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US-Aktienmarkt: Dominanz als weltweites Klumpenrisiko!

Der US-Aktienmarkt und seine Dominanz

Der US-Aktienmarkt entwickelt sich immer mehr zu einem Klumpenrisiko für Investoren! Bereits am 14.12.2018 erschien bei Finanzmarktwelt ein Artikel mit der Überschrift „Das Billionen-Dollar-Risiko – Warum der US-Aktienmarkt Stärke und zugleich Achillesferse der US-Wirtschaft ist“.

Darin ging es um den gigantischen Anstieg des US-Aktienmarktes auf fast 40 Billionen Dollar bis zum Juli des Jahres 2018 – und warum sich die USA mit dieser Dominanz der Wall Street in eine unglaubliche Abhängigkeit begeben haben. Anschließend kam es zu einer Korrektur des S&P 500 von 19,78 Prozent. Jerome Powell hatte mit einem Kommunikationsfehler einen Abverkauf in Höhe von fast acht Billionen Dollar verursacht. Die Folge war eine 180-Gradwende in der Zinspolitik.

Jetzt steht die Federal Reserve vor einer Änderung ihrer Geldpolitik – und die Relationen haben noch einiges an Schärfe gewonnen.

US-Aktienmarkt: 50 Billionen Dollar Marktkapitalisierung der Wall Street, Stärke und Damoklesschwert zugleich

Bevor ich auf die aktuelle Situation vor dem Tapering eingehe, zunächst ein paar Zeilen aus dem damaligen Artikel, die sich drei Jahre später in kaum einer Weise verändert haben:

„Diese Zahlen sind beeindruckend und furchteinflößend zugleich. Gemäß der Liste der World Federation of Exchanges betrug die Marktkapitalisierung der US-Börsen im Juli 2018 sagenhafte 39,4 Bio. Dollar (NYSE 24 Bio., Nasdaq 12,3 Bio.), dies entsprach einem Anteil von 45 Prozent an allen Weltbörsen (84,9 Bio. Dollar ). Trotz des Einbruchs der Märkte seit Oktober hat sich diese Relation noch wenig verändert. Dies offenbart eine unglaubliche Dominanz der Amerikaner im Weltfinanzsystem. Für viele Amerikaner ist der Aktienmarkt die Quelle des Wohlstands, vom Durchschnittsbürger mit kleinem Aktiendepots und 401 k Altersvorsorgeplan bis hin zum Großinvestor im Finanzsystem.“

Nach einer Bilanz der Fed ist das Aktienvermögen der US-Bürger derzeit höher als das Immobilienvermögen (25 zu 24%), dergleichen gab es seit dem Zweiten Weltkrieg nur zwei Mal – 1968 und 1999. Aber daraus ergibt sich eben auch zwangsläufig eine große Abhängigkeit des gefühlten Reichtums der Bevölkerung im Wirtschaftsland Nummer eins vom Zustand der Wall Street, also vom US-Aktienmarkt.

Heute hat die Marktkapitalisierung der Wall Street bereits die 50 Billionen Dollar-Marke überschritten, allein der marktbreite S&P 500 wird mit über 37 Billionen Dollar bewertet. Auch wenn es viele aufstrebende Märkte gibt, die Dominanz der USA ist trotzdem geblieben, von den 118 Billionen Dollar des globalen Aktienmarktes entfallen 43 Prozent auf die USA.

Hier eine Übersicht von Advisor Perspectives, die aufzeigt, wie gigantisch der S&P 500 seit dem Tief in der Finanzkrise gestiegen ist. Plus 562 Prozent, also mehr als das Sechsfache – von 676 auf aktuell 4448 Punkte. Erstaunlicherweise kann der indische Sensex hier mithalten. Aber es handelt sich hierbei um einen Emerging Market, mit einem Pro-Kopf-Einkommen in der Bevölkerung von aktuell gerade einmal 2190 Dollar (statista).

Der US-Aktienmarkt im internationalen Vergleich

MSCI World, Investieren in US-Aktien

Das Anlegen in kostengünstige Exchange Traded Funds und in die großen Weltindizes (World, All Country World) ist populärer denn je und steigert sich von Jahr zu Jahr. ETFs haben die Neun-Billionen-Dollar-Grenze überschritten und damit entsteht trotz einer Diversifikation ein immer größeres Klumpenrisiko. Ob über 65 oder knapp 60 Prozent, wer in die Weltindizes investiert, kauft US-Aktien und in großem Maße Apple, Amazon, Microsoft und Co. Wenn FANGMA korrigiert, leiden überall auch große Depots, selbst die von Staatsfonds.

Fazit

Eine derart hohe Dominanz einer Landesbörse gab es zuletzt Ende der 1980er-Jahre, als die Immobilienspekulation in Japan irrationale Ausmaße angenommen hatte – mit den bekannten Folgen. Heutzutage haben die USA mit ihrer dominanten Wall Street diese Rolle eingenommen, befeuert durch Regierung (Steuerreform) und Notenbank mit ihren mehrfachen Anleihekaufprogrammen seit 2010.

Damit befindet sich die US-Notenbank in einer sehr misslichen Lage. Bereits ein Einbruch beim US-Aktienmarkt in Richtung Bärenmarkt, hätte eine Schrumpfung von 10 Billionen Dollar zur Folge, auch wenn davon ein Teil in sicheren Häfen landen würde.

Natürlich weiß das Jerome Powell, genauso wie Hunderte Kongressabgeordnete, deshalb wird man versuchen, einen Einbruch abzumildern und möglichst in die Zukunft zu verschieben. Ob die Akteure nun Nancy Pelosi, Mitch Mc Connell oder Jerome Powell heißen, die Wall Street ist in aller Interesse.



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