nachdem ein Bericht, wonach OpenAI interne Umsatzziele verfehlt habe, neue Bedenken hinsichtlich der Ausgaben für künstliche Intelligenz aufkommen ließ, ist der S&P 500 Index weiterhin auf Kurs für seinen besten Monat seit mehr als fünf Jahren. Seine Einschätzung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, da einige der größten Technologieunternehmen der Wall Street, darunter Alphabet, Amazon und Microsoft, heute Abend nach Börsenschluss ihre Ergebnisse veröffentlichen werden.
US-Aktienmarkt: Rückschlag möglich – abwarten
Robuste Unternehmensgewinne und Hoffnungen auf eine Entspannung der Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben eine rasante Rallye am US-Aktienmarkt befeuert, die den Leitindex um fast 10 % nach oben trieb – ihn aber gefährlich überdehnt zurückließ. Ein Maß für die relative Stärke hat überkaufte Niveaus erreicht, während die Anlegerpositionierung leicht übergewichtet ist, was Aktien anfällig für eine rasche Umkehr macht.
Für Slimmon ist ein Großteil des Gewinnoptimismus bereits eingepreist. Aktien, insbesondere die sogenannten „Magnificent Seven“, haben stark zugelegt, was das Risiko erhöht, dass selbst solide Gewinne nicht ausreichen könnten, um die Kurse weiter nach oben zu treiben.
„Sollten unerwartete schlechte Nachrichten auftauchen, könnte es zu einer Art Rückgang oder Korrektur kommen, da die Positionierung sehr aggressiv geworden ist“, sagte Slimmon in einem Interview. Solche Rückgänge seien gesund, da sie dazu beitragen, eine übermäßig optimistische Stimmung wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Er reiht sich in eine wachsende Liste von Marktprognostikern ein – darunter John Flood von Goldman Sachs – die darauf hinweisen, dass ein Aufflammen der Angst am US-Aktienmarkt eine Kaufgelegenheit für Anleger schaffen könnte. Andere an der Wall Street warnen hingegen vor einem wackeligen Fundament, auf dem die jüngste Rallye ruht, da nur eine Handvoll Aktien für die jüngsten Kursgewinne verantwortlich sind.
Slimmon rät Anlegern, geduldig zu bleiben, anstatt bei den aktuellen Kursniveaus neues Kapital einzusetzen. „Wenn jemand über Bargeld zum Investieren verfügt, ist dies möglicherweise nicht der beste Zeitpunkt, es einzusetzen“, sagte er.
Langfristig optimistisch
Langfristig bleibt er optimistisch für den US-Aktienmarkt. Makroökonomische Risiken, darunter geopolitische Spannungen, höhere Ölpreise und Bedenken hinsichtlich der Disruption durch KI, dürften seiner Ansicht nach die Gewinnentwicklung kaum beeinträchtigen. Stattdessen verweist Slimmon auf starke Gewinnrevisionen als die treibende Kraft hinter den Aktien. Unternehmen haben die Erwartungen durchweg übertroffen und die Prognosen nicht nur für dieses Jahr, sondern auch für die Zukunft angehoben.
Slimmon hob große US-Banken hervor, die seiner Meinung nach trotz solider Fundamentaldaten, gestützt durch widerstandsfähige Verbraucher und potenzielle Deregulierungsimpulse, immer noch mit deutlichen Abschlägen gehandelt werden. Was Risiken für den US-Aktienmarkt angeht, könnten anhaltend hohe Ölpreise die Gewinnrevisionen verlangsamen und den Weg der Federal Reserve zu Zinssenkungen erschweren, was weitere Kursgewinne potenziell begrenzen könnte. Ohne eine signifikante Eskalation dieser Belastungen erwartet Slimmon, dass der allgemeine Aufwärtstrend bei Aktien intakt bleibt.
FMW/Bloomberg
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