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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Verwirrende Statistik

USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 199.000 Stellen im Dezember, womit die Erwartungen deutlich verfehlt wurden (Prognose 440.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 199.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 12.000 Stellen beim Staat. Es gab somit im Dezember effektiv 211.000 neue Stellen im US-Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe in den USA gab es im Dezember insgesamt einen Aufbau von 54.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +6.000 Stellen. Auf dem Bau wurden 22.000 Stellen geschaffen, und in der Industrie gab es 26.000 neue Jobs. Die folgende Grafik zeigt die Daten für das Verarbeitende Gewerbe im Dezember.

Interessant oder besser gesagt merkwürdig: Auf der einen Seite gibt es 199.000 neue Stellen im Dezember. Die Zahl der Arbeitslosen sank aber laut Statistik um 483.000 Personen. Gab es in nur einem Monat so viele neue Rentner? Die “ labor force participation rate“ bleibt aber unverändert bei 61,9 Prozent. Also, haben sich Scharen von arbeitslosen Amerikanern im Dezember in die Selbständigkeit begeben, wie es Markus Koch aktuell fragend anmerkt? Oder ist die Statistik fehlerhaft?

Die Experten der Commerzbank beurteilen diesen Arbeitsmarktbericht aktuell in einem Kommentar wie folgt, Zitat:

Wie im November ist dies aber kein schlechter Arbeitsmarktbericht. Wir hatten schon vor einem Monat auf die seit einiger Zeit zu beobachtende Tendenz hingewiesen, dass die Zahlen später noch deutlich nach oben revidiert werden. Tatsächlich wurde der Zuwachs im Oktober und im November nun um insgesamt 141 Tsd angehoben. Ähnliches könnte auch mit den Dezember-Zahlen passieren. In jedem Fall kann man vermuten, dass die Beschäftigung nicht unbedingt durch eine geringe Bereitschaft der Unternehmen, neue Stellen zu schaffen, gebremst wird. Vielmehr fehlen weiterhin Arbeitskräfte. Die Arbeitslosenquote fiel auf 3,9% und damit unter das Niveau, dass die US-Notenbank für langfristig mit Preisniveaustabilität vereinbar hält (4,0%). Sie liegt auch nur noch geringfügig höher als vor der Pandemie (3,5%, siehe Chart). Gleichzeitig trieb die Konkurrenz der Unternehmen um Arbeitskräfte den durchschnittlichen Stundenlohn um 0,6% in die Höhe. Die heutigen, um die Monatsmitte erhobenen Zahlen enthalten aber noch nicht den vollen Einfluss der neuen Omikron-Variante. Der Januarbericht dürfte daher schlechter ausfallen. Da die Auswirkungen der Pandemie von Welle zu Welle abnahmen, dürfte dies die Erholung am Arbeitsmarkt aber nur kurzfristig etwas bremsen.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt Details der US-Arbeitsmarktdaten

US-Arbeitsmarktdaten im Dienstleistungsbereich

Bei den neu geschaffenen Stellen im Dezember sehen wir nach Abzug des Verarbeitenden Gewerbes einen Aufbau von 157.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Im Einzelhandel gingen 2.100 Jobs verloren – ein wirklich schlechter Wert, wo doch der Konsum der Motor der amerikanischen Volkswirtschaft ist.

Im Bereich „Professional and business services“ gab es einen Zuwachs von 43.000 Stellen. Der Bereich „Pflege und Bildung“ schneidet extrem schwach ab mit nur 10.000 neuen Stellen. Der mit Abstand traditionell größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Hotels, Bars, Freizeitparks etc. Der Aufbau von 53.000 neuen Stellen in der Branche ist in Ordnung.


Daten und Grafiken: US BLS



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