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Konjunkturdaten

US-Arbeitsmarktdaten Analyse – warum der Dow momentan steigt (Einzehlhandel brutal schlecht)

Claudio Kummerfeld

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Die US-Arbeitsmarktdaten wurden vorhin veröffentlicht mit 136.000 neuen Stellen im September, was zwar schwächer war als erwartet (145.000 Stellen). Aber: Die Vormonats-Zahl von 130.000 wurde jetzt korrigiert auf 168.000. Von daher könnte man vermuten, dass auch die aktuelle Zahl von 136.000 in vier Wochen nach oben korrigiert wird? Auch die Arbeitslosenquote ist von 3,7% auf 3,5% gesunken. Deswegen schöpft der Markt aktuell Hoffnung, und der Dow 30 steigt seit 14:29 Uhr um bis zu 160 Punkte. Ob es beim Plus am Markt bleibt, ist noch nicht sicher.

Aber nun zur Detailanalyse der neu geschaffenen Stelen. Von den 136.000 neuen Stellen wurden 22.000 beim Staat geschaffen. Somit gibt es 114.000 neu geschaffene Stellen im US-Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe wurden insgesamt 5.000 Stellen neu geschaffen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung genau bei 0. Auf dem Bau wurden 7.000 neue Stellen geschaffen. Die Industrie baute 2.000 Stellen ab.

Verbleiben 109.000 neu geschaffene Stellen bei Dienstleistungsberufen in den USA im Monat September. Und wow, brutal schwach zeigt sich der US-Einzelhandel. Eigentlich DAS Zugpferd der US-Volkswirtschaft. Dort wurden im September 11.400 Stellen abgebaut! Alleine im Untersektor Bekleidung gingen 13.800 Stellen verloren (man denke an die jüngste Forever21-Pleite uvm).

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

US-Arbeitsmarktdaten September

Der ebenfalls sehr wichtige Sektor „Bildung und Pflege“ schuf mit 40.000 Stellen einen eher schwachen Zuwachs. Nur 21.000 Stellen wurden neu geschaffen beim Sektor „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc. Auch das ist ein sehr schwacher Wert. Aber vor allem kann man sagen, dass der Einzelhandel ein Loch in die Gesamtzahl für September gerissen hat. Zumindest nach aktuellem Stand. Kommt in vier Wochen die Aufwärtskorrektur, so wie heute für August?

Quelle: US BLS

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Michael

    4. Oktober 2019 15:29 at 15:29

    Wie bei den paar neuen Stellen die Arbeitslosenquote bei gleichbleibender Beteiligungsquote um 0,2% sinken kann, wird wohl wieder mal ein Geheimnis der US-Statistiker bleiben.

    Und es stellt sich die Frage nach der Hoffnung, die den DOW nach oben pusht:
    Hoffnung, dass die Zahlen in einem Monat nach oben revidiert werden?
    Hoffnung, dass doch die Wirtschaft eigentlich gar nicht so schlecht läuft?
    Hoffnung, dass die Wirtschaft ziemlich schlecht läuft und die Zinsen bald gesenkt werden?

    • Avatar

      Wolfgang M.

      4. Oktober 2019 17:55 at 17:55

      @Michael. Hallo. Ich denke die Antwort ist eine Mischung auf Ihre beiden letzten Fragen. Seit ewigen Zeiten gibt es in der Anlage die Konkurrenz zwischen Anleihen und Aktien. Derzeit notiert die 10-jährige US-Treasury bei 1,50 Prozent und damit unterhalb der Inflationsrate. Man steigt nur aus den Aktienmärkten, die derzeit eine höhere Dividentenrendite als die Benchmark (10yrTr) bietet, aus, wenn eine Rezession erkennbar ist. Die Arbeitsmarktzahlen haben diese Furcht gerade wieder etwas vertrieben, die Hoffnung auf eine Zinssenkung aber am Leben gehalten. Das ganze System ist abhängig von Rendite, von den staatlichen Rentensparplänen über die Vermögensbildung, über Versicherungen bis hin zur Spekulation. Man bleibt also im Markt, bis neue Daten eine Rezession wieder wahrscheinlicher werden lassen. Also reitet man den Gaul, bis er zusammenbricht. Jede Versicherung, jeder Fonds hat Grundkosten, die mit jedem Rückgang an den Geld- und Anleihemärkten immer weniger zu verdienen sind. Mancher wird die Feststellung nicht mehr hören können. Wenn bei den niedrigen Zinsen keine Rezession droht, wird man notgedrungen immer wieder in den Aktienmarkt gespült. Vor 10 und 20:Jahren konnten die Kapitalsammelstellen in der Krise die Kosten bei 4/5-Prozent Geldmarktzinsen hereinholen und überwintern. Heute nicht mehr: Wer bei diesem Zinsniveau mehrere Monate keine Einkünfte hat, verliert Kunden, Investment Management Fee und Boni. Das ist nach meiner Meinung das Big Picture, neben dem täglichen „Noise“.
      Viele Grüße

