Aktien

US-Aktienmarkt: Wenn der Markt vom Glauben abfällt, fallen die Kurse

Die Risiken und Nebenwirkungen

Dabei ergeben sich zunehmend Kollateralschäden im Verbalkrieg um neue Allzeithöchststände am US-Aktienmarkt. Nach dem Prinzip linke Tasche, rechte Tasche verlieren seit kurzem sowohl die Direktinvestoren als auch die großen Misch-, und Rentenfonds durch Kursverluste an den Anleihemärkten das, was an den Aktienmärkten verdient wird. Und schlimmer noch: Das sich aufblähende Aktienvermögen befindet sich in wenigen konzentrierten Händen wohlhabender Amerikaner, wohingegen steigende Zinsen als Konsequenz fallender Anleihekurse die große Masse der bis über beiden Ohren verschuldeten Mittel- und Unterschicht trifft. Lobbyarbeit at it´s best, Mr. Kudlow!

Ein anderes Dilemma ergibt sich daraus, dass sich Präsident Trump, ermutigt durch die neuen Allzeithöchststände der Aktienindizes, neuerdings wieder in einer Position der Stärke wähnt. Er hält tatsächlich die permanent steigenden Kurse der Anteilsscheine von Corporate America für ein Zeichen der Robustheit der US-Volkswirtschaft. Dieser Zusammenhang ist jedoch stark vereinfacht, wie man an der bereits seit September letzten Jahres rückläufigen US-Wachstumsdynamik und der Gewinnrezession bei den im S&P 500 enthaltenen Unternehmen sehen kann (Quelle: UBS):

Gewinne am US-Aktienmarkt in Form der EPS

Hauptsächlich Sonderfaktoren, wie massenhafte Aktienrückkäufe durch Bonus orientierten Vorstände und die erneut ultralaxe Geldpolitik der US-Notenbank Fed halten, zusammen mit der ewigen Hoffnung auf einen Handelsdeal, den US-Aktienmarkt in luftigen Höhen. Auf den aktuellen Bewertungsständen des S&P 500 ist es nicht ungefährlich, mit der Wahrheit so sorglos umzugehen, wie es Kudlow & Company gerade tun. Da kann man nur hoffen, dass weder die künstliche Intelligenz noch die menschliche Intelligenz dem Herrn Kudlow auf die Schliche kommen. Wobei Intelligenz wohl das falsche Maß für Handelssysteme und Trader ist, die diesen Herren noch ernst nehmen. Es ist wohl eher die gute alte Gier (Greed is good!).

Fazit und Ausblick

Das Zusammenspiel von wirtschaftlichen Interessen der Wall Street und allen, die an diesem Geschäftsmodell partizipieren sowie der den Amerikanern innewohnende Optimismus erlauben es politischen Protagonisten wie Larry Kudlow, die Märkte derart verbal zu „lenken“. Gleichwohl ist es eine erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, dass es selbst Mitte November nach wie vor nur aktive Zölle, Verbannungen von chinesischen Firmen vom US-Markt und Sanktionen gegen Unternehmen und Personen gibt, aber keinen einzigen Deal. Well done, cheerleader Kudlow!

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4 Kommentare

  1. @Hannes Zipfel, erneut ein wunderbarer Artikel! Fundiert und dennoch ironisch die amerikanische Komödie in ihrer ganzen Skurrilität offenlegend. Amüsant und herrlich zu lesen, sind Ihre Beiträge von Anfang an eine absolute Bereicherung der ohnehin schon sehr guten FMW-Artikel. Und natürlich zur düster-grauen Humorlosigkeit, der Verbissenheit und dem Bierernst zahlreicher Kommentatoren auf dieser Seite ;)

  2. Vielen Dank für diesen sehr guten Beitrag Herr Zipfel. Sie treffen den Nagel auf den Kopf.

    In meinen Augen ist das Weisse Haus zu einem Hedgefonds verkommen. Es geht nicht mehr um Klimaschutz oder Krankenversicherung für benachteiligte Menschen, es geht nur noch um Aktienindizes. Die meisten Meldungen von obersten Stellen betreffen hauptsächlich den ominösen Deal mit China. Es werden sogar Unwahrheiten vermeldet, nur um die US Aktienmärkte parabolisch nach oben zu katapultieren.

    Leider sind, wie so oft, die verantwortlichen „Befehlshaber„ schon alt und haben nichts mehr zu verlieren. Um noch einen letzten Jahrhundert-Trade zu machen, nehmen sie Risiken in Kauf, die die nachfolgenden Generationen auszubaden haben.

    DT verspricht bereits bei Wiederwahl enorme Steuererleichterungen…
    Geld drucken und Schulden machen kann Jeder. Dass das auf Kosten der nachrückenden Generationen erfolgt, spielt dabei keine Rolle – Hauptsache die Verantwortlichen haben mit ihrem Mega-Trade ihr Vermögen von mickrigen 50 Mio. USD auf 200 Mio. USD gehievt…

  3. So könnte man also zum S&P 500 einen Index kreieren, der mit dem S&P korreliert.
    Man könnte ihn L&K Fake-Index. ( Larry Kudlow Lügenindex) oder Larry Kotzbrocken -Index nennen.
    Es ist auch tragisch mit welchen Leuten sich DT umgibt, ( Kudlow , Giuliani ) u.s.w. nachdem er doch schon massenweise Leute ausgewechselt hat, sollten diese Kreaturen nun die Besten sein ? Dies wird für die Wiederwahl sicherlich nicht förderlich sein. Es gibt ja noch einen andern Index der auch parallel zum S&P läuft, nämlich der Verschuldungsindex.Die Restwelt hat noch nicht gemerkt wie man Werte ( Buchgewinne)
    schafft, nämlich MÖGLICHST VIELE SCHULDEN U.MÖGLICHST VIEL LÜGEN.

  4. Und hier die Meinung von Jemandem,der einen klitzekleinen
    Internetauftritt besitzt.

    https://www.zerohedge.com/markets/jack-ma-warns-trade-war-could-last-20-years-amid-threats-globalization-has-peaked

    Ich hoffe er irrt.

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