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US-Arbeitsmarktdaten: Über Statistik-Wunder – kann man das noch ernst nehmen?

Wie aus -292.000 durch "saisonale Anpassungen" +476.000 neue Stellen wurden..

US-Arbeitsmarktdaten: Über Statistik-Wunder

Kann man diese US-Arbeitsmarktdaten überhaupt noch ernst nehmen? Da wird die Zahl aus dem Dezember heute von 199.000 Stellen auf nun 510.000 nach oben revidiert – das sind also mehr als 300.000 Stellen mehr im Dezember als zunächst gemeldet. Die Zahl neuer Stellen aus dem November wurden von 249.000 auf  647.000 nach oben revidert, fast also 400.000 Stellen mehr! In der Summe also mal eben 700.000 Stellen mehr als zunächst gemeldet!

Wenn man bedenkt, welche Markt-Reaktionen die US-Arbeitsmarktdaten hervorrufen, wird all das noch absurder. Da handeln Algorithmen eine Zahl, die im Nachhinein massiv revidiert wird, also damit faktisch wertlos ist. Vielleicht sollte das Bureau of Labor Statistics, das die Daten erhebt, schlicht die nächsten US-Arbeitsmarktdaten auswürfeln – ein Anruf in Peking genügt, dort hat man schon lange Erfahrung im Auswürfeln der politisch gewünschten BIP-Zahlen.

US-Arbeitsmarktdaten und Voodoo-Ökonomie

Schon die statistische Erhebungsmethodik der US-Arbeitsmarktdaten wirft viele Fragen auf: da gibt es etwa die „saisonalen Anpassungen“ (saisonal adjustments). Dazu schreibt das Bureau of Labor Statistics:

„Seasonal adjustment eliminates the part of the change attributable to the normal seasonal variation and makes it possible to observe the cyclical and other nonseasonal movements in CES State and Area series“.

Aha, interessant. Klingt aber doch etwas nach Voodoo-Ökonomie. Ein Wunder, dass die Chinesen noch nicht auf die Idee dieser „saisonalen Anpassungen“ gekommen sind..

Eigentlich können die Amerikaner doch Statistik wie kaum ein anderes Land – das zeigt sich besonders eindrucksvoll bei US-Sportarten wie Basketball oder Football, die alles statistisch erfassen, was schon kaum mehr zu erfassen ist.

Aber bei den offiziellen US-Arbeitsmarktdaten in den USA ist das etwas anders. Da gibt es zum Beispiel das sogenannte Birth/Death-Model, das unter Ronald Reagan eingefürt worden ist: man wollte damit die neuen Stellen bei den vielen mit dem beginnenden Compuer-Zeitalter entstehenden jungen Unternehmen erfassen. Angeblich. Allerdings fehlt dafür jede statistisch saubere Methodik. Die neu geschaffenen Stellen wurden daher einfach behauptet, geschätzt. Was Reagan und seinen Nachfolgern als US-Präsidenten nicht unlieb war, schließlich schönte das dann die wahre Lage am US-Arbeitsmarkt (die fast stets schlechter war als die offiziellen Zahlen auswiesen).

Heute etwa zeigten die Daten des „Household Survey“ (also der Umfrage unter Haushalten), dass nicht nur wie offiziell gemeldet 476.000 neue Stellen entstanden waren, sondern sogar 1,2 Millionen Stellen. Diese Zahl aber wird nur erhoben zur Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenquote, fällt also nicht unter die gemeldete Zahl neuer Stellen. Als neue Stellen gelten dagegen nur jene Stellen, die die Firmen an das Bureau of Labor Statistics melden. Und weil viele Firmen offenkundig die neuen Stellen oft stark verspätet melden, kommt es zu den heftigen Revisionen.

Eigentlich sind im Januar fast 300.000 Stellen verloren gegangen!