      • Avatar

        Michael

        4. Oktober 2019 19:54 at 19:54

        @Wolfgang M., wenn ich das alles richtig verstehe, ist das Ganze ein Tanz auf Rasiermessers Schneide. Die katastrophalen Daten des ISM EMI vom Dienstag wurden korrekterweise als eindeutige Hinweise auf eine Rezession interpretiert, mit entsprechender Reaktion. Die ebenfalls sehr schlechten Daten des ISM EMI vom Donnerstag wurden ebenso interpretiert, mit entsprechender erster Reaktion, die dann aber durch die Hoffnung auf Zinserhöhungen wegen Rezessionsgefahr konterkariert wurde. Die tendenziell, sagen wir mal, bescheidenen geht-so-grade-noch Arbeitsmarktdaten halten nun die Hoffnung auf keine Rezession bei gleichzeitig sinkenden Zinsen am Leben. Die beste aller Welten!

        Oder, die Wall Street hat den (Größen)Wahnsinn, die Lügen und die Selbsttäuschung des großartigsten aller Präsidenten jemals inzwischen assimiliert und feiert (mal wieder) fröhlich zockend Hoffnungsrallys, bis sie (mal wieder) bricht. Wobei man nicht vergessen sollte, dass auch die amerikanischen Aktienindizes seit fast zwei Jahren keine Zuwächse verzeichnen können. Rechnet man die horrenden Verwaltungs- und sonstigen Gebühren für Joe Sixpack aus Midwest ein, der seine kreditfinanzierten Ersparnisse ;) den „Profis“ zur Anlage anvertraut, dürften selbst dort inzwischen die Nervenenden hektisch flattern.

        • Avatar

          Wolfgang M.

          4. Oktober 2019 22:54 at 22:54

          Hallo Michael. Da haben Sie wohl Recht. Viele Investoren bleiben mangels Alternative im Markt, in der Hoffnung rechtzeitig aussteigen zu können. Es kann auch noch eine Zeit gut gehen. Aber dann kommt irgend ein Ereignis, welches schlagartig die Erkenntnis bringt, dass die Party doch vorbei ist. Dann kommt der Fluchtreflex und der Einbruch erfolgt in ganz kurzer Zeit, zuerst immer begleitet von dem Gedanken, dass es sich nur um eine Korrektur handelt. Das auslösende Ereignis muss völlig überraschend kommen, sonst kann es nicht diese Auswirkung haben. Im Dezember 2018 war es ein Wort mit Katalysatorwirkung (autopilote), vor wenigen Tagen war es der 47,6 Punkte-ISM – ruckzuck waren 1100 Punkte im Dow weg. Ich habe jetzt schon drei Rezessionen aktiv miterlebt und bin immer wieder überrascht, wie schnell die Stimmung umschlägt. Desto länger der Aufschwung, umso heftiger der Abschwung, da viele Anleger auf großen Gewinnen sitzen und diese nicht verlieren wollen – was natürlich nicht funktionieren kann. Und dann kommen die Margin Calls für die Gierigen. Es ist auch ein wirtschaftliches Phänomen, dieser Effekt der Nichtlinearität, mit einem plötzlichen Umschlagen der Situation in ihr Gegenteil (Enantiodromie). Wie in der Meteorologie, der berühmte Schmetterlingsschlag in Asien und das Unwetter in den USA. Unser lineares Denken führt uns stets in die Irre, allerdings geschieht das nicht so häufig, dafür aber umso heftiger. Im Nachhinein erscheint es immer eindeutig und logisch (die Stunde derer, die es schon immer gewusst haben wollen), aber nicht in der aktuellen Situationsbeurteilung.
          Es gibt natürlich auch die Methode des (jahrelangen) Aussitzens – beim Hinsehen extrem cortisolbildend!
          Jetzt habe ich aber genug gebabbelt – wäre fast ein Artikel ins Börsenpsychologische geworden.😀
          Wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

  2. Avatar

    Roberto

    4. Oktober 2019 17:02 at 17:02

    Hi @Michael, es ist in der Tat NUR die Hoffnung. Denn wenn es nach den tatsächlichen Fakten gehen würde, dann würde der Dow sehr wahrscheinlich unter 20tsd stehen. Das ist ja meine Rede. wenn einem sein Geld lieb ist, sollte man sich entweder aus dem Markt raus halten oder sich aber Trading technisch anpassen. Denn Fakten brauchen sehr lange bis sie an den Märkten wirklich spürbar werden. So meine Meinung.
    Wünsche allen ein erholsames Wochenende.

