Anleihen

Fed-Hoffnung und Konjunktursorgen US-Arbeitsmarkt schockt Märkte – Fed-Zinswetten kippen

Illustration: KI-generiert mit ChatGPT

Die US-Arbeitsmarktdaten sind deutlich schwächer als erwartet ausgefallen und haben an den Finanzmärkten kräftige Kursschwankungen ausgelöst. Zugleich stellten sie die Zinserwartungen an die Fed für September auf den Kopf. Mit einer 5er-Standardabweichungen verfehlten die Daten zum US-Arbeitsmarkt die Erwartungen außergewöhnlich deutlich. Aktien, Anleihen und Euro profitierten zunächst von sinkenden Zinserwartungen, doch Teile der ersten Marktreaktion wurden schnell wieder revidiert. Für Anleger stellt sich damit die entscheidende Frage: Überwiegt die Hoffnung auf eine weniger restriktive Fed oder wächst die Sorge vor einer deutlichen Abkühlung der US-Konjunktur?


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US-Arbeitsmarktdaten enttäuschen

Laut einem Bericht von Bloomberg sank die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im Juli überraschend um 23.000 Stellen. Hinzu kamen deutliche Abwärtsrevisionen für die beiden Vormonate. Die Arbeitslosenquote fiel zwar auf 4,1 Prozent, allerdings vor allem vor dem Hintergrund einer weiter sinkenden Erwerbsquote. Damit liefert der Arbeitsmarkt erstmals seit längerer Zeit ein deutliches Warnsignal.

Entsprechend stark veränderten sich unmittelbar die Zinserwartungen. Vor Veröffentlichung des Berichts galt eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September noch als wahrscheinlichstes Szenario. Der Markt preiste dafür eine Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent ein. Inzwischen rechnen etwa 56 Prozent der Marktteilnehmer mit unveränderten Zinsen, während die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf rund 44 Prozent gefallen ist. Für Oktober zeigt sich nun ein ausgeglichenes Bild.


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Auch am US-Anleihemarkt war die Reaktion zunächst eindeutig. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel unmittelbar nach den Daten von rund 4,668 auf 4,606 Prozent. Anschließend setzte jedoch eine Gegenbewegung ein, wodurch die Rendite wieder auf etwa 4,625 Prozent stieg. Bei zweijährigen Treasuries, die besonders empfindlich auf Veränderungen der Fed-Erwartungen reagieren, gingen die Renditen ebenfalls deutlich zurück.

Arbeitsmarkt-Schock: US-Arbeitsmartdaten reduzieren Wetten auf Fed-Zinsen
Zinserhöhungswetten schwinden nach Arbeitsmarkt-Schock

Aktienmärkte revidieren erste Rallye

Besonders interessant fiel die Reaktion an den US-Aktienmärkten aus. Nasdaq 100 und S&P 500 zogen unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen zunächst deutlich an. Die Logik dahinter war eindeutig: Ein schwächerer Arbeitsmarkt reduziert den Druck auf die Fed, die Zinsen weiter anzuheben.

Doch diese erste Rallye erwies sich zumindest teilweise als voreilig. Rund um die US-Börseneröffnung wurden große Teile der vorbörslichen Gewinne wieder abgegeben. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq 100 zeigten sich anschließend unentschlossen. Insgesamt bleibt die Reaktion volatil mit einer leicht positiven Tendenz.

Diese Entwicklung zeigt das aktuelle Dilemma der Aktienmärkte. Schwächere Konjunkturdaten können zunächst positiv interpretiert werden, weil sie die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die Fed reduzieren. Werden die Daten jedoch zu schwach, rücken gleichzeitig Wachstums- und Rezessionsrisiken stärker in den Vordergrund.

Dollar gerät unter Druck

Auch am Devisenmarkt waren die Ausschläge erheblich. Der US-Dollar brach gegenüber dem japanischen Yen nach Veröffentlichung der Zahlen zeitweise um rund ein Prozent ein. Diese Bewegung wurde anschließend jedoch zum Teil wieder aufgeholt. Auch gegenüber dem Euro blieb der Dollar unter Druck, während der Euro seine Gewinne weiter ausbauen konnte. Der Goldpreis profitierte hingegen von den gesunkenen Zinserwartungen und baute seine jüngste Rally bis auf 4.371 Dollar aus.

Allerdings ergibt sich nach dem Arbeitsmarktbericht kein vollkommen eindeutiges Marktbild. Anleihen und Devisen spiegeln zwar niedrigere Erwartungen an eine kurzfristige Fed-Straffung wider, doch die teilweise Rückabwicklung der ersten Bewegungen zeigt, dass Anleger die konjunkturelle Botschaft der Daten zunehmend hinterfragen.

Der nächste wichtige Prüfstein folgt bereits mit den US-Verbraucherpreisen. Angesichts gestiegener Energiepreise bleiben die Inflationsrisiken relevant. Sollten jedoch auch die kommenden Inflationsdaten schwächer ausfallen, dürfte eine Zinserhöhung im September zunehmend vom Tisch sein. Bleibt die Inflation dagegen hartnäckig, steht die Fed vor einem schwierigen Zielkonflikt: einem überraschend schwachen Arbeitsmarkt auf der einen und weiterhin bestehenden Preisdruck auf der anderen Seite.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Nun ja, vielleicht sinkt ja auch das Interesse der Leute am Arbeiten, weil allerdorten „traden“ als gewieftere Einkommensidee propagiert wird? Und wenn es rund um die Uhr zu verfolgen gilt, wo sich gerade das Gewinne-mitnehmen und Dips-kaufen anbietet, bringt man andere Tätigkeiten nur noch schlecht unter. Wozu sich für läppische Stundenlohnerhöhungen oder Gewerkschaftsarbeit interessieren, wenn man mit Palantir in 4 Tagen 40% Plus machen kann? Derzeit klappt es so gut auf den Finanzmärkten, aus Luftnummern Geld zu schlagen, dass diejenigen, die konkret schuften, profitlich abgehängt werden und sich geradezu dumm vorkommen müssen, ihre Zeit zu „vertun“ und für jede Arbeitsstunde in die Krankenkasse einzuzahlen…. Das tradende Gewerbe löst das produzierende ab und Schulden-machen wird belohnt.

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