Nun aber wird es noch verworrener: Erinnern wir uns an die heutige offizielle Zahl der neuen Stellen, nämlich 467.000 (der Household Survey ergab sogar 1,2 Millionen Stellen). Aber die offiziell gemeldeten Stellen von 467.000 kamen lediglich durch „saisonal adjustments“ zustande, denn die Firmen selbst hatten vielmehr sogar einen Verlust von 292.000 Stellen gemeldet. Aus -292.000 Stellen wurden durch „saisonale Anpassungen“ aufgrund des „population control effect“ (was für ein schönes Wort! Herkunft aus China?) also +476.000 neue Stellen:

US-Arbeitsmarktdaten saisonale Anpassungen

Amerika, du schaffst stets neue Wunder..



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8 Kommentare

  1. Seit 20 Jahren habe ich den Eindruck das die US Arbeitsmarktzahlen nach gewürfelt aussehen aber komischerweise liegen sie immer so wie der Markt es nicht erwartet, die nachträglichen starken Revidierungen sind lächerlich.

    Die Dezemberzahlen die jetzt stark nach oben revidiert werden hätten im Dezember nicht gepasst, so konnte man mit schwachen Arbeitsmarktdaten die Zinserhöhungsphantasie senken, weil es ja am Jahresende eine Rallye geben sollte und dann auch Einfluss auf Boni hat.

    Das diese Zahlen auf Telefon- und Haustürumfragen beruhen ist für ein Hitech Land lächerlich.

    Facebook und Co. wollen jede Einzelheit von hedem User wissen, aber bei den Arbeitsmarktdaten reichen Schätzungen. :))

  2. Sage ich die ganze Zeit und werde hier verlacht.
    Wer das alles glaubt ist selbst schuld (ich wiederhole mich).
    Apple mit seinem I-Phone-Wunder und Amazon sind weitere Beispiele.
    Wunder über Wunder, 19 Mrd. IPhones pro Quartal an 7 Mrd. Menschen (gefühlt).
    Rekordgewinn bei Amazon dank Beteiligungen, die hineingetrickst werden.
    Und auf so einen „Info“-Schmu kauft ihr Aktien!
    In vielem hilft ein kritischer Blick statt gehorsamem Glauben an das was „von oben“ kommt.
    Oft werden die Zahlen hier in blindem Vertrauen veröffentlicht ohne zu hinterfragen.
    Und das seit Jahren…

  3. Es heißt nicht umsonst: „Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.“

  4. Mittlerweile denke ich mir beim Wort „Statistik“ nur noch „Was soll mir jetzt wieder für ein Schwachsinn untergejubelt werden?!“ Egal ob ein Barometer über die Beliebtheit von Politikern, irgendwelche Horrorstatistiken zu Corona oder alles was von den Zentralbanken (siehe Inflationsdaten) kommt, nichts von dem, was den Weg über die Medien zu mir findet, deckt sich in irgendeiner Form mit dem, was sich in meinem Umfeld abspielt. Und sonderbarerweise geht es allen so, die sich in meinem Bekanntenkreis tummeln – vom Hippie bis zum Mediziner.

    1. Mir geht es auch so

  5. Die gute Nachricht: An der Wahrheit/Realität kommt niemand vorbei… Egal wie die Zahlen aussehen: Big Bang is coming… Den Finanzmärkten scheinen diese Zahlen auch schon vollkommen wurscht zu sein…

  6. Auswürfeln wäre ja eine geradezu wissenschaftliche Methode. Aber Spaß beiseite. Die werden natürlich nicht ausgewürfelt, sondern es werden die Zahlen herausgegeben die die Regierung braucht.
    Die Aufgabe der Statistiker ist ja auch nicht reale Zahlen zu erheben, sondern Begründungen zu finden die nicht sofort als völlig absurd zu erkennen sind. Aber selbst das scheint ihnen inzwischen schwer zu fallen.

    Nur ist das ein höchst gefährliches Verfahren. Denn irgendwann fängt JEDER an seine eigenen Lügen zu glauben, was in der Regel die finale Phase des eigenen Untergangs einleitet.
    Merke: Der Endsieg Glaube ist der normale mentale Zustand des Machtmenschen und seiner Heloten.

  7. Bei wirecard ging das auch so lange gut, bis es nicht mehr gut ging.
    Hat Ernst & Young als Prüfer bisher 1 Euro an Schadenersatz zahlen müssen?

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