    • Avatar

      Michael

      4. Oktober 2019 17:25 at 17:25

      Hi Roberto, aus diesem Grund halte ich mich ja auch aus den Aktienmärkten raus und verfolge das Ganze amüsiert und schmunzelnd von der Seitenlinie aus. Dann schon lieber FOREX-Handel, da zählen und wirken Fakten noch etwas mehr, auch wenn auch hier seit November 2016 der Wahnsinn schleichend Einzug hält.

    • Avatar

      Nix-Trader

      4. Oktober 2019 17:36 at 17:36

      @ Roberto, wenn das deine Überzeugung ist, hätte man bei dünner Luft um die S&P ca. 3000 auch eine Short-POS.wagen können u.kann jetzt schön zuschauen wie es weitergeht.Es gibt jetzt vermehrt Leute die von S&P Korrektur bis 2300 sprechen.Gemäss deiner Kommentare hast du solche Leute in letzter Zeit eher
      verpönt. Ich fühle mich pudelwohl mit meinem S&P Short bei 2997 . Wenn es nochmals hochkommt wird aufgestockt.

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Europa

Gastgewerbe: So stark fiel der Umsatz im letzten Jahr

Claudio Kummerfeld

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Leere Stühle bei der Außengastronomie eines Restraurants

Das Gastgewerbe (Hotels, Restaurants, Catering) ist neben Reisebüros, Fluggesellschaften und anderen wohl mit am Schlimmsten betroffen von der Coronakrise. Heute hat das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung veröffentlicht, wie stark die Umsätze im Gastgewerbe im Gesamtjahr 2020 eingebrochen sind. Es ist ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber 2019.

Für den Monat November liegen gesicherte Zahlen vor. Dazu drei Vergleiche: Im November 2020 fiel der Umsatz im Gastgewerbe gegenüber Oktober 2020 um 52,3 Prozent. Der Umsatz lag 67,4 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2019 war der Gastgewerbeumsatz 67,9 Prozent geringer.

Die Grafik ist aufschlussreich. Man sieht den ersten Absturz aus dem Frühjahr, von einem Normalwert bei 105,4 runter auf 26,2 Indexpunkte. dann im Jahresverlauf nach dem ersten Lockdown die Erholung auf 82,8 Punkte im August. Und dann folgt der zweite Absturz bei den Umsätzen im Gastgewerbe ab Oktober, runter auf 34,4 Punkte im November.

Grafik zeigt Verlauf der Umsätze im Gastgewerbe seit dem Jahr 2013

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Asien

Bruttoinlandsprodukt: China ist gewachsen, Deutschland und Europa hinken hinterher

Redaktion

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Von

Shanghai ist die weltweit bekannteste Metropole in China

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im Gesamtjahr 2020 um 5 Prozent gesunken (wir berichteten). Dieses Ergebnis war besser als gedacht. Für die Eurozone liegen die Erwartungen bei -7,5 Prozent. Und China? Wohl dank der schnellen und extrem harten Lockdown-Maßnahmen (Millionen Menschen wurden quasi zuhause eingesperrt) kam das Land schnell aus der Coronakrise heraus, und Wirtschaft und Handel waren relativ gering beeinträchtigt.

Ganz aktuell liegen staatliche Aussagen aus China vor, wonach das Bruttoinlandsprodukt in 2020 im Jahresvergleich um 2,3 Prozent gestiegen ist! Während der Westen kräftige Rückgang der Wirtschaftsleistung verzeichnet, legt China als einziges bedeutendes Land also einen Zuwachs bei der Wirtschaftsleistung hin. Im 4. Quartal 2020 lag das BIP-Wachstum in China im Jahresvergleich sogar bei 6,5 Prozent! Im Chart sehen wir im Verlauf der letzten zehn Jahre in blau die prozentuale BIP-Wachstumsrate für China, und in schwarz die für Deutschland.

Die Industrie in Deutschland kommt zwar ziemlich gut durch die Coronakrise. Aber wir alle sehen es. Die Dienstleistungsbranche leidet massiv unter den monatelangen chaotischen Maßnahmen, dem zweiten Lockdown, und ständig geänderten Regeln. Ist für so einen Krisenfall eine Diktatur wie China besser aufgestellt, weil man Lockdown-Maßnahmen dramatisch restriktiver umsetzen kann als in Europa oder Nordamerika? Danach konnten sich Wirtschaft und Konsum sehr schnell wieder erholen, anders als hierzulande.


source: tradingeconomics.com

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Konjunkturdaten

Verbrauchervertrauen Uni Michigan – Amerikaner erwarten Inflation

Markus Fugmann

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Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (1.Veröffentlichung für Januar) ist mit 79,2 etwas schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose 80,0; Vormonat war 80,7).

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei 87,7 (Vormonat war 90,0)

Die Konsumentenerwartung liegt bei 73,8, (Vormonat war 74,6)

Die Inflationserwartungen für das nächste Jahr steigen auf +3,0% (Prognose war +2,5%) – die Amerikaner erwarten also ein deutliches Anziehen der Inflation in den nächsten Monaten..

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